Alkohol – Effekte und assoziierte Erkrankungen

Alkohol hat in kleinen Mengen durchaus einige positive Wirkungen, erhöht jedoch bei regelmäßigem, übermäßigen Konsum das Risiko für zahlreiche Erkrankungen oder verschlechtert den Verlauf von Krankheiten.

So kann es infolge des gesteigerten Konsums zu einer gestörten Leberfunktion und Leberschädigungen, Fettleber, Fettstoffwechselstörungen, Unterzuckerungen, Magenschleimhautentzündungen oder auch einem erhöhten Herzinfarkt-, Krebs- und Schlaganfallrisiko kommen.

Aspekte zum Stoffwechsel

Bildung und Eigenschaften

Alkohol (Ethanol) entsteht auf natürlichem Weg bei der Vergärung zuckerhaltiger Früchte. Zudem wird es in großem Umfang industriell hergestellt.

Es ist eine farblose organische Verbindung aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, die stechend riecht und brennend schmeckt. Die Substanz wirkt desinfizierend und berauschend. Reiner Alkohol (96 %), Spiritus (90 %) und Spiritus dilutus (70 %) sind ungenießbar.

Aufnahme in den Körper

Ethanol wird in allen Bereichen des Verdauungstraktes schnell resorbiert. Die Aufnahme beginnt bereits im Mund über die Mundschleimhaut, setzt sich im Magen über die Magenschleimhaut und zum größten Teil im Darm über die Darmschleimhaut fort. Die Aufnahmegeschwindigkeit steigt durch

  • einen leeren Magen
  • heiße Getränke
  • Zucker und Kohlensäure
  • leichtverdauliche Speisen.

Die Aufnahmegeschwindigkeit sinkt durch fett- und proteinreiche Speisen.

Verteilung

Es wird schnell über den Blutkreislauf im gesamten Körper verteilt.

Abbau

Hauptabbauort ist die Leber. In einem ersten Schritt entsteht Azetaldehyd. Daran beteiligt sind mehrere Enzymsysteme.

Die Alkohol-Dehydrogenase (ADH) erreicht bei einer relativ niedrigen Alkoholkonzentration die maximale Umsatzgeschwindigkeit. Die Aktivität des Enzyms ist somit begrenzt. Die Reaktion benötigt Zink und verbraucht große Mengen Sauerstoff. Das entstehende zelltoxische Azetaldehyd verursacht die typischen Symptome des „Katers“.

Das mikrosomale Ethanol-oxidierende System (MEOS) wird erst bei höheren Alkoholspiegeln (ab etwa 1 Promille) aktiv. Bei regelmäßiger hoher Zufuhr entwickelt sich eine Toleranz gegenüber Alkohol und dieser wird schneller abgebaut. MEOS ist ebenso am Abbau zahlreicher Medikamente beteiligt. Daher rührt auch die Empfehlung, Medikamente nicht mit alkoholischen Getränken einzunehmen, da infolge der Konkurrenz um MEOS die Medikamente langsamer verstoffwechselt werden und deren Wirkung länger anhält.

In einem zweiten Schritt wird dieses über das Zwischenprodukt Azetat zu Azetyl-CoA umgebaut. Azetyl-CoA kann zur Energiegewinnung herangezogen werden (bestehender Energiebedarf) oder der Bildung von Fettsäuren und/oder Ketonkörpern dienen (verstärkter Einbau von Fett in die Leber).

Abbau

5 % werden über Atmung, Schweiß und Harn ausgeschieden. Die Ausscheidungsrate beginnt mit einem steilen Anstieg und nimmt mit der Zeit linear ab. Unter normalen Bedingungen liegt die Eliminationsrate pro Stunde beim Mann bei etwa 0,1 g/ kg; bei der Frau bei etwa 0,085 g/ kg.

Wirkungsweise

Allgemeine Wirkungen

Wirkung auf Zellen allgemein

Ethanol wirkt als Zellgift und entzieht dem Körper wichtige Elektrolyte wie Magnesium oder Kalium.

Wirkung auf ZNS

Es passiert die Blut-Hirn-Schranke. Es wirkt in kleinen Dosen anregend; in hohen Dosen hemmend (erst euphorisch und schließlich ermüdend).

Wirkung auf Leber

Ethanol führt zum Absterben von Leberzellen und erhöht die Fettbildung in der Leber.

Einfluss auf Nieren

Es besitzt eine nierenanregende Wirkung mit einem gesteigerten Grundumsatz in den Nierentubuli und einer erhöhten Nierendurchblutung, was zu einer verstärkten Harnbildung (Diurese) und Harndrang führt.

Einfluss auf Gefäße

In den Gefäßen wird die periphere Durchblutung angeregt. Dies äußert sich in einer geröteten, warmen Haut und erklärt die angenehme Empfindung nach Alkoholkonsum im Zustand des Frierens. Die Folge ist eine gesteigerte Wärmeabgabe über die Haut, was die Erfrierungsgefahr bei Obdachlosen erklärt. Die chronische Gefäßerweiterung von Nase, Fingern und Zehen führt zu einer dauerhaften Aussackung der Gefäße (Schnapsnase).

Einfluss auf Vitamin- und Mineralstoff-aufnahme

Ethanol hemmt die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen. Bei Alkoholikern treten häufig Mängel an den Vitaminen B1, B2, B6, A, D, E und Folsäure sowie den Mineralstoffen Magnesium, Zink und Selen auf.

Gedächtnisschwäche

Azetylcholin ist ein wichtiger Überträgerstoff im gesamten Körper. Alkohol verringert die Synthese von Azetylcholin-Rezeptoren im Gehirn. Dies führt zu kognitiven Beeinträchtigungen, Fehleinschätzungen und Vergesslichkeit.

Trägheit

Ethanol verstärkt die Wirkung der Gamma-Amino-Buttersäure (GABA), die eine wichtige Funktion in der Signalübertragung zwischen den Nervenzellen ausübt. Bei übermäßiger Zufuhr tritt ein sedierender Effekt ein.

Unruhe

Chronischer Konsum induziert das Absterben von Sympathikus-Inhibitor-Rezeptoren. Hierdurch werden Stressreaktionen im Körper und fehlgeleitete Alarmzustände ausgelöst.

Wirkungen in Abhängigkeit des Blutalkoholspiegels

1 Glas Bier (0,33 l) oder 1 Glas Wein (0,2 l)

ab 0,2 ‰

enthemmende Wirkung mit Steigerung der Redseligkeit

2–3 Gläser Bier oder 0,5 l Wein

ab 0,5 ‰

deutliches Nachlassen der Reaktionsfähigkeit, insbesondere auf rote Signale, deutliche Erhöhung der Risikobereitschaft

5–6 Gläser Bier oder 1 l Wein

ab 1,0 ‰

beginnender Verlust der Bewegungskoordination, des Gleichgewichts und der Reflexe, deutliche Angetrunkenheit

8–9 Gläser Bier oder 1,5 l Wein

ab 1,5 ‰

Plaudersucht, Selbstgespräch, Stottern und Schwanken, starke Betrunkenheit

11–12 Gläser Bier oder 2 l Wein

ab 2 ‰


ab 2,5 ‰


ab 4 ‰

Erbrechen, hilfloser Zustand, schwere Gleichgewichtsstörungen, schwerer Rausch

Störung von Atmung und Blutkreislauf, die motorischen Nerven versagen, das Bewusstsein setzt aus, Lebensgefahr

meist tödlich

Zufuhrempfehlungen

Die Zufuhrempfehlungen für alkoholische Getränke schwanken international. In Deutschland gelten <10 g für Frauen und <20 g für Männer täglich als vertretbar. 20 g Alkohol liefern etwa 500 ml Bier, 250 ml Wein oder 60 ml Whisky. 0 g gelten für Kinder, Schwangere, Stillende, Jugendliche, Suchtgefährdete und Personen, die Arzneimittel einnehmen müssen.

Zu beachten ist dabei: Es gibt keinen risikofreien Konsum. Jedweder Verzehr erhöht das Risiko der Tumorbildung. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch lag 2015 bei 9,6 Litern (Quelle). Berücksichtigt man nur die 15 bis 65-jährigen Menschen, so trinkt jeder Bundesbürger 14,6 Liter reinen Alkohol (40 g/Tag).

Berechnungen

Alkoholgehalt in Getränken

Alkoholgehalt (in Gramm reiner Alkohol) = Menge des Getränks (in ml) x (Vol.-% / 100) x 0,8

Beispiel: 1 Glas Bier (300 ml, 5 Vol.-%): 300 ml x (5/100) x 0,8 = 12 g Alkohol

Blutalkohol-konzentration (BAK)

BAK (‰) = getrunkener Alkohol (g)/ (Körpergewicht (kg) * Anteil Körperflüssigkeit)

Der Anteil der Körperflüssigkeit wird mit der Widmark-Formel für Frauen mit 0,55 und für Männer mit 0,68 angegeben (Quelle).

Beispiel: 1 Flasche Starkbier enthält 18,2 g Alkohol. Bei einem Körpergewicht von 48 kg ergibt sich für eine Frau eine BAK von knapp 0,7 ‰.

Toxizität

Der regelmäßige Konsum hoher Mengen kann nahezu alle Organe schädigen.

akute Toxizität

Der Tod kann ab einer Konzentration von 3,5 Promille auftreten, ist individuell jedoch sehr unterschiedlich.

chronische Toxizität

Bei regelmäßigem, übermäßigen Konsum erhöht Ethanol das Risiko für zahlreiche Erkrankungen. Die häufigsten Störungen äußern sich in einer gestörten Leberfunktion und Leberschädigungen (Alkoholhepatitis; Fettleber, Leberzirrhose), Fettstoffwechselstörungen, Unterzuckerungen, Magenschleimhautentzündungen und einem erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfall- sowie Krebsrisiko. Darüber hinaus führen übermäßiger Genuss, chronischer Missbrauch und Exzesse zu neurologischen Funktionsstörungen. Ethanol gilt als Risikofaktor für die Entstehung einer Hypertonie, führt bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis zu einem beschleunigten Verlauf und wirkt sich negativ auf den Knochenstoffwechsel aus.

Assoziierte Erkrankungen

Der Konsum von Alkohol ist mit über 60 Krankheitsdiagnosen assoziiert.

Arterielle Hypertonie (→ Hypertonie)

  • Große Mengen wirken blutdruckerhöhend und gelten als bedeutender Risikofaktor für die sekundäre sowie therapieresistente Hypertonie.
  • Dies wird unter anderem mit der vermehrten Kalium- und Magnesiumausscheidung begründet.
  • Der Effekt tritt erst bei mehr als 30 g Alkohol pro Tag auf.
  • Mengen darunter wirken hingegen blutdrucksenkend [Che 2008].
  • Abstinenz oder Konsumreduktion führt praktisch immer zu einer Blutdrucksenkung.

Diabetes mellitus (→ Diabetes mellitus)

  • Akut hoher Konsum birgt das Risiko einer schweren und potenziell gefährlichen Unterzuckerung (Hypoglykämie), die zu einer alkoholassoziierten Ketoazidose führen kann (durch Hemmung der Glukoneogenese mit der Folge verminderter Glykogenspeicher) [van 2004].
  • Bereits ab einem Blutalkoholspiegel von 0,45 Promille ist die Zuckerfreisetzung gestört.
  • Beim Typ-2-Diabetiker erhöhen orale Antidiabetika oder Insulintherapie das Risiko zusätzlich.
  • Unter chronisch erhöhtem Konsum treten diabetische Spätkomplikationen gehäuft auf.

Fettstoffwechselstörungen (→ Dyslipidämien)

  • Bei einer Gesamtenergiezufuhr über dem Energiebedarf fördert Ethanol erhöhte Fettwerte (Triglyzeride) im Blut.
  • Liegen lediglich erhöhte Cholesterinwerte vor, kann ein moderater Konsum die Normalisierung unterstützen.
  • Bei bereits erhöhtem Triglyzeridwert sollten alkoholische Getränke eher mit Vorsicht genossen werden und sich auf Ausnahmen beschränken.
  • Liegt dem erhöhten Triglyzeridwert eine Störung der Leber zugrunde, ist auf Alkohol völlig zu verzichten.

Fettleber (→ Fettleber)

  • Bei einer Gesamtenergiezufuhr über dem Energiebedarf fördert Ethanol die Bildung von Fetten (VLDL) in der Leber.
  • Bei chronischem Überkonsum vergrößert sich die Leber; es entsteht eine (alkoholische) Fettleber. Diese ist bis zu einem gewissen Stadium reversibel und kann sich bei Abstinenz zurückbilden.

Akute Gastritis, Enteritis

  • Die akute Gastritis tritt infolge der direkten toxischen Wirkung großer Mengen auf, was durch bestimmte Medikamente wie Antirheumatika noch verstärkt wird.
  • Schwere Veränderungen der gastrointestinalen Mukosa mit dem Auftreten ausgeprägter Schleimhautverletzungen und Blutungen sind möglich.
  • Es kommt zur Schädigung der Dünndarmschleimhaut mit der Folge einer Malabsorption von Vitaminen (insbesondere Thiamin), aber auch Aminosäuren und Fetten.
  • Aufgrund der vermehrten Durchlässigkeit werden Toxine über das Pfortadersystem aufgenommen und der Leber zugeführt.

Akute und chronische Hepatitis

  • Die akute Alkoholhepatitis ist lebensbedrohend. Auslöser ist ein Exzess bei chronischem Missbrauch.
  • Der Konsum führt bei Patienten mit chronischer Hepatitis zu einem beschleunigten Verlauf, da das Virus und Ethanol die Leber über die gleichen Pathomechanismen schädigen [Saf 2004].
  • Hieraus resultiert eine erhöhte Inzidenz für Leberzirrhose sowie für das primäre hepatozelluläre Karzinom (HCC).
  • Bei einer ausgeheilten Hepatitis B-Infektion ohne histologischen Befund besteht keine absolute Kontraindikation gegen einen moderaten Konsum.

Koronare Herzerkrankungen

  • Mengen über der akzeptablen Zufuhr können die Herzkranzgefäße schädigen.
  • Exzesse erhöhen das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko sowie die Sterblichkeit.
  • Chronischer Missbrauch erhöht das Risiko für Herz-Rhythmus-Störungen.
  • Die alkoholische Kardiomyopathie ist die Folge einer direkten toxischen Wirkung (>1,4 g/ kg Körpergewicht täglich) und kann durch konstitutionelle Faktoren, Begleitstoffe sowie Virusinfektionen beeinflusst werden.
  • Die in Studien beobachtete kardioprotektive Wirkung kleiner Mengen (ca. 10 g/Tag) ist unabhängig vom alkoholischen Getränk. Kurzfristiger exzessiver Konsum ist nicht präventiv, selbst wenn die Zufuhr über einen langen Zeitraum moderat ist.

Leberzirrhose

  • Jeder Konsum – ob gering, moderat oder stark – erhöht das Krebsrisiko.
  • Das Vorkommen maligner Tumore in Mundhöhle, Rachenhöhle, Kehlkopf, Speiseröhre, Leber, weiblicher Brust sowie Darm steht in kausalem Zusammenhang mit der Alkoholmenge.
  • Daher stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung Ethanol in alkoholischen Getränken 2007 als karzinogen für den Menschen ein.
  • Eine Schwellendosis, jenseits derer die Toxizität beziehungsweise Kanzerogenität klinisch relevant zunimmt, existiert nicht. Summierende Effekte durch bestimmte Lebensstilfaktoren wie ungesunde Ernährung oder Rauchen erhöhen vermutlich das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Osteoporose (→ Osteoporose)

  • In großen Mengen hemmt Ethanol den Aufbau und die Erhaltung von Knochensubstanz (verminderte Osteoblastenaktivität, gestörter Vitamin D-Stoffwechsel und erhöhter Parathormonspiegel) und fördert damit das Osteoporoserisiko.
  • Bei bestehender Osteoporose trägt es zu einer schlechteren Prognose bei.

Pankreatitis (→ Pankreatitis)

  • Die chronische Pankreatitis kann bei regelmäßigem hohem Konsum nach einigen Jahren auftreten.
  • 1 bis 4 % aller Alkoholiker entwickeln eine chronische Pankreatitis und 30 bis 60 % zeigen eine Schädigung des Organs.
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