Beurteilung Körpergewicht und Körperzusammensetzung

Kennzahlen zur Beurteilung des Körpergewichts und der Körperzusammensetzung werden unter dem Begriff der Anthropometrie zusammengefasst. Es werden vor allem Körpergröße, Körpergewicht, Körperform und Körperzusammensetzung bestimmt – unter anderem, um den Ernährungsstatus zu bestimmen.

Body Mass Index (BMI)

Der BMI ist der am häufigsten verwendete Indikator zur Beurteilung der Körpermasse. Dieser bezieht das Gewicht auf die Körperoberfläche und gibt an, wie viel Kilogramm Körpermasse auf einen Quadratmeter fallen.

Anhand des BMI lässt sich das Gewicht eines Menschen grob in Unter-, Normal- und Übergewicht einteilen, wobei der Bereich des Normalgewichts (Ideal- bzw. wünschenswertes Gewicht) als der Gewichtsbereich definiert ist, mit dem die geringste Sterblichkeit und höchste Lebenserwartung einhergeht.

Kritikpunkte

Obwohl der BMI nicht nur in der Praxis sondern auch in wissenschaftlichen und epidemiologischen Studien standardmäßig zur Beurteilung der Köpermasse eingesetzt wird, ist dessen Aussagekraft begrenzt. So ist die Aussagekraft des Wertes in erster Linie auf durchschnittlich große Kaukasier mittleren Alters beschränkt. Für Menschen anderen Alters, anderer Körperkonstitution oder ethnischer Zugehörigkeit ist der BMI weniger aussagekräftig.

Alter

Mit dem Alter verschiebt sich der Normbereich des BMI nach oben. Für Menschen über 65 Jahre wird ein BMI bis 29 kg/ m2 als normal erachtet, was bei einem 1,70 m großen Senioren etwa 84 kg entspräche. Dennoch ist die Definition für Adipositas bislang streng auf den Grenzwert 30 kg/ m2 beschränkt. Bereits durch eine Gewichtszunahme von 3 kg würde der vormals normalgewichtige Senior nun als adipös eingestuft werden.

Körpergröße

Der BMI hat eine gute Aussagekraft bei einer durchschnittlichen Größe von 1,70 m. Starke Abweichungen hiervon führen häufig zu einer fehlerhaften Interpretation. So wird der BMI bei Menschen unter 1,55 m oft zu hoch und bei Personen über 1,90 m häufig zu niedrig bewertet.

Besondere Lebensumstände

Der BMI geht von einer durchschnittlichen Körperzusammensetzung aus und setzt bei Erhöhung eine Zunahme der Fettmasse voraus. Lebensumstände, die mit einer Vergrößerung anderer Gewebetypen wie etwa der Muskelmasse einhergehen, führen folglich zu einer falschen Beurteilung. Der BMI ist beispielsweise nicht anwendbar auf Sportler, Bodybuilder, Schwerstarbeiter, Schwangere und Stillende.

Ethnische Zugehörigkeit

Die zur Einteilung der BMI-Kategorien und Abschätzung des Krankheitsrisikos herangezogenen Studien umschlossen in erster Linie Menschen europiden Typs. Unterschiede in der Statur, der Körperzusammensetzung und im Stoffwechsel erschweren die Übertragbarkeit der Grenzwerte auf andere ethnische Bevölkerungsgruppen. Besonders bei Asiaten, die eine durchschnittlich kleinere und schmalere Statur aufweisen, ist das KHK-Risiko bereits bei BMI-Werten erhöht, die allgemeinhin als normal gelten. Hier wird der Normalgewichtsbereich mit 18,5-23 kg/m2 angegeben, während das Risiko bei 23-27,5 kg/m 2 bereits leicht erhöht und ab 27,5 kg/m2 deutlich erhöht ist [WHO 2004].

Mangelnder Risikozusammenhang

Der BMI steht seit langem in der Kritik kein aussagekräftiger Indikator für das Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko zu sein. Wie der Medizin seit längerem bekannt ist, geht das höchste Risiko vor allem vom viszeralen Bauchfett aus. Das subkutane Fettgewebe an Hüften und Gesäß hat aufgrund der geringen Stoffwechselaktivität kaum metabolische Auswirkungen. Frauen mit gynoider Fettverteilung weisen folglich bei gleichem BMI ein geringeres KHK-Risiko auf als Frauen und Männer mit androider Fettverteilung.

Taille-Größe-Verhältnis

Das Taille-Größe-Verhältnis (TGV, englisch: Waist-to-Height Ratio) beschreibt – wie der Name schon sagt – das Verhältnis zwischen der Körpergröße und dem Taillenumfang, welcher häufig zur indirekten Bestimmung des viszeralen Bauchfetts herangezogen wird. Mitte der 1990er Jahre wurde das TGV zur Erkennung von Gesundheitsrisiken infolge von Übergewicht vorgeschlagen.

In den vergangenen Jahren mehrten sich die wissenschaftlichen Belege, dass das TGV im Vergleich zu anderen Indizes (Body-Mass-Index, Waist-to-hip ratio oder Taillenumfang) die aussagekräftigste Methode ist, die abdominale Fettleibigkeit sowie das damit verbundene kardiometabolische Risiko abzubilden [ASH 2012]. Insbesondere in der Lymphologie, bei schwergradigen Ödemen oder Lipödemen liefern andere anthropometrische Messmethoden verfälschte Werte. Lediglich bei Aszites (“Bauchwassersucht”) und Schwangerschaft ist das TGV nicht aussagekräftig.

Das TGV wird als Quotient aus Taillenumfang und Körpergröße berechnet und ist ohne Einheit. Um das TGV zu ermitteln wird folgende Formel angewendet:

Die Bedeutung des Taille-Größe-Verhältnisses ist abhängig vom Alter. Bei Kindern und Jugendlichen wird zusätzlich das Geschlecht berücksichtigt. Für Kinder zwischen 11-18 Jahren hat das Robert-Koch-Institut eine Referenztabelle herausgegeben [RKI 2011]. Im Alter zwischen 40 und 50 Jahren verschieben sich die Werte für die dargestellten Gewichtskategorien jährlich um jeweils ein Hundertstel (+0,01) nach oben. (Die Statur wird in dieser Zeit infolge der Hormonumstellung auf natürliche Weise korpulenter).

Der Vorteil gegenüber dem Taillenumfang allein ist die Verhältnismäßigkeit zur Größe. Denn der Taillenumfang allein geht von einer bestimmten normalen Körpergröße aus. Es macht jedoch dann einen Unterschied, wenn beispielsweise Frauen über 1,80 m groß sind. Hier kann nicht der gleiche Referenzwert angelegt werden wie bei Frauen, die unter 1,60 m groß sind. Auch relativiert sich der unterschiedliche Körperbau von Personen, wenn der Taillenumfang in Relation zur Größe gesetzt wird.

Unserer Erfahrung nach korreliert der Wert ganz deutlich mit der Entwicklung des Körperfettgehaltes. Sinkt der Körperfettgehalt und nähert sich dem Normwert an, sinkt oftmals auch der Taillenumfang und damit das Taillen-Größe-Verhältnis. Die Kombination beider Werte (Körperfettgehalt und THG) ist damit ein guter Parameter zur Risikobeurteilung z.B. von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowohl in der Erst- als auch in der Verlaufsdiagnostik.

Taille-Hüft-Verhältnis

Der Bauchumfang (oder Taillenumfang) ist ein schnell ermittelbarer Messwert zur Abschätzung des viszeralen Bauchfetts und Indikator für das KHK-Risiko. Durch zusätzliche Messung des Hüftumfangs (auf Höhe der breitesten Stelle am Gesäß) kann das Taille-Hüft-Verhältnis ermittelt werden. Dieses erlaubt eine Einteilung von abdomineller und peripherer Adipositas und wird mit folgender Formel ermittelt:

Ethnische Unterschiede

Ähnlich wie der BMI beruhen auch die Grenzwerte des Bauchumfangs bzw. des Taille-Hüft-Verhältnisses auf Studien an Menschen europiden Typs. Aufgrund der unterschiedlichen Statur und Stoffwechselgegebenheiten dürften in anderen ethnischen Bevölkerungsgruppen andere Grenzwerte eine Rolle spielen. Für Asiaten liegen die Normwerte aufgrund des allgemein schmaleren Körperbaus leicht unterhalb der gängigen Grenzwerte. Für Afrikaner und Hispanics existieren zu wenige Studienergebnisse, um eine Aussage treffen zu können.

Hautfaltendicke

Eine der einfachsten Methoden zur Bestimmung des Körperfettanteils ist die vor über 40 Jahren entwickelte Methode der Hautfaltendickemessung.Mit Hilfe eines Calipers (Messzange) wird über dem Trizeps (Musculus triceps) und Bizeps (Musculus biceps) in Höhe der Oberarmmitte, am unteren Pol des Schulterblattes (Skapula) und oberhalb des Darmbeinkamms (im Hüftbereich) die Hautfaltendicke gemessen.

Die Summe aus diesen vier Hautfalten wird in eine Tabelle übertragen, aus der sich der entsprechende Körperfettgehalt ablesen lässt. Mit der Hautfaltendickenmessung wird die subkutane Fettmasse erfasst, die etwa 75 Prozent der Gesamtkörperfettmasse ausmacht. Die Handhabung ist einfach, obgleich oft nur erfahrenes Personal reproduzierbare Ergebnisse erzielen kann.

Bei schlanken und normalgewichtigen Menschen ist diese Methode einfach durchzuführen, wohingegen die Messung bei Adipösen keine eindeutigen Ergebnisse liefert.