Anuga 2017 – Größte Messe mit kleinstem Mehrwert

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Die Anuga zählt zu einer der bedeutendsten Fachmessen der internationalen Lebensmittelbranche und gilt als wichtigstes Trendbarometer des Foodmarktes. Mehr als 7.400 Aussteller aus über 100 Ländern präsentierten ihre Lebensmittel und Getränke auf unglaublichen 10.000 Quadratmetern.

Leider ist es schier unmöglich, die über 2.000 Neuheiten an einem Tag zu begutachten. Dennoch begaben wir uns auf die Suche nach besonderen und neuartigen Produkten. Dabei hatten wir nur ein wesentliches Kriterium im Gepäck: das Produkt sollte einen echten gesundheitlichen oder ökologischen Mehrwert bieten.

Wirklich überraschend waren die größten Trends allerdings nicht. Und beim Blick auf so manche Zutatenliste kam uns der Appetit auf die in den Medien so vielfach zitierten Innovationen abhanden.

Impressionen von der Anuga

Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert
Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert Aktuelles Anuga 2017 - Größte Messe mit kleinstem Mehrwert

(Weitere Bilder finden Sie hier.)

Bio, vegetarisch und vegan boomt (weiterhin)

Das Gute vorweg: Bio-Produkte liegen noch immer im Trend. Der Gang durch die „Bio-Halle“ aber ließ eines schmerzlich vermissen: innovative und vor allem umweltverträgliche Lösungen hinsichtlich des Verpackungsmaterials. Ein in Plastikfolie eingeschweißtes Bio-Produkt kann nicht die finale Lösung sein, um der ökologischen Verantwortung gerecht zu werden. Nur wenige Hersteller wie zum Beispiel FollowFish präsentierten sich mit einem Verpackungskonzept, das mit 80% weniger Plastik auskommt.

Auch die Nachfrage nach vegetarischen und veganen Produkten ist ungebrochen. Die Branche versucht sich in neuen Erzeugnissen, die den Verzicht auf tierische Lebensmittel zu einem schmackhaften Erlebnis machen sollen. Die unzähligen Alternativen zu Käse, Milch, Fleisch und Fisch aber basieren vor allem auf billigen Zutaten wie Pflanzenfett, Soja und Weizeneiweiß. Zahlreiche Zusatzstoffe sollen die nötige Konsistenz und den Geschmack erzeugen. So wird aus der vermeintlich gesünderen und als natürlicheren Pflanzenalternative mitunter ein bedenkliches Kunstprodukt.

„Frei-von-X“-Produkte und Superfoods haben die Nische längst verlassen

Das Angebot an Produkten, die ohne die „Bösewichte“ Gluten, Laktose oder Zucker auskommen, ist inzwischen nahezu unüberschaubar. Längst sind diese im Mainstream angekommen. Ein Argument der Hersteller hörten wir dabei immer wieder: der Verbraucher greift gern zu den „frei-von-x“ Produkten, um sein Wohlbefinden zu verbessern. Diese Annahme aber trifft nicht auf die Mehrheit der Ottonormalverbraucher zu. Nur wenige Konsumenten wie beispielsweise Zöliakie-Patienten oder Menschen mit schwerer Laktoseintoleranz sind aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, auf Gluten oder Laktose zu verzichten.

Auch der Hype um die sogenannten Superfoods ist ungebrochen. Der Gang durch die Hallen erweckte bei uns den Eindruck: je exotischer, desto besser. Unangefochten bleibt das Interesse an Quinoa oder Chiasamen – die gibt es jetzt in den verschiedensten Variationen. Geschmacklich überzeugt hat uns indes ein Ingwer-Shot bestehend aus 70% Apfel- und Zitronensaft sowie 30% Ingwer. Schärfe, Süße und Säure gaben uns den ultimativen Kick für die zweite Tageshälfte.

Eiweißreiche Produkte auf dem Vormarsch

Was früher als „light“ auf den Markt kam, kommt heute als „Eiweißbombe“ in die Regale. Eiscremes, Shakes, Smoothies, Riegel und andere Snacks werden mit Eiweißen aus unterschiedlichsten Quellen angereichert. Immer mehr Getreidesorten und Hülsenfrüchte sowie Nüsse und Samen werden zu Mehl verarbeitet. Linsen-, Kokos- oder Hanfmehl gehören hier schon zu den bekannteren Sorten. Für uns waren vor allem Sesam-, Walnuss- und Kürbiskerneiweiß eine echte Neuheit. Allerdings gewinnen auch andere Eiweißquellen wie beispielsweise Insekten immer mehr an Bedeutung. Ein traditioneller Fleischhersteller aus der Schweiz stellte seine neuen „Pop-Bugs“ vor. Die kleinen Bällchen enthalten Grillenmehl und schmecken wie ein würziges kleines Fleischhäppchen. In Deutschland sind Insektenprodukte bislang jedoch nicht als Lebensmittel zugelassen. 

„Ready-to-eat“-Produkte geben Anlass zur Sorge

Viele der Produktneuheiten haben mit authentischen Lebensmitteln leider nur noch sehr wenig gemeinsam. Die Hersteller nennen es „verbraucherfreundliche Formate“. Für uns sind die sogenannten „ready-to-eat“-Produkte der Inbegriff der Lebensmittelentfremdung und unnötigem Verpackungsmüll. Die Entwicklung geht klar weg vom natürlichen Grundnahrungsmittel hin zur bequemen Lösung, die die Kluft zwischen Konsument und Lebensmittel immer größer werden lässt.

Die Nachfrage nach einfachen und schnellen Lösungen scheint groß. Die Branche reagiert mangels echter Innovationen mit neuen Verpackungsdesigns, die ganze Mahlzeiten oder Snacks in transportfähige „to go“-Varianten verwandeln. Besonders auffällig waren in Plastikbeutel abgefüllte Smoothies oder Milchprodukte, sogenannte Quetschbeutel, die als Snack für zwischendurch gedacht sind oder mit besonders gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen beworben werden.

Fazit: Echter Mehrwert nur in Spuren vorhanden

Nach acht Stunden Hallen-Hopping bleibt für uns ein leicht enttäuschtes Fazit: Produkte mit einem echten Mehrwert für die Gesundheit oder die Umwelt sind absolute Mangelware. Die Hersteller reagieren gefühlt abgestumpft und ignorant auf die wachsende Problematik von Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck. Es fehlt an Ernährungskonzepten und tragfähigen Lösungen für gesündere Produkte. Der Preis steht dabei klar im Vordergrund. Die Konkurrenz ist riesig; die Margen scheinbar gering.

Der Trend zu hochverarbeiteten Produkten steht wohl noch lange nicht im Zenit. Selbst an grundlegendem Wissen fehlte es so manchem Produktpromotor. Wer als Konsument also zukünftig auf der gesunden Seite stehen will, sollte vermutlich entweder Etikettenkunde studieren oder aber Grundnahrungsmitteln den Vorzug geben.

 

Die 10 größten Food-Trends 2017
Das niederländische Unternehmen Innova Market Insights B.V. hat die größten Food-Trends des Jahres im Trendreport zusammengefasst. Dieser kann kostenfrei per E-Mail angefordert werden.