Unsere Bauchspeicheldrüse im Schnellcheck

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Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse nehmen kontinuierlich zu. Eine Entzündung der Pankreaszellen, z.B. durch zu hohen Alkoholkonsum, kann Verdauungsenzyme freisetzen und zu einer teilweisen Selbstverdauung des Organs führen. Bei einer Entzündung werden auch weniger Verdauungsenzyme produziert, wodurch die Nahrungsbausteine nicht mehr ausreichend aufgespalten werden. Bei der körpereigenen Schädigung der hormonbildenden Zellen kommt es zur Ausbildung des Diabetes mellitus Typ 1. Bauchspeicheldrüsenkrebs hingegen kommt zwar seltener vor. Die Tumorerkrankung wird jedoch meist erst spät erkannt und hat oft eine schlechte Prognose. Doch schauen wir uns das Organ einmal genauer an.

Das Pankreas: 12 bis 15 cm lang und gerade einmal 70 g schwer

Faszination Mensch Unsere Bauchspeicheldrüse im Schnellcheck

Unsere Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein längliches, quer im Oberbauch liegendes Organ. Es befindet sich in der Rückseite der Bauchhöhle. Das erklärt auch, warum bei Erkrankungen des Organs sowohl Bauch- als auch Rückenschmerzen auftreten.

Die Bauchspeicheldrüse besteht aus dem Kopf (Caput pancreatis), dem Körper (Corpus pancreatis) und dem Schwanz (Cauda pancreatis). Die Drüse wird durchzogen von einem etwa 2 mm dicken Ausführungsgang (Ductus pancreaticus) für den Pankreassaft, der gemeinsam mit dem Gallengang in den Zwölffingerdarm mündet. Das verhältnismäßig kleine Organ ist etwa 12 bis 15 cm lang und wiegt in aller Regel zwischen 60 und 80 g. Es liegt zwischen dem Zwölffingerdarm, dem Magen und der Milz.

Dem Organ obliegen 2 wesentliche Funktionen. Die Bauchspeicheldrüse besteht zum überwiegenden Teil (ca. 98%) aus exokrinem Drüsengewebe, das die Verdauungssäfte bildet. Durch ein fein verzweigtes Gangsystem in den Darm abgegeben, spalten diese die Nahrungsbestandteile auf. Die restliche Organmasse (ca. 2%) ist endokrines Drüsengewebe, das für die Produktion bestimmter Hormone zuständig ist. Diese gelangen direkt ins Blut und regulieren vor allem den Blutzuckerspiegel.

Das exokrine Drüsengewebe gliedert sich in Lappen (Lobi), die sich wiederum in Läppchen (Lobuli) unterteilen. Die kleinste Einheit sind die Drüsengänge (Azini). In den dazugehörigen Azinuszellen werden die Vorstufen der Verdauungsenzyme gebildet.

Bauchspeicheldrüsenkrebs
Das bösartige Pankreaskarzinom befindet sich am häufigsten im Pankreaskopf. Es handelt sich um einen sehr aggressiven Tumor, der meist erst dann entdeckt wird, wenn bereits Metastasen entstanden sind. Zudem sind die Symptome eher unspezifisch, was eine Diagnose erschwert. Hierzu gehören zum Beispiel diffuse Oberbauchschmerzen oder Gewichtsverlust. Die Heilungschancen sind durchschnittlich sehr gering.

Endokrine Funktion: Bildung von Hormonen, die den Blutzuckerspiegel regulieren

(Für weitere Informationen bitte die Fragezeichen im Bild anklicken.)

Funktionen des Pankreas

Die Bauchspeicheldrüse hat im Wesentlichen 2 Aufgaben. Zum einen produziert die Drüse ein wichtiges Verdauungssekret (exokrine Drüsenfunktion). Zum anderen werden Hormone wie Insulin und Glucagon zur Regulation des Blutzuckerspiegels hier gebildet (endokrine Funktion).

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Insulin Glukagon Somatostatin Amylase Lipase Peptidasen Pankreatisches Peptid Hydrogencarbonat

Insulin

Insulin ist ein wichtiges Hormon für den Stoffwechsel im menschlichen Körper. Es dient vor allem dazu, Traubenzucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen weiter zu transportieren. Somit senkt es nach der Nahrungsaufnahme den Blutzuckerspiegel. Ist die Funktion gestört, entwickelt sich das Krankheitsbild des Diabetes mellitus.

Glukagon

Glukagon wird in den A-Zellen des Pankreas gebildet. Es ist der Gegenspieler zum Insulin. Es steigert also den Blutzuckerspiegel, indem in der Leber aus Glykogen Traubenzucker (Glukose) gebildet und ins Blut abgegeben wird. Es reguliert des Weiteren den Stoffwechsel von Eiweißen, Fetten sowie Kohlenhydraten.

Somatostatin

Somatostatin wird ebenfalls in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Das Hormon fungiert als Gegenspieler des Wachstumshormons Somatotropin und spielt eine große Rolle in der Regulation der Verdauungshormone. Unter anderem hemmt es die Freisetzung von Insulin und Glukagon.

Amylase

Amylasen sind Kohlenhydrat-spaltende Enzyme, die in der Mundhöhle und im Pankreas gebildet werden. Die meisten Lebewesen produzieren diese Enzyme, die komplexe Kohlenhydrate wie Oligosaccharide und Stärke in deren Grundbausteine Glukose, Fruktose und Galaktose zerlegen. Amylasen werden auch diagnostisch genutzt.

Lipase

Lipasen sind von der Bauchspeicheldrüse gebildete Enzyme, die Fette und Cholesterin in deren Einzelbestandteile spalten. Aus Cholesterin und Fetten werden so Fettsäuren frei, die dann vom Stoffwechsel weiter verwertet werden können. Lipasen spielen auch diagnostisch eine Rolle.

Peptidasen

Peptidasen (z.B. Trypsin, Chymotrypsin und Elastase) sind Enzyme, die Peptide bzw. Eiweiße an bestimmten Stellen zu Aminosäuren spalten. Peptidasen werden aus inaktiven Vorstufen in die aktive Form überführt, um wirksam zu werden. Das dient dem Schutz der Bauchspeicheldrüse vor Selbstverdauung.

Pankreatisches Peptid

Das pankreatische Peptid wird in den sogenannten PP-Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet. Es hemmt die Ausschüttung von Pankreassaft und Gallenflüssigkeit und wirkt so als Gegenspieler zum Sekretin. Auch erhöht es die Wasser- und Elektrolytaufnahme aus dem Darm. Die Konzentration steigt vor allem nach fett- und eiweißreicher Nahrung an.

Hydrogencarbonat

Das ebenfalls in der Bauchspeicheldrüse sezernierte Hydrogencarbonat, auch Bicarbonat oder saures Carbonat genannt, neutralisiert den sauren Nahrungsbrei, der aus dem Magen in den Dünndarm übertritt. Im Dünndarm herrscht ein pH-Wert zwischen 6 und 8; im Magen hingegen zwischen 1 und 2.

Das endokrine Drüsengewebe bildet den Inselzellapparat. Dieser umfasst zahlreiche Zellhaufen (Langerhans‘sche Inseln), die zwischen den exokrinen Zellläppchen über das gesamte Pankreas verteilt sind. Jede Insel besteht aus tausenden hormonproduzierenden Zellen. Die in diesen Langerhans-Zellen gebildeten Hormone Insulin und Glukagon spielen eine essenzielle Rolle für die Regulation des Blutzuckerspiegels. Da die Hormone direkt ins Blut abgegeben werden, sind die Pankreasinseln besonders gut von Blutgefäßen durchzogen. Bei den Langerhans-Zellen werden im Wesentlichen drei Zelltypen unterschieden.

Die Beta- oder B-Zellen umfassen rund 70-80% des Inselzellapparats und synthetisieren das Hormon Insulin. Es sorgt dafür, dass der Blutzuckerspiegel sinkt.

Die Alpha- oder A-Zellen befinden sich größtenteils in der Peripherie des Pankreas und bilden das Hormon Glukagon, den Gegenspieler von Insulin. Es bewirkt einen Blutzuckeranstieg. Der Anteil der A-Zellen am endokrinen Drüsengewebe beträgt etwa 15-20%.

Die Delta- oder D-Zellen (Anteil 5%) produzieren das Hormon Somatostatin, welches unter anderem die Freisetzung von Insulin und Glukagon aus den benachbarten Zellen hemmt.

Ein vierter Zelltyp, die PP-Zellen, bilden das sogenannte Pankreatische Peptid. Der Anteil dieser Zellen ist mit 1-2% jedoch verschwindend gering.

Diabetes mellitus
Werden die B-Zellen des Pankreas zerstört, entwickelt sich das Krankheitsbild des Diabetes mellitus. Die Zerstörung der B-Zellen durch Autoimmunvorgänge wird dabei als Typ 1 bezeichnet. Falsche Lebensgewohnheiten und bestimmte Umweltfaktoren sind die Ursachen für den Diabetes mellitus Typ 2. Hier sprechen die Körpergewebe nur noch unzureichend auf das Hormon Insulin an. Diabetes mellitus kann unbehandelt bzw. schlecht eingestellt zu schweren Schäden und Komplikationen führen.

Exokrine Funktion: Bildung des Pankreassaftes mit Verdauungsenzymen

Der meist als Sekret bezeichnete fertige Pankreassaft besteht aus allerlei “Zutaten”, die zusammengenommen eine große Rolle für die Verdauung spielen. Das Sekret enthält zahlreiche Enzyme, welche die mit der Nahrung aufgenommenen Nährstoffe in ihre jeweiligen Grundbausteine zerlegen. Sogenannte Amylasen teilen Kohlenhydrate in Einfachzucker. Eiweiße werden durch Peptidasen in Aminosäuren getrennt. Und Lipasen spalten Fette und Cholesterin. Diese kleinsten Einheiten können anschließend von der Darmschleimhaut aufgenommen und ins Blut abgegeben werden.

Enzym

Vorstufe

Eiweiß-spaltende Enzyme

Trypsin

Trypsinogen

Chymotrypsin

Chymotrypsinogen

Elastase

Proelastase

Carboxypeptidase A

Procarboxypeptidase A

Carboxypeptidase B

Procarboxypeptidase B

Aminopeptidase

Proaminopeptidase

Kohlenhydrat-spaltende Enzyme

Alpha-Amylase

Maltase

Fett-spaltende Enzyme

Pankreaslipase

Phospholipase A

Prophospholipase A

RNA-spaltende Enzyme

Ribonuklease

Desoxyribonuklease

Die mit Bicarbonat angereicherte Flüssigkeit neutralisiert zudem den durch den sauren Magensaft angedauten Nahrungsbrei. Damit wird die Dünndarmschleimhaut vor den Säuren geschützt.

Täglich werden von dem doch recht kleinen Organ etwa 1,5 bis 2 Liter Pankreassekret gebildet. In nüchternem Zustand wird nur wenig Pankreassaft produziert. Während der Nahrungsaufnahme aber führen Anblick, Geruch, Geschmack, Kauen und Schlucken der Speisen – vermittelt durch den Nervus vagus – bereits zu einer vermehrten Freisetzung von Enzymen und Hydrogenkarbonat. Die Enzyme werden im Pankreas teilweise als inaktive Vorstufen gebildet, gespeichert und bei Bedarf in die Drüsengänge abgegeben. Diese würden in ihrer aktiven Form das Pankreasgewebe “verdauen” und beschädigen. Erst im Dünndarm werden die Vorstufen durch ein dort im Bürstensaum ansässiges Enzym (Protease) aktiviert. Dieses Anschalten der Enzyme unterliegt feinen Schutzmechanismen.

Pankreatitis
Die Entzündung der Bauchspeicheldrüse wird in den meisten Fällen durch chronischen Alkoholmissbrauch oder Gallensteine verursacht. Es wird zwischen der akuten und der chronischen Pankreatitis unterschieden. Bei der akuten Form kommt es zu einer Aktivierung der Verdauungsenzyme bereits im Organ, so dass dieses “verdaut” und beschädigt wird. Das verursacht die typischen gürtelförmigen Bauchschmerzen. Die chronische Form geht auf verschiedene Ursachen, meist auch hier Alkoholmissbrauch, zurück und hat teils sehr unterschiedliche Verläufe. Bei beiden Erkrankungen kommt der Ernährungstherapie ein hoher Stellenwert zu.

Auch die Zusammensetzung der Elektrolyte des Pankreassekretes hängt vom Nahrungsstatus ab. Der aus dem Magen in den Darm gelangende Speisebrei ist nach der Durchmischung mit Magensaft sehr sauer (pH-Wert 1-2). Dieser wird für den weiteren Transport und die Wirkung des Pankreassaftes neutralisiert, weil dessen Enzyme bei saurem pH-Wert ihre Funktionen nicht erfüllen können. Der Pankreassaft enthält deshalb eine hohe Konzentration an Bicarbonat, das zusammen mit alkalischen Sekreten der Leber und des Darms die Säuren neutralisiert. Regulierend greift hier unter anderem das Hormon Sekretin ein.

Mukoviszidose
Bei der Erbkrankheit Mukoviszidose (cystische Fibrose, CF), ist der Chlorid-Ionenkanal CFTR defekt, wodurch der Wasser- und Elektrolyttransport gestört ist. In den exokrinen Drüsen des Körpers, und damit auch im Pankreas, entsteht zäher Schleim anstelle eines dünnflüssigen Sekrets. In der Bauchspeicheldrüse ist die Freisetzung der Verdauungssäfte beeinträchtigt, was zu einer gestörten Verdauung führt. Die Betroffenen sind mit chronischen Durchfällen und Wachstumsstörungen konfrontiert. Die Lebenserwartung ist deutlich geringer und liegt bei über 40 Jahren.

Downloads

Für unsere Mitglieder stellen wir 4 Beraterkarten zur Bauchspeicheldrüse zum Download bereit.

Faszination Mensch Unsere Bauchspeicheldrüse im Schnellcheck  Infokarten Pankreas
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2 thoughts on “Unsere Bauchspeicheldrüse im Schnellcheck”

  1. Vielen Dank für diesen sehr wertvollen Beitrag über die Bauchspeicheldrüse. Das einzige, was mir als “Fehler” oder besser gesagt als Irritation auffiel ist die Beschreibung, das der Pankreas quer durch!!!! die Wirbelsäule geht. Durch bedeutet für mich hindurch – ich würde eher beschreiben, dasss er quer entlang zur Wirbelsäule geht. Ich hoffe, dass sie die Kritik nicht persönlich nehmen. Vielleicht finden sie noch eine viel bessere Beschreibung als ich.

    Beste Grüße
    Patricia B. Morena

    Zitat:

    “Unsere Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein längliches, quer im Oberbauch liegendes Organ. Es befindet sich in der Rückseite der Bauchhöhle – quasi quer durch die Wirbelsäule. Das erklärt, warum bei Erkrankungen des Organs sowohl Bauch- als auch Rückenschmerzen auftreten. “

  2. Hallo Frau Morena,

    vielen Dank für Ihre Kritik. Sie haben durchaus recht, dass die Formulierung ein falsches Bild geben kann. Tatsächlich sollte es lediglich als bildliche Beschreibung dienen, die die auftretenden Rückenschmerzen bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse erklärt. Ich werde den Text anpassen.

    Beste Grüße,
    Irina Baumbach

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