Gastbeitrag: Bioelektrische Impedanzanalyse

Das Körpergewicht und der BMI sind keine aussagefähigen Merkmale für körperliche Fitness, Vitalität oder einen guten Ernährungszustand. Das gilt für alle Gewichts- und Altersklassen.

Wenn es also darum geht, Menschen zu einem gesünderen Lebensstil, zur Gewichtsreduktion oder mehr Bewegung zu motivieren, ist die BIA als Erst- und Verlaufsmessung ein wertvolles Steuerungsinstrument für Ernährungsberater und Therapeuten. Die Ergebnisse der BIA sind oft die Initialzündung zur Veränderung des Lebensstils, da der Proband eine objektive Standortbestimmung mit Handlungsoptionen erhält und die positiven Auswirkungen der Umsetzung wiederum aus messbaren Resultaten ablesen kann.

Was geschieht bei der Bioimpedanz-Analyse?

Da die Körperzusammensetzung in vivo nicht direkt gemessen werden kann, beruhen alle Verfahren auf einem indirekten Ansatz. Bei der nicht-invasiven BIA wird der Körper nach funktionellen Gesichtspunkten in Kompartimente eingeteilt, die anhand von direkt messbaren Parametern (Widerstände) und mathematischen Formeln quantifiziert werden. Entscheidend für die Präzision der Ergebnisse sind die wissenschaftliche Validierung der verwendeten Formeln mit geeigneten Goldstandards und die Messqualität des BIA-Gerätes.

Bei der Messung am entspannt liegenden Probanden wird über vier Hautelektroden ein homogenes elektrisches Wechselstromfeld erzeugt. Gemessen werden der rein Ohmsche Widerstand des Gesamtkörperwassers (Resistanz) und der kapazitive Widerstand, der durch die Lipoproteinschicht der Zellmembranen entsteht (Reaktanz). Der kapazitive Widerstand führt in einem sinusförmigen Wechselstromkreis zu einer Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung. Diese Phasenverschiebung wird in Grad ausgedrückt und als Phasenwinkel bezeichnet. Der Phasenwinkel ist abhängig von Zellgröße, Zellmembranpermeabilität und der Verteilung der Körperflüssigkeiten im

Intra- und Extrazellulärraum. Der Phasenwinkel als direkter Messwert erlaubt Aussagen über das Membranpotenzial und den Ernährungszustand der Zellen. Ein Absinken des Phasenwinkels ist eng korreliert mit einer Verschlechterung der Regulationsfähigkeit der Zellen und des Ernährungszustandes. Die Normwerte liegen zwischen 5° und 9°.

Die Körperkompartimente

Über die Resistanz wird das Körperwasser (TBW) sehr genau erfasst. Die Menge des individuell vorhandenen TBW hängt nur bedingt von der Trinkmenge ab. Ausschlaggebend ist vielmehr die Größe der Körperzellmasse (BCM), die intrazellulär etwa 57% des Körperwassers speichert. Bei katabolen Veränderungen mit Reduktion der BCM kann es zu messbaren kompensatorischen Wassereinlagerungen extrazellulär kommen, wobei das Gesamtkörperwasser nahezu konstant bleibt. Ein hoher Körperfettgehalt führt ebenfalls zu niedrigeren TBW-Werten, da Körperfett kaum Wasser enthält.

Die stoffwechselaktive Masse (BCM) ist das für den Ernährungszustand wichtigste Kompartiment. Sie umfasst die Zellen der Skelettmuskulatur, der glatten Muskulatur und der inneren Organe. Die BCM reflektiert die Gewebeproteinspeicher und gilt als Maß für die Proteinsynthesekapazität des Organismus. Die Erhaltung oder der Aufbau der Körperzellmasse sind eine zentrale Aufgabe bei allen Formen der Ernährungstherapie.

Die extrazelluläre Masse (ECM) besteht aus den Fasern des Binde- und Stützgewebes, den Knochen und dem extrazellulären Wasser. Veränderungen der ECM im Verlauf von BIA-Messungen sind gewöhnlich wasserbedingt.

Der Körperfettanteil wird in seiner Bedeutung für den Ernährungsstatus eines Menschen häufig überschätzt. Bei mangelernährten Patienten mit niedrigem Phasenwinkel und reduzierter BCM kann die Mangelernährung noch durch einen relativ hohen Körperfettanteil maskiert werden.

Einsatzbereiche und Nutzen in der Praxis

Die phasensensitive Bioimpedanz-Analyse wird erfolgreich in der Einleitung und Steuerung der Ernährungstherapie bei Übergewichtigen, Patienten mit Essstörungen, Stoffwechselerkrankungen und konsumierenden Erkrankungen eingesetzt.

Bei der Durchführung von nachhaltig wirksamen Gewichtsreduktionsprogrammen sollte der Fokus nicht nur auf die Reduzierung der Körperfettmasse, sondern auch auf die Erhaltung oder den Aufbau der stoffwechselaktiven Masse und einen guten Ernährungsindex gesetzt werden.

Ungünstige Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsarmut können mit fortschreitendem Alter zu einer schleichenden Verschlechterung von Ernährungszustand und Körperzusammensetzung führen. Die regelmäßige Erfassung der Ernährungssituation und der Körperstrukturen ist deshalb eine wichtige präventive Maßnahme, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit auch im Alter zu fördern.

Strategien zur Gesundheitsförderung orientieren sich an den Parametern Ernährung, Bewegung und Stressmanagement. Die BIA als begleitende Maßnahme ist hier in mehrfacher Hinsicht sinnvoll. Die Erstmessung gibt die biomedizinische Standortbestimmung vor und hilft, die Prioritäten bei Ernährung und Bewegung zielführend zu setzen. Die Erfolge bei der Veränderung von Körperzell-, Muskel- und Fettmasse werden dokumentiert. So werden Motivation und Compliance beim Probanden immer wieder gestärkt.

Der Phasenwinkel ist zudem ein Indikator für den zellulären Energiestatus und damit ein sensibles Vitalitätsbarometer.

Die BIA, als nicht-invasives Verfahren, ermöglicht auf einfache Weise Aussagen zu Ernährungszustand, physischer Fitness und Wasserhaushalt eines Probanden oder Patienten und sollte deshalb zur Standardausstattung der ernährungstherapeutischen Praxis gehören. Mobil einsetzbare Geräte können ortsunabhängig eingesetzt werden und eignen sich deshalb zum Beispiel auch für Aktionen in Betrieben, Senioreneinrichtungen oder für Präventionskampagnen.

Autor: Ulrike Jung

Downloads

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  Fachinfo Bioelektrische Impedanzanalyse
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