Tabuthema Blähungen – Ernährungs- und Therapieempfehlungen (Teil 2)

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Blähungen sind oft lästig und unangenehm. Im ersten Teil haben wir bereits Ursachen, Entstehung und Diagnosemöglichkeiten von Blähungen beschrieben. Im Folgenden wollen wir auf die verschiedenen Behandlungsoptionen eingehen. Diese können sowohl therapeutisch als auch in Teilen präventiv wirksam sein. Die Therapie richtet sich dabei nach Häufigkeit, Schwere, zugrunde liegenden Erkrankungen und möglichen Folgen.

Anpassungen des Lebensstils bei leichteren Symptomen

Ernährungstherapien Tabuthema Blähungen - Ernährungs- und Therapieempfehlungen (Teil 2)

Besonders wirksam: Karminativa

Karminativa sind pflanzliche Mittel, die blähungstreibend wirken, also die Blähungen lösen. Ein besonders wirkungsvolles Hausmittel gegen Blähungen ist der sogenannte 4-Winde-Tee. Er enthält Fenchel, Kümmel, Anis und Pfefferminze. Pfefferminzöl wirkt zudem übel riechenden Blähungen entgegen und ist überdies entkrampfend. Diese Kräutermischung wirkt verdauungsfördernd, entkrampfend (spasmolytisch) und blähungstreibend. Auch Kamillentee ist ein geeignetes Hausmittel. Weitere pflanzliche Hausmittel sind Gelbwurz (Kurkuma), Artischockenextrakt, Enzianwurzel, Löwenzahn und Ingwer. Teemischungen sollten kurz aufgebrüht und etwa 30 Minuten nach den Mahlzeiten getrunken werden.

Bestimmte Lebensmittel meiden, Kräuter nutzen, achtsam essen

Es gibt keine spezielle Diät, die für jeden geeignet ist, um Blähungen vorzubeugen. Dennoch lässt sich über die Ernährung das Beschwerdebild deutlich beeinflussen. Allerdings ist das von Mensch zu Mensch mitunter sehr verschieden und auch in der Literatur weichen die empfohlenen und zu meidenden Lebensmittel stark voneinander ab. Wir empfehlen deshalb das Führen eines Ernährungs- und Symptomtagebuchs, in dem die auslösenden Lebensmittel und die jeweiligen Rahmenbedingungen dokumentiert werden. Nichtsdestotrotz gibt es Lebensmittel, die bei vielen Menschen blähend wirken. Laut [Her 2005] können Lebensmittel nach deren Potenzial, das Gasvolumen zu erhöhen, eingeteilt werden.

  1. So gelten Erbsen, Bohnen, Linsen, Rosenkohl, Rosenkohl, Zwiebeln, Sellerie und Karotten sowie Bananen, Pflaumen, Aprikosen und Rosinen als stark blähend. Hierzu zählen ebenso Weizenkleie und Vollkornbrot.
  2. Kartoffeln, Auberginen, Äpfel und Zitrusfrüchte sowie Gebäck, Kuchen und Brot erhöhen das Gasvolumen weniger stark.
  3. Eine geringe Beeinflussung des Gasvolumens wird folgenden Lebensmitteln bescheinigt: Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier, Reis, Mais, Nüsse und Schokolade. Unter den Gemüsesorten zählen Kopfsalat, Tomaten, Brokkoli und Blumenkohl sowie Spargel dazu. Zudem gelten Kirschen, Trauben und Wassermelonen als gering blähend.

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Doch nicht nur die Lebensmittel selbst, sondern auch Reifegrad und Zubereitungsformen beeinflussen das Potenzial, Blähungen zu verursachen. So wirken unreifes Obst und nicht durchgebackenes Brot deutlich stärker blähend. Blähende Gemüse und Suppen können mit Karminativa zubereitet werden, die das Risiko deutlich minimieren.

Des Weiteren gelten auch alkoholische Getränke, kohlensäurehaltige Getränke, Fruchtsäfte und zu viel Kaffee als blähungsfördernd. Verzichten Sie zudem auf Zuckeraustauschstoffe bzw. Zuckeralkohole wie Sorbit.

Zu den Zuckeraustauschstoffen und Zuckeralkoholen zählen Sorbit (E420), Mannit (E421), Isomalt (E953), Maltit (E965), Lactit (E966), Xylit (E967) und Erythrit (E968). Diese wirken in höheren Dosen blähungsfördernd, wobei dies von Substanz zu Substanz sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Schlussendlich spielt auch die Einnahme der Mahlzeiten selbst eine Rolle. Vermeiden Sie es, unter Zeitdruck und Hektik zu essen. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit zum Kauen. Und reden Sie nicht zu viel zu den Mahlzeiten. So schlucken Sie weniger Luft beim Essen und mindern Blähungen sowie einen Blähbauch. Das gilt ebenso für das Kaugummikauen. Bei stärkeren Beschwerden sind kleinere Mahlzeiten verträglicher als große. Dies sollte sich jedoch problemlos in den Alltag einbauen lassen und nicht zu mehr Stress und Organisationsaufwand führen. Von üppigen Spät- und Nachtmahlzeiten ist abzusehen.

Wärme, Entspannung, Bewegung und nicht rauchen

Spielen Stress und Anspannung bei der Genese von Blähungen eine Rolle, kann Wärme Linderung verschaffen. Regelmäßige Wärmeanwendungen empfehlen sich insbesondere bei jeglicher Form von Darmerkrankungen. Besonders empfehlenswert sind feuchte Anwendungsformen wie Wickel oder eine mit einem feuchten Tuch umwickelte Wärmflasche. Ebenso kann ein heißes Bad entspannen und entkrampfen. Ebenso können Bauchmassagen bestehende Beschwerden lindern.

Generell empfiehlt sich das Erlernen von Stressbewältigungsstrategien. Dies können Techniken wie autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung sein. Organisieren Sie Ihren Tag und Ihre Arbeit realistisch, aber gründlich. Aber auch kleine Stressbewältigungsmaßnahmen können im Alltag bereits unterstützend sein:

  • Nutzen Sie kleine Atemübungen, wenn Sie sich aufregen.
  • Atmen Sie 10 mal tief ein und aus, wenn Sie sich ärgern.
  • Halten Sie mehrmals am Tag für ein paar Minuten inne und lassen Sie die Gedanken schweifen.
  • Seien Sie nicht zu streng mit sich und setzen Sie sich nicht (zusätzlich) unter Druck.

Auch die Bewegung spielt eine Rolle. Regelmäßige Aktivitäten fördern die Darmgesundheit und mindern Blähungen. Dabei reichen bereits kleinere und mäßige Bewegungseinheiten wie längere Spaziergänge oder kleine Work-outs. Trainieren Sie auch Ihre Kernmuskulatur von Rumpf, Bauch und Rücken. Dies ist beispielsweise mit wenigen Übungen mit dem eigenen Körpergewicht möglich. Dafür brauchen Sie weder Geräte noch spezielle Räumlichkeiten und nur etwa 10 Minuten am Tag.

Schlussendlich ist das Rauchen ein weiterer Risikofaktor. Versuchen Sie, das Rauchen aufzugeben. Das hat in vielerlei Hinsicht große Vorteile.

Medikamentöse und/oder spezielle Ernährungstherapie bei schwereren Symptomen

Treten Blähungen häufig und unter Schmerzen auf, kommt nach sorgfältiger Diagnose eventuell eine medikamentöse Therapie in Betracht.

Welches Medikament geeignet ist, hängt dabei von den Untersuchungsergebnissen der Diagnostik ab. Grundsätzlich empfiehlt sich bei zugrunde liegenden Erkrankungen zuerst die ursächliche Behandlung der Grunderkrankung. Bei Unverträglichkeiten kann eine spezielle Ernährungstherapie angezeigt sein:

Auch kann die Gabe von Enzymen, zum Beispiel bei einer Pankreatitis, die Beschwerden lindern. Liegen Darmverengungen den Blähungen zugrunde, kann erst eine Operation Abhilfe schaffen.

Sollte zusätzlich eine medikamentöse Therapie nötig sein, gibt es verschiedene Wirkansätze. Sogenannte Entschäumer (Silikon-Dioxid-Mixturen) sorgen dafür, dass die entstehenden Gase über das Blut zur Lunge transportiert und anschließend abgeatmet werden. So wird die Ansammlung größerer Mengen Gas im Darm verhindert. Diese Therapeutika (z. B. Simeticon) sind dennoch weniger bei chronischen Beschwerden hilfreich, sondern vielmehr bei akuten Blähungen. Verursachen die Blähungen starke Schmerzen, kann der Arzt Spasmolytika verschreiben. Diese wirken entkrampfend und damit schmerzlindernd. Spasmolytika wie das sollten nicht über längere Zeit eingenommen werden. Dadurch verlangsamen sich die Darmbewegungen, was wiederum Blähungen fördert. Bei einigen Patienten können Probiotika Linderung verschaffen. Die Studienlage ist abhängig von der Zusammensetzung der Mittel bislang sehr widersprüchlich, wodurch keine verlässlichen Aussagen zur Wirksamkeit getroffen werden können [Mad 2002]. Besprechen Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt.

Eine Schlüsselrolle in der Behandlung starker Blähungen kommt der Ausscheidung des Darminhalts zu. Prokineta sind alkoholische Auszüge von Pflanzen, die sich besonders bei Reizdarm und Verstopfung bewährt haben. Die Extrakte fördern die Motilität des Darmes und damit die Ausscheidung des Darminhalts. Hierzu gehören beispielsweise Metoclopramid und Domperidon. Neuere Substanzen wie Tegaserod sind bereits in vielen Ländern zugelassen und haben sich als sichere und wirksame Behandlung beim Reizdarmsyndrom erwiesen. Relaxanzien der glatten Muskulatur wiederum sind vor allem bei Blähungen mit begleitenden Schmerzen und Blähbauch Erfolg versprechend. Nicht bewährt haben sich hingegen Aktivkohle und siliziumhaltige Stoffe.

Viele Betroffene nehmen zur Linderung der Beschwerden Abführmittel ein. Das ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Blähungen von einer Verstopfung begleitet werden. Diese ist dann meist ursächlich oder Begleitsymptom der Blähungen. Wird die Verstopfung behoben, verschwinden auch meist die Blähungen. Eine deutlich schonendere, langfristig präventive Methode ist die regelmäßige Einnahme von Flohsamenschalen, die die Stuhlkonsistenz verbessern und so Blähungen abmildern können. Hier ist auf die individuelle Verträglichkeit und eine entsprechend erhöhte Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Downloads

Für unsere Mitglieder stellen wir zum Thema einige Unterlagen zur Verfügung. Diese stehen auch im Medienshop zur Verfügung.

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