Aktuelle Buchvorstellung: Genial lokal

Genial lokal – So kommt die Ernährungswende in Bewegung.

Was wir auf unseren Tellern haben, hat oft eine weite Reise hinter sich. Bioäpfel aus Argentinien, Brot-Teiglinge aus Litauen, Erdbeeren aus China. Gleichzeitig produzieren die Landwirte in unseren Regionen hauptsächlich für den internationalen Markt oder müssen aufgeben, weil sie dem globalen Preisdruck nicht standhalten. Denn produziert wird unser Essen dort, wo es die günstigsten Bedingungen gibt: billige Arbeitskraft, geringe Umweltstandards und fehlende soziale Netze. Das, was wir an unseren Wohnorten kaufen können, ist fast ausnahmslos das Produkt einer global agierenden Agrar- und Lebensmittelindustrie. Das ist es übrigens meist auch, wenn es unter dem Begriff „regional“ im Lebensmiteilhandel angepriesen wird. Sogar das, was wir auf unseren Wochenmärkten finden, stammt nicht selten aus dem Großhandel und oft nicht von „vor der Tür“.

Die Qualität unseres Essens entspricht direkt den jeweiligen Produktionsbedingungen. Ein Essen, das allein nach marktwirtschaftlichen Gesetzen produziert wird, können wir nicht wollen. Es ist nicht nur ökologischer Irrsinn, es macht arm. Die Kleinbauern im globalen Süden bringt es um Land und Würde, den Bewohnern des globalen Nordens nimmt es Wahlfreiheit und Mitbestimmungschancen und entfremdet sie von ihrem Umland. Doch nicht nur das. Denkt man an ein Szenario, das den Welthandel durch Handelskriege oder Dürreperioden zum Erliegen bringen könnte, wären auch wir auf der satten Nordhalbkugel darauf angewiesen, unsere Nahrung vor Ort produzieren zu können. Besser wäre, bereits jetzt die kleinbäuerlichen Betriebe und das lokal arbeitende Handwerk zu unterstützen.

Wenn mehr Bürger regionale Lebensmittel nachfragen, dient das dem Erhalt der ortsansässigen Produzenten, hält die Wertschöpfung in der Region, sichert Arbeitsplätze und macht das Wohnumfeld in Stadt und Umland lebendig und lebenswert. Die Politik zeigt bisher wenig Engagement, sich für eine zukunftsfähige und regionalisierte Lebensmittelversorgung einzusetzen. So machen zivilgesellschaftliche Initiativen den Ernährungswandel zu ihrer Sache. Ihre gemeinsame Forderung an die Politik heißt: Ernährungsdemokratie.

Aktuelles und Berichte Aktuelle Buchvorstellung: Genial lokal

Das Buch Genial lokal zeigt, wie es gehen könnte. Die Verfasser wollen es als eine Art „Werkzeugkasten“ verstanden wissen.  Es gilt, in Groß-  wie auch Kleinstädten einen regionalen Markt zu schaffen, auf dem sich Verbraucher und Produzenten aus dem Umkreis von etwa 100 km treffen können, sei es virtuell oder real. Anhand vieler Beispiele wird aufgezeigt, wie Food Policy Councils in anderen Ländern die notwendige Ernährungswende – in vielen Fällen bereits sehr erfolgreich – bewerkstelligen. Deutschland hat 2016 mit dem Kölner Ernährungsrat begonnen, dessen Beispiel bereits einige Städte gefolgt sind und dem erwartungsgemäß noch viele folgen werden. Landwirte und Gärtnerinnen  sitzen an einem Tisch mit Foodaktivisten aus der Stadt und Bürgerinnen und Bürgern, die wissen wollen, woher ihr Essen kommt. Eine neue soziale Bewegung entsteht, die regionale Netzwerke zwischen Produzenten und Konsumenten knüpft und ihre Ziele im produktiven Dialog mit der Politik verfolgt. Es ist bereits später als fünf vor zwölf. Aber es ist noch nicht zu spät. Wir können das schaffen. Alle Macht den Räten!

Nährwerte

  • Autor(en): Valentin Thurn, Gundula Oertel, Christine Pohl
  • Titel: Genial lokal: So kommt die Ernährungswende in Bewegung: Mit einem Leitfaden zur Gründung von Ernährungsräten Ernährung – Mit den 12 wichtigsten Regeln der gesunden Ernährung
  • Verlag: oekom verlag (1. Oktober 2018)
  • ISBN: 978-3962380557
  • Preis: 20,00 EUR (Gebundenes Buch); 15,99 EUR (Kindle)

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