Cholesterin – Ernährungstherapeutische Aspekte

Cholesterin, oftmals auch Cholesterol genannt, gehört chemisch gesehen zur Gruppe der Steroide. Der Name leitet sich von chole (griech. „Galle“) und steréos (griech. „fest“) ab. Das Steroid zählt zu den sogenannten Zoosterinen, da es ausschließlich in tierischen Organismen vorkommt. Cholesterin besitzt sowohl wasserlösliche als auch fettlösliche Molekülteile. Dies ist entscheidend für den Einbau in Transporteiweiße oder in die Zellmembran und damit dessen maßgebliche Funktion.

Bildung, Aufnahme und Abbau von Cholesterin

Bildung und Körperbestand

Cholesterin wird in fast allen Körpergeweben gebildet. Die höchsten Syntheseraten finden sich in der Leber und in der Darmschleimhaut. Das Steroid entsteht in einem hochkomplexen, Energie verbrauchenden Prozess. Das Enzym HMG-CoA-Reduktase nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein, da es die Cholesterinbildung reguliert und durch verschiedene Faktoren wie Hormone (Insulin, Schilddrüsenhormone, Glukagon), Nahrungscholesterin oder bestimmte Medikamente (Statine) beeinflussbar ist.

Der Körperbestand fasst etwa 150 g und setzt sich aus körpereigenem sowie aus dem Darm aufgenommenem Cholesterin zusammen. Im Blut zirkulieren etwa 10 g. Davon ist ungefähr die Hälfte an Transporteiweiße (sogenannte Lipoproteine) gebunden. Die anderen 50 % befinden sich in den Blutzellen. Die Menge der vorhandenen Lipoproteine im Blut dient der Diagnostik von Fettstoffwechselstörungen bzw. der Bestimmung der Cholesterinwerte.

Transport und Stoffwechsel

Die Leber umfasst einen Pool aus etwa 5 g schnell austauschbaren Cholesterins. Im Darm werden aus der Nahrung nur zwischen 300 und 500 mg Cholesterin aufgenommen. Liegt die Menge deutlich darüber, wird es im Darm umgewandelt und ausgeschieden. Schwanken die Cholesterinmengen in der Nahrung hingegen nur leicht, kann der Körper die erhöhte Aufnahme durch eine verminderte Eigensynthese ausgleichen.

Der Transport des Cholesterins im Körper ist sehr komplex. Es wird beispielsweise gebunden in LDL-Cholesterin zu den Geweben gebracht. Wichtige Zielgewebe sind der Darm, die Haut, das Gehirn oder auch das Blut und die inneren Organe. Überschüssiges oder abgelagertes Cholesterin in den Geweben bzw. Blutgefäßwänden gelangt mittels HDL-Cholesterin wieder zur Leber und wird dort abgebaut. Ein Teil wird in der Leber zu Gallensäuren umgewandelt. Der Rest wird über den Darm ausgeschieden. Zudem geht ein kleiner Teil des Körpercholesterins durch abgeschilferte Darmzellen, Hautzellen und Schweiß verloren.

Im Dünndarm werden rund 90 % der Gallensäuren und ein Teil des ausgeschiedenen Cholesterins rückresorbiert, sodass diese über den sogenannten enterohepatischen Kreislauf der Leber wieder zugeführt werden.

Körperbestand, Konzentrationen im Blut und in den Blutzellen sowie die Verteilung auf die Organe und Gewebe schwankt von Mensch zu Mensch und verändert sich mit zunehmendem Alter. Selbst zwischen Männern und Frauen gibt in Abhängigkeit des Alters kleinere Unterschiede.

Funktionen und Aufgaben

Bestandteil der Zellmembran

Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembran und fördert hier einerseits die Stabilität der Zellen und andererseits die Beweglichkeit bestimmter Moleküle in der Zellwand. Da alle Zellen von einer Zellmembran umgeben sind, ist Cholesterin unerlässlich für deren Integrität und damit die Funktion jeder Körperzelle. Besonders Zellen mit einer hohen Teilungsrate wie Immunzellen sind auf den Baustein angewiesen. Zu niedrige Cholesterinspiegel können langfristig das Immunsystem schwächen und möglicherweise Infektionskrankheiten sowie Krebserkrankungen fördern.

Etwa 10 % des Trockengewichts des Gehirns bestehen aus Cholesterin, wo es Bestandteil der fettreichen Myelinscheide der Axone ist. Dabei handelt es sich um eine Art Schutzschicht der Nervenzellen. Wird die Cholesterinbildung zum Beispiel durch Medikamente dauerhaft gehemmt, könnte das zu unerwünschten Effekten im zentralen Nervensystem führen.

Zudem reguliert Cholesterin die Durchlässigkeit der Zellmembranen und den Stoffaustausch. Es schützt den Zellkern vor dem unerwünschten Eindringen von Toxinen, Bakterien und Viren. Ein niedriger Cholesteringehalt in der Zellmembran bestimmter Zellen erhöht die Durchlässigkeit und führt im schlimmsten Fall zur Zerstörung der Zellstruktur.

Die Leber bildet aus Cholesterin Gallensäuren, die während der Verdauung mit der Gallenflüssigkeit in den Darm gelangen. Diese spielen eine entscheidende Rolle bei der Verdauung und Aufnahme von Fetten, Cholesterin sowie fettlöslichen Vitaminen. Zu den Gallensäuren gehören Cholsäure, Desoxycholsäure und Lithocholsäure.

Bildung von Hormonen

Cholesterin ist Ausgangssubstanz für die Bildung verschiedener Steroidhormone. In der Leber und Darmschleimhaut entsteht so eine Vorstufe des Steroidhormons Vitamin D. In den Geschlechtsdrüsen werden aus Cholesterin die Geschlechtshormone Progesteron, Östrogen und Testosteron gebildet. In den Nebennierenrinden wiederum dient das Steroid der Synthese von Aldosteron und Cortisol.

Präventives und therapeutisches Potenzial

Eine drastische Reduktion der Cholesterinzufuhr ist in den meisten Fällen nicht notwendig, kann jedoch bei einigen Fettstoffwechselstörungen angebracht sein.

Cholesterinablagerungen sind ein zentraler Punkt im Arteriosklerose-Geschehen. Fettstoffwechselstörungen wie die familiäre Hypercholesterinämie, die durch einen sehr hohen Cholesterinspiegel gekennzeichnet sind, führen häufig schon vor dem 60. Lebensjahr zu Herz-Kreislauf-Komplikationen wie Herzinfarkten. Unabhängig von derartigen genetischen Defekten konnte die Annahme, dass ein hoher Verzehr cholesterinreicher Nahrungsmittel den Cholesterinspiegel deutlich beeinflusst, in Studien nicht bestätigt werden. Eine cholesterinarme Ernährung wirkt sich nur minimal auf den Cholesterinspiegel aus [Lul 2006]. Ohne das Vorliegen von Gendefekten, die die Feedback-Regulation der körpereigenen Cholesterinsynthese ausschalten, ist folglich keine strenge Beschränkung der Cholesterinzufuhr notwendig.

Sprühfette und cholesterinreiche Nahrungsmittel in getrockneter Form wie Milch- oder Eipulver bieten eine große Angriffsfläche für Luftsauerstoff. Sowohl bei der Herstellung als auch bei der Lagerung besteht die Gefahr, dass das enthaltene Cholesterin verstärkt oxidativ verändert wird und bereits oxidiert in den Körper gelangt. Dieser Vorgang ist irreversibel, sodass auch ein hoher Antioxidantiengehalt im Blut nicht vor der schädigenden Wirkung schützen kann. Inwiefern sich ein hoher Konsum solcher, in verarbeiteten Produkten weit verbreiteter, Pulver auf das Arterioskleroserisiko auswirkt, ist bislang kaum untersucht. Somit ist auch in diesem Sinne ein weitgehender Verzicht auf hoch verarbeitete Lebensmittel mit Milch- und Eipulver empfehlenswert. Sinnvoll ist in diesem Zusammenhang auch, auf Käse am Stück anstelle von geriebenem Käse zurückzugreifen.

Indikation: Hypercholesterinämie, speziell ApoE4-Polymorphismus

Häufig wird Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten nahegelegt, die Cholesterinzufuhr über die Nahrung auf maximal 300 mg pro Tag zu beschränken. Dies ist jedoch nur in wenigen Fällen hilfreich, da der Körper die Eigensynthese an das Cholesterinangebot aus der Nahrung bis zu einem gewissen Grad anpassen kann.

Zwar konnten unter strengen klinischen Bedingungen Cholesterinsenkungen von 10 bis 15 % erzielt werden, in der Praxis lässt sich jedoch mit einer cholesterinarmen Diät bei vielen Menschen nur eine Reduktion des Gesamtcholesterins um 2 % erreichen [Lul 2006].

Weitere Erfahrungen zeigen, dass eine cholesterinarme Ernährung nur bei LDL-Werten bis 200 mg/dl greift. Lediglich Patienten mit dem ApoE4-Polymorphismus ist eine eingeschränkte Zufuhr nahezulegen. Treten erhöhte Cholesterinspiegel im Zuge des Metabolischen Syndroms auf, sind diese in der Regel nicht oder nur sehr gering durch eine cholesterinarme Ernährung beeinflussbar.

Die Auswirkungen einer hohen Cholesterinzufuhr auf die Bildung von Gallensteinen wurden zwar vielfach untersucht, die Ergebnisse in der Literatur sind jedoch widersprüchlich. So existieren sowohl experimentelle wie auch epidemiologische Studien, die einen positiven, einen negativen oder keinen Effekt beobachteten (Literatur in [Cue 2004]).

Zu erklären sind die unterschiedlichen Ergebnisse in erster Linie durch verschiedene Studiendesigns (z.B. Flüssignahrung gegenüber fester Nahrung) oder auch durch ethnische Unterschiede der untersuchten Personengruppen. So kann die Cholesterinaufnahme im Darm aufgrund der Mahlzeitenzusammensetzung oder durch genetische Unterschiede stark variieren. Eine allgemeingültige Empfehlung zur Cholesterinzufuhr kann somit nicht abgeleitet werden.

Entgegen der (noch immer) weit verbreiteten Annahme nimmt das Nahrungscholesterin weder auf den Cholesterinspiegel im Blut noch auf die kardiovaskuläre Sterblichkeit einen nennenswerten Einfluss [Moz 2015]. Damit ist auch der Cholesteringehalt in Lebensmitteln kein Auswahlkriterium in der Therapie der Insulinresistenz oder des metabolischen Syndroms.

Vorkommen und Zufuhrempfehlungen

Allgemeines zum Vorkommen

Da Cholesterin Membranbestandteil tierischer Zellen ist, kommt es in allen tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milch vor. Besonders Eigelb und Innereien enthalten hohe Mengen. Pflanzen sowie Pilze enthalten hingegen kein Cholesterin, jedoch strukturell ähnliche Stoffe wie Phyto- und Mykosterine.

Im Muskelfleisch schwankt der Cholesteringehalt je nach Fleischart und Teilstück, egal ob Schwein, Rind, Kalb, Geflügel oder Lamm, zwischen 60 und 80 Milligramm Cholesterin pro 100 Gramm. Reichlich Cholesterin ist dagegen in den Innereien der Tiere enthalten. Hier liefern Nieren und Leber zwischen 260 und 380 Milligramm.

Fleisch und Wurst sind vor allem bei Männern die Hauptquelle für Cholesterin, von dem sie insgesamt oft deutlich mehr als 300 mg täglich aufnehmen.

Zufuhrempfehlungen

Der tägliche Cholesterinbedarf liegt bei ungefähr 1 g. Diese Menge geht über Hautschuppen, ausgeschiedene Gallensäuren und abgeschilferte Darmzellen verloren. Etwa 700 bis 750 mg baut der Körper täglich neu. Weitere 250 bis 300 mg werden über die Nahrung zugeführt. Schwankungen der Zufuhr über die Nahrung können durch die Anpassung der Eigensynthese ausgeglichen werden. Diese Zahlen schwanken allerdings auch von Literaturquelle zu Literaturquelle (teils 90:10), sodass davon auszugehen ist, dass das Verhältnis von Eigensynthese und Aufnahme über den Darm individuell verschieden ist und von mehreren Faktoren beeinflusst wird.

Cholesterin ist nicht essenziell, weshalb es keine Mindestzufuhrmenge gibt. Menschen mit einer genetisch bedingten Hypercholesterinämie (krankhaft erhöhte Blutcholesterinwerte) sollten die Zufuhr von Cholesterin beschränken, da hier die Anpassung der körpereigenen Cholesterinproduktion an die aufgenommene Menge gestört ist.

In Deutschland variiert die durchschnittliche Cholesterinaufnahme zwischen 250 und 750 mg täglich, wobei Frauen häufig geringere Mengen zu sich nehmen.

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