Ernährung bei COPD

Die COPD wird vom Ernährungszustand und der Ernährungszustand von der COPD beeinflusst. Zirka 25% der COPD-Patienten sind untergewichtig bzw. mangelernährt. Eine Verschlechterung des Ernährungszustands mit Gewichtsverlust und Untergewicht bei COPD (“pulmonale Kachexie”) ist eine Folge der sekundären Mangelernährung.

Untergewichtige Patienten mit COPD müssen häufiger stationär behandelt werden und weisen eine höhere Sterblichkeit auf als normal- oder übergewichtige Patienten. Ein BMI <25 kg/ m² verschlechtert die Prognose. Mittels Kalorienzufuhr und gegebenenfalls Ernährungssupplementierung soll eine Gewichtszunahme erreicht werden. Körperliches Training ist bei einem Verlust der Muskelkraft infolge des Untergewichtes erforderlich. COPD-Patienten mit einem BMI zwischen 23 und 27 kg/ m² haben die höchste Lebenserwartung. Ein BMI >30 kg/ m² sollte vermieden werden. Adipositas führt zu einer erhöhten körperlichen Belastung mit den Folgen einer gesteigerten Atemarbeit und mit einer zunehmend restriktiven Komponente der Ventilationsstörung.

Durch eine großzügige Flüssigkeitszufuhr wird der eher zähflüssige Schleim bei der obstruktiven Bronchitis verflüssigt.

Überblick

Faktoren der COPD-assoziierten Mangelernährung

  • erhöhter Ruheenergieumsatz (REE)
  • wiederkehrende Infektionen
  • Wasting /Katabolismus (Reduktion der Muskelmasse)
  • unökonomische Atemarbeit bei Belastung
  • Anorexie (Magersucht)
    • unerwünschte Arzneimittelwirkung
    • Stauungsgastritis
    • Depression
    • systemische Entzündung, Leptinstoffwechsel
  • unerwünschte Arzneimittelwirkungen/ Nebenwirkungen
    • Mundtrockenheit, Schluckstörung
    • fehlendes Verlangen nach Essen (Inappetenz)
    • Übelkeit
  • Dyspnoe, postprandiale Dyspnoe (erschwerte Atemtätigkeit, Luftnot nach dem Essen)

Ein erhöhter Leptinspiegel kann neben einer Verminderung der Nahrungszufuhr zu einer Erhöhung des Ruheenergieumsatzes und zu einem verminderten Ansprechen auf die Ernährungstherapie führen. Eine Mangelernährung bei systemisch-entzündlichen Reaktionen ist durch ungenügende Zufuhr von Energieträgern, in erster Linie Kohlenhydraten und Fetten gekennzeichnet. Zudem lässt sich meistens eine ungenügende Zufuhr von Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe) nachweisen. Mehrere Studien belegen für Obst einen protektiven Effekt auf die Lungenfunktion. Auch Omega-3-Fettsäuren scheinen eine protektive Wirkung zu haben.

Die verminderte Nahrungszufuhr geht häufig mit einem erhöhten Nährstoffbedarf einher. So kann der Ruheenergieumsatz bei COPD-Patienten bis zu 20% erhöht sein. Ursachen hierfür sind ein erhöhter Energiebedarf für die vermehrte Atemarbeit, eine medikamentöse, d. h. iatrogene Steigerung des Grundumsatzes (Theophyllin, Beta-Sympathomimetika) sowie wiederkehrende Infekte. Besonders im Rahmen systemischer Entzündungsreaktionen mit erhöhten TNF-alpha (Tumornekrosefaktor-alpha)-Spiegeln kommt es zur Stimulation einer katabolen Stoffwechsellage.

Vorteilhaft ist eine Kombination mit einem sportlichen Rehabilitationsprogramm.

Ernährungsempfehlungen

  • Mahlzeiten auf mehrere kleinvolumige Portionen verteilen (Zwischenmahlzeiten)
  • Meiden niederkalorischer Nahrungsmittel (bzw. hochkalorischer Nahrungsmittel bei Adipositas) – über die Getränkeauswahl lassen sich täglich leicht 500 bis 1000 kcal hinzufügen (bzw. reduzieren).
  • gegebenenfalls Einsatz zusätzlicher hochkalorischer Trinknahrung und/ oder zusätzliches lösliches Stärkepulver
  • Meiden blähender oder Verstopfungs-fördernder Nahrungsmittel
  • auf täglichen Verzehr von Obst und Gemüse achten
  • ausreichende Kalziumzufuhr
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 l/ d)
  • kohlensäurefreie Getränke bevorzugen
  • erhöhter Vitamin C-Bedarf beim Raucher (zusätzlich 40 mg/ d)

Bei einer Mangelernährung sind kalorienreiche und vom Nährstoffprofil sehr empfehlenswerte Nahrungsmittel wie Fruchtsäfte, Milchgetränke und Nüsse einzusetzen.

Akut verschlimmerte COPD

Es stehen orale (normale Ernährung über den Magen-Darm-Trakt), enterale (Ernährung über Magensonde) und parenterale (Umgehung des Magen-Darm-Traktes, Ernährung über Venenkatheter) Ernährungsformen zur Verfügung. Bei Patienten mit einer akut verschlimmerten COPD bietet sich meist eine Mischung aus den Ernährungsformen an.

Während bei einer stabilen COPD die kohlenhydratreiche Ernährung mit einem Fettanteil von 25 bis 35% Fett favorisiert wird, kann die fettreiche Ernährung bei der akut verschlimmerten COPD mit CO2-Retention (eine ausreichende Abatmung des Kohlendioxids ist gestört) einen günstigen Einfluss nehmen. Hier ist die angestrebte Energieverteilung: 50 bis 55% Fett, 30 bis 35% Kohlenhydrate und 10 bis 15% Eiweiß.