Das Krankheitsbild des Dekubitus

Dekubitus kommt aus dem Lateinischen und heißt wörtlich übersetzt “Darniederliegen”.  Klinisch handelt es sich beim Dekubitus um die Bildung von Geschwüren und Nekrosen der Haut und Schleimhaut infolge lokaler Druckeinwirkung. Bei bettlägerigen Patienten entstehen die Dekubitalgeschwüre oder -ulcera im Bereich der Aufliegestellen, beispielsweise über dem Kreuz- oder Steißbein oder an äußeren Knöcheln; man spricht vom “Wundliegen”. Die betroffenen Körperstellen zeichnen sich durch eine Mangeldurchblutung aus und lebensgefährliche Komplikationen wie eine Blutvergiftung können eintreten.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache eines Dekubitus ist immer ein lang anhaltender Druck auf die Hautoberfläche. Er entsteht wenn sich der Pflegebedürftige nicht mehr alleine umlagern und wenden kann oder wenn von außen (beispielsweise Gips) ein ständiger Druck auf die Hautstelle erfolgt. Daneben spielen weitere Faktoren eine Rolle, die das Risiko eines Dekubitus erhöhen können:

  • Feuchtigkeit, beispielsweise bei Inkontinenz
  • schlechter Ernährungszustand, insbesondere Eiweiß- und Zinkmangel
  • Abmagerung und Austrocknung
  • unzureichende Zufuhr an Vitamin A, C, B-Vitaminen und Eisen
  • Hautläsionen durch Scherkräfte (Verschiebungen von Gewebeschichten mit Schädigung kleiner Blutgefäße beispielsweise beim Hochziehen und Runterrutschen im Bett)
  • Allergien
  • krankheitsbedingte schlechte Durchblutung, beispielsweise Diabetes mellitus

Besonders betroffen sind Patienten, die für eine längere Zeit bettlägerig sind wie beispielsweise nach Unfällen, Schlaganfällen oder Erkrankungen wie Multiple Sklerose.

Die Dekubitus-Entstehung wird mit zahlreichen Faktoren in Zusammenhang gebracht. Bei der Ursachenforschung wird meistens an pflegerische Maßnahmen gedacht. Den wenigsten ist bekannt, dass eine unzureichende Ernährung für die Entstehung eines Dekubitus mitverantwortlich ist. Die erste Maßnahme zur Prophylaxe der Behandlung eines Dekubitus stellt die ausreichende Zufuhr von Energie und Nährstoffen dar. An zweiter Stelle steht die optimale Aufnahme von Protein. Neben den nutritiven Aufgaben können spezielle Nährstoffe weitergehende pharmakologische Wirkungen erzielen. Hierunter fällt die zusätzliche Gabe von Immunonutrients, die sich in der Behandlung des Dekubitus bewährt haben.

Dekubitalulcera und Proteinenergiemangel sind signifikante Ursachen der bei Senioren beobachteten hohen Morbiditäts- und Mortalitätsrate (1). Insbesondere bei geriatrischen und/oder immobilen Patienten stellen Dekubitus und Wundheilungsstörungen häufige Komplikationen insbesondere in der Langzeitpflege dar. Jährlich entwickeln schätzungsweise 400.000 bis 500.000 Menschen ein behandlungsbedürftiges Druckgeschwür. Man rechnet heute, dass 5 bis 10 Prozent aller über 65-Jährigen im Krankhaus unter Dekubitalulcera leiden. Aktuellen Untersuchungen zufolge tritt ein Dekubitus bei 10 bis 25 Prozent der geriatrischen Patienten in Akutkrankenhäusern und bei bis zu 30 Prozent in geriatrischen Kliniken und Pflegeheimen auf.

Die wichtigsten Ursachen für die Entstehung von Dekubitalulcera sind eine ungenügende lokale Druckentlastung der betroffenen Körperstellen, eine inadäquate Wundversorgung und eine unzureichende Energie-, Nähr- und Wirkstoffversorgung. Die Energieversorgung sollte bei 30-35 kcal pro Kilogramm Körpergewicht liegen, die tägliche Proteinmenge sollte bei mindestens 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht liegen. Zink (Empfehlung: 12-15 Milligramm täglich) und Selen (Empfehlung: 20-100 Mikrogramm) sind wichtige Wirkstoffe, die für eine Dekubitusentstehung mitverantwortlich sind. Eine Dekubitustherapie ist langwierig und pflegeintensiv. Die Bedeutung der Ernährungsmedizin in der Prophylaxe und Therapie von Druckgeschwüren ist wissenschaftlich durch verschiedene nationale und internationale Studien belegt. Dennoch wird der Ernährungsmedizin, der Erfassung des Ernährungszustandes und der Ernährungstherapie mit enteraler Ernährung im Rahmen der Betreuung insbesondere von geriatrischen Patienten noch immer viel zu wenig Bedeutung zugemessen. Wissenschaftliche Studien beweisen, dass Personen, die mangelernährt sind, ein hohes Risiko aufweisen, im Krankheitsfall ein Druckgeschwür zu entwickeln. Ein guter Ernährungszustand reduziert das Risiko signifikant. Ebenso wird die Wundheilung durch eine optimale Versorgung mit Energie, Nähr- und Wirkstoffen gefördert. Malnutrition und insbesondere ein erniedrigter Serumalbuminspiegel unter 3,5 g/dl werden als Risikofaktor für die Entstehung eines Dekubitus angesehen.

Formen und Klassifizierung

Je nach Schwere und Tiefe werden beim Dekubitus vier verschiedene Grade unterschieden. Bei Druckentlastung heilt ein Dekubitus ersten oder zweiten Grades vollständig ab. Im fortgeschrittenen Stadium ist dagegen oftmals ein operatives Vorgehen angezeigt.

Grad I

  • scharf umrissene Hautrötung, aber noch intakte Epidermis
  • Serumalbumin:< 3,5 g/dl

Grad II

  • Defekte obere Hautschicht (Epidermis) bis zu tieferen Verletzungen der Unterhaut (Dermis), aber keine Betroffenheit der Subkutis.
  • Serumalbumin: < 2,7 g/dl

Grad III

  • Schädigung aller Hautschichten (bis zu den Faszien) und des darunter liegenden Gewebes, Muskeln und Knochen sind in der Wunde sichtbar. Serumalbumin: < 2,5 g/dl

Grad IV

  • Zerstörung aller Hautschichten, Muskeln und Knochen sind geschädigt.
  • Serumalbumin: < 2,1 g/dl

Die Heilungsdauer reicht von zwei Tagen im Stadium der Rötung (Grad I) über ein bis zwei Wochen bei Blasenbildung (Grad II), bis zu Monaten und Jahren bei tiefgreifenden Ulcera unter konservativer Therapie.

Symptomatik

Je nach Ausprägungsgrad leiden die Patienten unter

  • Jucken der Haut
  • Brennen der Haut
  • Schmerzen in den betroffenen Hautregionen

Der Dekubitus entsteht überwiegend an Hautstellen, die nicht ausreichend gepolstert sind wie beispielsweise Ohrmuschel, Schulterblatt, Ferse, Ellenbogen oder Kreuzbein.