Ernährung bei Diabetes mellitus

Die Ernährungstherapie ist ein wichtiger Pfeiler bei der Behandlung des Typ-2-Diabetes. Aufgrund der engen Beziehung zwischen Übergewicht und Diabetesentwicklung liegt ein Hauptaugenmerk auf der Reduktion, Normalisierung bzw. Stabilisierung des Gewichts. Verschiedene wissenschaftliche Studien belegen den positiven Effekt einer Gewichtsabnahme auf das Risiko sowie den Krankheitsverlauf. Sowohl der HbA1c-Wert wie auch die Wahrscheinlichkeit kardiovaskulärer Erkrankungen verringerten sich.

Namenhafte Gesellschaften empfehlen bislang eine kohlenhydratreiche, fettarme sowie gegebenenfalls kalorienreduzierte Kost. Allerdings werden diese Empfehlungen von immer mehr Fachleuten kritisch betrachtet. So ist zu bezweifeln, inwiefern bei einer Krankheit, deren Hauptmerkmal ein erhöhter Blutzuckerwert ist, mit einem hohen Konsum an Kohlenhydraten therapiert werden kann. Zahlreiche Untersuchungen belegen bereits die positiven Auswirkungen kohlenhydratreduzierter, fett- und eiweißbetonter Diäten auf diabetesrelevante Blutparameter. Vergleiche beider Ernährungsformen belegen immer wieder eine stärkere Senkung der Blutglukose und Triglyzeride bzw. Anhebung des HDL-Wertes durch kohlenhydratreduzierte Diäten. Auch die Gewichtsreduktion ist hier ausgeprägter.

Das Joslin-Diabetes-Center in Boston reagierte bereits und reduzierte in seinen Ernährungsleitlinien den Kohlenhydratanteil auf 40%. Ausgleichend sollte der Eiweißanteil an der Gesamtenergiezufuhr erhöht werden.

Zudem wirken sich Nahrungsmittel mit einem niedrigen glykämischen Index wie beispielsweise Gemüse günstiger auf den Blutzuckerspiegel aus, als solche mit hohem glykämischen Index wie etwa Brot. Das glykosylierte Hämoglobin HbA1c war deutlich niedriger und auch die Gefahr der Unterzuckerungen ist bei einer Kost mit eher niedrigem glykämischen Index geringer [Tho 2009].

Eine in der Reha-Klinik Überruh an Diabetespatienten durchgeführte Untersuchung bestätigte bereits 2006 den positiven Einfluss einer kohlenhydratreduzierten Kost auf den Therapieverlauf. Sie setzen bei ihrem Diätprogramm auf die so genannte LOGI-Methode (Low Glycemic and Insulinemic Diet), einer von Dr. David Ludwig (Direktor des Obesity Program der Harvard Uni-Kinderklinik) 2000 beschriebenen und vom deutschen Oecotrophologen Dr. Nicolai Worm modifizierten Ernährungsform. Diese bevorzugt Nahrungsmittel mit einer niedrigen glykämischen Last (siehe unten) und setzt sich zum Großteil aus Gemüse in Kombination mit Fisch, magerem Fleisch, Oliven- bzw. Rapsöl sowie Milchprodukten zusammen. Nach 3-wöchigem Klinikaufenthalt verzeichneten die Patienten im Durchschnitt eine Gewichtsreduktion um 3%, das Cholesterin sank um 20%, der Triglyzeridwert um 27% und der HbA1c um 4%. Bei 49% der Patienten konnten die Antidiabetika vollständig abgesetzt bzw. bei 42% die Dosis reduziert werden. Lediglich bei 9% änderte sich nichts an der Medikation. Zum Vergleich benötigten in der Kontrollgruppe (unter Diätempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft) nur 4% der Patienten keine und 13% weniger Medikamente. Bei 16% musste die Dosis sogar erhöht werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Akzeptanz des Patienten. So ist der hohe empfohlene Anteil von 45 bis 60% Kohlenhydrate in der Nahrung für viele Menschen schwer umsetzbar. Die Auswirkungen kohlenhydratreicher Nahrungsmittel auf den Blutglukosegehalt erschweren zudem die konstante Einstellung des Blutzuckers. Diabetespatienten vermeiden so häufig trotz klassischer Schulung derartige Nahrungsmittel und erreichen in der Praxis meist nur einen Kohlenhydratanteil von 40%. Darüber hinaus ist der Sättigungseffekt eiweißreicher Nahrungsmittel ausgeprägter und anhaltender. Eine Kalorienreduktion ergibt sich hierdurch teilweise automatisch bzw. kann vom Patienten leichter umgesetzt werden. Bei Diabetikern, die bereits eine eingeschränkte Nierenfunktion vorweisen, ist eine derartige eiweißbetonte Ernährung jedoch kontrainduziert.

Grundlegende Punkte der Ernährung des Typ-2-Diabetikers

Ziele der Ernährungsumstellung

Eine wesentliche Ursache für die Entwicklung des Typ 2-Diabetes ist eine Insulinresistenz der Zielzellen. Die Ernährung, sowohl bei Vorstufen wie auch beim ausgeprägten Diabetes, sollte auf eine Entlastung der Insulinproduktion ausgerichtet sein. Insbesondere stärke- und zuckerreiche Nahrungsmittel führen zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Derartige Blutzuckerspitzen lösen eine rasche Freisetzung großer Insulinmengen aus und sollten möglichst vermieden werden. Bei übergewichtigen Patienten ist zusätzlich eine Gewichtsreduktion anzustreben, da sich diese nachweislich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt.

Energiezufuhr

Die Energiezufuhr des Diabetikers unterscheidet sich nicht von der eines gesunden Menschen. Übergewichtige Patienten sollten möglichst eine negative Energiebilanz anstreben, indem sie den Energieverbrauch durch körperliche Aktivität steigern. Eine strenge Kalorienreduktion ist meist nicht notwendig, da durch den bevorzugten Konsum von kalorienarmem Gemüse und Beerenobst, eiweißreichen, sättigenden Nahrungsmitteln sowie das Meiden energiedichter Sättigungsbeilagen die Energieaufnahme unbewusst geringer ausfällt.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sollten maximal 40% der Gesamtenergie ausmachen. Der Anteil an freiem Zucker ist auf maximal 50 g pro Tag zu beschränken, kann beim gut eingestellten Diabetiker jedoch akzeptiert werden. Die Hauptquelle für Kohlenhydrate sollten Nahrungsmittel mit einem niedrigem glykämischen Index bzw. glykämischer Last sein.

Der Glykämische Index (GI) beschreibt die Auswirkungen der Kohlenhydrate eines Nahrungsmittels auf den Blutzuckerspiegel. Je höher der Kohlenhydratgehalt des Nahrungsmittels ist bzw. je schneller diese aus dem Darm ins Blut übergehen, umso schneller und höher steigt der Blutzuckerspiegel. Als Referenzwert (GI = 100%) gilt die Auswirkung von 50 g reinem Traubenzucker (Glukose), welcher den Blutzucker sehr schnell und hoch ansteigen lässt. Kohlenhydrate aus einem Nahrungsmittel mit einem GI von 70 wirken sich demnach 70% so stark auf den Blutzuckerspiegel aus, wie freie Glukose. Nahrungsmittel mit niedrigem GI hingegen sind kohlenhydratarm bzw. werden hier die Glukosemoleküle langsam resorbiert und gelangen nur verzögert ins Blut.

Die Glykämische Last (GL) ist eine Erweiterung des Glykämischen Index, da dieser die Auswirkungen von 50 g Kohlenhydrate eines Nahrungsmittels beschreibt und somit in der Praxis nur bedingt aussagekräftig ist. Bei der Glykämischen Last wird der Glykämische Index in Bezug zum Kohlenhydratgehalt des Nahrungsmittels gesetzt. So hat Wassermelone zwar einen GI von 75 (also 50 g der Wassermelonenkohlenhydrate wirken zu 75% wie reine Glukose), enthält jedoch gerademal 5 g Kohlenhydrate pro 100g. Um einen Effekt von 75% zu erzielen müsste ein Mensch demnach 1 kg Melone auf einmal essen.

Die Auswirkung eines Nahrungsmittels auf den Blutzuckerspiegel ist jedoch von einer Reihe von Faktoren abhängig. So erhöht sich dessen Effekt je weiter es verarbeitet wurde, sprich je mehr ein Produkt bereits aufgeschlossen und somit die Resorption erleichtert ist. Kartoffelbrei hat beispielsweise einen höheren GI als Pellkartoffeln. Auch die Gesamtzusammensetzung der Mahlzeit ist entscheidend. Fett verlangsamt die Verdauung und somit die Resorption der Kohlenhydrate. Trotz hohen Zuckergehalts hat Schokolade beispielsweise einen geringere Auswirkung auf den Blutzucker, als etwa eine Brezel. Zudem schwankt der GI auch von Testperson zu Testperson teilweise erheblich.

Ballaststoffe

Die Ergebnisse zum Einfluss von Ballaststoffen auf Diabetes sind widersprüchlich. Prinzipiell vermögen Ballaststoffe aus Gemüse und Obst die glykämische Antwort zu senken (Steigerung der Viskosität).

Ballaststoffe verzögern die Kohlenhydratresorption und vermindern so Blutzuckerspitzen. Zudem fördern die beim bakteriellen Abbau entstehenden kurzkettigen Fettsäuren die Glukoseverwertung in der Leber, verringern die Freisetzung von Fettsäuren und verbessern den Insulinstoffwechsel.

Eiweiß

Eiweiße stellen 20 bis 30% der Gesamtenergie. Diese liefern essenzielle Aminosäuren, die für den Aufbau von Körpergewebe, Enzymen und einer Reihe Hormonen bzw. Botenstoffen unverzichtbar sind.

Eiweiße sättigen zudem gut und langanhaltend. Zwischenmahlzeiten können so häufig vermieden werden. Besonders bei übergewichtigen Patienten wirken sich diese fehlenden Zusatzkalorien positiv auf die Gesamtenergieaufnahme und somit eine Gewichtsreduktion aus.

Patienten, die bereits eine eingeschränkte Nierentätigkeit aufweisen, müssen hingegen die Eiweißzufuhr auf etwa 0,8 g/ kg Körpergewicht beschränken. Hier ist auf eine ausreichende Zufuhr an essenziellen Aminosäuren zu achten.

Fette

Der Fettanteil an der Energiezufuhr sollte 30 bis 40% betragen. Hierbei ist insbesondere auf die Fettqualität zu achten. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren wirken sich positiv auf die Blutfettwerte aus und sollten mindestens ein Drittel der Gesamtfettzufuhr ausmachen. Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und wirken schützend auf das Herzkreiskaufsystem. Ein Austausch von Omega-6-Fettsäuren durch Omega-3-Fettsäuren ist sinnvoll. Dennoch sollte der Anteil nur maximal ein Drittel des Gesamtfetts ausmachen, da diese Fettsäuren leicht oxidiert werden können.

Transfettsäuren wirken sich negativ auf den Cholesterinspiegel aus und verschlechtern wahrscheinlich die Insulinempfindlichkeit. Industriell gehärtete Fette sollten gemieden werden.

Die Wirkungsintensität als auch die Wirkmechanismen von CLA auf Diabetes mellitus sind nach wie vor unklar. Die Ergebnisse aus Tierversuchen sind uneinheitlich. So ergaben Versuche an prädiabetischen Ratten mit CLA-Fütterung eine Normalisierung der gestörten Glukosetoleranz sowie eine Linderung der Hyperinsulinämie [Hou 1998]. Weitere Analysen bestätigten dies nicht oder wiesen Effekte in Abhängigkeit der Isomere nach [Ryd 2001]. Im Widerspruch dazu stehen Beobachtungen, die nach der Gabe von CLA Hyperinsulinämien zeigten [Tsu 2000].

Alkohol

Ein moderater Alkoholkonsum ist generell erlaubt (Frauen: ≤10 g pro Tag, Männer: ≤20 g pro Tag) und kann teilweise die Hypertonie und die Insulinresistenz verbessern. Zu hoher Konsum schädigt jedoch die Leber und führt zu einer zu hohen Energieaufnahme. Jedoch sollte Alkohol bei insulintherapierten Diabetikern nur in Zusammenhang mit kohlenhydratreichen Mahlzeiten (Gefahr tiefer, langandauernder Hypoglykämie) konsumiert werden.

Beim Gesunden werden die basalen Insulinspiegel im Serum durch akute Alkoholaufnahme aufgrund der körpereigenen Fähigkeit zur Aktivierung gegenregulatorischer Mechanismen nicht beeinflusst. Bei chronisch alkoholkranken Patienten allerdings besteht ein Risiko, da eine gestörte Leberfunktion mit Hemmung der Glukoneogenese zu verminderten Glykogenspeichern führt [van 2004]. Das kann zur Ausbildung einer schweren und potenziell gefährlichen Hypoglykämie nach Alkoholkonsum mit der Gefahr der Entwicklung einer alkoholassoziierten Ketoazidose führen. Bereits ab einem Blutalkoholspiegel von 0,45 Promille ist die Zuckerfreisetzung gestört. Wie stark der Alkohol den Blutzuckerspiegel senkt, ist jedoch nicht berechenbar. Beim Typ-2-Diabetiker erhöhen orale Antidiabetika oder Insulintherapie das Hypoglykämierisiko. Besonders gefährdet ist der alkoholkranke Diabetiker mit fortgeschrittener Lebererkrankung, bei dem die Glykogenspeicher entleert sind.

Übermäßiger chronischer Alkoholgenuss geht zudem mit einer erhöhten Inzidenz einer proliferativen und exsudativen Retinopathie einher. Andere diabetische Spätkomplikationen treten ebenfalls gehäuft auf. Diese lassen sich auf die direkte Alkoholwirkung und auf die problematische Stoffwechseleinstellung des alkoholkranken Diabetikers zurückführen. Für Diabetiker gilt daher die Faustregel: Maximal 2 Gläser am Tag.

Fruktose

Fruktose bringt sowohl Vor- als auch Nachteile für Diabetiker. Fruktose galt für Diabetiker lange Zeit als gesündere Zuckeralternative zu Glukose (Traubenzucker) und verdankt diesem Umstand den Namen Diabetikerzucker. Sowohl die Aufnahme in die Zellen wie auch die Verwertung erfolgen insulinunabhängig. Mit einem glykämischen Index von etwa 23 belastet Fruktose den Blutzuckerspiegel nur mäßig, da nur ein geringer Teil zu Glukose umgewandelt wird.

Die geringe Blutzuckerbelastung führte dazu, dass spezielle Diabetikerprodukte auf den Markt kamen, in denen Glukose bzw. glukosehaltiger Haushaltszucker durch Fruchtzucker ersetzt wurde. Derartige Produkte gelten mittlerweile jedoch als überflüssig, da sich eine generell zuckerarme Ernährung günstiger auf den Krankheitsverlauf des Diabetikers auswirkt, als ein Austausch einzelner Zuckerarten. Zudem scheint der hohe Fruktosekonsum einige diabetestypische Risikofaktoren zu verstärken.

Im Tierversuch führten hohe Fruktosemengen zu Insulinresistenz. Bisher am Menschen durchgeführte Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Zwei Untersuchungen an Personen, deren tägliche Kalorienzufuhr zu 30% aus Saccharose (Zweifachzucker aus Fruktose und Glukose), also etwa 150 bis 180 g bestand, zeigten verminderte Insulinsensitivität. Andere Studien konnten dies nicht bestätigen [Lav 2009].

Laut Johnson und seinen Coautoren verursacht eine sehr hohe Fruktoseaufnahme von etwa 250 g/ d (etwa 5,2 Liter Limonade) innerhalb einer Woche eine Insulinresistenz. Mengen von 210 g/ d (rund 4,5 Liter Limonade) lösen diese nur in Geweben aus, die über das Enzym Fruktokinase verfügen (Leber, Fettzellen). Bei Dosen von etwa 100 g/ d (etwa 2 Liter Limonade) trat keine Insulinresistenz auf [Joh 2009].

Allerdings ist anzumerken, dass sich die bisherigen Studien lediglich über kurze Beobachtungszeiträume erstreckten. Insulinresistenz und Diabetes mellitus Typ 2 entwickeln sich jedoch meist über Jahre, so dass ein schädlicher Einfluss dauerhaft hohen Fruktosekonsums nicht auszuschließen ist.

Übermäßiger Fruktosekonsum begünstigt Übergewicht und fördert insbesondere die bauchbetonte Fetteinlagerung (viszerales Bauchfett). Beides steht in engem Zusammenhang mit Insulinresistenz und sind Risikofaktoren für Diabetes mellitus Typ 2.

Hohe Fruchtzuckermengen begünstigen die Ausbildung einer Fettleber, was wiederum zu einer hepatischen Insulinresistenz führen kann. Zudem erhöhen sich die Triglyzeridspiegel im Blut, wodurch die bei Diabetikern häufig vorkommende Fettstoffwechselstörung weiter verstärkt wird.

Vitamin D

Vitamin D reguliert die zelluläre Kalziumhomöostase und ist somit entscheidend am Sekretionsprozess des Insulins beteiligt.

Die ersten Daten hierzu stammten aus Tierstudien, in denen die Gabe von Vitamin D-Supplementen zu einer erhöhten glukosevermittelten Insulinfreisetzung führte. Weitere Untersuchungen am Menschen zeigten einen Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und erhöhtem Risiko für Typ 2-Diabetes. Eine Metaanalyse kommt zu dem Schluss, dass sich die Gabe von Vitamin D in Kombination mit Kalzium positiv auf Diabetes mellitus vom Typ 2 auswirken kann. Vermutlich profitieren davon jedoch nur Hochrisikopatienten [Pit 2007].

Auch systemische Entzündungen sind an der Entwicklung einer Insulinresistenz beteiligt. Besonders Zytokine spielen eine Rolle bei der Funktionsstörung der Betazellen, indem diese die Apoptose der insulinproduzierenden Zellen auslösen. Da Vitamin D die Bildung und Wirkung der Zytokine beeinflusst, könnte es zur Erhaltung der Funktionstüchtigkeit der Betazellen beitragen und damit auch für Diabetes mellitus vom Typ 1 relevant sein [Pit 2007]; [Mat 2005].

Chrom

Als Bestandteil des Glukosetoleranzfaktors (GTF) spielt Chrom für Diabetiker eine Rolle. Diabetes-Patienten weisen häufig erniedrigte Chromplasmaspiegel auf. Aufgrund des geringen Angebots an GTF geht Diabetes mellitus meist mit Hyperglykämie einher. Mit zunehmendem Ausmaß der Glukosestoffwechselstörung bzw. Glukoseintoleranz, steigt bei Diabetikern der Bedarf an Chrom daher an.

Eine mit Chromgaben erweiterte Diabetes-Diät führte zu folgenden Beobachtungen:

  • verbesserte Glukosetoleranz
  • niedrigere (Nüchtern-) Blutzuckerwerte
  • erniedrigte Insulinspiegel
  • geringere Gesamtcholesterin- und Triglyzeridwerte
  • erhöhte HDL-Cholesterinspiegel

In einer Metaanalyse von 15 randomisierten klinischen Studien konnte bei Nichtdiabetikern jedoch kein Einfluss der zusätzlichen Chromgaben auf die Glukose- oder Insulinkonzentration festgestellt werden. Aufgrund einiger, in dieser Metaanalyse untersuchten Studien aus China, wurde der positive Einfluss von Chrom bei Diabetikern als nicht ausreichend beurteilt.

Ernährung bei Typ-2-Diabetes in der Praxis

Soweit noch keine eingeschränkte Nierenfunktion vorliegt, sollten Diabetiker zucker- bzw. stärkereiche Nahrungsmittel reduzieren und solchen mit niedriger glykämischer Last den Vorzug geben.

Gemüse und Obst

Auf dem Speiseplan des Diabetikers sollte Gemüse den Hautpanteil ausmachen. Etwa 3 Portionen pro Tag sind ratsam. Gemüse wirkt nur in geringem Maße auf den Blutzuckerspiegel, enthält Ballaststoffe sowie Vitamine. Stärkearme Sorten wie Blattgemüse, Blumenkohl, Brokkoli, Tomaten, Paprika, Zucchini und Zwiebel können bedenkenlos verzehrt werden. Stärkereiches Gemüse wie Kartoffeln, Mais, Pastinaken, Maniok und Süßkartoffeln sollten selten auf den Teller kommen.

Neben 3 Portionen Gemüse sollten 2 Portionen Obst in den Tagesplan eingebaut werden. Besonders zuckerärmere Früchte wie Beerenobst und Zitrusfrüchte tragen zur Vitaminversorgung bei. Von getrockneten Früchten wie Datteln und Feigen sowie Obstkonserven ist eher abzuraten, da diese hohe Zuckergehalte aufweisen.

Hülsenfrüchte enthalten zwar Stärke, liefern jedoch gesundes Eiweiß und sollten daher häufig auf dem Speiseplan stehen. Auch Nüsse sind empfehlenswert, da diese reich an wertvollen Ölen sind. Insbesondere Walnüsse und Leinsamen enthalten viele Omega-3-Fettsäuren.

Fleisch, Geflügel, Eier und Fisch

Mageres Fleisch (Muskelfleisch), Geflügel, Eier sowie Fisch liefern viel Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Sie können daher häufig verzehrt werden. Fettige Fischsorten wie Lachs, Thunfisch, Makrele oder Hering sind reich an Omega-3-Fettsäuren, die sich günstig auf die Blutfettwerte und Blutgefäße des Diabetikers auswirken. Zudem stellen insbesondere Seefische gute natürliche Quellen für Jod und Vitamin D dar. Fisch sollte mindestens zweimal pro Woche auf dem Speiseplan stehen.

Öle und Fette

Fett ist ein wichtiger Energielieferant in der Diabetikerkost. Allerdings ist die Fettqualität von entscheidender Bedeutung. Hochwertige Öle wie Oliven-, Raps- und Walnussöl enthalten hohe Gehalte an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, insbesondere Omega-3-Fettsäuren. Sonnenblumen-, Mais- und Distelöl besitzen eine ungünstige Fettsäurenzusammensetzung.

Butter ist sparsam einzusetzen, jedoch der Margarine vorzuziehen. Margarine enthält je nach Herstellungsverfahren teilweise Transfettsäuren oder ist reich an Zusatz- und Fettbegleitstoffen.

Verarbeitete Produkte, die gehärtete Fette enthalten, können mitunter erhebliche Gehalte an Transfettsäuren aufweisen. Hierzu zählen unter anderem Pommes frittes, Kekse, Kartoffelchips und einige Fertigprodukte. Zu beachten ist, dass beim starken Erhitzen von Pflanzenölen die enthaltenen ungesättigten Fettsäuren ebenfalls zu Transfettsäuren umgelagert werden können. Zum scharfen Anbraten oder Frittieren empfehlen sich daher eher Fette mit gesättigten Fettsäuren wie etwa Palmfett. Der Gebrauch sollte jedoch eher die Ausnahme sein.

Getreideprodukte sowie Back- und Teigwaren

Getreideprodukte sind sehr stärkereich und können den Blutzuckerspiegel nach dem Essen stark ansteigen lassen. Sie sollten daher nur in Maßen genossen werden. Die klassischen Sättigungsbeilagen wie Nudeln, Reis, Weißbrot oder Knödel enthalten hauptsächlich Stärke und kaum weitere Nährstoffe. Sie sind für den Diabetiker eher ungünstig und sollten soweit möglich eingeschränkt werden.

Bei Brot ist die Vollkornvariante eindeutig dem Weißmehlprodukt vorzuziehen. Vollkornmehle enthalten die nährstoffhaltigen äußeren Randschichten des Korns und sind somit vitamin-, mineralstoff- und ballaststoffreicher. Doch nicht jedes dunkle Brot ist aus Vollkornmehl gebacken. Viele Hersteller verwenden Malzmehl und Malzextrakt welches dem Brot die dunkle Färbung verleiht. Reines Vollkornbrot hingegen hat eher eine gräuliche Färbung. Der Diabetiker sollte daher das Etikett beachten bzw. gezielt beim Bäcker nachfragen. Nichtsdestotrotz enthalten auch Vollkornbrote viel Stärke und sollten nur mäßig verzehrt werden.

Backwaren aus Weißmehl wie Kuchen, Gebäck, Keksen und Weißbrot erhöhen den Blutzuckerspiegel stark und sollten soweit möglich gemieden werden. Zudem sind diese Nahrungsmittel den Genussmitteln zuzuordnen und sollten auch als solche angesehen werden.

Cornflakes sind zucker- und stärkereich und gehören nicht zum Frühstück eines Diabetikers. Eine bessere Alternative bietet Müsli, wobei ein Teil der Haferflocken durch Nüsse ersetzt wird.

Milch und Milchprodukte

Milch sowie daraus hergestellte Produkte sind gute Eiweiß- und Kalziumquellen. Besonders bei Joghurt ist jedoch zu beachten, dass Fruchtjoghurts teilweise hohe Zuckergehalte aufweisen. Ein selbstgemischter Naturjoghurt mit Früchten ist die bessere Alternative. Auch Lightvarianten sind zu meiden, da hier teilweise Fett durch Zucker oder Zusatzstoffe ersetzt wurde.

Getränke

Trinken ist auch für den Diabetespatienten wichtig. Mindestens ein Liter Wasser oder ungesüßter Tee sollten pro Tag getrunken werden. Fruchtsäfte und Softdrinks sind für Diabetiker ungeeignet, da diese hohe Gehalte an Zucker aufweisen.

Alkoholische Getränke sind in geringem Umfang erlaubt, sollten jedoch 1 Glas bei Frauen sowie 1 bis 2 Gläser bei Männern nicht überschreiten. Insulinpflichtige Diabetiker müssen beim Alkoholkonsum auf eine ausreichende Kohlenhydratzufuhr achten, da sonst schwere Hypoglykämien auftreten können.

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