Diabetes mellitus – Ernährungstherapie

Die Ernährungstherapie ist ein wichtiger Pfeiler bei der Behandlung des Diabetes mellitus vom Typ 2. Aufgrund der engen Beziehung zwischen Übergewicht und der Entwicklung eines Diabetes liegt ein Hauptaugenmerk auf der Reduktion, Normalisierung und Stabilisierung des Körpergewichts. Der positive Effekt einer Gewichtsabnahme auf das Risiko und den Krankheitsverlauf konnte wissenschaftlich belegt werden. Weniger einig sind sich Experten hingegen über die richtige Ernährungsstrategie.

Ernährungsziele, diätetische Prinzipien und mögliche Kostformen

Ernährungsziele

Kurzfristige Ziele:

  • bei Übergewicht: Gewichtsabnahme
  • Normalisierung Blutzucker und Entlastung der Insulinproduktion
  • Ess- und Trinkverhalten optimieren
  • bedarfsdeckende Energie- und Nährstoffzufuhr
  • ausgeglichener Blutzuckerspiegel

Mittelfristige Ziele:

  • bei Übergewicht: Gewichtsabnahme und/oder -stabilisierung
  • Folgerisiken minimieren
  • Lebensqualität verbessern
  • niedriges HbA1c (Zielwerte nach [Inz 2012])

Langfristige Ziele:

  • bei Übergewicht: Gewichtsstabilisierung
  • kardiovaskuläres Risiko senken und Sterblichkeit verringern
Diätetische Prinzipien

Die Ernährung richtet sich im Wesentlichen nach dem Ist- und Zielwert für den Parameter HbA1c. Experten sind sich nach wie vor uneinig darüber, ob eine Senkung der Kohlenhydrat- oder aber der Fettzufuhr entscheidend für ein erfolgreiches Gewichts- und Diabetes-Management ist. Aus physiologischer und biochemischer Sicht scheint die Anpassung der Kohlenhydratzufuhr an Energiebedarf und Bewegungslevel plausibler.

  1. Gewichtsabnahme: energiereduzierte Ernährung mit kohlenhydrat- und/oder fettreduzierter Kost, bei Normalgewicht adäquate Aufnahme an Energie und Kohlenhydraten
  2. Anpassen/ Erhöhen der Eiweißzufuhr
  3. ggf. Starten mit einer Formula-Ernährung
Mögliche Kostformen

Zahlreiche Untersuchungen belegen die positiven Auswirkungen kohlenhydratreduzierter, fett- und eiweißbetonter Diäten auf diabetesrelevante Blutparameter. Vergleiche mit fettarmen Kostformen belegen immer wieder eine stärkere Senkung der Blutglukose und Triglyzeride bzw. Anhebung des HDL-Wertes durch kohlenhydratreduzierte Diäten. Auch die Gewichtsreduktion ist hier ausgeprägter. Bei Diabetikern, die bereits eine eingeschränkte Nierenfunktion vorweisen, ist eine eiweißbetonte Ernährung jedoch nicht zu empfehlen. Ansonsten entscheiden in der Praxis letztendlich Compliance und Motivation der PatientInnen, welcher Weg der geeignetere ist.

Relevante Nährstoffe und Nahrungsinhaltsstoffe

Der Energiebedarf richtet sich Körpergewicht, Zielformulierung und Wahl der Kostform. Die Energiezufuhr des Diabetikers unterscheidet sich nicht von der eines gesunden Menschen. Übergewichtige Patienten sollten möglichst eine negative Energiebilanz anstreben, indem sie den Energieverbrauch durch körperliche Aktivität steigern. Eine strenge Kalorienreduktion ist meist nicht notwendig, da durch den bevorzugten Konsum von kalorienarmem Gemüse und Beerenobst, eiweißreichen, sättigenden Nahrungsmitteln sowie das Meiden energiedichter Sättigungsbeilagen die Energieaufnahme unbewusst geringer ausfällt.

Eine über dem Energiebedarf liegende Kohlenhydratzufuhr bei gleichzeitig unzureichender Bewegung führt zu einer Störung des Zuckerstoffwechsels mit unzureichender Insulinwirkung bzw. -empfindlichkeit.

Insbesondere stärke- und zuckerreiche Nahrungsmittel führen zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Derartige Blutzuckerspitzen lösen eine rasche Freisetzung großer Insulinmengen aus und sollten möglichst vermieden werden. Bei übergewichtigen Patienten ist zusätzlich eine Gewichtsreduktion anzustreben, da sich diese nachweislich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Der Anteil an freiem Zucker ist auf maximal 50 g pro Tag zu beschränken, kann beim gut eingestellten Diabetiker jedoch akzeptiert werden. Die Hauptquelle für Kohlenhydrate sollten Nahrungsmittel mit einem niedrigem glykämischen Index bzw. glykämischer Last sein. Der Anteil der Kohlenhydrate an der Gesamtenergie richtet sich nach Kostform und Vorlieben.

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Im Tierversuch führten hohe Fruktosemengen zu Insulinresistenz. Bisher am Menschen durchgeführte Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Zwei Untersuchungen an Personen, deren tägliche Kalorienzufuhr zu 30 % aus Saccharose (Zweifachzucker aus Fruktose und Glukose), also etwa 150 bis 180 g bestand, zeigten verminderte Insulinsensitivität. Andere Studien konnten dies nicht bestätigen [Lav 2009].

Laut Johnson und seinen Koautoren verursacht eine sehr hohe Fruktoseaufnahme von etwa 250 g/ Tag (etwa 5,2 Liter Limonade) innerhalb einer Woche eine Insulinresistenz. Mengen von 210 g/ Tag (rund 4,5 Liter Limonade) lösen diese nur in Geweben aus, die über das Enzym Fruktokinase verfügen (Leber, Fettzellen). Bei Dosen von etwa 100 g/ Tag (etwa 2 Liter Limonade) trat keine Insulinresistenz auf [Joh 2009]. Es ist anzunehmen, dass die Dosissschwelle bei zunehmender Beobachtungsdauer noch deutlich abnehmen würde.

Hohe Fruchtzuckermengen begünstigen zudem die Ausbildung einer Fettleber, was wiederum zu einer hepatischen Insulinresistenz führen kann. Auch erhöhen sich die Triglyzeridspiegel im Blut, wodurch die bei Diabetikern häufig vorkommende Fettstoffwechselstörung weiter verstärkt wird.

Ein schädlicher Einfluss ist bei einem dauerhaft hohen Fruktosekonsum also nicht auszuschließen.

Die Ergebnisse zum Einfluss von Ballaststoffen auf Diabetes sind widersprüchlich. Prinzipiell vermögen Ballaststoffe aus Gemüse und Obst die glykämische Antwort zu senken (Steigerung der Viskosität). Ballaststoffe verzögern die Kohlenhydrataufnahme und vermindern so Blutzuckerspitzen. Zudem fördern die beim bakteriellen Abbau entstehenden kurzkettigen Fettsäuren die Glukoseverwertung in der Leber, verringern die Freisetzung von Fettsäuren und verbessern den Insulinstoffwechsel.

In der Ernährungsberatung ist die sogenannte „Haferdiät“ vielen ein Begriff. Insbesondere in der Therapie von Diabetes-PatientInnen werden Hafertage, -diäten oder -kuren häufig durchgeführt, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Voraussetzung für die Blutzucker-regulierende Wirkung ist die Aufnahme von mindestens 4 Gramm Beta-Glukanen aus Hafer oder Gerste [Gra 2008].

Proteine

Eiweiße stellen 20 bis 30 % der Gesamtenergie. Diese liefern essenzielle Aminosäuren, die für den Aufbau von Körpergewebe, Enzymen und einer Reihe Hormonen bzw. Botenstoffen unverzichtbar sind.

Eiweiße sättigen zudem gut und langanhaltend. Zwischenmahlzeiten können so häufig vermieden werden. Besonders bei übergewichtigen PatientInnen wirken sich diese fehlenden Zusatzkalorien positiv auf die Gesamtenergieaufnahme und somit eine Gewichtsreduktion aus.

PatientInnen, die bereits eine eingeschränkte Nierentätigkeit aufweisen, sollten hingegen die Eiweißzufuhr auf etwa 0,8 g/ kg Körpergewicht beschränken. Hier ist auf eine ausreichende Zufuhr an essenziellen Aminosäuren zu achten.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren wirken sich positiv auf die Blutfettwerte aus und sollten mindestens ein Drittel der Gesamtfettzufuhr ausmachen. Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und wirken schützend auf das Herzkreiskaufsystem. Ein Austausch von Omega-6-Fettsäuren durch Omega-3-Fettsäuren ist sinnvoll. Dennoch sollte der Anteil nur maximal ein Drittel des Gesamtfetts ausmachen, da diese Fettsäuren leicht oxidiert werden können.

Industriell entstandene Trans-Fettsäuren wirken sich negativ auf den Cholesterinspiegel aus und verschlechtern wahrscheinlich die Insulinempfindlichkeit. Industriell gehärtete Fette sollten möglichst vermieden werden.

Die Wirkungsintensität als auch die Wirkmechanismen natürlich gebildeter Trans-Fettsäuren (z. B. CLA) auf Diabetes mellitus hingegen sind noch unklar. Die Ergebnisse aus Tierversuchen sind uneinheitlich. So ergaben Versuche an prädiabetischen Ratten mit CLA-Fütterung eine Normalisierung der gestörten Glukosetoleranz sowie eine Linderung der Hyperinsulinämie [Hou 1998]. Weitere Analysen bestätigten dies nicht oder wiesen Effekte in Abhängigkeit der Isomere nach [Ryd 2001]. Im Widerspruch dazu stehen Beobachtungen, die nach der Gabe von CLA Hyperinsulinämien zeigten [Tsu 2000].

Ein moderater Alkoholkonsum ist generell erlaubt (Frauen: ≤10 g pro Tag, Männer: ≤20 g pro Tag) und kann teilweise die Hypertonie und die Insulinresistenz verbessern. Zu hoher Konsum schädigt jedoch die Leber und führt zu einer zu hohen Energieaufnahme. Jedoch sollte Alkohol bei mit Insulin therapierten Diabetikern nur in Zusammenhang mit kohlenhydratreichen Mahlzeiten (Gefahr tiefer, langandauernder Hypoglykämie) konsumiert werden.

Beim Gesunden werden die basalen Insulinspiegel im Serum durch akute Alkoholaufnahme aufgrund der körpereigenen Fähigkeit zur Aktivierung gegenregulatorischer Mechanismen nicht beeinflusst. Bei chronisch alkoholkranken Patienten allerdings besteht ein Risiko, da eine gestörte Leberfunktion mit Hemmung der Glukoneogenese zu verminderten Glykogenspeichern führt [van 2004]. Das kann zur Ausbildung einer schweren und potenziell gefährlichen Hypoglykämie nach Alkoholkonsum mit der Gefahr der Entwicklung einer Alkohol-assoziierten Ketoazidose führen. Bereits ab einem Blutalkoholspiegel von 0,45 Promille ist die Zuckerfreisetzung gestört. Wie stark der Alkohol den Blutzuckerspiegel senkt, ist jedoch nicht berechenbar. Beim Typ-2-Diabetiker erhöhen orale Antidiabetika oder Insulintherapie das Hypoglykämierisiko. Besonders gefährdet ist der alkoholkranke Diabetiker mit fortgeschrittener Lebererkrankung, bei dem die Glykogenspeicher entleert sind.

Übermäßiger chronischer Alkoholgenuss geht zudem mit einer erhöhten Inzidenz einer proliferativen und exsudativen Retinopathie einher. Andere diabetische Spätkomplikationen treten ebenfalls gehäuft auf. Diese lassen sich auf die direkte Alkoholwirkung und auf die problematische Stoffwechseleinstellung des alkoholkranken Diabetikers zurückführen. Für Diabetiker gilt daher die Faustregel: maximal 2 Gläser am Tag.

Vitamin D reguliert das zelluläre Kalzium-Gleichgewicht und ist somit entscheidend am Sekretionsprozess des Insulins beteiligt.

Die ersten Daten hierzu stammten aus Tierstudien, in denen die Gabe von Vitamin D-Supplementen zu einer erhöhten glukosevermittelten Insulinfreisetzung führte. Weitere Untersuchungen am Menschen zeigten einen Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und erhöhtem Risiko für Typ 2-Diabetes. Eine Metaanalyse kommt zu dem Schluss, dass sich die Gabe von Vitamin D in Kombination mit Kalzium positiv auf Diabetes mellitus vom Typ 2 auswirken kann. Vermutlich profitieren davon jedoch nur Hochrisikopatienten [Pit 2007].

Auch systemische Entzündungen sind an der Entwicklung einer Insulinresistenz beteiligt. Besonders Zytokine spielen eine Rolle bei der Funktionsstörung der Betazellen, indem diese die Apoptose der Insulin-produzierenden Zellen auslösen. Da Vitamin D die Bildung und Wirkung der Zytokine beeinflusst, könnte es zur Erhaltung der Funktionstüchtigkeit der Betazellen beitragen und damit auch für Diabetes mellitus vom Typ 1 relevant sein [Pit 2007] [Mat 2005].

Als Bestandteil des Glukosetoleranzfaktors (GTF) spielt Chrom für Diabetiker eine Rolle. Diabetes-Patienten weisen häufig erniedrigte Chrom-Plasmaspiegel auf. Aufgrund des geringen Angebots an GTF geht Diabetes mellitus meist mit Hyperglykämie einher. Mit zunehmendem Ausmaß der Glukosestoffwechselstörung bzw. Glukoseintoleranz steigt bei Diabetikern der Bedarf an Chrom daher an. Eine Supplementation mit Chrom kann zu einer verbesserten Glukosetoleranz beitragen [Bal 2007]. Der Effekt ließ sich nicht bei Nicht-Diabetikern beobachten. Für eine abschließende Bewertung reichen die Studienergebnisse bislang jedoch nicht aus.

Relevante Lebensmittel, spezielle Produkte und Küchenmanagement

Gemüse (inkl. Hülsenfrüchte)

Auf dem Speiseplan des Diabetikers sollte Gemüse den Hauptanteil ausmachen. Etwa 3 Portionen pro Tag sind ratsam. Gemüse wirkt nur in geringem Maße auf den Blutzuckerspiegel, enthält Ballaststoffe sowie Vitamine. Stärkearme Sorten wie Blattgemüse, Blumenkohl, Brokkoli, Tomaten, Paprika, Zucchini und Zwiebel können bedenkenlos verzehrt werden. Stärkereiches Gemüse wie Kartoffeln, Mais, Pastinaken, Maniok und Süßkartoffeln sollten selten auf den Teller kommen.

Hülsenfrüchte enthalten zwar Stärke, liefern jedoch gesundes Eiweiß und sollten daher häufig auf dem Speiseplan stehen.

Obst

Auch Obst kann regelmäßig in den Tagesplan eingebaut werden. Besonders zuckerärmere Früchte wie Beerenobst und Zitrusfrüchte tragen zur Vitaminversorgung bei. Von getrockneten Früchten wie Datteln und Feigen sowie Obstkonserven ist eher abzuraten, da diese hohe Zuckergehalte aufweisen.

Getreide/ -erzeugnisse, Brot und Backwaren

Getreideprodukte sind sehr stärkereich und können den Blutzuckerspiegel nach dem Essen stark ansteigen lassen. Sie sollten daher nur in Maßen genossen werden. Die klassischen Sättigungsbeilagen wie Nudeln, Reis, Weißbrot oder Knödel enthalten hauptsächlich Stärke und kaum weitere Nährstoffe. Sie sind für den Diabetiker eher ungünstig und sollten soweit möglich eingeschränkt werden.

Bei Brot ist die Vollkornvariante eindeutig dem Weißmehlprodukt vorzuziehen. Vollkornmehle enthalten die nährstoffhaltigen äußeren Randschichten des Korns und sind somit vitamin-, mineralstoff- und ballaststoffreicher. Doch nicht jedes dunkle Brot ist aus Vollkornmehl gebacken. Viele Hersteller verwenden Malzmehl und Malzextrakt welches dem Brot die dunkle Färbung verleiht. Reines Vollkornbrot hingegen hat eher eine gräuliche Färbung. Der Diabetiker sollte daher das Etikett beachten bzw. gezielt beim Bäcker nachfragen. Nichtsdestotrotz enthalten auch Vollkornbrote viel Stärke und sollten nur mäßig verzehrt werden.

Backwaren aus Weißmehl wie Kuchen, Gebäck, Keksen und Weißbrot erhöhen den Blutzuckerspiegel stark und sollten soweit möglich gemieden werden. Zudem sind diese Nahrungsmittel den Genussmitteln zuzuordnen und sollten auch als solche angesehen werden.

Cornflakes sind zucker- und stärkereich und gehören nicht zum Frühstück eines Diabetikers. Eine bessere Alternative bietet Müsli, wobei ein Teil der Haferflocken durch Nüsse ersetzt wird.

Speiseöle/ -fette, Nüsse und Samen

Fett ist ein wichtiger Energielieferant. Allerdings ist die Fettqualität von entscheidender Bedeutung. Hochwertige Öle wie Oliven-, Raps- und Walnussöl enthalten hohe Gehalte an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, insbesondere Omega-3-Fettsäuren.

Butter und Margarine sind sparsam zu verwenden.

Verarbeitete Produkte, die gehärtete Fette enthalten, können mitunter erhebliche Gehalte an Trans-Fettsäuren aufweisen. Hierzu zählen unter anderem Pommes frittes, Kekse, Kartoffelchips und einige Fertigprodukte. Zu beachten ist, dass beim starken Erhitzen von Pflanzenölen die enthaltenen ungesättigten Fettsäuren ebenfalls zu Trans-Fettsäuren umgelagert werden können. Zum scharfen Anbraten oder Frittieren empfehlen sich daher eher Fette mit gesättigten Fettsäuren wie etwa Palmfett. Der Gebrauch sollte jedoch eher die Ausnahme sein.

Nüsse sind empfehlenswert, da diese reich an wertvollen Ölen sind. Insbesondere Walnüsse und Leinsamen enthalten viele Omega-3-Fettsäuren.

Milch/ -erzeugnisse

Milch sowie daraus hergestellte Produkte sind gute Eiweiß- und Kalziumquellen. Besonders bei Joghurt ist jedoch zu beachten, dass Fruchtjoghurts teilweise hohe Zuckergehalte aufweisen. Ein selbst gemischter Naturjoghurt mit Früchten ist die bessere Alternative. Auch Light-Varianten sind zu meiden, da hier teilweise Fett durch Zucker oder Zusatzstoffe ersetzt wurde.

Fleisch, Wurst und Eier

Mageres Fleisch (Muskelfleisch), Geflügel, Eier sowie Fisch liefern viel Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Sie können daher häufig verzehrt werden.

Wurst hingegen sollte eher selten auf den Tisch kommen.

Fische und Meeresfrüchte

Fettige Fischsorten wie Lachs, Thunfisch, Makrele oder Hering sind reich an Omega-3-Fettsäuren, die sich günstig auf die Blutfettwerte und Blutgefäße des Diabetikers auswirken. Zudem stellen insbesondere Seefische gute natürliche Quellen für Jod und Vitamin D dar. Fisch sollte mindestens zweimal pro Woche auf dem Speiseplan stehen.

Es gibt Hinweise darauf, dass Koffein die Insulinsensitivität kurzfristig beeinträchtigt. Dieser Effekt konnte für den Konsum von Kaffee jedoch nicht bestätigt werden. Das Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken, sinkt mit moderatem Kaffeekonsum sogar [Flo 2012]. Ob hier andere Inhaltsstoffe des Kaffees ausschlaggebend sind oder Gewöhnungseffekte wirken, ist noch unklar [Dam 2020].

3 Hauptmahlzeiten mit mehr als 4-stündigen Essenspausen sind günstiger für den Zucker- und Insulinstoffwechsel.

Komplikationen, häufige Begleiterkrankungen und Medikamente

Adipositas und Übergewicht

Diabetes mellitus-PatientInnen sind häufig übergewichtig [Leitlinie 2013]. Ein besonders enger Zusammenhang besteht zwischen dem BMI und dem Diabetesrisiko [Hau 2011].

Eine Gewichtsabnahme bei bestehendem Übergewicht kann indes das Risiko für Spätschäden bei Diabetes mellitus senken [Pol 2021]. Laut Studie sinkt die Wahrscheinlichkeit für mikrovaskuläre Schäden, Nierenschäden und Neuropathie – auch bei Gewichtsverlust nach einer Diabetes-Diagnose. Keinen Effekt gab es hinsichtlich makrovaskulärer Komplikationen.

Mikrovaskuläre Schäden betreffen dabei die kleinen Blutgefäße und schädigen Nieren, Nerven sowie Augen, was im weiteren Verlauf zu Dialysepflicht, Fußamputation oder auch Blindheit führen kann. Makrovaskuläre Schäden hingegen betreffen die großen Blutgefäße und sind Risikomarker für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Diabetische Makroangiopathie

Kurzdefinition: Durch die chronische Überzuckerung des Blutes werden zunehmend die Blutgefäße angegriffen. Zu einer generellen Störung der großen Arterien (Makroangiopathie) kommt es insbesondere bei nicht diagnostiziertem bzw. schlecht therapiertem Diabetes.

Ursachen: Diabetes mellitus mit schlecht eingestelltem Blutzucker. Weitere Risikofaktoren sind Nebendiagnosen wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht und Lebensstilfaktoren wie Rauchen.

Therapie: Die Therapie der Überzuckerung allein führt nur zu einer geringen Reduktion gefäßbedingter Komplikationen (UKPD-Study). Wichtig ist eine zusätzliche Therapie weiterer kardiovaskulären Risikofaktoren wie Hypertonie, Übergewicht und erhöhter Cholesterinspiegel sowie Nikotinkarenz.

Diabetische Nephropathie

Kurzdefinition: Die diabetische Nephropathie zeigt sich durch eine veränderte Ausscheidung des Eiweißes Albumin im Urin und einer Abnahme des Gesamtvolumens des Primärharns (glomeruläre Filtrationsrate, GFR). Hierdurch entwickeln bzw. verstärken sich diabetestypische Komplikationen wie Hypertonie und Fettstoffwechselstörungen.

Ursachen: Häufigste Ursache ist ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus. Weitere Risikofaktoren sind eine Hypertonie, Rauchen, erhöhte Eiweißzufuhr und -ausscheidung, Fettstoffwechselstörungen, Harnwegsinfekte oder auch nierenschädigende Medikamente.

Therapie: Das Stadium 1 ist reversibel, ab Stadium 2 ist nur noch eine Verlangsamung der Entwicklung möglich. Dies geschieht in erster Linie durch eine straffe Einstellung des Blutzuckerspiegels. Bei zusätzlicher Hypertonie ist eine straffe Einstellung des Blutdruckes anzustreben. In den Anfängen der Nierenschädigung verliert der Körper viel Eiweiß, welches mit der Nahrung zugeführt werden muss, um Mangelzustände zu vermeiden. Das Hauptaugenmerk sollte auf der Eiweißqualität der Nahrungsmittel liegen, um eine angemessene Versorgung mit essenziellen Aminosäuren zu gewähren. Von einer sehr eiweißreichen Ernährung ist jedoch abzuraten.

Diabetische Neuropathie

Kurzdefinition: Die diabetische Neuropathie ist eine Schädigung des Nervensystems infolge eines chronisch erhöhten Blutzuckerspiegels. Sowohl das somatische (willkürliche), als auch das autonome (unwillkürliche) Nervensystem können betroffen sein. Je nachdem wird zwischen sensomotorischer (SDN) und autonomer diabetischer Neuropathie (ADN) unterschieden.

Ursachen: Häufigste Ursache ist ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus. Weitere Risikofaktoren sind arterielle Hypertonie, diabetische Retinopathie, kardiovaskuläre autonome Neuropathie, diabetische Nephropathie. Mediasklerose (Vernarbung der Muskelschicht der Blutgefäße), Hyperlipidämie und Alkohol sowie Nikotin.

Therapie: Notwendig sind eine straffe Einstellung des Blutzuckers und eine adäquate Behandlung der Symptome.

Diabetische Retinopathie

Kurzdefinition: Die diabetische Retinopathie äußert sich in einer verminderten Sehschärfe sowie einem eingeschränkten Gesichtsfeld, welche bei fortschreitender Erkrankung und unzureichender Behandlung zur Erblindung führen kann.

Ursachen: Häufigste Ursache ist ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus. Weitere Risikofaktoren sind Bluthochdruck (Hypertonie) oder auch eine hormonelle Umstellung, zum Beispiel während der Schwangerschaft. Systolischer Bluthochdruck fördert die Entstehung der Retinopathie; diastolischer Bluthochdruck fördert das Fortschreiten.

Therapie: Zu den wichtigen Maßnahmen zählen eine straffe Einstellung des Blutzuckers, die regelmäßige Untersuchung der Augen, die Behandlung eines bestehenden Bluthochdrucks und einer bestehenden Fettstoffwechselstörung sowie Nikotinkarenz.

Diabetisches Fußsyndrom

Kurzdefinition: Der diabetische Fuß ist eine der schwerwiegendsten diabetischen Folgeerkrankungen. Infolge gestörter nervaler Reizleitung und/ oder Durchblutungsstörungen treten mitunter erhebliche Verletzungen und Schäden an den Füßen auf. Beim diabetischen Fuß lassen sich verschiedene Erscheinungsformen unterscheiden.

Ursachen: Der neuropathische Fuß tritt infolge geschädigter Nerven aus. Ursache ist die diabetische Neuropathie mit chronischer Überzuckerung. Der ischämische Fuß entsteht infolge einer gestörten Durchblutung. Ursache ist meist eine periphere, arterielle Verschlusskrankheit (pAVK).

Therapie: Der Stoffwechsel sollte durch eine Normalisierung der Blutzuckerwerte und die Behebung von Ernährungsdefiziten optimiert werden. Grunderkrankungen, die das Immunsystem schwächen oder die Durchblutung stören, sind zu behandeln. Hinzu kommt die Behandlung (Wundprävention und -versorgung) des Fußes selbst.

Diabetisches Koma (Coma diabeticum)

Durch die verminderte Insulinwirkung ist die Glukoseaufnahme in Muskel- und Fettgewebe gestört. Folglich steigt der Blutzuckerspiegel. Ab einer gewissen Konzentration ist die Hyperosmolarität (zu viele Stoffe in zu wenig Flüssigkeit gelöst) des Blutes so hoch, das zum Ausglich des hohen Zuckergehalts Wasser aus den Zellen in die Blutgefäße übertritt. Die Zellen verarmen somit an Wasser und können ihren Funktionen nicht mehr ausreichend nachkommen. Es werden verschiedene Formen unterschieden.

Diabetische Hypoglykämie (Unterzuckerung)

Unter bestimmten Umständen kann es zu einer schweren Unterzuckerung (Hypoglykämie) des Körpers kommen. Der Mediziner spricht hiervon ab einem Blutzuckerspiegel von etwa 2,7 mmol/l (50 mg/dl). Ab ungefähr 2,2 mmol/l (40 mg/dl) treten erste Symptome auf. Allerdings ist der Wert, ab dem eine krankhafte Unterzuckerung besteht, aufgrund starker individueller Schwankungen schwer festlegbar. Besonders schlecht eingestellte Diabetiker mit einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel können bereits bei höheren Werten Beschwerden zeigen [Lob 2003].

Insulin und Sulfonylharnstoffe sind die Hauptauslöser von Hypoglykämien. Jedoch sind weitere auslösende Erkrankungen möglich und sollten bei Verdacht abgeklärt werden.

Infografiken Diabetes mellitus

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