Divertikelkrankheit (Divertikulose, Divertikulitis) – Ernährungstherapie

Der Einfluss der Ernährung auf die Entstehung von Divertikeln und vor allem auf das Auftreten von Komplikationen wirft noch viele Fragen auf. Die empfohlene Ernährungsweise bei Divertikulose unterscheidet sich mitunter stark von der bei einer Entzündung der Divertikel. Es gibt jedoch keine evidenzbasierten Ernährungsempfehlungen für die Therapie – die Empfehlungen beruhen auf Erfahrungen und wissenschaftlichen Schlussfolgerungen. Mitunter beeinflussen zudem von der Erkrankung unabhängige Begleiterscheinungen die Ernährungsempfehlungen. Hierzu zählen zum Beispiel Übergewicht und Adipositas, Bluthochdruck, Unverträglichkeiten und Allergien gegen Lebensmittel oder auch chronische Entzündungen.

Ernährungsziele, diätetische Prinzipien und Umsetzung

Ernährungsziele

Primäres Ziel der Ernährungstherapie ist Beschwerdefreiheit. Bei akuten Formen steht das Abklingen der Symptome im Vordergrund. Mittel- und langfristig soll die Lebensqualität erhalten bzw. verbessert werden und eine neue Bildung sowie Entzündung bestehender Divertikel vermieden und hinausgezögert werden.

Diätetische Prinzipien

Divertikulose: Wissenschaftliche Studien zur Ernährung bei Divertikulose sind in nahezu allen Belangen widersprüchlich. An und für sich sind vorliegende Divertikel ohne Symptome nicht behandlungsbedürftig. Evidenzbasiert gibt es im Grunde nur 2 Empfehlungen, um Komplikationen zu vermeiden: eine ballaststoffreiche Ernährung und viel Flüssigkeit. Dies lässt sich gut über eine pflanzlich-betonte Kost realisieren.

Divertikulitis: Eine Divertikulitis ist im Gegensatz zur Divertikulose behandlungsbedürftig. Unkomplizierte Entzündungen können gegebenenfalls mittels Antibiotika, Nahrungskarenz, parenteraler Ernährung und Bettruhe behandelt werden. Bei erneuten Entzündungsschüben ist eine operative Entfernung des betroffenen Darmabschnitts mit anschließender angepasster Vollkost in Erwägung zu ziehen. Zeitlich befristet wird eine ballaststoffarme, fettarme Kost unter Berücksichtigung unverträglicher Nahrungsmittel empfohlen.

Mögliche Kostformen

Die Wahl der geeigneten Kostform kann von den PatientInnen selbst gewählt werden. Als besonders geeignet gilt eine ovo-lakto-vegetarische Ernährung.

Vegetarische Ernährung: Eine vegetarische Ernährungsweise mit einer hohen Ballaststoffzufuhr kann mit einer selteneren Hospitalisierung bzw. einer geringeren Todesrate infolge einer Divertikulitis verbunden sein [Cro 2011].

Angepasste Vollkost: Während einer Divertikulitis bzw. nach einer operativen Behandlung sollte der Darm geschont und nur eine angepasste Vollkost zu sich genommen werden. Die Ernährungstherapie erfolgt entweder in drei oder in vier Phasen in Form eines schrittweisen Kostaufbaus.

Relevante Nährstoffe und Nahrungsinhaltsstoffe

Für den Zusammenhang von Divertikeln im Darm und Alkohol sind die Studienergebnisse widersprüchlich. Ein moderater Alkoholkonsum in beschwerdefreien Phasen scheint kein Risikofaktor zu sein. Allerdings kann der Konsum das Risiko für Komplikationen bei einer sich anbahnenden Entzündung erhöhen [DGVS 2013].

Divertikulose: Mitauslöser für die Entstehung der Wandausstülpungen (Divertikel) ist der erhöhte Innendruck im Dickdarm (Kolon) als Folge eines langjährigen geringen Stuhlvolumens. Das Stuhlvolumen wiederum wird maßgeblich durch die Ballaststoffzufuhr über die Nahrung beeinflusst. Eine Rückbildung der Divertikel ist mit diätetischen Maßnahmen nicht möglich. In Studien zeigte sich, dass durch einen erhöhten Ballaststoffkonsum die Entzündung der Divertikel gehemmt werden kann [Cro 2014]. Vermutlich üben wasserlösliche Ballaststoffe (z. B. aus Früchten und Gemüse) einen stärkeren Effekt aus.

Divertikulitis: Liegt bereits eine Divertikulitis vor, ist die Verträglichkeit deutlich herabgesetzt und die Aufnahme sollte reduziert werden.

Flüssigkeit

Täglich sollten mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit aufgenommen werden. Oder anders ausgedrückt: Eine adäquate Trinkmenge beläuft sich auf etwa 30-35 ml pro kg Körpergewicht. Ballaststoffe binden reichlich Wasser und quellen im Darm.

Relevante Lebensmittel, spezielle Produkte und Küchenmanagement

Faser- und kernreiche Lebensmittel

Autopsie-Befunde, bei denen sich oftmals Körner und Nahrungsfasern in den entzündeten Divertikeln fanden, führten zu der Annahme, dass diese an der Entwicklung einer Divertikulitis beteiligt wären. Lange Zeit hielt sich die Vorstellung, harte und faserige Nahrungsbestandteile würden die Divertikelwand reizen, zu Entzündungen oder einem Verschluss der Divertikel führen. Patienten erhielten daher den Rat, auf Nüsse, Samen, Körner und kernhaltiges Obst bzw. Gemüse zu verzichten oder die Kerne zu entfernen.

Mittlerweile wurde diese Empfehlung revidiert. In wissenschaftlichen Untersuchungen ließ sich kein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Nüssen, Samen oder Körnern und einem erhöhten Risiko für eine Divertikulitis nachweisen. Männer, die etwa zweimal wöchentlich Nüsse aßen, waren seltener von Entzündungen betroffen als Männer, die kaum oder gar keine Nüsse konsumierten [Str 2008].

Der Verzicht auf Nüsse, Samen oder kernhaltiges Gemüse und Obst ist folglich nicht mehr notwendig. Wer sich aber sicherer fühlt, kann diese Lebensmittel dennoch meiden. Eine Alternative zum Verzicht ist eine achtsame Ernährungsweise. Betroffene sollten sich Zeit zum Essen nehmen, grobkörnige Nahrungsmittel bewusst kauen und nicht nebenbei oder unter Ablenkung essen. Auf große, leicht entfernbare Obstkerne z.B. aus Äpfeln, Birnen oder Melonen kann bei Bedenken jedoch auch problemlos verzichtet werden.

Fleisch/ -erzeugnisse

Aus Tierstudien und einigen wenigen Humanstudien ist bekannt, dass der Konsum von rotem Fleisch zu einer veränderten Darmflora beiträgt [Spi 2015]. Hier scheint der Verzehr das Risiko für eine Divertikulitis zu erhöhen [Cro 2011]. Eine Reduktion des Fleischkonsums ist auch in Hinblick auf das Entzündungsgeschehen zu empfehlen. Insbesondere kann es als Teil einer Hauptmahlzeit des Öfteren durch fetten Fisch (reich an Omega-3-Fettsäuren) ersetzt werden, der im Gegensatz zum Fleisch (reich an Omega-6-Fettsäuren) entzündungshemmend wirken kann.

Verarbeitete Fleischprodukte wie Schinken, Wurst und Salami sollten nur sparsam verwendet werden, da ein negativer Einfluss der enthaltenen Zusätze auf die Darmflora bzw. auf Symptome ebenfalls vorstellbar ist.

In Humanstudien deutete sich an, dass rotes Fleisch das Risiko für eine Hospitalisierung bei einer bestehenden Erkrankung zu erhöhen scheint [DGVS 2013].

Entzündliche Vorgänge im Rahmen einer Divertikelkrankheit bzw. einer Divertikulitis legen die Vermutung nahe, dass sich Lebensmittel mit entzündungshemmenden Inhaltsstoffen vorbeugend auswirken können.

Wissenschaftlich untersucht wurde diese Fragestellung bislang nicht. Es ist aber vorstellbar, dass entzündungshemmende Inhaltsstoffe für die präventive Wirkung einer pflanzlichen Kost mit verantwortlich sind. Auch das geringere Risiko für eine Divertikulitis, das in Zusammenhang mit einem vermehrten Nusskonsum beobachtet wurde, wäre durch die anti-inflammatorische Wirkung von Walnüssen oder Mandeln erklärbar.

Eine pflanzenbetonte Ernährungsweise liefert zahlreiche entzündungshemmende sekundäre Pflanzenstoffe und ist auch vor diesem Hintergrund zu empfehlen. Weiterhin denkbar ist ein positiver Einfluss omega-3-fettsäurenreicher Lebensmittel wie fettem Seefisch oder bestimmter pflanzlicher Öle. Omega-3-Fettsäuren begünstigen die Bildung entzündungshemmender Botenstoffe und reduzieren damit entzündliche Prozesse im Körper.

Mit probiotischen Lebensmitteln wiederum kann die Darmgesundheit langfristig gestärkt werden.

Vermutungen über einen Einfluss der Darmflora auf die Symptome der Divertikelkrankheit legen auch den Schluss nahe, dass sich probiotische Lebensmittel günstig auf die Darmgesundheit und eine bestehende Divertikulose auswirken können. In ersten Studien konnten mit Lactobacillus casei die Beschwerden von PatientInnen verbessert werden [Tur 2014]. Ob und wie andere Bakterienstämme positive Wirkungen entfalten, ist noch nicht bekannt.

Dennoch können milchsauer vergorene Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Buttermilch, Sauermilch und Sauerkraut zur Unterstützung der Darmflora durchaus empfehlen werden.

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Kaffee schädlich ist [DGVS 2013].

Speisenzubereitung

Ungeeignet sind scharfe, harte, reizende und sehr heiße Speisen (z. B. Salz in größeren Mengen, Alkohol, gepökelte Waren, frittierte und gegrillte Speisen). In der akuten Phase sind auch fetter Fisch, Fleisch, fette Milchprodukte, große Mengen Fett und Eiweiß, Nüsse, Knabbereien und Süßigkeiten tabu. Dazu zählen ebenso gesüßte Getränke sowie jegliche Art von Fertigprodukten.

Weitere Lebensstilfaktoren

Bewegung und Sport

Körperliche Aktivität scheint das Risiko für Divertikelblutungen zu vermindern [DGVS 2013].

Nikotinkonsum

Rauchen scheint das Risiko für Divertikelblutungen zu erhöhen [DGVS 2013].

Komplikationen, häufige Begleiterkrankungen und Medikamente

Adipositas

Übergewicht und Adipositas erhöhen das Risiko für Divertikel und Divertikelblutungen [DGVS 2013].

Divertikulitis (→ Angepasste Vollkost)

Die Ernährungstherapie erfolgt entweder in drei oder in vier Phasen in Form eines schrittweisen Kostaufbaus.

Phase 1: In sehr schweren Fällen kann in den ersten 1 bis 2 Tagen eine Fastenphase dabei helfen, den Darm ruhig zu stellen und schwerwiegende Entzündungen abklingen zu lassen. Hierbei eignet sich insbesondere Trinknahrung oder gegebenenfalls parenterale Ernährung. In den meisten Fällen wird der Patient aufgrund der akuten Entzündungslage stationär behandelt und zum Beispiel über Infusionen ernährt. Die Entscheidung hierüber trifft das ärztliche Personal.

Phase 2: Ist die akute Entzündungslage abgeklungen, ist für die nächsten Tage eine ballaststoff- und fettarme Kost angezeigt.

Phase 3: Bis die Entzündungen endgültig abgeklungen sind, ist eine leichte Vollkost einzuhalten. Das kann eine bis mehrere Wochen andauern. Die Auswahl geeigneter Lebensmittel und Speisen richtet sich nach der individuellen Verträglichkeit der Nahrungsmittel und wird langsam ausgetestet.

Phase 4: Bei erreichter Beschwerdefreiheit kann langsam auf eine ballaststoffreiche, betont pflanzliche Kost umgestellt werden. Ab diesem Zeitpunkt richtet sich die Ernährung nach den Empfehlungen bei Divertikulose mit dem Ziel, eine erneute Entzündung der Divertikel zu vermeiden.

Medikamente

Es gibt Medikamente, die Einfluss auf Ernährungsempfehlungen nehmen können. Hierzu zählen unter anderem Aspirin, Paracetamol, Gerinnungshemmer, nicht-steroidale Entzündungshemmer, Kortikosteroide, Kalziumantagonisten.

Komorbiditäten

Zudem gibt es Begleiterkrankungen, die Einfluss auf Ernährungsempfehlungen nehmen können.

Divertikelbildung: Schilddrüsenunterfunktion, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, Immunsuppression und Allergien

Divertikelblutung: Nierenerkrankungen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Koronare Herzkrankheiten, Hyperurikämie

Infografiken Ernährung bei Divertikelkrankheit

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