Ernährung bei Divertikulose und Divertikulitis

Der Einfluss der Ernährung auf die Divertikelentstehung und vor allem auf das Auftreten von Komplikationen wirft noch viele Fragen auf. Obwohl die Wissenschaft in den letzten Jahren einige neue Erkenntnisse gewinnen konnte, gibt es bislang nur wenige Indizien, ob und wie sich einzelne Ernährungsfaktoren auf das Divertikulitisrisiko auswirken. Die derzeitigen Präventionsempfehlungen beruhen daher nach wie vor zum Teil auf Vermutungen, deren Wirksamkeit noch einer wissenschaftlichen Überprüfung bedürfen.

Ernährung bei Divertikulose

Eine Divertikulose ist an sich nicht behandlungsbedürftig. Bereits bestehende Divertikel können sich nicht zurückbilden. Die Vorstellung, die Bildung weiterer Divertikel durch eine ballaststoffreiche, Obstipationen-entgegenwirkende Ernährungsweise zu vermeiden, wurde durch neuere Studien relativiert (wie im Kapitel Ursachen und Risikofaktoren ausführlich dargelegt). Eine völlige Abkehr von den bisherigen Empfehlungen lässt sich aus den epidemiologischen Daten jedoch nicht rechtfertigen. Eine ballaststoffreiche bzw. betont pflanzliche Kost wird auch weiterhin der Fokus der Ernährungstherapie bleiben, zumal diese das Risiko für Entzündungen minimiert. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, durch entzündungshemmende Lebensmittel einer Divertikulitis gezielt vorzubeugen.

Ballaststoffe

Die Rückbildung der Divertikel ist mit diätetischen Maßnahmen nicht möglich. Es gibt jedoch Hinweise, dass durch einen erhöhten Ballaststoffkonsum die Entzündung der Divertikel gehemmt werden kann. Bei einer prospektiven 6-Jahres-Studie mit über 690.000 Frauen ohne vorherige Divertikulose-Diagnose fanden die Autoren einen deutlich Zusammenhang zwischen der Ballaststoffzufuhr und dem Entzündungsrisiko. Je höher der Ballaststoffkonsum war, umso niedriger fiel das Risiko für eine Divertikulitis aus [Cro 2014]. Ähnliche Ergebnisse fand auch die Auswertung des britischen Arms der EPIC-Studie. Hier war eine vegetarische Ernährung wie auch eine hohe Ballaststoffzufuhr mit einer selteneren Hospitalisierung bzw. einer geringeren Todesrate infolge einer Divertikulitis verbunden [Cro 2011]. Ältere epidemiologische Studien kamen zu dem gleichen Schluss [Ald 1998]. Welche Ballaststoffquellen den stärksten Einfluss ausüben, lässt sich anhand der bisher verfügbaren Daten jedoch nicht mit Sicherheit sagen.

Hat sich der Patient lange Zeit sehr ballaststoffarm ernährt, sollte die Ballaststoffmenge langsam erhöht werden. Diese kann anfangs zu einer erhöhten Gasbildung und damit zur zusätzlichen Belastung des Darms führen. Mit der Zeit passt sich der Darm bzw. die Darmflora an die schwer verdaulichen Substanzen an. Anfängliche Bauchschmerzen und Blähungen sollten nach etwa einer Woche abklingen. Um die Ballaststoffzufuhr effektiv zu steigern, sollte der überwiegende Teil des Speiseplans aus pflanzlichen Lebensmitteln bestehen. Liegt gleichzeitig Übergewicht vor, ist es günstig, vor allem auf Gemüse zurückzugreifen, Obst auf 2-3 Portionen am Tag zu beschränken und auch bei Vollkorn-Beilagen auf die Portionsgröße zu achten.

Gemüse, Pilze und Hülsenfrüchte eignen sich besonders als Ballaststoffquellen. Je nach Verträglichkeit können weniger blähende Gemüsesorten bevorzugt werden. Blähungstreibende Gewürze und Kräuter wie Kümmel, Dill, Petersilie; aber auch Tees aus Kümmel, Fenchel und Anis machen Gerichte mit Kohlgemüse oder Hülsenfrüchten bekömmlicher.

Aufgrund des Zuckergehaltes sollte der Verzehr von Obst auf möglichst 2-3 Portionen (eine Portion entspricht etwa einer Handvoll) beschränkt werden. Sorten mit einem besonders hohen Gehalt an antioxidativen, entzündungshemmenden Inhaltsstoffen wie etwa Beeren oder Zitrusfrüchten können sich positiv auf Entzündungsprozesse auswirken. Große, leicht entfernbare Obstkerne z.B. aus Äpfeln, Birnen oder Melonen sollten zur Sicherheit nicht mit verzehrt werden. Für ältere Patienten, die Probleme mit dem Kauen haben, können Beeren und weiches Obst auch passiert werden. Das Mus eignet sich gut als Kompott, zum Einrühren in Naturjoghurt oder zum Mischen mit ausgepresstem Fruchtsaft.

Backwaren und Teigwaren aus Vollkornmehlen sowie Naturreis liefern neben Ballaststoffen auch reichlich Vitamine und Mineralstoffe. Wer Probleme mit dem Kauen hat, kann bei Backwaren auf Varianten aus feinvermahlenem Vollkornmehl zurückgreifen. Patienten sollten an dieser Stelle möglichst noch einmal darauf hingewiesen werden, auf welche Kriterien beim Kauf von Vollkornbackwaren zu achten sind. Bei vielen Konsumenten herrscht nach wie vor der Irrglaube, dunkles Brot wäre gleichbedeutend mit Vollkornbrot bzw. sichtbare Körner auf Brötchen würden auf eine Vollkornvariante hindeuten. Ob es sich tatsächlich um Vollkornbackwaren handelt, ist für das Laienauge meist nur aus der Zutatenliste oder auf Nachfrage beim Bäcker ersichtlich. Steht auf der Packung „Vollkorn“-brot, muss rechtlich gesehen auch 90% des Mehlanteils Vollkornmehl sein. Auch Grahambrot oder Vollkorntoast sind geeignet. Produkte aus Weizenvollkornmehl sind für einige Menschen schlechter verträglich. Hier kann der Umstieg auf andere Getreidesorten wie Dinkel- oder Roggenvollkorn helfen. Brote auf Sauerteigbasis sowie Brote, die mindestens einen Tag alt sind, sind ebenfalls besser verträglich.

Nüsse wie Walnüsse, Mandeln und Haselnüsse und Samen wie Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Sesam und Mohn sollten sehr gut gekaut oder bei Bedarf gemahlen werden.

Zur Erhöhung der Ballaststoffzufuhr eignet sich auch Haferkleie oder geschroteter Leinsamen. Um Verstopfungen zu vermeiden, sollten nicht mehr als 3-4 leicht gehäufte Esslöffel mit viel Flüssigkeit (1 EL benötigt etwa 150-200 ml Flüssigkeit zum Quellen) verzehrt werden. Bei schweren Fällen von Obstipation eignet sich auch indischer Flohsamenschalen.

Ballaststoffe binden reichlich Wasser und quellen im Darm. Hierfür wird ausreichend Flüssigkeit benötigt, da es sonst zu harten Stühlen und Verstopfungen kommt. Eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr kann auch unabhängig der aufgenommenen Ballaststoffmenge harte Stühle und Verstopfungen begünstigen. Patienten sollten mindestens 1,5 bis 2 Liter oder mehr trinken. Am besten geeignet sind stille Mineralwässer (diese sättigen weniger als kohlensäurehaltige Wässer, wodurch leichter mehr getrunken werden kann), ungesüßte Tees und stark verdünnte Fruchtsaftschorlen.

Nüsse, Samen sowie kernhaltiges Gemüse und Obst

Autopsiebefunde, bei denen sich oftmals Körner und Nahrungsfasern in den entzündeten Divertikeln fanden, führten zu der Annahme, dass diese an der Entwicklung einer Divertikulitis beteiligt wären. Lange Zeit hielt sich die Vorstellung, harte und faserige Nahrungsbestandteile würden die Divertikelwand reizen oder zu einem Verschluss des Divertikels führen. Patienten erhielten daher den Rat, auf Nüsse, Samen, Körner und kernhaltiges Obst bzw. Gemüse zu verzichten oder die Kerne zu entfernen.

Mittlerweile wird diese Empfehlung revidiert. Strate und seine Kollegen, die über 47.000 Männer über 18 Jahre begleiteten, konnten keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Nüssen, Samen oder Körnern und einem erhöhten Divertikulitisrisiko feststellen. Im Gegenteil: die Männer, die etwa zweimal wöchentlich Nüsse aßen, waren seltener von Entzündungen betroffen als Männer, die kaum oder gar keine Nüsse konsumierten [Str 2008]. Ein Verzicht auf Nüsse, Samen oder kernhaltiges Gemüse und Obst ist folglich nicht mehr gerechtfertigt.

Statt auf einem Verzicht sollte der Fokus daher besser auf dem guten Kauen von grobkörnigen Nahrungsmitteln liegen. Betroffene sollten sich Zeit zum Essen nehmen, bewusst kauen und nicht nebenbei oder unter Ablenkung essen. Das Entfernen von größeren Obstkernen wie etwa aus Äpfeln oder Melonen ist zur Sicherheit dennoch ratsam.

Fleisch

Der Konsum von rotem Fleisch war in verschiedenen Studien mit einem erhöhten Risiko für eine symptomatische Divertikelkrankheit bzw. für eine Divertikulitis verbunden [Man 1985]; [Ald 1994]; [Cro 2011]. Allerdings scheint dieser Effekt nicht dem Fettgehalt oder dem Gehalt an tierischem Eiweiß geschuldet zu sein. Aus Tierstudien und einigen wenigen Humanstudien ist bekannt, dass der Konsum von rotem Fleisch zu einer veränderten Darmflora beiträgt [Spi 2015]. Eine Kost mit reichlich tierischen Produkten enthält beispielsweise eine Reihe an Enterobakterien, die in der Kost afrikanischer Völker nicht vorkommen [De 2010]. Eine Auswirkung solcher Darmkeime auf Prozesse, die zu Symptomen bzw. zu Entzündungen im Rahmen einer Divertikelkrankheit beitragen, ist denkbar. Allerdings liegen für diese Hypothese bislang keine Daten vor.

Eine Reduktion des Fleischkonsums ist auch in Hinblick auf das Entzündungsgeschehen zu empfehlen. Dabei kann Fleisch als Teil einer Hauptmahlzeit des Öfteren durch fetten Fisch (reich an Omega-3-Fettsäuren) ersetzt werden, der im Gegensatz zum Fleisch (reich an Omega-6-Fettsäuren) entzündungshemmend wirken kann. Besonders verarbeitete Fleischprodukte wie Schinken, Wurst und Salami sollten nur sparsam verwendet werden, da ein negativer Einfluss der enthaltenen Zusätze auf die Darmflora bzw. auf Symptome ebenfalls vorstellbar ist.

Probiotika

Vermutungen über einen Einfluss der Darmflora auf die Symptome der Divertikelkrankheit legen auch den Schluss nahe, dass sich Probiotika günstig auswirken können. Tatsächlich konnten in ersten Studien mit Lactobacillus casei die Beschwerden von Patienten verbessert werden [Tur 2014]. Wie sich andere Bakterienstämme auswirken, ist noch nicht bekannt.

Milchsauer vergorene Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Buttermilch, Sauermilch und Sauerkraut können sich ebenfalls als hilfreich erweisen. Zur Unterstützung der Darmflora sind solche Lebensmittel durchaus zu empfehlen.

Entzündungshemmende Lebensmittel

Die entzündlichen Vorgänge im Rahmen einer Divertikelkrankheit bzw. einer Divertikulitis legen die Vermutung nahe, dass sich Lebensmittel mit entzündungshemmenden Inhaltsstoffen vorbeugend auswirken können. Wissenschaftlich untersucht wurde diese Fragestellung bislang nicht. Dass entzündungshemmende Inhaltsstoffen für die vorbeugende Wirkung einer pflanzlichen Kost mit verantwortlich sind, ist vorstellbar. Auch das geringere Divertikulitisrisiko, das in Zusammenhang mit einem vermehrten Nusskonsum beobachtet wurde, wäre durch die anti-inflammatorische Wirkung von Walnüssen oder Mandeln erklärbar.

Eine pflanzenbetonte Ernährungweise liefert zahlreiche entzündungshemmende sekundäre Pflanzenstoffe und ist auch vor diesem Hintergrund zu empfehlen. Weiterhin denkbar ist ein positiver Einfluss omega-3-fettsäurenreicher Lebensmittel wie Seefisch und pflanzlicher Öle.

Ernährung bei Divertikulitis

Eine Divertikulitis ist im Gegensatz zur Divertikulose behandlungsbedürftig. Unkomplizierte Entzündungen können gegebenenfalls mittels Antibiotika, Nahrungskarenz, parenteraler Ernährung und Bettruhe behandelt werden. Nach Abklingen der Entzündung kann eine endoskopische Untersuchung mögliche Komplikationen abklären. Bei erneuten Entzündungsschüben kann auch eine operative Entfernung des betroffenen Darmabschnitts in Erwägung gezogen werden. Handelt es sich hingegen um eine komplizierte Divertikulitis, muss das betroffen Darmstück in jedem Fall entfernt werden. Während einer Divertikulitis bzw. nach einer operativen Behandlung sollte der Darm geschont und nur eine leichte Vollkost zu sich genommen werden. Die Ernährungstherapie erfolgt in vier Stufen

Phase 1: Fastenphase, Trinknahrung oder parenterale Ernährung

In den ersten 1 bis 2 Tagen ist eine Fastenphase einzuhalten, um schwerwiegende Entzündungen zu bessern. Hierbei eignet sich insbesondere Trinknahrung oder gegebenenfalls parenterale Ernährung. In den meisten Fällen wird der Patient aufgrund der Entzündung stationär behandelt und über Infusionen ernährt.

Phase 2: Ballaststoff- und fettarme Kost

In den folgenden Tagen sollte zunächst eine ballaststoff- und fettarme Kost befolgt werden. Empfehlenswerte Lebensmittel sind:

  • reichlich ungesüßter Tee (insbesondere Kamillen- oder Kräutertee)
  • Zwieback
  • fettarme, klare Suppen mit Einlagen wie Kartoffeln, Nudeln, Reis, Graupen, Zucchini, Möhren und magerem Fleisch
  • passiertes Gemüse wie Zucchini, Kürbis, Spinat
  • kleingeschnittenes und gedünstetes mageres Fleisch
  • Gemüsesaft
  • passierter Obstkompott
  • fettarmer Joghurt

Phase 3: Leichte Vollkost

Bis die Entzündungen endgültig abgeklungen sind, ist eine leichte Vollkost einzuhalten. Diese richtet sich nach der individuellen Verträglichkeit der Nahrungsmittel und wird langsam vom Patienten ausgetestet. Folgendes wird in der Regel gut vertragen:

  • wohltemperierte Gerichte (nicht zu heiß und nicht zu kalt)
  • Speisen ohne extreme Geschmacksrichtungen (nicht extrem süß, sauer, scharf oder stark gewürzt)
  • kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, um den Darm nicht zu überlasten
  • langsames Essen und gutes Kauen
  • schonende Zubereitung: Dünsten, Dämpfen, Kochen, Mikrowellengaren, Anbraten (fettarm in Teflonpfannen)

Zu den eher schlecht verträglichen Speisen zählen:

  • frisches und grobkörniges Brot
  • fettige Speisen wie Bratkartoffeln, Pommes frites, Chips, Cremespeisen und Eiscreme, Schokolade, in Fett ausgebackene Speisen
  • fettreiches Fleisch, Wurst, Salami, Innereien
  • fettiger Fisch wie Aal, Makrele, Hering, Lachs
  • hartgekochte Eier
  • Milchprodukte mit hohem Fettanteil wie Sahne, Schmand, Sahnejoghurt und Käsesorten mit mehr als 45% Fett
  • ballaststoffreiches Gemüse wie Hülsenfrüchte, Kraut- und Kohlgemüse, Lauch, Zwiebeln und Schnittlauch
  • Steinobst, Weintrauben, unreifes Obst, Trockenfrüchte, Nüsse
  • Kaffee, Schwarztee, kohlensäurehaltige Getränke
  • starke Gewürze, Ketchup, Senf, Kapern
  • Alkohol

Phase 4: Ballaststoffreiche, pflanzenbetonte Kost

Sind die Entzündungen abgeklungen, kann langsam auf eine ballaststoffreiche, vor allem betont pflanzliche Kost entsprechend umgestellt werden. Ab diesem Zeitpunkt richtet sich die Ernährung nach den Empfehlungen bei Divertikulose, um zu versuchen, eine erneute Divertikelentzündung zu vermeiden.

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