Dysphagie: Köstliche Kost gegen Schluckstörungen

Eine Schluckerschwernis für feste und/oder flüssige Speisen oder Getränke wird als Dysphagie bezeichnet. Treten beim Schlucken zusätzlich noch Schmerzen hinter dem Brustbein oder in der Magengrube auf, so spricht man von einer Odynophagie. Bei einer Dysphagie kommt es zu Veränderungen oder Störungen des normalen Schluckaktes vom Mund bis zur Magenöffnung.

Symptombild Dysphagie im Überblick

Definition und Häufigkeit

Eine Schluckerschwernis für feste und/oder flüssige Speisen oder Getränke wird als Dysphagie bezeichnet. Treten beim Schlucken zusätzlich noch Schmerzen hinter dem Brustbein oder in der Magengrube auf, so spricht man von einer Odynophagie. Bei einer Dysphagie kommt es zu Veränderungen oder Störungen des normalen Schluckaktes vom Mund bis zur Magenöffnung.

Bis zu 7 % der Bevölkerung sind von Schluckstörungen betroffen. An ihr leiden Menschen jeden Alters, insbesondere aber ältere Leute. Dysphagie tritt in verschiedenen Graden auf, von leichten Beschwerden und Problemen bis hin zur völligen Unfähigkeit, den Schluckreflex auszuführen. 33 % der Patienten, die eine intensive Pflege benötigen und 65 % der Patienten, die langfristig behandelt werden, weisen eine Schluckstörung auf. Insbesondere Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, leiden infolge dessen an Schluckbeschwerden. Schluckstörungen werden in den meisten Fällen nicht rechtzeitig erkannt, es ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Krankheitszeichen das verschiedene Ursachen haben kann. Beispielsweise kommt es bei Entzündungen des Mund-Nasen-Rachen-Raumes sowie bei Tumoren (gut- oder bösartige Geschwülste) im Bereich des Schluckweges, bei Morbus Parkinson (Schüttellähmung) und bei der Refluxerkrankung zu Schluckstörungen.


Dysphagie: Köstliche Kost gegen Schluckstörungen

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Ursachen und Risikofaktoren

Nahrung und Speichel werden über Mund, Rachen und Speiseröhre in den Magen transportiert. Besonders störanfällig ist der Kreuzungsbereich von Luftweg und Speiseweg. Damit Speichel und Nahrung nicht über den Kehlkopf in die Luftröhre oder unnötige Luft nicht in die Speiseröhre gelangen, hat der menschliche Körper besondere Schließ- und Sicherheitsmechanismen entwickelt. Der Schluckvorgang ist ein willkürlich, also bewusst eingeleiteter, als Reflexkette rasch innerhalb von Sekunden ablaufender Vorgang.

Auslöser der Dysphagie sind hauptsächlich neurologische, psychiatrische und chronische Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer, Multiple Sklerose oder Krebs. Entzündungen wie Abszesse, Tonsillitis, Infektionen wie AIDS, Candida oder Herpes sowie Operationen können ebenso mit Dysphagie in Zusammenhang gebracht werden. Darüber hinaus gibt es auch altersbedingte Veränderungen, die zu einer Verstärkung der Dysphagiesymptome führen können. Beispielsweise verlangsamt sich der Schluckvorgang, sodass der Luftweg länger geöffnet ist, auch wenn sich bereits ein Bissen im Mund befindet. Man unterscheidet die oropharyngeale Dysphagie mit Ursachen im Rachenbereich (Pharynx) und im Bereich des Speiseröhrenschließmuskels (Ösophagussphinkter) von der ösophagealen Dysphagie mit Beschwerden im Bereich der schlauchförmigen (tubulären) Speiseröhre.

Symptome

Zu den Symptomen, die auf eine Störung im Mund-Halsbereich (oropharyngeale Dysphagie) hindeuten, zählen unter anderem langsames Essen oder Essensverweigerung, Sabbern, Würgen oder Husten während oder nach der Nahrungsaufnahme, eine nasse und gurgelnde Stimme oder Essensrückstände im Mund nach Beendigung der Mahlzeit. Zu den Symptomen, die auf eine Störung in der Speiseröhre hinweisen (ösophageale Dysphagie), zählen unter anderem Druckgefühl, Brennen und Schmerzen hinter dem Brustbein und saures sowie nicht saures Aufstoßen. Liegen Schluckstörungen vor, ist der Schluckreflex nur noch kaum oder gar nicht mehr spürbar.

Häufige Begleit- und Folgeerkrankungen sowie Komplikationen

Dysphagien führen häufig dazu, dass Nahrung oder Flüssigkeit unbewusst in den Rachen und schließlich in die Luftröhre gelangen. Diese Komplikation wird als Aspiration bezeichnet. Eine Aspiration kann mit der Entwicklung einer Lungenentzündung einhergehen, sodass eine Aspirationspneumonie entstehen kann. Die klinischen Anzeichen einer Aspiration werden häufig verkannt, infolgedessen eine Gefährdung des Patienten schwierig einzuschätzen ist. Eine Aspiration lässt sich durch direkte klinische Symptome und indirekte klinische Symptome kennzeichnen. Direkte Symptome treten während des Schluckens von Speichel oder beim Essen und Trinken auf. Indirekte Symptome stehen nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Essen oder Schlucken.

Häufiges Husten, Kauen und Ausspucken beim Essen führt dazu, dass die Nahrung unbewusst aus dem Mund oder der Nase austritt. Dieser Zustand führt zu erheblichen Beschwerden und Peinlichkeiten. Um diese unangenehme Lage zu vermeiden, verringern Dysphagiepatienten häufig die Nahrungsaufnahme oder meiden diese völlig. Appetitlosigkeit, Dehydratation, Mangelernährung und Gewichtsverlust sind häufig die Folgen, welche mit einer Dysphagieerkrankung einhergehen. Ein Mangel an Energie, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen sind insbesondere bei älteren Menschen in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen häufig anzutreffen. Besonders kritisch ist die Situation, wenn eine Mangelernährung nicht rechtzeitig erkannt wird. Als Folge verschlechtert sich nicht nur der physische, sondern auch der psychische Allgemeinzustand. Die Patienten fühlen sich oft missverstanden, sie empfinden ihren Körper als abstoßend und grenzen sich von der Gesellschaft ab. Die Lebensqualität ist erheblich vermindert und Depressionen treten auf.

Tabelle 1: Anzeichen Aspiration

Diagnose und Diagnostik

Ist der Patient bei Bewusstsein, bietet sich zunächst immer ein ausführliches Anamnesegespräch, in der Regel durch eine Logopädin, zur Diagnostik an. Dieses sollte Fragen zu

  • allgemeinen Essgewohnheiten
  • Beginn und Verlauf der aktuellen Erkrankung
  • bestehenden Vorerkrankungen und
  • medikamentösen, operativen oder funktionellen Behandlungen

enthalten. So ist es möglich, eine erste Einschätzung zum Ausmaß der Schluckbeschwerden zu bekommen. Hierbei stehen folgende Aspekte im Vordergrund:

  • Überprüfung von Motorik und Sensibilität im Mund- und Rachenbereich,
  • Überprüfung des Schutzreflexes,
  • Überprüfung der Hirntätigkeit,
  • Beurteilung des Schluckaktes beim Schlucken von Speichel und von verschiedenen Konsistenzen, sowie die
  • Abschätzung der Therapiemöglichkeiten .

Gibt das Anamnesegespräch keine ausreichenden Anhaltspunkte im Hinblick auf eine Dysphagieerkrankung oder wird die Ursache nicht ersichtlich, wird beispielsweise eine transnasale Fiberendoskopie durchgeführt. Die instrumentelle Untersuchung umfasst die Ruhebeobachtung und die Funktionsprüfung (mit unterschiedlichen Konsistenzen) vom Rachen (Pharynx) bis zum Kehlkopf (Larynx). Die Befunderhebung erfolgt mit Unterstützung von Videoaufzeichnungen.

Therapie

Therapeutisch kommen verschiedene Optionen in Betracht, die einzeln angewendet oder auch kombiniert werden können

  • Kausale Behandlung: Ursachenbehandlung der Dysphagie wie neuer Zahnersatz, Umstellung der Medikamente
  • Kompensatorische Maßnahmen: diätetische Maßnahmen, haltungstechnische und therapeutische Übungen, Körper-/ Kopfhaltung korrigieren, Schlucktraining mit Logopäden
  • Hilfsmittel: Schnabelbecher, Trinkflasche, Dosierbecher, spezielles Besteck, Teller mit erhöhtem Rand

Ernährungstherapie

Ernährungsziele

In der Versorgung der Dysphagiepatienten sind, die Sicherstellung der Ernährung und ein optimaler Schutz der tiefen Atemwege, unter Berücksichtigung der größtmöglichen Lebensqualität, das wichtigste Ziel. Zum Training und Erhalt des Schluckreflexes sind ergotherapeutische und logopädische Maßnahmen notwendig.

Diätetische Prinzipen

In Abhängigkeit der Schwere sowie Häufigkeit der Kau- und Schluckbeschwerden ist eine konsistenzmodifizierte Kost angezeigt. Hier kann nach unterschiedlichen Konsistenzstufen unterschieden werden.

Energie und Proteine

Häufig sind chronisch Betroffene unterernährt. In diesen Fällen ist eine energie- und proteinreiche Kost, verteilt auf mehrere Mahlzeiten über den Tag verteilt, hilfreich.


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Dysphagie: Köstliche Kost gegen Schluckstörungen

Richtiges Kauen und Schlucken

Das Kauen und Schlucken von Speisen sendet weitere Sättigungssignale an das Gehirn. Der Körper reagiert mit einer gesteigerten Speichel- und Magensaftproduktion. Wir sprechen dann von sogenannten cephalischen Reflexen, die auch die Bauchspeicheldrüse zur Bildung von Insulin anregen können. Studien weisen zudem darauf hin, dass längeres Kauen bei einer Mahlzeit besser sättigt [Miq 2015]. Denn bewusst nehmen wir Sättigungssignale erst nach etwa 20 Minuten wahr. Auch Ablenkungen während des Essens wie Fernsehen, Telefonieren, Chatten oder Surfen führen zu schnellerem und unbewussterem Essen. Das Ergebnis: wir fühlen uns weniger satt.

Praxistipp: Essen Sie langsam und bewusst. Auch wenn das nicht immer gelingt, so versuchen Sie, sich regelmäßig Zeit zum Essen zu nehmen. Bevorzugen Sie natürliche Nahrungsmittel mit „echtem“ Nährwert.

Hilfsmittel

Zusätzlich kommen verschiedene Hilfsmittel wie Ess- und Trinkhilfen zum Einsatz. So kann insbesondere das Aspirationsrisiko verringert werden. Diese Methoden sind aber von der ständigen Mitarbeit des Patienten abhängig. Die erste Wahl der Ernährungstherapie ist die Änderung der Flüssigkeits- und Nahrungskonsistenz. Flüssigkeiten (Suppen, Getränke) werden angedickt und feste Nahrung wird als Püree oder in weicherer Form zubereitet. Eine breiige, halbfeste Konsistenz ist für die Patienten am einfachsten zu schlucken.

Ein weiteres Kriterium der Dysphagie-Kost ist eine homogene Konsistenz der Nahrung, das heißt beispielsweise kein Joghurt mit Früchten oder Nudelsuppe. Um den Schluckreflex auszulösen, empfiehlt es sich, die Speisen, mit einem sauren Zusatz wie Zitrone, zuzubereiten. Das Schlucken von Wasser stellt für die meisten Betroffenen große Probleme dar, weil es ungehindert in die Luftröhre gelangen kann. Um eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten, muss auch das Wasser angedickt werden.

Thermische Reize wirken sich ebenfalls positiv auf die Schluckauslösung aus. Sehr warme und sehr kalte Speisen stimulieren die Thermorezeptoren stärker als lauwarme Speisen. Führen Veränderungen der Getränke- und Speisekonsistenz nicht zum Ziel oder ist Schlucken dennoch unmöglich, ist frühzeitig auf enterale Ernährung über Sondennahrung umzustellen. Solange es aber möglich ist, ist eine natürliche, orale Nahrungsaufnahme erstrebenswert.