Entzündungsparameter in der Diagnostik

Entzündungen spielen im Krankheitsgeschehen nahezu immer eine Rolle. Diagnostisch weisen erhöhte allgemeine Entzündungsparameter daher erst einmal nur auf ein Entzündungsgeschehen hin, nicht aber auf eine spezielle Erkrankung.

Bei einigen Krankheitsbildern wie den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gibt es zudem spezifische Parameter, die eine genauere Unterscheidung ermöglichen.

Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG)

Die Bestimmung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit ist eine alte und relativ unspezifische Suchmethode bei Verdacht auf entzündliche Erkrankungen. Hierbei wird in einem senkrecht stehenden Teströhrchen gemessen, um wie viel Millimeter sich die roten Blutkörperchen nach einer Stunde abgesetzt haben.

Da die roten Blutzellen ein höheres spezifisches Gewicht als das umgebende Plasma haben, sinken diese zu Boden. Infolge von Entzündungsreaktionen werden Entzündungsproteine wie Immunglobuline und Akut-Phase-Proteine gebildet, die das Zusammenlagern der roten Blutkörperchen fördern, wodurch schwerere, schneller sinkende Aggregate entstehen. Im Umkehrschluss verlangsamen bestimmte Plasmaproteine wie Albumin die Senkungsgeschwindigkeit.

Eine Verringerung der BSG ist ein unspezifischer Marker für Entzündungsreaktionen. Im Gegensatz zum C-reaktiven Peptid ändert sich dieser Wert erst verzögert und normalisiert sich ebenso langsam. Um eine akute Entzündung nachzuweisen, ist der CRP-Wert besser geeignet.

C-reaktives Peptid (CRP)

Das C-Reaktive Peptid (kurz CRP) ist ein Akut-Phase-Protein, das bei akuten entzündlichen Prozessen vermehrt gebildet wird. Das in der Leber gebildete Protein bindet sowohl an abgestorbene Körperzellen als auch an körperfremde Zellen wie Bakterien, um diese für Fresszellen zu markieren und zu eliminieren.

CRP ist ein unspezifischer Marker, der lediglich eine Entzündung anzeigt, aber nur unzureichende Hinweise auf den genauen Auslöser gibt. In der Labordiagnostik dient der Wert dazu, eine Entzündung zu erkennen und deren Verlauf zu beurteilen. Einige Stunden nach Beginn der Entzündungsreaktion steigt die CRP-Konzentration an und fällt nach der Genesung schnell ab. Die Halbwertszeit im Plasma beträgt etwa 24 Stunden. Die Höhe des CRP-Wertes korreliert in etwa mit der Schwere der Entzündung.

Der CRP-Wert ist erhöht bei rheumatischen Erkrankungen, Harnwegsinfekten und schweren Virusinfektionen, kann aber auch auf einen Herzinfarkt deuten. Zudem steigt der Wert bei Eiterabszessen an. Stark erhöhte CRP-Werte deuten auf eine schwerwiegende Entzündung hin und treten u.a. bei bakteriellen Infektionen, aktiven chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Blutvergiftungen oder Krebserkrankungen auf.

Hochsensitives CRP (hs-CRP)

Entzündliche Prozesse spielen auch im Rahmen der Arteriosklerose eine Rolle. Erodierende Plaques, die das Gerinnungssystem aktivieren und das Risiko für Gefäßverschlüsse erhöhen, gehen mit leicht erhöhten CRP-Werten einher. Diese Veränderungen liegen allerdings noch deutlich unter dem klassischen Grenzwert und können mit der herkömmlichen Bestimmungsmethode nur vage erfasst werden.

Um CRP als Risikomarker heranzuziehen, wird ein spezielles hochsensitives Testverfahren angewendet, das verlässliche Werte im unteren Bereich ermittelt. Liegt der Wert für das hochsensitive CRP (hs-CRP) wiederholt zwischen 3 und 5 mg/l, deutet dies auf eine verschlechterte Prognose in Bezug auf die Entwicklung von arteriellen Verschlusskrankheiten, Herzinfarkten und Schlaganfällen hin. Werte oberhalb von 5 mg/l sind für die Risikobewertung nur geeignet, wenn diese wiederholt auftreten und andere Ursachen ausschließbar sind.

Calprotectin

Darmbeschwerden nehmen immer mehr zu. Die Suche nach der Ursache gleicht in manchen Fällen einer Diagnostik-Odyssee: Ist es eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, ein Reizdarmsyndrom oder doch „nur“ eine Lebensmittelunverträglichkeit? Oft durchläuft der Patient eine Reihe von teilweise invasiven Diagnoseverfahren, die mitunter nicht nötig gewesen wären. Um zu Beginn direkt abgrenzen zu können, ob eine organische Ursache mit entzündlichem Verlauf wie ein Morbus Crohn, eine Colitis ulzerosa oder eine funktionelle Störung wie beim Reizdarmsyndrom vorliegt, eignet sich die Bestimmung von Calprotectin im Stuhl. Einem Teil der Patienten kann so unter Umständen eine unangenehme Endoskopie erspart werden, was besonders bei Kindern erstrebenswert ist.

Calprotectin ist ein Zellbestandteil einiger Lymphozyten, insbesondere von neutrophilen Granulozyten. Bei Entzündungsvorgängen in der Darmwand kommt es zur vermehrten Einwanderung dieser Immunzellen, wodurch Calprotectin verstärkt im Stuhl nachweisbar ist. Bei gesunden Menschen oder Patienten mit nicht-entzündlichen Darmbeschwerden wie Reizdarmsyndrom oder Laktoseintoleranz lassen sich nur geringe Gehalte von etwa 10-31 µg/ g Stuhl nachweisen. Werte ab 50 µg/ g deuten auf eine Entzündung im Darm hin. Erst ab diesem Cut-off-Wert ist eine weiterführende Endoskopie sinnvoll. Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind die Werte stark erhöht – im Rahmen eines akuten Schubs teilweise um das 10- bis 30-fache der Normwerte.

Da die Höhe des fäkalen Calprotectins mit der Entzündungsaktivität korreliert, eignet sich der Marker zudem zur Verlaufskontrolle und Einschätzung des Therapieerfolgs bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Gesamteiweiß

Der Parameter Gesamteiweiß steht für die Gesamtkonzentration aller Eiweiße im Blut und kann ebenfalls ein Hinweis auf Entzündungsvorgänge sein.

Eiweißelektrophorese

Bei Globulinen handelt es sich um verschiedene Plasmaproteine oder Speicherproteine, denen jeweils spezifische Funktionen zukommen wie beispielsweise die Regulation des pH-Wertes, der Transport von Nährstoffen wie z.B. Eisen oder Lipiden, der Bindung von Vitaminen sowie der Immunabwehr (i.e.S. Immunoglobuline).

Globuline lassen sich nach der Beweglichkeit in vier Gruppen einteilen: Alpha1-Globuline, Alpha2-Globuline, Beta-Globuline und Gamma-Globuline (Immunglobuline/ Antikörper). Quantitative oder qualitative Veränderungen der Proteinzusammensetzung im Serum können auf verschiedene Krankheiten hinweisen und lassen sich mit Hilfe der Serum-Proteinelektrophorese bestimmen.

Indikationen

  • krankhafte Gesamteiweiß-Werte
  • akute und chronische Entzündungen
  • erhöhte BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)
  • bestimmte Lebererkrankungen (z.B. Hepatitis)
  • nephrotisches Syndrom
  • monoklonale Gammopathie (siehe Gammopathie-Diagnostik)
  • maligne Tumoren (z.B. Sarkome, maligne Lymphome)
  • Antikörper-Mangel