Ernährungsassessment

Das Ernährungsassessment beinhaltet das Beurteilen des Ernährungszustandes des Klienten mithilfe verschiedener Indikatoren bzw. Instrumente.

Es ist elementarer Bestandteil im Nutrition Care Process, der zudem aus den Elementen

  • Ernährungsdiagnosen
  • Ernährungsinterventionen sowie
  • Monitoring und Evaluation

besteht.

Ziele und Zweck

Ziel

Ziel ist das systematische Erfassen relevanter Informationen, um den Ernährungszustand beurteilen zu können. Der Patient/Klient wird gemäß dem psychosozialen Krankheitsmodell (nach Engel 1978) ganzheitlich betrachtet. Das Modell geht davon aus, dass Gesundheit und Krankheit aus der Wechselwirkung von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren entstehen. Das Assessment zielt damit auf die Beurteilung der (ernährungs-)medizinischen und psychosozialen Situation. Es beinhaltet ebenso das Einschätzen zeitlicher, finanzieller und familiärer Ressourcen sowie Fähigkeiten.

Zweck

  • Beurteilen der medizinischen Situation rund um Krankheit und Gesundheit
  • Beurteilen der medizinischen Daten hinsichtlich möglicher Zusammenhänge mit der Ernährung
  • Beurteilen des psychosozialen Status und somit Erkennen von Ressourcen und Hindernissen im Hinblick auf die Umsetzung von Interventionen
  • Erheben von Daten zur Beurteilung des Ernährungszustandes
  • Erkennen von und möglicher Ursachen für bestehende Ernährungsprobleme
  • Identifizieren angezeigter ernährungstherapeutischer Interventionen
  • Identifizieren sinnvoller Anzeichen/Symptome (Indikatoren) für ernährungstherapeutische Verlaufskontrolle

Arten und Erhebung der Daten im Ernährungsassessment

Es werden diejenigen Indikatoren erhoben, die für die ernährungstherapeutische Betreuung inklusive Ernährungsdiagnosen und -interventionen wichtig sind. Die medizinische Diagnose dient als Hilfestellung.

Es ist nicht notwendig, alle potenziell möglichen Daten zu erheben. Die besondere Herausforderung besteht darin, diejenigen zu wählen, die für das Erkennen und Lösen des Ernährungsproblems, deren Ursachen und/oder Anzeichen von Nutzen sind.

Setting, Bezugsgruppen und Krankheitsbild

Je nach Setting (z. B. klinischer und ambulanter Bereich) gibt es unterschiedliche Erhebungs- bzw. Screening-Methoden.

Es können unterschiedliche Bezugsgruppen involviert sein (Angehörige, Pflegepersonal etc.)

Je nach Krankheitsbild und Ernährungszustand sind unterschiedliche Daten relevant.

Wichtig können auch zugrunde liegende Wertvorstellungen, Glaubenssätze oder Handlungsmuster sein.

objektive und subjektive Daten

Es können objektive (durch Maßeinheit beschrieben) und subjektive Daten (Schmerz, Symptome, Lebensqualität etc.) unterschieden werden. Es ist sinnvoll, möglichst unterschiedliche Indikatoren zu erheben und subjektive Daten z. B. durch Skalen objektivierbar zu machen.

fremd- und selbst-erhobene Daten

Einige Daten wie Symptome, Laborwerte oder klinische Befunde stammen aus Patientendokumentationen (Arztberichte, Pflegeberichte etc.). Andere Daten ergeben sich aus zielgerichteten Befragungen des Klienten, der Angehörigen und/oder Angehöriger anderer Professionen (z. B. Physiotherapeuten, etc.). Schlussendlich stammt ein weiterer Teil (Ernährungszustand, Körperzusammensetzung u.a.) aus eigenen Beobachtungen und Messungen. Es kann durchaus nützlich sein, möglichst diejenigen Indikatoren zu wählen, für die keine externe Erhebung und damit keine Abhängigkeit von deren Erhebung notwendig ist.

Verlaufsindikatoren

Spätestens beim Erarbeiten der ernährungstherapeutischen Ziele und Interventionen ist es sinnvoll, aus den im Assessment festgelegten Indikatoren diejenigen auszuwählen, die für die Wirksamkeit der Interventionen geeignet sind und eine weiterführende Anpassung der Beratung/Therapie ermöglichen. Auch hier ist es optimal, eine Kombination von Indikatoren aus unterschiedlichen Kategorien festzulegen, um eine möglichst umfassende Überprüfung der Wirksamkeit zu ermöglichen.

Ernährungsassessment-Kategorien

Die Unterteilung der Kategorien ist angelehnt an den NCP (Academy of Nutrition and Dietetics, 2013).

Krankheitsbild und Klinik

  • medizinische Diagnosen und Nebendiagnosen
  • Krankheitsverlauf
  • pathologische Befunde/Symptome, die in Zusammenhang mit Ernährung und Verdauung stehen oder diese beeinflussen (z. B. Durchfall, Erbrechen, Wunden/Fisteln, Urämie, Ödeme, Schwitzen, fehlender Appetit, Schluck- und Kaubeschwerden, orale Mukositis, Depression, Demenz
  • vorherige, laufende oder geplante medizinische Therapie

Chemische, physikalische und funktionale Tests

  • Labordaten
  • gastrointestinale Tests
  • Energiebedarfsmessungen
  • Kraftmessungen

Anthropo-metrische Daten

  • Größe, Gewicht, Gewichtsverlauf, BMI, Waist-to-hip-Ratio, Bauchumfang, Körperzusammensetzung, Hautfalten, BIA, Wachstumskurven

Ernährung

  • Ernährungserhebung
  • Abschätzen der Aufnahme von Energie und Nährstoffen
  • Ernährungsverhalten
  • Kenntnisse über Ernährung
  • Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln

Umwelt, Verhalten, Soziales

  • persönliche, familiäre und soziale Aspekte
  • Bewegungsverhalten
  • Lebensstil

Hilfreiche Methoden (Rule of five vowels)

  • Audition: gut zuhören (Aktives Zuhören)
  • Evaluation: Ordnen relevanter Daten
  • Inquiry: gezieltes Nachfragen bei Unklarheiten (Fragetechniken)
  • Observation: nonverbale Kommunikation wahrnehmen
  • Understanding: Gesagtes des Klienten nachvollziehen (ggf. Paraphrasieren)
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