Besondere Nährstoffaspekte bei Kindern

Kleinkinder und Kinder haben einen anderen Nährstoffbedarf als Erwachsene. In dieser Zeit werden quasi die Weichen für das gesunde Erwachsenenleben gestellt.

Kleinkinder

Flüssigkeitszufuhr

Kleinkinder haben, verglichen mit Erwachsenen, einen erhöhten Wasserbedarf. Deshalb muss auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Am besten eignen sich Mineralwässer, Kräuter- und Früchtetees oder verdünnte Obstsäfte. Milch und Milchprodukte sind sinnvoll wegen dem hohen Kalziumgehalt. Kleinkindern zu viel Flüssigkeit in Form von Getränken anzubieten ist unpassend, da die Kinder dann schnell gesättigt sind und weniger feste Nahrung verspeisen. Die Flüssigkeitszufuhr durch Getränke sollte 820 ml und durch die Nahrung 350 ml betragen.

Energiezufuhr

Durch das steigende Körpergewicht nimmt der absolute Energiebedarf zu. Im Durchschnitt brauchen Jungen von 1 bis unter 4 Jahren 1100 kcal (4,7 MJ) und Mädchen 1000 kcal (4,4 MJ) pro Tag.

Kohlenhydratzufuhr

Wie bei den Erwachsenen gibt es nur einen Richtwert für die Kohlenhydratzufuhr. Diese sollte über 50 Prozent der Nahrungsenergie ausmachen.

Eiweißzufuhr

Kleinkinder im Alter von 1 bis unter 4 Jahren benötigen 1,0 g Eiweiß pro kg Körpergewicht. Das entspricht etwa 14 g Eiweiß täglich für Jungen und 13 g für Mädchen. Der Eiweißbedarf liegt pro kg Körpergewicht immer noch höher als bei den Erwachsenen, weil noch viel Gewebe neu gebildet werden muss.

Fettzufuhr

Der Fettbedarf liegt für Jungen und Mädchen im Alter von 1 bis unter 4 Jahren bei 30 bis 40 Prozent der aufgenommenen Energie. Das entspricht für Jungen mit dem oben genannten Energiebedarf von 1100 kcal etwa 37 bis 50 g Fett pro Tag. Mädchen mit einem Energiebedarf von 1000 kcal sollten ungefähr 35 bis 48 g Fett pro Tag aufnehmen.

Vitaminzufuhr

Bei einer ausgewogenen Ernährungsweise sind meist alle Vitamine ausreichend in den Lebensmitteln enthalten. Geachtet werden sollte auf Vitamin B1, das insbesondere in Vollkornprodukten steckt, und Folsäure, die insbesondere in Blattsalaten, frischem Gemüse und Hülsenfrüchten vorhanden ist.

Mineralstoffzufuhr

Es ist besonders wichtig, dass genügend Kalzium aufgenommen wird. Deswegen sollten täglich Milch- und Milchprodukte verzehrt werden.

Kinder und Jugendliche

Flüssigkeitszufuhr

Kinder und Jugendliche haben einen erhöhten Wasserbedarf pro kg Körpergewicht gegenüber Erwachsenen und Senioren. Die folgende Tabelle zeigt, wie der Wasserbedarf gedeckt werden sollte. Bei starkem Schwitzen im Sommer oder durch Sport steigt der Wasserbedarf an.

Richtwerte für die Zufuhr von Wasser, für Kinder und Jugendliche  
AlterWasser aus Getränken in ml/TagWasser aus fester Nahrung in ml/Tag
4 bis unter 7 Jahre940480
7 bis unter 10 Jahre970600
10 bis unter 13 Jahre1170710
13 bis unter 15 Jahre1330810
15 bis unter 19 Jahre1530920

Energiezufuhr

Der Energieverbrauch steigt bei den heranwachsenden Kindern weiter an und erreicht bei den Jugendlichen den Höhepunkt. Die nachfolgende Tabelle gibt den Energieverbrauch der Referenzpersonen an, die ein bestimmtes Körpergewicht und eine bestimmte Körpergröße aufweisen, die der 50. Perzentile entsprechen. Bei den Jugendlichen von 15 bis unter 19 Jahren errechnet sich der Energieverbrauch aus einem PAL-Wert von 1,75.

Richtwerte für die Energiezufuhr von Kindern und Jugendlichen      
AlterEnergiezufuhr pro Tag in MJ (kcal) Körpergröße in cm Körpergewicht in kg 
 mwmwmw
4 bis unter 7 Jahre6,4 (1500)5,8 (1400)113,0111,519,718,6
7 bis unter 10 Jahre7,9 (1900)7,1 (1700)129,6129,326,726,7
10 bis unter 13 Jahre9,4 (2300)8,5 (2000)146,5148,237,539,2
13 bis unter 15 Jahre11,2 (2700)9,4 (2200)163,1160,450,850,3
15 bis unter 19 Jahre13,0 (3100)10,5 (2500)174,0166,067,058,0

Kohlenhydratzufuhr

Es gilt, wie bei den Erwachsenen, ein Richtwert, nach dem etwa 50 Prozent der Nahrungsenergie in Form von Kohlenhydraten aufgenommen werden sollen. Günstig sind komplexe Kohlenhydrate. Weniger günstig sind hingegen Mono- und Disaccharide, etwa als Zucker und Süßigkeiten. Vollkornprodukte sowie Gemüse und Obst sollten reichlich auf dem Speiseplan stehen.

Eiweißzufuhr

Aufgrund des wachsenden Organismus ist der Proteinbedarf pro kg Körpergewicht noch leicht erhöht. Kinder benötigen aber keine eiweißreiche Kost, um sich gut zu entwickeln. Eher im Gegenteil: Die Nährstoffdichte sollte geringer sein, als beim Erwachsenen. Ansonsten wird schnell Eiweiß im Übermaß aufgenommen.

Empfohlene Zufuhr an Eiweiß für Kinder und Jugendlichen    
AlterProtein in g/kg/Tag g/Tag 
 mwmw
4 bis unter 7 Jahre0,90,81817
7 bis unter 10 Jahre0,90,82424
10 bis unter 13 Jahre0,90,83435
13 bis unter 15 Jahre0,90,84645
15 bis unter 19 Jahre0,90,86046

Fettzufuhr

Aufgrund der Wachstumsphase haben Kinder und Jugendliche in der Pubertät einen erhöhten Energiebedarf. Weil Fett mit 9 kcal/g energiereich ist, sollte der Fettanteil der Nahrung etwas höher liegen als im Erwachsenenalter, um den Energiebedarf zu decken.

Richtwerte für die Fettzufuhr bei Kindern und Jugendlichen 
AlterFett in Prozent der Nahrungsenergie
4 bis unter 7 Jahre35
7 bis unter 10 Jahre35
10 bis unter 13 Jahre35
13 bis unter 15 Jahre35
15 bis unter 19 Jahre35

Vitaminzufuhr

Es gibt einige kritische Vitamine, deren empfohlene Werte von Kindern und Jugendlichen nicht erreicht werden. Hierauf sollte ein besonderes Augenmerk gelegt werden.

  • Folsäure: Alle Altersgruppen nehmen zu wenig Folsäure auf. Deshalb ist unbedingt auf eine Ernährung mit viel frischem Gemüse und Blattsalaten zu achten.
  • Vitamin D: Keine Altersgruppe schafft es, allein durch die Ernährung, den kompletten Vitamin D-Bedarf zu decken. Da das Vitamin aber mit Hilfe von UV-Licht in der Haut gebildet wird und Kinder sich normalerweise oft genug im Freien aufhalten, wird das Vitamin genügend selbst synthetisiert. 15 Minuten täglich im Freien reichen aus.
  • Vitamin E: Jungen zwischen 10 und unter 13 Jahren nehmen weniger Vitamin E auf, als für sie empfohlen wird. Eltern sollten darauf achten, gute Pflanzenöle in der Küche einzusetzen, wie z. B. Rapsöl, da sie viel Vitamin E enthalten. Ab und zu kann man seinen Kindern, anstatt Süßigkeiten, Studentenfutter geben. Die enthaltenen Nüsse liefern reichlich Vitamin E.
  • Vitamin B1 (Thiamin): Zu wenig Vitamin B1 nehmen laut dem Ernährungsbericht 2004 Jungen im Alter von 7 bis unter 15 Jahren und Mädchen von 4 bis unter 10 sowie von 13 bis unter 15 Jahren auf. Viel Vitamin B1 ist in Fleisch, Fisch, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten enthalten.
  • Vitamin B2 (Riboflavin): Jungen zwischen 7 und unter 19 Jahren und Mädchen von 7 bis unter 15 Jahren nehmen zu wenig Vitamin B2 auf. Das Vitamin ist in vielen Nahrungsmitteln enthalten, deshalb ist eine ausgewogene Ernährung wichtig. Riboflavin kommt beispielsweise in Fleisch, Champignons, Milch und Milchprodukten vor.
  • Pantothensäure: Kinder und Jugendliche jeglichen Alters liegen bei der Pantothensäure-Zufuhr unterhalb der Zufuhr-Empfehlungen. Pantothensäure kommt häufig in Lebensmitteln vor, dafür meist in kleinen Mengen. Gute Quellen sind Rinder- und Schweineleber, geröstete Erdnüsse, Champignons und Brokkoli.
  • Vitamin A: Jungen im Alter von 4 bis 19 Jahren sowie Mädchen von 10 bis 15 Jahren liegen bei der Aufnahme dieses Vitamins nur knapp unter den Empfehlungen der D_A_CH-Referenzwerte.
  • Vitamin C: Eine unzureichende Vitamin C-Zufuhr, wenn auch nur gering, liegt bei Jungen von 15 bis unter 19 Jahren und bei Mädchen von 10 bis unter 15 Jahren vor. Der Vitamin C-Bedarf lässt sich leicht mit Obst und Obstsäften decken.
  • Vitamin B6: Die empfohlenen D_A_CH-Referenzwerte werden von Jungen zwischen 13 und unter 15 Jahren knapp nicht erreicht.

Mineralstoffzufuhr

  • Kalzium: Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis unter 19 Jahren nehmen nicht genügend Kalzium auf. Kalzium ist wichtig für den Aufbau von Zähnen und Knochen. Deswegen sollten täglich Milch und Milchprodukte verzehrt werden.
  • Iod: Iod wird ebenfalls zu wenig zugeführt. Seefisch sollte 2 mal die Woche auf den Tisch kommen. Außerdem sollte iodiertes Speisesalz in der Küche verwendet werden.
  • Magnesium: Jungen von 15 bis unter 19 Jahren und Mädchen von 13 bis unter 19 Jahren nehmen ungenügend Magnesium auf. Magnesium kommt in vielen Lebensmitteln vor, unter anderem in Vollkornprodukten, Nüssen, Milch und Milchprodukten.
  • Eisen: Unterhalb der Zufuhrempfehlungen liegen Jungen zwischen 4 bis unter 13 Jahren sowie Mädchen von 4 bis unter 19 Jahren. Eisen aus tierischen Produkten kann besser verwertet werden als aus pflanzlichen. Zusätzlich aufgenommenes Vitamin C zu den Mahlzeiten, beispielsweise in Form von Obst oder Orangensaft, steigert die Eisenresorption.
  • Zink: Jungen zwischen 10 bis unter 13 und Mädchen zwischen 7 bis unter 10 Jahren nehmen zu wenig Zink mit der Nahrung auf. Zink aus tierischen Lebensmitteln, wie Fisch, Fleisch, Eier, Milch und Käse, kann der Körper besser aufnehmen als aus pflanzlichen Nahrungsmitteln.
  • Phosphor: zu wenig Phosphor führen 10 bis unter 15 Jahre alte Jungen und 10 bis unter 19 Jahre alte Mädchen zu. Phosphor steckt reichlich in Fleisch, Käse und Brot.