Besondere Nährstoffaspekte bei Babys

Babys wachsen in der ersten Lebenszeit enorm schnell. Das stellt besondere Bedingungen an ihre Ernährung. Es gibt einen spezifischen Nährstoffbedarf für die Wachstumsphase, damit das Baby optimal versorgt ist und gut gedeihen kann.

Flüssigkeitszufuhr

Säuglinge haben einen erhöhten Wasserbedarf, was an der relativ großen Körperoberfläche liegt und an der noch nicht vollständig entwickelten Fähigkeit, Urin und Stuhl zu konzentrieren. Ein weiterer Punkt für den erhöhten Wasserbedarf ist, dass die Nieren die Stoffwechselendprodukte und körperfremden Stoffe zunächst nur mit relativ viel Wasser ausscheiden können. Deshalb sollte der Säugling in den ersten fünf Monaten nur flüssige Kost erhalten und zwar mindestens 700 ml pro Tag, das entspricht ungefähr 150 ml pro kg Körpergewicht. Danach kann man ihn langsam an festere Nahrung gewöhnen. Zudem sollte die Flüssigkeitszufuhr an Getränken nur 400 ml pro Tag betragen und 500 ml aus der Nahrung stammen. Durchfälle sind für Säuglinge lebensgefährlich und müssen rasch behandelt werden. Bei der Nutzung von Trinkwasser für die Nahrungszubereitung muss überprüft werden, ob es mit Nitrat oder Kupfer belastet ist, denn das kann für den Säugling lebensgefährlich sein. Auch eventuelle Mikroorganismen können dem Säugling schaden, weshalb das Wasser unbedingt frisch abgekocht werden sollte. Besser geeignet ist spezielles Mineralwasser mit dem entsprechenden Hinweis „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“.

Energiezufuhr

In der ersten Lebenszeit wird relativ gesehen am meisten Gewicht zugenommen. Das Geburtsgewicht von rund 3 kg verdoppelt sich etwa bis zum 5. Monat und verdreifacht sich ungefähr bis zum 1. Lebensjahr. Aufgrund dieser hohen Gewichtszunahme ist die benötigte Energie mit 100 bis 120 kcal pro Kilogramm Körpergewicht ausgesprochen hoch, was weit oberhalb des Energiebedarfs eines Schwerstarbeiters liegt. Bei erwachsenen Leichtarbeitern beträgt der Energiebedarf etwa 30 kcal pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Trinkt ein Säugling 800 ml Muttermilch am Tag, die etwa 70 kcal pro 100 ml aufweist, so nimmt er 560 kcal auf.

Richtwerte der Energiezufuhr eines Säuglings  
AlterEnergiezufuhr in MJ (kcal)/Tag 
 mw
0 bis unter 4 Monate2,0 (500)1,9 (450)
4 bis unter 12 Monate3,0 (700)2,9 (700)

Muttermilch/ Kuhmilch

Der Energiegehalt der reifen Frauenmilch (69 kcal) entspricht etwa der von Kuhmilch mit 3,5% Fett (64 kcal). Allerdings ist der Proteingehalt der Kuhmilch mit 3,3 g pro 100 ml wesentlich höher als der der reifen Frauenmilch mit nur 1,1 g. Deshalb darf Kuhmilch am Anfang nur verdünnt gereicht werden, da sonst die Nieren belastet werden. Dagegen ist der Fettgehalt mit 3,5 g pro 100 ml niedriger gegenüber 4 g pro 100 ml in der reifen Frauenmilch, die zudem den Säugling besser mit unentbehrlichen Fettsäuren, vor allem mit Linolsäure, versorgt. Auch der Kohlenhydratgehalt ist in der Kuhmilch mit 4,5 g pro 100 ml niedriger als in der reifen Frauenmilch, die 7 g beinhaltet. Muttermilch hat den Vorteil, dass sie “keimfrei aufbewahrt wird”, sofort die richtige Temperatur aufweist und eine Mutter sie immer dabei hat.

Zudem kommen in der Muttermilch wichtige Abwehrstoffe vor, die sich positiv auf das sich noch entwickelnde Immunsystem auswirken und Allergien vorbeugen. Dadurch sinkt das Risiko für Atemwegserkrankungen, Neurodermitis, Magen-Darm-Erkrankungen und andere Infektionen. Muttermilch besitzt im Gegensatz zur Kuhmilch keine Allergie auslösenden Bestandteile. Ungefähr 2% der Säuglinge bekommen durch Kuhmilch eine Kuhmilcheiweißallergie, die mit Durchfall oder Erbrechen einhergeht. Dann ist eine milchfreie Spezialnahrung notwendig.

Wichtige Abwehrstoffe der Muttermilch

Immunglobulin A

  • setzt sich an der Dünndarmwand des Säuglings fest und beugt Allergien vor
  • Antigene können sich nicht an der Darmwand festsetzen
  • ist industriell nicht herstellbar

Lysozym

  • beschleunigt den Prozess der Auflösung der Zellwände von Bakterien
  • wirkt bakterizid

Lactoferrin (Glykoprotein)

  • bindet 3-wertiges Eisen und entzieht es so eisenabhängigen Bakterien
  • wirkt bakteriostatisch

Lactoperoxidase

  • unterstützt die Infektabwehr im Darm

Granulozyten, T- und B-Lymphozyten (gehören alle zu den Leukozyten = weiße Blutkörperchen), Makrophagen

  • “fressen“ Keime auf, indem sie Fremdstoffe in die Zellen aufnehmen und enzymatisch abbauen (Phagozytose)

Oligosaccharide

  • dadurch entwickelt sich eine gesunde Darmflora, in der ungesunde Keime unterdrückt werden

Die Zusammensetzung der Muttermilch ist in den verschiedenen Phasen der Stillzeit unterschiedlich:

In den ersten drei Tagen wird das Kolostrum abgegeben. Es handelt sich dabei um eine Art Sekret mit einem hohen Gehalt an Eiweißen und Immunglobulinen. Am ersten Tag werden nur 50 ml abgegeben, am zweiten Tag schon 100 ml. Die Milchmenge nimmt täglich zu, was am steigenden Milchbedarf des Kindes liegt. Der Saugreiz bewirkt in der Hirnanhangdrüse die Freisetzung der Hormone Prolaktin und Oxytozin. Prolaktin regt die Milchbildung an. Oxytozin ist für den Milchfluss zu den Brustwarzen zuständig und führt außerdem zur Rückbildung der Gebärmutter. Ein Säugling sollte etwa alle 4 Stunden oder 5 bis 6 mal am Tag angelegt werden. Reicht am Anfang die Milchmenge für den Säugling nicht aus, können ihm zusätzlich im geringen Umfang Kohlenhydrat-Supplemente oder andere Nahrungsergänzungen gegeben werden.

Etwa ab dem 3. Tag bildet sich die transistorische Milch (Übergangsmilch). Sie ist eine Mischung aus Kolostrum und reifer Frauenmilch. Sie enthält weniger Proteine als das Kolostrum.

Nach ungefähr 14 Tagen wird die reife Frauenmilch produziert. Im Gegensatz zum Kolostrum ist sie energiereicher, was an dem höheren Kohlenhydrat- und Fettgehalt und dem verminderten Eiweißgehalt liegt.

Anfangs- und Folgenahrung

Säuglingsanfangsnahrung

  • PRE-Anfangsnahrung: Genau wie in der Muttermilch kommt nur Milchzucker (Laktose) vor. PRE-Anfangsnahrung ist adaptiert, was bedeutet, dass die Säuglingsnahrung im Nährstoffgehalt der Muttermilch ähnelt.
  • Produkte mit der Ziffer 1: Es ist neben Milchzucker auch Stärke enthalten. Außerdem ist diese Säuglingsnahrung teiladaptiert. Die Konsistenz ist dickflüssiger und sie sättigt besser als die PRE-Anfangsnahrung. Sie kann aber bei Fehldosierung auch rascher zu Übergewicht führen.

Folgenahrung

Folgenahrung wird oft mit der Ziffer 2 gekennzeichnet. Sie ist noch energiereicher als die Anfangsnahrung, hat einen höheren Eiweiß- sowie Salzgehalt und sättigt gut. Sie kann, muss aber nicht, ab dem 5. Monat verfüttert werden. Bei Verfütterung kann es schnell zu Übergewicht kommen. Sie ähnelt der Muttermilch noch weniger als Ziffer 1.

Beikost

In den ersten 4 Lebensmonaten sollte der Säugling nur mit Muttermilch oder, wenn das nicht möglich ist, mit Säuglingsanfangsnahrung nach Bedarf gefüttert werden. Erst ab dem 5. Monat sollte Beikost gegeben werden. Zunächst wird eine Milchmahlzeit gegen einen Gemüsebrei ersetzt. Am besten fängt man mit einer leicht bekömmlichen süßlichen Gemüsesorte an, beispielsweise Möhren. Nach zirka einer Woche, kann man den Gemüsebrei um eine Komponente erweitern, beispielsweise Kartoffeln. Nach weiteren zwei Wochen kann man den Gemüse-Kartoffel-Brei mit Fleisch anreichern, so dass man einen Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei erhält. Erst jetzt ist eine Milchmahlzeit komplett ersetzt. Die Portion sollte etwa 200 g wiegen. Das Fleisch sollte 15 g ausmachen. So wird für eine bessere Eisen-, Folsäure- und Vitamin C-Zufuhr gesorgt.

Die Menüzusammenstellung kann hin und wieder verändert werden, aber generell benötigen Säuglinge keine Abwechslung in ihrem Speiseplan. Spinat sollte nicht vor dem 6. Monat verfüttert werden, weil durch das enthaltene Nitrat die Gefahr der Blausucht besteht. Durch die Umwandlung in Nitrit wird der Sauerstofftransport im Blut gestört. Diese Vergiftung führt zu einer Blauverfärbung von Haut und Lippen sowie zu Atemnot. Das Gemüse sollte immer Feingemüse sein, wie Möhren, grüne Erbsen, Blumenkohl und Brokkoli. Grobgemüse, wie beispielsweise Rotkohl und Wirsing, verursachen Blähungen. Statt Kartoffeln kann man auch in Wasser gekochten Reis verwenden. Reis ist glutenfrei und daher geeignet. Anderes Getreide wie Weizen, Gerste, Roggen und Hafer sollten noch nicht gegeben werden, da sonst eine Zöliakie ausgelöst werden kann (siehe Kapitel 7.4.5). Ab dem 6. Monat kann eine weitere Milchmahlzeit gegen einen milchfreien Getreide-Obst-Brei ausgetauscht werden.

Ab dem 10. Monat wird der Getreide-Obst-Brei am besten in zwei kleinen Zwischenmahlzeiten gegeben und kann auch durch Brot, Getreideprodukte, Obst oder Obstsaft ersetzt werden. Im Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei kann statt des Fleisches 20 g Fisch eingesetzt werden. Vollmilch-Getreide-Breie sollten, bei bereits in der Familie vorkommender Milchzuckerunverträglichkeit, erst ab dem ersten Lebensjahr verfüttert werden. Generell sollte man mit Vollmilchprodukten im ersten Lebensjahr sparsam umgehen. Auch wenn auf der Gläschenkost Altersangaben vorhanden sind, sollte man hier auf eine gewisse Monotonie, also wenig Abwechslung achten.

Kohlenhydratzufuhr

Durch die Muttermilch bekommt der Säugling etwa 45% der Energie aus Kohlenhydraten. Milchzucker ist das wesentlich vorkommende Kohlenhydrat. Daneben sind auch Oligosaccharide (Mehrfachzucker) in der Muttermilch. Dadurch kann sich eine gesunde Darmflora beim Kind entwickeln und fäulnisbildende Bakterien werden verdrängt.

Eiweißzufuhr

Säuglinge brauchen pro kg Körpergewicht sehr viel Eiweiß. Dieser Wert nimmt von 2,7 g Eiweiß pro kg Körpergewicht täglich beim Neugeborenen bis 0,8 im Erwachsenenalter kontinuierlich ab.

Empfohlene Proteinzufuhr eines Säuglings  
AlterProtein in g/kg/Tagg/Tag
0 bis unter 1 Monat2,712
1 bis unter 2 Monate2,010
2 bis unter 4 Monate1,510
4 bis unter 6 Monate1,310
6 bis unter 12 Monate1,110

Fettzufuhr

Säuglinge haben einen ausgesprochen hohen Energiebedarf. Sie sollten ungefähr 50% dieser Energie, das entspricht etwa 6 bis 8 g Fett pro kg Körpergewicht, in Form von Fetten abdecken, da Fette sehr energiereich sind. Muttermilch enthält Idealerweise 48 Prozent Fett und viel Linolsäure, eine unentbehrliche Omega-6-Fettsäure. Durch die in der Muttermilch enthaltene Lipase (fettabbauendes Enzym) können Säuglinge diese großen Fettmengen verwerten. Mit zunehmendem Alter sinkt der benötigte Fettanteil in der Nahrung. Bei Säuglingen zwischen 4 und 12 Monaten sollte der Fettanteil 35 bis 45 Prozent der Nahrungsenergie ausmachen.

Vitaminzufuhr

Vitamin A

Im ersten Lebensjahr benötigt ein Säugling zwischen 0,5 und 0,6 mg Vitamin A täglich. Durch die Muttermilch wird dieser Bedarf gedeckt. Kuhmilch enthält weniger Vitamin A als Muttermilch, sodass höchstens die Hälfte des Bedarfs gedeckt wird. Hier sollte zusätzlich Karottensaft gefüttert werden.

Vitamin D

Säuglinge haben einen extrem hohen Vitamin D-Bedarf von 10 μg pro Tag. Der Wert ist durch Fütterung nicht zu erreichen. Um eine Rachitis zu verhindern, reichen tägliche Vitamin D-Gaben von 2,5 bis 5 μg aus. In Mitteleuropa wird die tägliche Einnahme von 10 bis 12,5 μg Vitamin D im ganzen ersten Lebensjahr empfohlen und ist unabhängig davon, ob gestillt oder bereits angereicherte Säuglingsmilchnahrung gegeben wird.

Vitamin E

3 bis 4 mg dieses Vitamins braucht ein Säugling täglich. Die Muttermilch enthält eine ausreichende Menge, Kuhmilch dagegen nicht.

Vitamin K

Der Säugling benötigt 4 μg Vitamin K täglich in den ersten 4 Monaten, im restlichen ersten Lebensjahr sind es 10 μg. Im Unterschied zur Kuhmilch enthält Muttermilch viel weniger Vitamin K. Anfangs mag der Gehalt noch ausreichend sein, später ist eine Beikost mit grünem Gemüse wichtig, um den Vitamin K-Bedarf zu decken. Blutungen durch einen Vitamin K-Mangel lassen sich durch prophylaktische Gaben von 3 mal 2 mg Vitamin K nach der Geburt verhindern.

Vitamin B1 (Thiamin)

Säuglinge benötigen in den ersten 4 Lebensmonaten 0,2 mg und bis zum Ende des ersten Jahres 0,4 mg Thiamin täglich. Die Muttermilch kann nur knapp den Bedarf decken. Kuhmilch enthält dagegen mehr Thiamin, was noch durch eine Beigabe von Schmelzflocken gesteigert werden kann.

Vitamin B2 (Riboflavin)

Der Riboflavin-Bedarf des Säuglings beträgt 0,3 bis 0,4 mg pro Tag. Die folgenden B-Vitamine sind in Muttermilch sowie in Kuhmilch in genügender Menge enthalten.

Vitamin B6 (Pyridoxin)

Säuglinge benötigen 0,1 bis 0,3 mg Vitamin B6 pro Tag.

Vitamin B12 (Cobalamin)

In den ersten 4 Monaten liegt der Bedarf bei 0,4 μg. Bis zum Ende des ersten Lebensjahres steigt er auf 0,8 μg an.

Vitamin C

50 bis 55 mg Vitamin C-Zufuhr pro Tag lautet die Empfehlung für Säuglinge. Mit der Muttermilch ist der Säugling gut versorgt. Kuhmilch hingegen enthält viel zu wenig Vitamin C. Deswegen müssen bei einer Ernährung mit Kuhmilch rechtzeitig auch Obstsäfte gereicht werden, um genügend Vitamin C zuzuführen. Später liefern Gemüsebreie auch ihren Beitrag.

Der Vitamingehalt der Frauenmilch kann variabel sein. Besonders bei vegetarischer, einseitiger oder schlechter Ernährung der Mutter kann ein Mangel der Vitamine B6, B12 und Folsäure in der Frauenmilch entstehen.

Mineralstoffzufuhr

Eisen

In den ersten Monaten beträgt der Eisen-Bedarf nur 0,5 mg pro Tag, da der Säugling noch einen Eisenvorrat besitzt, von dem er zehren kann. Ab dem 4. Lebensmonat benötigt er etwa 8 mg pro Tag, die weder durch Kuh- noch durch Muttermilch gedeckt werden können. Obwohl Muttermilch eisenärmer ist als Kuhmilch, ist das Eisen besser verwertbar. Trotzdem ist eine Beikost ab dem 5 Monat wichtig, um den Eisenbedarf zu decken. Am besten eignen sich Obst- und Gemüsesäfte oder -breie sowie Eigelb und Fleisch. Besonders sich vegetarisch, einseitig oder schlecht ernährende Mütter können einen Eisenmangel entwickeln.

Kalzium

Im ersten Lebensjahr wird viel Kalzium benötigt, was sich mit der hohen Wachstumsrate und der Kalziumeinlagerung in die Knochen erklären lässt. In den ersten 4 Monaten braucht der Säugling 220 mg pro Tag und in den weiteren Monaten des ersten Lebensjahres steigt der Bedarf auf 400 mg pro Tag an. Milch enthält reichlich Kalzium. Kuhmilch beinhaltet zwar wesentlich mehr Kalzium als Muttermilch, dafür ist dieses aber aus der Letzteren besser verwertbar. Milchmahlzeiten sollten nicht zu zeitig durch reichliche Obst- und Gemüsebreie ausgetauscht werden, da es dadurch zu einer Unterversorgung mit Kalzium kommen kann.

Weitere

Die restlichen Vitamine und Mineralstoffe sind üblicherweise in ausreichenden Mengen in der Säuglingsernährung enthalten. Die Ernährung der Mutter wirkt sich, anders als bei den Vitaminen, nicht so stark auf den Mineralstoffgehalt der Frauenmilch aus.