Stillzeit: Besondere Aspekte der Ernährung

Auch in der Stillzeit gibt es einige spezielle Ernährungsaspekte. Der Bedarf an Energie und Nährstoffen ist höher. Die Verträglichkeit bestimmter Speisen ist eingeschränkt. Zudem gibt es Besonderheiten beim Konsum von Genussmitteln zu beachten.

Energiezufuhr

Für die ersten vier Monate wird für stillende Mütter eine zusätzliche Energieaufnahme von 2,7 MJ täglich (635 kcal täglich) empfohlen. Wird nach dem vierten Monat weiterhin gestillt, sinkt der zusätzliche Energiebedarf auf 2,2 MJ pro Tag (525 kcal pro Tag). Wird nur noch teilweise gestillt, sind lediglich zusätzlich 1,2 MJ täglich (285 kcal täglich) erforderlich.

Kohlenhydratzufuhr

Die Kohlenhydrate sollen überwiegend aus Polysacchariden bestehen, die eine moderate Insulinausschüttung bewirken. Laut Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) soll der Anteil an Mono- und Disacchariden (Einfach- und Zweifachzucker) 10% (60 g Zucker) der Gesamtkohlenhydrataufnahme nicht überschreiten. Zur Deckung des Kohlenhydratbedarfs sind besonders faserreiche (ballaststoffreiche) Lebensmittel geeignet, die eine schwangerschaftsbedingte Verstopfung lindern oder verhindern können. Hierzu ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 2 Litern täglich notwendig, da durch die Quellung der Ballaststoffe ein höheres Stuhlvolumen erreicht und somit die Verdauung beschleunigt wird. Die tägliche Ballaststoffaufnahme sollte >25 g betragen.

Eiweißzufuhr

Für die Synthese von 1 g Milchprotein sind 2 g verfügbares Nahrungseiweiß notwendig. Aus diesem Grund ist eine ausreichende Eiweißversorgung mit 63 g täglich wünschenswert.  Das entspricht einer täglichen Zulage von 15 g Eiweiß. Allerdings steigert eine erhöhte Eiweißzufuhr über die Nahrung nicht den Eiweißgehalt der Milch.

Fettzufuhr

Der Richtwert für die Fettaufnahme während der Stillzeit beträgt 30 bis 40% der Gesamtenergiezufuhr und liegt damit maximal 5% über dem entsprechenden Wert für nichtschwangere Frauen. Insbesondere der Bedarf an Omega-3-Fettsäuren ist in der Stillzeit erhöht. Zusätzlich sollten 0,25 g während des Stillens aufgenommen werden. Nur durch die Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren, insbesondere Docosahexaensäure (DHA), ist während der Stillzeit der Bedarf zu decken.

Vitamin- und Mineralstoffzufuhr

Der Bedarf an Mineralstoffen und Vitaminen liegt in der Stillzeit teilweise noch etwas höher als während der Schwangerschaft. Während der Vollstillzeit von vier bis sechs Monaten, sowie dem anschließenden schrittweisen Abstillen muss die Frau 50 g Kalzium zur Verfügung stellen. Eine durchgehende Kalziumaufnahme von 1000 mg täglich wird empfohlen. Stillende Frauen, die nicht älter als 19 Jahre sind, haben einen täglichen Kalziumbedarf von 1200 mg. Zum Ausgleich der Eisenverluste während der Schwangerschaft und Geburt wird stillenden und nichtstillenden Frauen eine Eisenaufnahme von 20 mg täglich empfohlen. Um während der Stillzeit, die mit der Milch ausgeschiedene Iodmenge zu ersetzen, wird der Iodbedarf auf 260 µg täglich erhöht. Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährungsweise mit reichlich Obst und Gemüse reicht aus, um den Vitaminbedarf zu decken. Der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht in jedem Fall erforderlich.

Genussmittelkonsum

Die Genussmittel Alkohol, Koffein und Nikotin sind auch während der Stillzeit zu meiden, da diese Stoffe über die Muttermilch in den kindlichen Organismus gelangen können.

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  Miniposter Lebensmittelliste Stillzeit
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