Gastbeitrag: Fettleber – Ernährungstherapie

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

 

Eine verfettete Leber wird von Betroffenen und ihren Ärzten in der Regel nicht ernst genommen und eher als Kollateralschaden von Übergewicht, Stoffwechselstörungen oder der Einnahme bestimmter Medikamente hingenommen. Doch es wird Zeit, in dieser Hinsicht umzudenken. Eine Fettleber ist keineswegs harmlos. Sie ist wesentliche Ursache für die Entstehung des Metabolischen Syndroms, Diabetes Typ 2, Herz- und Gefäßerkrankungen sowie einigen Krebserkrankungen. Als Nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD, Non Alcoholic Fatty Liver Disease) kann sie ihre Entgiftungsarbeit nicht in vollem Umfang leisten, verursacht im Stoffwechsel eine Reihe von Fehlsteuerungen und kann bei Nichtbehandlung in die entzündliche, nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH) übergehen, die letztlich zur Leberzirrhose werden kann. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist, dass eine Fettleber noch im fortgeschrittenen Stadium gut zu behandeln ist.

An der Ausprägung einer Fettleber sind besonders solche Stoffwechselveränderungen beteiligt, die mit einem verstärkten Abbau von Fett einhergehen und zu einer Überflutung der Leber mit Fettsäuren führen. Im Idealfall werden Fettsäuren nach Aufnahme in die Leber durch die Beta-Oxidation zur Energiegewinnung herangezogen. Wenn sie dafür akut nicht benötigt werden, werden sie in den Leberzellen in Triglyzeride umgewandelt und als VLDL (very low density lipoprotein) an die Blutbahn abgegeben. Eine gesunde Leber schafft es in der Regel, nicht benötigte Fettsäuren über diesen Mechanismus zu entsorgen. Wird dieser Mechanismus durch bestimmte Faktoren gestört, verbleiben die Fette in der Leber und werden dort akkumuliert.

Ernährungstherapien Gastbeitrag: Fettleber - Ernährungstherapie

Bei Insulinresistenz, Adipositas, Metabolischem Syndrom oder Diabetes Typ 2 kommt es zu einer Anhäufung von Fettsäuren in der Leber. Durch die Insulinresistenz werden vermehrt Fettsäuren aus dem Fettgewebe freigesetzt und an Albumin gebunden zur Leber transportiert. Auch bei einer raschen Gewichtsabnahme kommt es in kurzer Zeit zu einer vermehrten Freisetzung von Fettsäuren.

Ein weiterer nicht unwesentlicher Störfaktor ist die Hemmung der Beta-Oxidation in der Leber durch Alkohol und Kohlenhydrate. Diese Nährstoffe werden in der Leber bevorzugt zur Energiegewinnung herangezogen. Die aktuell nicht zur Energiegewinnung benötigten Fettsäuren werden in der Leber zu Triglyzeriden synthetisiert und als VLDL an das Blut abgegeben. Insofern fördert die seit Jahrzehnten favorisierte kohlenhydratbetonte, fettarme Ernährung bei Betroffenen mit entsprechender Disposition die Ausbildung einer Fettleber mit den daraus entstehenden Folgeerkrankungen.

Generell ist eine Fettleber allein durch eine angepasste Ernährung zu therapieren. Die vorschnelle Einnahme von Medikamenten (Fibrate, hochdosierte Omega-3- Fettsäuren) ist in der Regel kontraproduktiv und ist – sollte sie sich letztlich doch als notwendig herausstellen – nur in Kombination mit einer angepassten Ernährung wirksam. Dieser Zusammenhang ist vielen Ärzten und Patienten nicht bewusst. Entscheidend ist in jedem Fall die Vermeidung und Behandlung des Metabolischen Syndroms durch Gewichtsreduktion und körperliche Aktivität.

Gewichtsnormalisierung

Eine Gewichtsabnahme sollte unter allen Umständen langsam verlaufen. Mehr als 0,5 kg pro Woche sollten es nicht sein. Das ist aber vielen Patienten zu langsam. Wenn sie ihr Essverhalten ändern, möchten sie schnelle Erfolge sehen. Eine rapide Gewichtsabnahme ist allerdings bei einer Fettleber kontrainduziert. Beim Abbau größerer Körperfettmengen kommt es zu einem vermehrten Zustrom von Fettsäuren und damit zu einem erhöhten Fettgehalt der Leber. Reduktionskostformen unter 1200 kcal pro Tag und strenges Leberfasten von mehrwöchiger Dauer sind aus diesem Grund abzulehnen. Was oft übersehen wird, ist in diesem Zusammenhang eine zu schnelle Gewichtsreduktion nach Dünndarmresektionen und besonders auch bei rigorosem Fasten. Ebenso können sportliche Übertreibungen durch einen verstärkten Fettabbau eine Fettleber begünstigen. Gleichgültig, ob sich Fettsäuren exogen oder endogen anhäufen: Es ist die Leber, die sie aufnimmt und für das Blut transportfähig machen muss.

Ernährungstherapien Gastbeitrag: Fettleber - Ernährungstherapie

Körperliche Aktivität

Die Steigerung der körperlichen Aktivität verbessert die Insulinresistenz und sorgt für eine verstärkte Fettverbrennung durch die Muskulatur. Voraussetzung ist jedoch, dass Intensität und Dauer der sportlichen Betätigung moderat sind, um eine zu starke Freisetzung von Fettsäuren aus dem Fettgewebe und damit die Fettbelastung der Leber zu vermeiden. Aus diesem Grund sollten Menschen mit chronisch erhöhten Triglyzeriden generell keinen Hochleistungssport treiben.

Keine üppigen Mahlzeiten, aber satt essen

Durch eine adäquate Ernährung kann eine bestehende Leberverfettung wirkungsvoll behoben werden. Dazu sollten die einzelnen Tagesmahlzeiten nicht allzu üppig ausfallen, um die Leber nicht innerhalb kurzer Zeit mit einer großen Fettmenge zu überfordern. Bei der Therapie einer Fettleber geht es nicht um kurzfristige Erfolge. Menschen mit diesem Problem haben lebenslang damit zu tun. Deshalb ist es wichtig, dass das Essen nicht als einschränkende Diät empfunden wird. Auch ist es nicht angebracht, die Betroffenen dazu anzuhalten, Nährstoffrelationen allzu streng zu beachten und Kalorien zu zählen. Nur ein Essen, das individuell schmeckt und mit Freude gegessen wird, wird auch langfristig beibehalten. Wichtiger wäre es, ein achtsames Essverhalten einzuüben, was bedeutet, dass zu keiner Mahlzeit der Magen überladen wird. Andererseits muss eine befriedigende Mahlzeit satt machen. Tut sie das nicht, verführt der Verzicht anschließend zum „Grasen“ und vermehrtem Konsum von Süßigkeiten. Es wäre gut, so zu essen, dass man für die nächsten vier bis fünf Stunden ohne weitere Nahrungszufuhr auskommen kann.

Alkoholkarenz

Ein absolutes Muss ist völlige Alkoholkarenz, was auch das Naschen von alkoholhaltigen Süßigkeiten betrifft. Bei Alkohol-induzierter Fettleber kann diese Maßnahme allein ausreichen, um die Leberverfettung vollständig aus zu heilen. Wichtig ist jedoch, nicht von alkoholischen Getränken auf Fruchtsäfte, zuckerreiche Limonaden oder alkoholfreies Bier umzusteigen. Die darin enthaltenen rasch resorbierbaren Zucker würden das Problem der Leberverfettung verstärken. Mitleidige Therapeuten sind oft geneigt, an den Wochenenden ein oder zwei Bierchen zu erlauben. Doch das ist nicht zielführend. Es ist für die Betroffenen leichter, generell auf Alkohol zu verzichten, als immer wieder nach „kurzen Ausflügen“ Abstand nehmen zu müssen. Erfahrungsgemäß hilft als positive Motivation, dass strikter Alkoholverzicht bei vielen Patienten als Therapie ausreicht und auf weitere Maßnahmen verzichtet werden kann.

Vermeidung rasch resorbierbarer Kohlenhydrate

Wenn der Verzicht auf Alkohol keinen nennenswerten Therapieerfolg bringt, gilt es, rasch resorbierbare Kohlenhydrate stark einzuschränken. Das betrifft insbesondere Glukose, Fruktose und Saccharose. In manchen Fällen reicht es, Süßigkeiten zu vermeiden, süße Getränke weg zu lassen und Tee oder Kaffee grundsätzlich ohne Zucker zu trinken. Die Verwendung von Süßstoff wäre zwar für Süßschnäbel eine Option, ist allerdings nicht auf Dauer an zu raten. Süßstoffe trainieren durch ihren intensive Süße das Geschmacksempfinden und verstärken damit das Verlangen nach Süßem. Am Ende ist es eine reine Gewohnheitsfrage. Wer einige Tage auf Süßes verzichtet, wird es nicht mehr vermissen.

Sollten der Verzicht auf Alkohol und Süßigkeiten keinen ausreichenden Therapieerfolg bringen, wird der Kohlenhydratgehalt des Essens auf etwa 40 % der Gesamtkalorien reduziert. Das betrifft insbesondere Weißmehlprodukte wie Weißbrot, Baguette, Cornflakes, Kuchen und Kekse. In schweren Formen muss sogar der Obstkonsum stark eingeschränkt werden. Erfahrungsgemäß fällt es Patienten in diesen Fällen am leichtesten, sich an eine niedrig-glykämische, kohlenhydratarme Ernährung zu halten, wie sie z.B. beim LOGI-Essen gegeben ist. Dabei werden die Beilagen wie Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis eingeschränkt. Um ein gutes Sättigungsgefühl zu erreichen und Nährstoffmängeln vorzubeugen, werden im Gegenzug mehr Proteine ( etwa 20 % der Gesamtkalorien ) wie mageres Fleisch, Fisch und Eier sowie mehr Gemüse, Salate und hochwertige Speiseöle gegessen.

Weniger gesättigte Fette

Die Reduktion von gesättigten Fetten ist der letzte Schritt der Therapie, der angewendet wird, wenn die anderen Maßnahmen nicht ausreichend waren. Besonders gesättigte Fettsäuren stehen zur Disposition, die – im Gegensatz zu hochungesättigten Fetten –  in der Leber in nur geringem Umfang zur Energiegewinnung herangezogen werden und damit die Bildung von Triglyzeriden und die Freisetzung der VLDL belasten. Das gilt übrigens besonders für mittelkettige Triglyzeride, die aus dem Magen resorbiert werden und die Leber unkontrolliert überschwemmen.

Der Fettgehalt des Essens sollte keinesfalls unter 30 Energie-% der Gesamtkalorien liegen. Besser wäre eine relativ fettreiche Kost von 35 bis 40 % Fettanteil aus überwiegend ungesättigten Fetten. Bei einer zu starken Fettbeschränkung werden in der Regel vermehrt Kohlenhydrate gegessen.

Hafertage und Leberfasten

Besonders bei ausgeprägter Insulinresistenz und stark erhöhten Triglyzerid-Werten wäre für den Einstieg in das veränderte Essverhalten ein kurzzeitiges strenges Fasten mit ca. 600 bis 700 kcal vorteilhaft. Damit können die erhöhten Triglyzeride innerhalb weniger Tage normalisiert werden.

Durch eine Studie der Universität Heidelberg kamen die noch bis in die 60er Jahre angewendeten Kohlenhydrat-Schalttage zu neuen Ehren. Am Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) in Bad Bevensen wird diese Methode in der Therapie von Patienten mit schwerer Herzschwäche und Diabetes angewendet. Bei Verdacht auf ein Metabolisches Syndrom wird eine Haferkur verordnet. Zwei Tage lang gibt es nur Hafer, Wasser und Tee mit dem Ziel, den Insulinbedarf zu senken. Der Hafer wird in Wasser aufgekocht und bestenfalls ohne Zusätze gegessen. Bei Bedarf können die Patienten morgens Zimt, Mandeln und ein wenig Süßstoff dazu nehmen. Mittags und abends wird der Brei mit Gemüsebrühe gekocht und etwas Schnittlauch dekoriert. Ob es die Inhaltsstoffe des Hafers sind, die für etwa vier Wochen eine verbesserte Insulinempfindlichkeit bewirken oder eher die Kalorienrestriktion, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Auch ist nicht bekannt, ob Menschen, die nur widerwillig Haferbrei essen, von dieser Möglichkeit profitieren können.

Auch das Leberfasten mit einer Formula-Diät basiert auf den günstigen Stoffwechselwirkungen des Hafers. In seinem Buch „Menschenstopfleber“ beschreibt Nicolai Worm eine Formula-Diät, die mit einer drastischen Kalorienrestriktion auf etwa 750 bis 950 kcal pro Tag beginnt und das in der Leber gespeicherte Fett bereits um ein Vielfaches reduzieren kann. Daran schließt sich eine Reduktionsphase von täglich zwei Formula-Mahlzeiten und einer kohlenhydrat- sowie fettarmen Mahlzeit über acht bis zehn Wochen an. In der Stabilisierungsphase wird bis zum Erreichen des Zielgewichtes zu einer Formula-Mahlzeit und zwei Mahlzeiten geraten. In der Erhaltungsphase schließlich werden wieder drei Mahlzeiten – möglichst nach dem LOGI-Prinzip – gegeben.

Gegen ein lang andauerndes Kaloriendefizit spricht auch die Tatsache, dass dabei zu schnell Körperfett abgebaut wird, was den die Konzentration an Blutfetten anhebt, die wiederum durch die Leber entsorgt werden müssen. Für den Einstieg in eine Leberfreundliche Diät könnte das jedoch bei Menschen, die schnelle Erfolge sehen wollen und sich nur ungern mit der Essenszubereitung befassen, eine Option sein. Voraussetzung ist, dass der sehr süße Geschmack der Formula-Getränke toleriert wird.

Resümee

Eine Fettleber lässt sich allein mit ernährungstherapeutischen Maßnahmen vollständig ausheilen. Nur selten wird es notwendig, zusätzlich eine medikamentöse Therapie einzuleiten. Für den Therapieerfolg sollte diese Kost für einige Monate konsequent eingehalten werden. Auch nach Therapieende sind die Prinzipien einer Leberfreundlichen Ernährung lebenslang zu beachten. Daher darf das Essen nicht als Diät empfunden werden, sondern als eine Kost, die individuell schmeckt und in das Leben des Betroffenen passt. Es hat wenig Sinn, mit ausgefeilten Nährstoffplänen zu arbeiten, die im Alltag nicht auf Dauer umsetzbar sind und darüber hinaus dazu führen können, die Therapie vorzeitig abzubrechen. Die besten Ergebnisse lassen sich mit einem Essen nach dem LOGI-Prinzip erreichen, besonders dann, wenn dieses flexibel gehandhabt wird und kleine Ausrutscher nicht als Esssünden geahndet werden.

Eine Fettleber ist in jedem Stadium behandelbar, auch wenn sie bereits weitere Störungen wie Insulinresistenz und Diabetes Typ 2 im Gefolge hat. Allerdings müssen die Betroffenen selbst einiges dafür tun, was weit über ein wenig Diäthalten hinausgeht. Das wird vielen gegen den Strich gehen. Allerdings ist zu bedenken, dass das bisher die einzige Möglichkeit ist, eine Fettleber zu therapieren und damit die weit unangenehmeren Folgen auszuschließen, die sich in der Folge einer unbehandelten Fettleber ergeben.

Downloads

Unseren Mitgliedern stehen PDF-Downloads zum Thema kostenfrei als Download zur Verfügung. Diese sind auch in unserem Medienshop erhältlich.

Ernährungstherapien Gastbeitrag: Fettleber - Ernährungstherapie  Fachinfo Fettleber
Bitte loggen Sie sich mit Ihren Zugangsdaten ein, um die Datei herunterzuladen.

Ernährungstherapien Gastbeitrag: Fettleber - Ernährungstherapie  Vortrag Fettleber
Bitte loggen Sie sich mit Ihren Zugangsdaten ein, um die Datei herunterzuladen.

 

Kommentare geschlossen.