Diagnostik: Cholesterin und Fettstoffwechsel

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Zur elementaren Diagnostik des Fettstoffwechsels zählen die Cholesterinwerte Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin sowie Triglyzeride. Bei Risikopatienten kann auch die Bestimmung von Lipoprotein (a), small dense-LDL oder der Apolipoproteine sinnvoll sein.

Die genannten Werte gelten als Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose und deren Spätfolgen koronarer Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Da sich Werte, die nicht im Normbereich liegen, erst einmal nicht mit Symptomen bemerkbar machen, ist es sinnvoll, sich ab einem bestimmten Alter regelmäßig untersuchen zu lassen.

LDL- und HDL-Cholesterin

Die Bestimmung der Cholesterinwerte erfolgt im Blut. Cholesterin ist als Bestandteil der Zellmembran sowie als Ausgangssubstanz für Steroidhormone und Gallensäuren für den Körper unverzichtbar. Etwa 90 % des Bedarfs werden durch körpereigene Synthese gedeckt. Der Rest wird über die Nahrung zugeführt.

Lesetipp: Cholesterin

Schnelltests in der Apotheke bestimmen in der Regel nur das Gesamtcholesterin. Dieser Wert allein hat jedoch nur eine sehr begrenzte Aussagekraft. Für genauere Informationen über den Fettstoffwechsel ist die Bestimmung von HDL- und LDL-Cholesterin nötig. Die Bestimmung ist in naher Zukunft möglicherweise ab dem 35. Lebensjahr Bestandteil der Vorsorgeuntersuchung „Check-up 35“ und wird dann von den (gesetzlichen) Krankenkassen alle 3 Jahre übernommen (Quelle).

Bei HDL- und LDL-Cholesterin handelt es sich im engeren Sinne nicht um Cholesterin als solches, sondern um Transporteiweiße, die bestimmte Aufgaben im Cholesterinstoffwechsel übernehmen.

Lesetipp: Lipoproteine

Das LDL-Cholesterin entsteht aus Vorläufern (VLDL) und versorgt die verschiedenen Gewebe des Körpers mit Cholesterin. Hier sollte der Wert im Blut nicht über 160 liegen. Sind die Werte deutlich erhöht, steigt das Risiko, dass sich LDL-Partikel in Läsionen der Gefäßwände ablagern, dort oxidieren und vermehrt Fresszellen (Makrophagen) anlocken. Hierdurch werden Immunreaktionen ausgelöst, die zusammen mit anderen Faktoren zum Krankheitsbild der Arteriosklerose (krankhafte Gefäßablagerungen) führen.

Das HDL-Cholesterin hingegen vermag Cholesterin aus abgelagerten LDL-Partikeln sowie aus den Geweben aufzunehmen, abzutransportieren und damit das atherogene Potenzial zu reduzieren. Die Konzentration im Blut sollte daher einen Mindestwert von 45 nicht unterschreiten.

Der Bewertung der LDL- und HDL-Werte bzw. deren Verhältnis zueinander sind wesentliche Kriterien zur Risikobeurteilung der Arteriosklerose und der Wahrscheinlichkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln.

Zur Gesamtbeurteilung des Arteriosklerose-Risikos reicht die Bestimmung der Blutfettwerte jedoch nicht aus. Hierfür sind weitere Risikofaktoren zu berücksichtigen wie Blutzucker, Blutdruck, Alter, Geschlecht oder Raucherstatus. Für eine optimale Therapie sollte zudem die zugrunde liegende Fettstoffwechselstörung bekannt sein. Anhand der Blutfettwerte kann eine grobe Zuordnung vorgenommen werden, was in der Regel auch ausreicht. Zur genauen Diagnose können mithilfe einer Lipid-Elektrophorese auch die einzelnen Lipoproteinfraktionen separat bestimmt werden.

Zudem ist es möglich, sogenannte small dense-LDL diagnostisch zu bestimmen. Dabei handelt es sich um kleine, dichte LDL-Transporteiweiße, die ein deutlich höheres atherogenes Potenzial haben als große, weniger dichte LDL.

 

 

Triglyzeride (VLDL-Cholesterin)

Triglyzeride werden ebenso wie Cholesterin in Lipoproteinen (VLDL) gebunden transportiert. Besonders nach fettreichen Mahlzeiten sind die Blutspiegel stark erhöht.

Hohe Triglyzeridwerte sind zwar selbst wenig am arteriosklerotischen Geschehen beteiligt, führen allerdings häufig zu niedrigen HDL-Spiegeln und tragen folglich indirekt zum kardiovaskulären Risiko bei. Seltene Erhöhungen über 1.000 mg/dl bergen die Gefahr einer akuten Pankreatitis.

Erhöhte Triglyzeridwerte können sowohl Ausdruck einer eigenständigen, häufig erblich bedingten Erkrankung als auch Zeichen anderer Krankheiten (z. B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion, Alkoholmissbrauch, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Adipositas, Leberentzündung etc.) sein. Niedrige Werte hingegen können auf Nahrungsmangel, eine gestörte Fettverdauung oder eine Schilddrüsenüberfunktion deuten.

 

 

Lipoprotein A

Auch das Lipoprotein A transportiert als Transporteiweiß fettlösliche Substanzen im Blut. Hohe Konzentrationen stehen in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Arteriosklerose, da es die Bildung von Blutgerinnseln fördert. Es ist ein wichtiger Risikofaktor für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie daraus resultierenden Komplikationen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Die Konzentration im Blut schwankt in der Bevölkerung erheblich und ist genetisch festgelegt. Bei gesunden Menschen ist der Gehalt im Blut relativ konstant. Nierenerkrankungen können den Plasmaspiegel erhöhen. Schilddrüsenüberfunktionen, Lebererkrankungen und Alkoholkonsum senken diesen hingegen. Nahrungsbestandteile haben nur einen geringen Einfluss.

Der Schwellenwert, ab dem ein eindeutig erhöhtes Risiko für die Entstehung der Arteriosklerose besteht, liegt bei 25 bis 30 mg/dl.

 

 

Spezial: Apolipoproteine

Als Apolipoproteine wird der Eiweißbestandteil der Lipoproteine bezeichnet. In der Diagnostik und Risikobeurteilung koronarer Herzerkrankungen und Fettstoffwechselstörungen sind die wichtigsten Apolipoproteine das Apolipoprotein A-I und das Apolipoprotein B sowie das Apolipoprotein E.

Das Apolipoprotein A-I ist Bestandteil von HDL und verringert somit das Arteriosklerose-Risiko. Das Apolipoprotein B hingegen ist Bestandteil des LDL und fördert das Risiko krankhafte Gefäßveränderungen. In der Diagnostik wird vor allem das Verhältnis von Apolipoprotein B zu Apolipoprotein A-I als Risikoparameter herangezogen, wenn mehrere Risikofaktoren vorliegen und/oder die Cholesterinwerte im Blut stark abnorm sind.

Das Apolipoprotein E hingegen kann genetisch bedingt verändert sein. Dies ist eine mögliche Ursache für erhöhte Triglyzerid- und Cholesterinspiegel im Blut.

 

 

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