Der Krankheitskomplex Fettstoffwechselstörungen

Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämien) äußern sich in krankhaft veränderten Blutfettwerten. Dies betrifft sowohl den Gesamtcholesterinwert und/ oder den Triglyzeridwert sowie auch den Gehalt der einzelnen Lipoproteine wie LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin. Diese Veränderungen können primär durch genetische Faktoren bedingt sein oder als sekundäre Erscheinung durch eine andere Grunderkrankung entstehen.

Fettstoffwechselstörungen gelten als einer der wichtigsten Risikofaktoren für arteriosklerotische Gefäßveränderungen und damit für koronare Herzerkrankungen.

Laut dem Gesundheitsbericht des Bundes weist jeder dritte Deutsche einen zu hohen Gesamtcholesterinspiegel auf. Allerdings ist die Häufigkeit von Fettstoffwechselstörungen schwer zu beziffern, da die Diagnosestellung häufig vom Vorliegen weiterer Risikofaktoren abhängt.

Ursachen und Risikofaktoren

Fettstoffwechselstörungen entstehen entweder primär durch vererbte Stoffwechseldefekte (z.B. Defekte an Apolipoproteinen oder Fettstoffwechselenzymen) oder sekundär durch eine andere Grunderkrankung. Zudem sind Faktoren bekannt, die sowohl die Ausprägung der primären Form, wie auch die ursächliche Grunderkrankung der sekundären Form gleichermaßen begünstigen. Hierzu zählen in erster Linie hyperkalorische Ernährung, starkes Übergewicht sowie mangelnde körperliche Aktivität.

Ursachen primärer Fettstoffwechselstörungen

  • Erbkrankheiten mit Defekten z.B. in Apolipoproteinen und Enzymen

Ursachen sekundärer Fettstoffwechselstörungen

veränderte Blutfettwerte treten sehr häufig auf bei:

  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Nierenerkrankungen (nephrotisches Syndrom)
  • Gallestauung (Cholestase)
  • Primär biliäre Zirrhose

veränderte Blutfettwerte treten häufig auf bei:

  • Diabetes mellitus
  • akute Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
  • chronischer Alkoholmissbrauch
  • hormonelle Störungen wie Cushing-Syndrom (Hyperkortisolismus) oder Hypophysenerkrankungen
  • Medikamente wie Kortison, Diuretika, Beta-Blocker, orale Kontrazeptiva

veränderte Blutfettwerte treten seltener auf bei:

  • Gicht
  • Glykogenspeicherkrankheiten
  • Multiples Myelom/ Plasmozytom (Knochenmarkskrebs)
  • Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)

Lebensstilfaktoren, die die Ausprägung von Fettstoffwechselstörungen begünstigen:

  • Übergewicht/ Adipositas
  • Überernährung
  • Fehlernährung (Transfettsäuren, erhöhte Cholesterinzufuhr bei erblichen Störungen der Syntheseregulation)
  • zu hohe Zufuhr an Kohlenhydraten
  • mangelnde Zufuhr von Ballaststoffen
  • mangelnde Bewegung
  • Stress
  • Wechseljahre (nachlassende Östrogenstimulation des LDL-Rezeptors durch abnehmende Hormonproduktion)

Zunehmende Stressbelastung ist kurzfristig durch eine erhöhte Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin sowie längerfristig von Kortisol geprägt. Diese drei Hormone tragen im Körper zu einer vermehrten Lipolyse und somit verstärkten Mobilisierung von Fettsäuren bei. Diese gelangen zur Leber und dienen hier dem Aufbau von Triglyzeriden, welche wiederum in VLDL eingebaut werden. Zudem stimulieren die beiden Katecholamine die HMG-CoA-Reduktase und damit die Cholesterinbiosynthese. Unter Stressbelastung kann der Cholesterinspiegel bis zu 60% schwanken.

Formen und Klassifizierung

Die Klassifizierung der Fettstoffwechselstörungen gestaltet sich recht schwierig. Wissenschaftler versuchten in den letzten Jahrzehnten die einzelnen Erscheinungsbilder nach bestimmten Kriterien zu gruppieren. Je nach Relation der Lipide zueinander und der Konzentration von an verschiedene Lipoproteine gebundenem Cholesterin im Plasma lässt sich die Fettstoffwechselstörung in Gruppen, die mit unterschiedlichen klinischen Symptomen einhergehen, einteilen.

1965 veröffentlichte der Amerikaner Donald S. Fredrickson eine Klassifikation, welche stellenweise heute noch verwendet wird. Er teilte die Erhöhungen von Plasmalipiden nach deren Auftrennung in der Elektrophorese ein, einem heute eher ungebräuchlichen Trennungsverfahren. Allerdings ist diese Klassifizierung in der Praxis nur begrenzt sinnvoll, da beispielsweise keine Ursachen der Plasmalipiderhöhung berücksichtigt werden. So unterschied Fredrickson nicht zwischen genetisch oder sekundär bedingten Fettstoffwechselstörungen.

Die klassische Einteilung berücksichtigt neben den Veränderungen der Blutfettwerte auch den zugrundeliegenden Gendefekt. Die klinisch-praktische Klassifizierung erfolgt allein anhand von gemessenen Blutfettwerten wie LDL-Gehalt, Triglyzeridgehalt usw. Zudem muss besonders in Hinblick auf die Therapie zwischen

  • primären Fettstoffwechselstörungen (aufgrund ein oder mehrerer Gendefekte) und
  • sekundären Fettstoffwechselstörungen (aufgrund einer Grunderkrankung)

unterschieden werden.

Symptome

Bei primären Fettstoffwechselstörungen können zum Teil auch äußerlich erkennbare Veränderungen auftreten. Diese entstehen in erster Linie durch Lipideinlagerungen. Derartige Veränderungen müssen jedoch nicht zwangsläufig auftreten und können teilweise auch ohne Vorliegen einer Fettstoffwechselstörung in Erscheinung treten.

Xanthome

Xanthome sind knotige bis plaqueartige Ablagerungen von Lipiden und Cholesterin in der Haut und an den Sehnen. Nehmen Fresszellen (Makrophagen) bei einem Überangebot von Lipoproteinen, insbesondere LDL, im Blut zu viel der Lipide und Cholesterin auf, wandeln sich diese zu immobilen Schaumzellen um. Diese lagern sich zunehmend in der Haut ab und bilden die gelblichen, flachen oder erhabenen Knoten. Xanthome sind typische Anzeichen für eine monogene Hypercholesterinämie, bei der polygenen Form treten diese Veränderungen nicht auf.

Tuberöses Xanthom

Einlagerungen von Schaumzellen und Cholesterinkristallen in die Lederhaut bilden knotige bis plaqueartige Erhebungen unter der Haut, insbesondere am Ellenbogengelenk, in der Gesäßfalte und an den Händen.

Sehnenxanthome

Die Einlagerung von Schaumzellen und Cholesterinkristallen zwischen die Sehnenfasern sind typisch für die familiäre Hypercholesterinämie, besonders im Bereich der Achillessehne.

Xanthelasmen

Xanthelasmen sind eine Form der Xanthome. Diese finden sich rund um das Auge, besonders aber am Unterlid und am inneren Augenwinkel. Xanthelasmen sind nicht gesundheitsschädlich, jedoch ästhetisch störend, da diese den Anschein von Narben erwecken. Sie können lediglich durch Laserchirurgie entfernt werden. Eine Behandlung der Fettstoffwechselstörung bringt hingegen keine Veränderung. Bei Frauen nach den Wechseljahren können Xanthelasmen auch ohne Hypercholesterinämie auftreten.

Arcus lipoides cornea

Durch Einlagerung von Cholesterin und Phospholipiden entsteht ein weiß-grau getrübter Ring um den Rand der Hornhaut im Auge. Bei älteren Personen tritt dieser häufig auf und ist hier häufig ohne Krankheitswert. Bei jüngeren Patienten gibt dieser hingegen Hinweis auf eine krankhafte Fettstoffwechselstörung.

Folgen und Komplikationen

Fettstoffwechselstörungen, insbesondere die mit hohen Cholesterinwerten einhergehen, stellen einen wichtigen Risikofaktor für arteriosklerotische Gefäßveränderungen und hieraus resultierende Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Dabei ist das LDL-Cholesterin den vordergründige Risikofaktor. Dieses kann durch Radikale oxidativ verändert werden, so dass es vom Organismus nicht mehr als körpereigenes Lipoprotein erkannt wird.

Insbesondere bei hohen Plasmaspiegeln setzt sich LDL beispielsweise in Läsionen geschädigter Blutgefäße ab und ist hier bevorzugt Angriffspunkt von Radikalen. Oxidiertes LDL wird von Makrophagen über Scavenger-Rezeptoren aufgenommen, wodurch sich diese zu immobilen Schaumzellen umwandeln. Diese bilden zunehmend die Grundlage für arteriosklerotische Plaques.

Häufige Begleiterkrankungen

  • Anorexia nervosa
  • Cholestase
  • Cushing-Syndrom
  • Diabetes mellitus
  • Metabolisches Syndrom
  • Nierenerkrankungen
  • Hypothyreose

Diagnostik

Fälschlicherweise wird zur Einstufung einer Fettstoffwechselerkrankung häufig der Gesamtcholesteringehalt gemessen. Dieser Wert ist jedoch nur begrenzt aussagekräftig, da sämtliches Cholesterin erfasst wird ohne Differenzierung, ob dieses aus LDL oder HDL stammt. Für die Wahl einer optimalen Therapiestrategie, sollte die zugrundeliegende Fettstoffwechselstörung korrekt klassifiziert werden.

Hierfür sind die folgenden Parameter zu bestimmen:

  • Gesamtcholesterin
  • LDL-Cholesterin
  • HDL-Cholesterin
  • Triglyzeride

Dabei spielt das Verhältnis von LDL-Cholesterin zu HDL-Cholesterin eine entscheidende Rolle. Der optimale LDL/ HDL-Quotient setzt sich aus einem maximalen LDL-Cholesteringehalt von 180 mg/ dl Blut sowie einem Minimalwert für den HDL-Gehalt von und liegt bei 3. Liegen keine weiteren Risikofaktoren vor, kann auch ein Quotient von 4 akzeptiert werden.

Die Bestimmung der Blutfettwerte erfolgt routinemäßig im Gelegenheitsblut. Zeigen sich hierbei auffällige Werte bzw. besteht bereits der Verdacht auf eine Fettstoffwechselstörung, erfolgt eine genauere Bestimmung im Nüchternplasma oder -serum nach einer etwa 16-stündigen Nahrungs- und Alkoholkarenz. Dies ist erforderlich, da der Triglyzeridwert postprandial erheblichen Schwankungen unterliegt. Spezielle Diäten oder beeinflussende Medikamente sind möglichst drei Tage vorher abzusetzen. Da die Blutfettwerte eines Menschen Schwankungen unterworfen sind, empfiehlt es sich zwei bis drei Proben im Abstand von einigen Wochen bis Monaten zu untersuchen.

Zur Abschätzung des arteriosklerotischen Risikos reichen die Blutfettwerte in der Regel nicht aus. Hierfür müssen noch weitere Risikofaktoren berücksichtigt werden wie Blutzuckerwert, Blutdruck, Alter, Geschlecht und Raucherstatus.

Zu beachten ist zudem, dass der Gesamtcholesterinspiegel mit dem Alter steigt. Als Faustregel für einen normalen Cholesterinwert gilt etwa: „200 + Alter“.

Medikamentöse Therapie

Die Behandlung von Fettstoffwechselstörungen mithilfe von Medikamenten steht in der Kritik, da diese leichtfertig häufig schon bei leicht erhöhten Cholesterinwerten verschrieben werden. Ohne die Bestimmung der Unterfraktionen LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride aber ist das voreilige Verordnen von Statinen fahrlässig.

Downloads

Für unsere Mitglieder stehen zu diesem Thema einige Downloads zur Verfügung. Diese sind auch in unserem Medienshop erhältlich.

  Fachinfo Fettstoffwechselstörungen
Bitte loggen Sie sich mit Ihren Zugangsdaten ein, um die Datei herunterzuladen.

  Miniposter Fettstoffwechselstörungen Übersicht
Bitte loggen Sie sich mit Ihren Zugangsdaten ein, um die Datei herunterzuladen.