Filme und Dokus: „Hauptsache billig? Das System Discounter.“

Hauptsache billig? Das System Discounter.

42 % des Umsatzes erzielen Lidl, Netto und Co im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland. Es gibt rund 16.000 Filialen in Deutschland. Allein der Gigant Lidl unterhält 3.200 Filialen und beschäftigt etwa 79.000 Mitarbeiter. 8 von 10 Deutschen kaufen regelmäßig im Discounter ein. Im Jahr 2017 hat die Branche rund 70 Milliarden Umsatz erzielt. Von 100 EUR, die die Deutschen im Einzelhandel ausgeben, landen 42 EUR beim Discounter. Damit üben die Discounter gehörig Druck auf die Preise aus. Und das macht unsere Lebensmittel so billig. Die Gewinnspannen sind dabei enorm niedrig und liegen meist unter 1 %. Der wahre Preis aber ist hoch: für die Mitarbeiter der Discounter, für unsere Umwelt und für unsere Gesundheit.

Leistung eines Discounters wird gemessen

Es gibt eine Kennzahl, um die Leistung eines Discounter zu messen und zu bewerten: die sogenannte Stundenleistung. Diese Kennzahl übt Druck auf die Mitarbeiter inklusive des Filialleiters auf. Es wird von internen Ranglisten über die Leistungsfähigkeit Einzelner berichtet. Beispiel: Beträgt der wöchentliche Umsatz 50.000 EUR und weist die Filiale 150 Personalstunden aus, so erhält diese Filiale eine Stundenleistung von 333 EUR. Umso weniger Personal nötig ist, umso höher liegt die Stundenleistung. Im Film berichten einige Norma-Mitarbeiter, dass ihnen Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit in Warenlagern über lange Zeiträume nicht gezahlt wurden. Dabei sind Zuschläge für Nachtarbeit Pflicht in Deutschland.

Belastung für Mitarbeiter

Glaubt man den Aussagen im Film, arbeiten die Mitarbeiter bis zu 14 Stunden am Tag. Viele haben körperliche Beschwerden. Die häufigsten Leiden sind Rückenschmerzen, Nackenverspannungen und Gelenkbeschwerden. Im Film wurde unter Aufsicht gemessen, welchen Belastungen Mitarbeiter bei typischen Tätigkeiten im Discounter ausgesetzt sind. Dazu wurde eigens eine kleine Filiale gemietet, die betreffende Person mit Sensoren ausgestattet. Ein Computer misst dabei die Bewegungsabläufe, Entfernungen und Belastungen auf Gelenke und Co. Das Ergebnis: Die Belastungen liegen deutlich im gelben Risikobereich. Langfristig wirkt sich das auf den Muskel- und Skelettapparat aus. Laut Studien sind Skelett-Muskel-Erkrankungen die häufigste Krankheitsursache im Einzelhandel. Sie verursachen rund jeden 4. Fehltag. Stress verursacht auch psychische Probleme – jeder 6. Fehltag geht darauf zurück.

Sogenannte Begehungen sollen in regelmäßigen Abständen überprüfen, ob der Arbeitsschutz ausreichend eingehalten wird. Aber: Die stichprobenartigen Kontrollen, z. B. der Berufsgenossenschaften, gehen immer weiter zurück. In Bayern haben die Begehungen um bis zu 50 % abgenommen.

Hygiene leidet

Der Druck macht sich nicht nur bei der Gesundheit der Mitarbeiter bemerkbar, sondern auch bei der Sauberkeit in den Filialen. Typische Schwachstellen sind Obst- und Gemüseabteilungen sowie generell bei losen Waren. Auch der Winter lockt Mäuse an. Mehrere Stichproben zur Keimbelastung von Obst, Gemüse und Backwaren zeigen indes keine besorgniserregenden Ergebnisse. Hier schneiden die Discounter gut ab. Fälle von mangelnder Hygiene scheinen demnach eher Einzelfälle zu sein.

Konsequenz: Verantwortung

Dennoch: Jeder Kunde eines Discounters sollte sich über die Konsequenzen billiger Lebensmittel und die damit verbundenen Risiken, die ein solches System mit sich bringt, im Klaren sein. Kunden tragen dafür einen Teil der Verantwortung, für die sie sich bewusst entscheiden können und sollten.

Link: https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-hauptsache-billig—das-system-discounter-100.html

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