Selbstständigkeit: Grundlagen der Finanzierung und Honorargestaltung

Die Planung des Kapitalbedarfs ist ein wichtiger Bestandteil des Finanzplanes. Dabei bezeichnet der Kapitalbedarf die finanziellen Mittel, die für eine Investition benötigt werden und ergibt sich aus der Differenz künftiger Ein- und Auszahlungen (Wirtschaftslexikon 2013):

Kapitalbedarf = Summe Auszahlungen – Summe Einzahlungen

Die Absicht eines Unternehmers besteht darin, Gewinne zu erzielen. Decken die Einnahmen die Ausgaben, ist die Gewinnschwelle (Break-Even-Point) erreicht. Nach der Gründung eines Unternehmens ist dies nach etwa 2 – 3 Jahren realistisch. Die Finanzierung des Kapitalbedarfs erfolgt entweder aus Eigen- oder Fremdkapital oder aus einer Mischung von Eigen- und Fremdkapital (Blumenschein und Klein 2013). Um den Kapitalbedarf zu planen, müssen bestimmte Kennzahlen berücksichtigt werden.

Dazu zählen (Blumenschein und Klein 2013):

  • Investitions-/Anschaffungskosten
  • Geschäfts-/Betriebskosten
  • Kosten der privaten Existenzsicherung
  • Rentabilitätsvorschau
  • Liquiditätsplanung

Investitions- und Anschaffungskosten

Die bei einer Anschaffung getätigten Kosten werden als Investitionskosten bezeichnet. In der Regel fallen diese Kosten einmalig zur Existenzgründung an. Die Investitionsplanung verschafft einen Überblick über die gesamten Anschaffungskosten und über die Verwendung der Mittel. Tabelle 1 zeigt mögliche anfallende Investitionskosten (Blumenschein und Klein 2013).

Geschäfts- und Betriebskosten

Betriebskosten sind fixe Kosten, die jeden Monat anfallen. Bei Kosten, die quartalsweise oder jährlich anfallen (z.B. Versicherungen oder Mitgliedsbeiträge), kann der entsprechende Anteil für einen Monat genutzt werden (Blumenschein und Klein 2013).

Ein Bestandteil der Betriebskosten sind die Abschreibungen. Darunter werden Wertminderungen von Vermögensgegenständen verstanden (Gabler Wirtschaftslexikon 2013). Betriebsausgaben senken die Steuerlast, wobei unter der Anschaffung sog. abnutzbarer Güter solche Wirtschaftsgüter verstanden werden, die nicht sofort abzugsfähig sind. Diese gehören in das Anlagevermögen und dienen der Aufrechterhaltung des Unternehmens. Die Nutzung der Güter ist mit einem Wertverlust verbunden. In der Nutzungszeit wird abgeschrieben, damit nach der Nutzung wieder ein Wirtschaftsgut finanziert werden kann. Im Steuerrecht wird das Abschreiben als „Absetzen für Abnutzung“ bezeichnet (AfA). Selbstständige Ernährungsfachkräfte, die nicht umsatzsteuerpflichtig sind, müssen AfA vom Bruttobetrag des Wirtschaftsgutes berechnen (Blumenschein und Klein 2013). Je nach Anschaffungspreis des Wirtschaftsgutes existieren unterschiedliche Modelle der Abschreibung. Bei Gütern über 1000 € erfolgt die Abschreibung über eine AFA-Tabelle. Diese Tabellen stellen ein Hilfsmittel  dar, um die Nutzungsdauer von Gütern zu schätzen. Die Abschreibungsdauer von Wirtschaftsgütern ist von der Nutzungsdauer abhängig (BMF 2013).

Kosten der privaten Existenzsicherung

Der monatliche „Unternehmerlohn“ ist zur Deckung der Kosten entscheidend, die für die private Existenzsicherung entstehen. Dabei ist es wichtig, gründlich, genau und nicht zu knapp zu kalkulieren. Auch unvorhergesehene Ereignisse, wie z.B. Reparaturen oder Krankheit, müssen berücksichtigt werden. Am Anfang wird in der Regel noch nicht gewinnbringend gearbeitet, da die Einnahmen die Ausgaben noch nicht decken. Dies ändert sich, sobald ein gewisser Kundenstamm gewonnen wird und die Einnahmen steigen (Blumenschein und Klein 2013).

Rentabilitätsvorschau

Um zu ermitteln, ob sich die Geschäftsidee lohnt, werden anhand der Rentabilitätsvorschau voraussichtliche Umsätze und Verluste des Unternehmens dargestellt. Der Gewinn sollte maximiert werden; dann gilt ein Unternehmen als rentabel. Der Umsatz des Unternehmens muss dabei so hoch sein, dass die betrieblichen Kosten gedeckt sind und der kalkulierte Gewinn erzielt wird (BMWI 2013). Die Rentabilitätsplanung nutzt die folgenden beiden Regeln (IHK Region Stuttgart 2013)

Gewinn = Umsatz – Kosten

Gewinn > persönliche Lebenshaltungskosten

Die Rentabilitätsvorschau hat Folgendes zum Ziel (BMWI 2013):

  • Prüfung, ob sich das Unternehmen lohnt
  • Abweichungen von Plan- und Soll-Zahlen erkennen
  • Ziele festlegen
  • Geldgeber/Banken von der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Unternehmens überzeugen

Banken möchten eine Gewinnerzielungsabsicht erkennen, die darauf basiert, dass die Betriebsergebnisse im 2. und 3. Geschäftsjahr etwa 10% höher liegen, als im Vorjahr. Die Rentabilitätsvorschau sollte drei Jahre umfassen. Mit Hilfe des Betriebsergebnisses lässt sich der Unternehmerlohn beurteilen. Dieser sollte ausreichend sein, um die private Existenz zu sichern, eine Liquiditätsreserve zu schaffen und ein Darlehen zu tilgen (Blumenschein und Klein 2013).

Liquiditätsplanung

Im Rahmen der Liquiditätsplanung wird die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens erfasst. Hierzu werden alle geplanten Einzahlungen und Auszahlungen dokumentiert und den Perioden zugeordnet, in denen sie erwartet werden. Die Differenz aus den geplanten Einnahmen und Ausgaben beziffert den Überschuss/Monat. Das Ziel der Liquiditätsplanung ist es, die Zahlungsfähigkeit, die durch regelmäßige und ausreichende Einnahmen sichergestellt werden muss, zu erhalten. Aufwendungen müssen auf die Einnahmen abgestimmt sein und dürfen nicht zu hoch kalkuliert sein. Zu beachten sind dabei folgende Punkte (Simon 2013):

  • Welche (geplanten) Ausgaben fallen an? (jetzt und in Zukunft)
  • Welche Einnahmen werden erzielt bzw. anfallen? (jetzt und in Zukunft)
  • Wann müssen Leistungen bezahlt werden?
  • Wann werden Zahlungen für erbrachte Leistungen erhalten?
  • Wie hoch ist das Bankguthaben?

Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) sollte die Liquiditätsreserve für 3 Monate ausreichen (BMWI 2012).

Honorargestaltung

Leider gibt es keine Gebührenordnung

Die (richtige) Kalkulation des Honorars wird dadurch erschwert, dass es keine pauschalen Empfehlungen für ein angemessenes Honorar gibt. Derzeit ist die Diättherapie nicht offiziell als Heilmittel anerkannt. Demzufolge fehlt eine Gebührenordnung, die die Höhe des Honorars festlegt. Ein erfolgreiches Wirtschaften ist langfristig dadurch gekennzeichnet, dass die Einnahmen höher sind als die Ausgaben. Für hohe Einnahmen sind eine gute Auftragslage einerseits und ein angemessenes Honorar andererseits erforderlich.

Zahlreiche Faktoren fließen in die Honorarkalkulation mit ein

Wer sein Honorar kalkulieren möchte, muss die marktüblichen Preise, den persönlichen Kapitalbedarf sowie die eigenen Einnahmen und Ausgaben überblicken. Dabei werden sich die Kalkulationen für eine selbstständige Ernährungsfachkraft von denen eines Franchising-Unternehmens, einer Schwerpunktpraxis oder einer Kooperation mit Ärzten unterscheiden.

Für die Berechnung des Honorars sind verschiedene Faktoren wie die Berufserfahrung, Vor- und Nachbereitungszeit der Dienstleistung, der Aufwand für die Dokumentation, kontinuierliche Fort- und Weiterbildungskosten, Werbungskosten, Raummiete, Fachliteratur und Software zu berücksichtigen [VDO09 ]. Ferner beeinflussen die Marktlage, die Marktkonkurrenz und die Nachfrage die Honorarhöhe.

Übersicht der Honorarempfehlungen von VDOE, VDD und VFED 
LeistungHonorarempfehlung
Ernährungsberatung/Ernährungstherapie70 – 120 € (60 Minuten)

mind. 1 €/Minute

Ernährungsanamnese, Analyse der Körper-zusammensetzung50 – 68 € (60 Minuten)
Auswertung eines Ernährungsprotokolls (ggf. EDV-gestützt)70 – 150 €
Telefonhotline, Internetberatung80 – 120 € (60 Minuten)
Gruppenberatungen/Kurse/Seminare200 – 275 € (90 Minuten)

bei geringem Aufwand: 15 €/Teilnehmer und Kurseinheit (bei mind. 10 Teilnehmer)

Workshops, Aktionstage6 – 15 €/Teilnehmer (60 Minuten)
Vorträge (öffentliche, soziale, kirchliche Institutionen)120 – 300 € (60 – 90 Minuten)

alternativ: 8 €/Teilnehmer (bei mind. 20 Teilnehmern)

Vorträge (betriebliche Institutionen, Wirtschafts-unternehmen)500 – 1200 €
Gutachten/Berichte100 – 200 €
Fahrtkosten0,30 – 0,54 €/km; ggf. Zeitaufwand für An- und Abreise
Infomaterial/BroschürenSelbstkostenpreis

Marktpreise oder Kostenpreise?

Es gibt zwei Möglichkeiten, um einen Stundenlohn angemessen und realistisch zu kalkulieren. Dabei werden entweder Marktpreise oder Kostenpreise ermittelt. Eine Auskunft über den Marktpreis liefert die Orientierung an Honorarvorschlägen von Berufs- und Interessenverbänden bzw. der Ärztekammer, wohingegen die Erstattung durch die Krankenkassen nicht gut geeignet ist und viel zu niedrig ist. Laut Buchholz und Mitarbeitern liegt der durchschnittliche Stundenlohn in der Diät- bzw. Ernährungsberatung bei 55,2% der befragten Ernährungsfachkräfte zwischen 45 und 60 Euro [Buc10]. Andere Branchen beziffern hingegen einen Mindeststundensatz von etwa 50 EUR pro Stunde.

Um den Kostenpreis zu ermitteln werden hingegen Kennzahlen fixer und variabler Kosten sowie Umsätze einbezogen. Dadurch kann das Honorar individuell und betriebswirtschaftlich ermittelt werden. Das Honorar sollte die fixen und variablen Kosten decken. Der Gewinnzuschlag wird dazu addiert.

Laut § 13 SGB V besteht kein Anspruch der Krankenkasse für eine Bezuschussung der Ernährungsberatung, Schulung und anderer Leistungen nach §§ 20 und 43 SGB V. Eine Zahlung an Versicherte ist demzufolge ausschließlich eine KANN-Leistung der Krankenkasse. Zu beachten ist weiterhin, dass die Ernährungsfachkraft entsprechende fachliche Qualifikationen nachweisen muss, um eine mögliche Bezuschussung generell zu ermöglichen. Voraussetzungen sind neben einer qualifizierten Grundausbildung (z.B. Ausbildung zum/zur DiätassistentIn; Studium der Oecotrophologie/Ernährungs-wissenschaften), eine Zertifizierung für die Ernährungsberatung bzw. –therapie sowie  kontinuierliche Fort- und Weiterbildungen (VDOE, 2009). Da Krankenkassen die Leistungen unterschiedlich und für ausgewiesene Anbieter bezuschussen, muss der Kunde bezüglich einer möglichen Erstattung nachfragen.

Downloads

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