Folsäure (Vitamin B9)

Das wasserlösliche Vitamin Folsäure umfasst verschiedene Verbindungen, die sich in ihrer Vitaminaktivität unterscheiden. Im Stoffwechsel ist es vor allem an Prozessen der Zellteilung und Zellneubildung beteiligt. Wichtige Aufgaben besitzt Folsäure im Protein-, DNA- und Homocysteinstoffwechsel sowie im Nerven- und Immunsystem.

1. Grundlagen

Funktionen und Wirkungsweisen

Blutbildung

Das wasserlösliche Vitamin ist für die Zellneubildung und die Blutzellbildung im Knochenmark unentbehrlich.

Zugelassener Health Claim: Folsäure trägt zu einer normalen Blutbildung bei.

Gehirn und Nervensystem

Beim Ungeborenen ist Folsäure für die normale Entwicklung zentralen Nervensystems notwendig. Eine unzureichende Versorgung während dieser Zeit geht mit dem Risiko eines Neuralrohrdefekts einher (offener Rücken, Minder-/Nichtentwicklung des Gehirns).

Beim Erwachsenen verzögert es Ermüdung und Müdigkeit.

Zugelassener Health Claims: Folsäure trägt zur normalen psychischen Funktion und zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.

Homocystein-stoffwechsel

Die Homocysteinkonzentration im Plasma verhält sich umgekehrt proportional zur Folsäurekonzentration im Blut. Die Ursache liegt in der unzureichenden Bereitstellung von Methylgruppen, um Homocystein in Methionin umzuwandeln (geringe Folsäurekonzentration). Neben Folsäure sind Vitamin B12 und Vitamin B6 zur Entgiftung des Homocysteins notwendig.

Zugelassener Health Claim: Folsäure trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei.

Immunsystem

Zugelassener Health Claims: Folsäure trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.

Proteinstoffwechsel

Folsäure überträgt sogenannte Methylgruppen im Aminosäurestoffwechsel. Als Coenzym greift Folsäure in den Nukleotid- und Methioninstoffwechsel ein. Es dient der DNA-, RNA- und Proteinbiosynthese.

Zugelassener Health Claim: Folsäure trägt zu einer normalen Aminosäuresynthese bei.

Wachstum und Entwicklung von Ungeborenen

Folsäure wird für die ausgeprägte Zellteilung und Zellwachstum im fetalen Stadium benötigt.

Zugelassener Health Claim: Folsäure trägt zum Wachstum des mütterlichen Gewebes während der Schwangerschaft bei.

Präventives und therapeutisches Potenzial

Chronische Kopfschmerzen/ Migräne

Menschen, die an Migräne leiden nehmen im Vergleich zu Nicht-Migränikern weniger Folat über die Nahrung auf [Sad 2016]. Neben Vitamin B12 ist Folat ein wichtiger Kofaktor für Enzyme wie die Methylentetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR), die eine wesentliche Rolle im Homocystein-stoffwechsel spielen. Spezifische Mutationen im MTHFR-Gen wurden mit einer erhöhten Prävalenz von Migräne assoziiert. Zudem zeigen Studien, dass Migränepatienten (v.a. mit Migräne mit Aura) im Vergleich zu Kontrollen signifikant höhere Homocysteinspiegel in der Zerebrospinalflüssigkeit („Hirnwasser“) aufweisen [Iso 2010].

Erhöhte Homocysteinspiegel infolge folatarmer Ernährung können zu Gefäßverengungen sowie zur Aktivierung der Blutgerinnung und damit einem erhöhten Thromboserisiko führen und bei Personen mit bestimmten Genotypen des MTHFR-Gens Kopfschmerzen hervorrufen. Eine folatarme Ernährung könnte darüber hinaus die cortical spreading depression(CSD) vorantreiben.

Studien zeigen, dass eine Supplementierung von 25 mg Vitamin B6 und 400 μg Vitamin B12 sowie 2 mg Folsäure die Schwere der Kopfschmerzen bei Personen mit Migräne mit Aura deutlich verringern kann. Die beobachteten Effekte waren am stärksten ausgeprägt bei Personen mit bestimmten Mutationen im MTHFR-Gen [Men 2012, Lea 2009]. Im Vergleich dazu zeigte sich die Gabe von 1 mg Folsäure in Kombination mit Vitamin B6 und B12 in einer aktuelleren Studie als weniger wirksam [Men 2016].

Fruktosemalabsorption

Bei einer bestehenden Fruktosemalabsorption kommt es häufig zu einem Mangel an Folsäure. Die genauen Ursachen für dieses Phänomen sind nicht geklärt. Es ist anzunehmen, das durch die ständige Fruktosebelastung der Darm zunehmend geschädigt und somit die Aufnahme verschiedener Nährstoffe verschlechtert wird.

Aufgrund der enteralen Blutverluste tritt ein Mangel an Folsäure sowie Vitamin B12 gehäuft auf [DGVS 2015]. Die Mängel sind meist nicht schwerwiegend und können über eine entsprechende Nahrungsmittelzufuhr behoben werden.

Die Relevanz der zusätzlichen Folsäurezufuhr für osteoporotische Frakturen ist unklar. Eine bedarfsdeckende Zufuhr ist sicherzustellen. Bei erhöhten Homocysteinwerten (Risikofaktor für Osteoporose) im Blut empfiehlt sich die diagnostische Überprüfung des Folsäure-Status.

Vorkommen und Bedarf

Vorkommen

Hohe Gehalte kommen in Weizenkeimen und Sojabohnen vor. Mäßige Folsäuregehalte finden sich in verschiedenen Gemüse- (Bohnen, Spinat, Tomaten) und Obstsorten (Orangen, Weintrauben), Brot und Backwaren (Roggenvollkornmehl) sowie Leber, Milch und Milchprodukten.

Bedarf

Der Bedarf beträgt für einen Erwachsenen 300 Mikrogramm täglich. Ein erhöhter Bedarf besteht für Schwangere (550 µg/Tag) und Stillende (450 µg/Tag), um die Entwicklung des Ungeborenen zu gewährleisten und das Auftreten eines Neuralrohrdefekts zu verhindern [DACH-Referenzwerte].

Unter- und Überversorgung

Mangelerscheinungen

Ursachen

Ein Folsäuremangel tritt durch eine unzureichende Zufuhr über die Nahrung auf. Auch die falsche Zusammensetzung und Behandlung von Nahrungs- und Futtermitteln kann zu einem Mangel beitragen. Ein Mangel an Vitamin B12 sowie Alkohol- und Tablettenmissbrauch sind weitere Ursachen. Nach 3 bis 4 Monaten treten die ersten klinische Mangelsymptome auf.

Symptome/ Folgen

Relativ frühzeitig zeigen sich Veränderungen des Blutbildes. Die Anzahl von weißen Blutzellen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) nimmt ab. Die Konzentration an Homocystein im Blut nimmt zu. Es kommt zu einer Störung der Blutbildung (Erythropoese). Das Epithel im Magen-Darm-Trakt atrophiert, was sich in Durchfällen, Gewichtsverlust und Anorexie zeigen kann. Weiterhin können Reizbarkeit, Aggressivität und Gedächtnisschwäche auftreten.

Es zeigt sich zudem das Bild der hyperchromen makrozytären Anämie mit einer Entzündung der Zunge (Glossitis) und Lippen sowie Mundwinkel (Cheilosis), Unfruchtbarkeit, Polyneuropathien und Depressionen.

In der Schwangerschaft sind Fehlgeburten und Geburtsfehler; beim Ungeborenen Missbildungen des Nervensystems (Neuralrohrdefekt, Degeneration Rückenmark) möglich.

Risikogruppen und -situationen

  • Alkoholmissbrauch
  • Medikamenteneinnahme
  • Schwangerschaft
  • chronische Erkrankungen (Zöliakie)
  • Rauchen
  • Psoriasis
  • Anämie
  • Krebs
  • akuter Stress
Toxizität

Symptome oder Auswirkungen einer Überversorgung sind nicht bekannt. Als wasserlösliches Vitamin können Überschüsse vom Körper problemlos ausgeschieden werden.

Infografik Folsäure

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