Die Erscheinungsbilder der Fruktoseintoleranz

Intestinale Fruktoseintoleranz

Bei der intestinalen Fruktoseintoleranz ist die Resorption des Fruchtzuckers im Darm gestört. Das Krankheitsbild kommt in Mitteleuropa relativ häufig vor. In den letzten zwanzig Jahren ist die Zahl Betroffener stetig gestiegen. Genaue Zahlen sind unbekannt, da die Fruchtzuckerunverträglichkeit häufig von einer gleichzeitig vorhandenen Laktoseintoleranz verschleiert wird. Schätzungen zufolge vertragen etwa 20% der erwachsenen Europäer keine Fruktose.

Gestörte Aufnahme von Fruktose im Darm

Im Zuge der Verdauung werden mit der Nahrung aufgenommene Kohlenhydrate in Einfachzucker wie Glukose und Fruktose gespalten. Durch die fehlende Aufnahme im Dünndarm gelangen größere Mengen an Fruktose in den Dickdarm. Hier wird der Fruchtzucker von dort ansässigen Darmbakterien verwertet, wobei hohe Konzentrationen an Wasserstoff, Kohlendioxid und kurzkettige Fettsäuren anfallen. Diese werden zum Teil abgeatmet, zum Teil aber auch resorbiert.

Darmbeschwerden sind charakteristisch

Kohlendioxid führt zu Blähungen und Bauchschmerzen. Kurzkettige Fettsäuren hingegen ziehen Wasser in das Darmlumen und verursachen so wässrige Durchfälle. Wasserstoff selbst bedingt keine klinischen Symptome, wird allerdings als Diagnoseparameter in der Ausatemluft bestimmt.

Die Symptome sind meist unspezifisch, was eine frühzeitige Diagnose erschwert. Zu den unspezifischen Symptomen gehören unter anderem:

  • Blähungen, Völlegefühl
  • Bauchgeräusche
  • Bauchschmerzen und Unterbauchkrämpfe
  • breiiger Stuhl bis wässrige Durchfälle (wegen Gärung häufig übel riechend)
  • Übelkeit und Appetitlosigkeit

Häufig werden die Beschwerden als Reizdarmsyndrom gedeutet. Durch die Resorption toxischer, bakterieller Stoffwechselprodukte bzw. durch die teilweise gestörte Aufnahme anderer Nahrungsbestandteile können weitere Beschwerden auftreten wie:

  • Konzentrationsstörungen
  • Schwindelgefühl
  • Atemnot
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen

Krankheitsbild kann zu depressiven Verstimmungen und anderen Unverträglichkeiten führen

Betroffene zeigen häufig auch psychische Veränderungen bis hin zu Depressionen. Diese beruhen vorwiegend auf einem Mangel an Serotonin (dem sogenannten “Glückshormon”). Nicht aufgenommene Fruktose verbindet sich im Dünndarm mit der Aminosäure Tryptophan, die ebenfalls in der Nahrung enthalten ist. So wird auch die Aufnahme der Aminosäure gestört, die ein wichtiger Grundbaustein für die Synthese des Hormons Serotonin ist. Kann das Hormon nur unzureichend gebildet werden, äußert sich dies in depressiven Stimmungsschwankungen.

Auch eine Laktoseintoleranz tritt häufig zusammen mit einer intestinalen Fruktoseintoleranz auf. Sind beide Zucker in der Nahrung enthalten, kann es zu einer deutlichen Verschlechterung der Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfällen kommen. Ebenso können depressive Verstimmungen noch verstärkt werden.

Eine weitere Komplikation ist eine Fehlbesiedlung des Dünndarms mit Darmbakterien. Starke Blähungen führen im Dickdarm zu einem Druckanstieg. Dies behindert den Verschluss der Ileozökalklappe, einer Schleimhautfalte, welche den Dickdarm gegen den Dünndarm abdichtet. Darmbakterien, insbesondere Campylobacter, Yersinien und Clostridien, können somit in den Dünndarm einwandern und zu einer Fehlbesiedlung führen. Chronische Entzündungen und eine andauernde Stimulation des Immunsystems sind die Folge.

Wasserstoffatemtest ist der Goldstandard in der Diagnostik

Eine Fruktoseintoleranz lässt sich mit dem Wasserstoffatemtest relativ sicher feststellen. Auch kann die Menge an Fruktose im Blut nach einer Fruchtzuckerbelastung gemessen werden. Der sogenannten Fruktose-Belastungstest ist allerdings sehr aufwändig und wird nicht als Routineverfahren durchgeführt. Wichtig in der Diagnostik ist die Abgrenzung zur Hereditären Fruktoseintoleranz, zur Laktoseintoleranz und zum Reizdarmsyndrom sowie zu anderen Unverträglichkeiten.

Fruktosearme Ernährung ist diätetisches Mittel der Wahl

Ein erster Schritt in der Ernährungstherapie der Fruktoseintoleranz ist das Erlernen und Einhalten einer fruktosearmen Ernährung. Im Gegensatz zur Hereditären Fruktoseintoleranz werden geringe Mengen an Fruchtzucker meist noch vertragen. Bei Betroffenen können sich durch die andauernden Darmbeschwerden Unterversorgungen an bestimmten essenziellen Nährstoffen entwickeln, die auszugleichen sind.

Liegen gleichzeitig noch andere Unverträglichkeiten vor, so sind auch diese bei der Auswahl von Nahrungsmitteln zu berücksichtigen. So kann es notwendig sein, auf laktose- und/ oder glutenreiche Speisen zu verzichten, bis sich der Darm beruhigt hat. Liegt ein Reizdarm vor, kann die Umsetzung der sogenannten FODMAP-Diät hilfreich sein.

In Abhängigkeit der Ursache kann sich eine intestinale Fruktoseintoleranz zurückbilden. Die Diät ist dann nur für die Dauer der Beschwerden einzuhalten.

Hereditäre Fruktosetintoleranz

Genetischer Defekt führt zu Hereditären Fruktoseintoleranz

Bei der hereditären Fruktoseintoleranz liegt ein genetischer Defekt des Enzyms Aldolase B (Fruktose-1-Phosphat-Aldolase) vor. Diese Form der Fruktoseintoleranz ist eine relativ seltene Erkrankung. Lediglich einer von 20.000 Menschen ist betroffen.

Die Aldolase B wird von der Leber, den Nieren und den Zellen der Dünndarmschleimhaut gebildet. Das Enzym ist am Abbau von Fruktose beteiligt. Durch das unzureichend aktive Enzym kann Fruktose nicht ausreichend verstoffwechselt werden und sammelt sich in Leber, Nieren und Dünndarm an. Es werden wichtige Zellfunktionen und Stoffwechselwege beeinträchtigt. In der Folge können schwere Hypoglykämien (Unterzuckerungen) auftreten.

Es treten schwerwiegende Beeinträchtigungen auf

Kinder mit der genetisch bedingten Fruktoseintoleranz zeigen meist erst nach dem Abstillen Auffälligkeiten, da weder die Muttermilch noch Milchersatznahrung Fruktose oder Saccharose enthält. Betroffene Kinder entwickeln nach dem Konsum von Fruktose häufig folgende Symptome:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Trinkschwäche
  • Zittern
  • aufgeblähter Bauch
  • akute Bauchschmerzen
  • schwere Unterzuckerungen
  • Teilnahmslosigkeit
  • Krämpfe

Bei chronischer Belastung mit Fruktose kommt es zu

  • Nahrungsverweigerungen
  • Wachstums- und Entwicklungsstörungen
  • einer Lebervergrößerung
  • Gerinnungsstörungen
  • Wassereinlagerungen
  • Leber- und Nierenschädigungen
  • Leber- und Nierenversagen bis hin zum Tod (Gefahr besteht besonders bei fruktosehaltigen Infusionen bei Nichtdiagnostizierten)

Betroffene Kinder entwickeln als Selbstschutz zum Teil eine natürliche Aversion gegen süße Lebensmittel. Somit können sie auch bei fehlender Diagnose relativ beschwerdefrei leben.

Gentest bringt Sicherheit

Der Fruktoseintoleranz-Gentest ist ein Testverfahren zur Diagnose der hereditären Fruktoseintoleranz. Bei einem Verdacht wird zunächst auf die 3 häufigsten Mutationen des Aldolase-B-Gens untersucht. Werden 2 Mutationen gefunden, gilt die Erkrankung als bewiesen. Bei fehlendem Nachweis ist die Erkrankungswahrscheinlichkeit hingegen sehr gering.

Ein Wasserstoffatemtest sollte bei Verdacht nicht durchgeführt werden. Durch die Belastung mit großen Mengen an Fruktose können schwere Hypoglykämien und Schockzustände auftreten.

Abzugrenzen ist eine Hereditäre Fruktoseintoleranz von der Intestinalen Fruktoseintoleranz, der Sorbitunverträglichkeit und schweren Formen des Reizdarmsyndroms.

Streng fruktosearme Diät muss lebenslang eingehalten werden

Patienten mit einer hereditären Fruktoseintoleranz sind auf eine streng fruktosearme Diät angewiesen, um die toxische Ansammlung des Abbauprodukts zu vermeiden. Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder müssen völlig fruktosefrei ernährt werden, da sonst schwere Entwicklungs- und Organschäden auftreten. Dabei sind nicht nur Lebensmittel mit Fruchtzucker zu vermeiden, sondern auch solche, die Haushaltszucker oder Sorbit enthalten.

Erlaubte Nahrungsmittel sind so zu kombinieren, dass eine ausreichende Vitamin- und Mineralstoffzufuhr gewährleistet ist. Fruktosearmes Gemüse, Milchprodukte, Fisch und Fleisch sowie Mineralwässer tragen besonders zur Deckung des Nährstoffbedarfs bei. Die Ernährungstherapie der hereditären Fruktoseintoleranz sollte mit einer qualifizierten Ernährungsfachkraft erlernt werden.

Medikamente gegen Fruktoseintoleranz sind von fraglichem Nutzen

Durch die zunehmende Industrialisierung unseres Essens konsumieren wir immer mehr Fruchtzucker. Dieser steckt nicht nur in Obst, sondern auch in Gemüse, zahlreichen industriell verarbeiteten Lebensmitteln sowie Süßigkeiten und Getränken. Unser Körper kann jedoch nur begrenzte Mengen davon aufnehmen und verwerten.

Die hohen Zufuhrmengen lösen somit bei immer mehr Menschen erhebliche Beschwerden aus. Spezielle Enzympräparate wie beispielsweise Fructaid®, FructoZym® oder Xylosolv sollen nun genau diese Beschwerden abmildern. Doch wie sinnvoll ist die Einnahme dieser Präparate wirklich?

Für wen sind die Enzympräparate gedacht?Wie entstehen die Beschwerden?Was bewirken die Enzympräparate?Wie werden die Enzympräparate eingenommen?Fazit: Unklare Datenlage, nicht für den Dauergebrauch geeignet

Die freiverkäuflichen Produkte richten sich ausschließlich an Menschen mit nachgewiesener Fruktosemalabsorption. In Europa leiden etwa zwei von drei Kindern und jeder dritte Erwachsene an dieser Form der Unverträglichkeit. Im Gegensatz zur seltenen hereditären Fruktoseintoleranz ist die Fruktosemalabsortion nicht angeboren, sondern entsteht meist infolge des ständigen Fruktoseüberhangs in unserer heutigen Ernährung.

Die Symptome entstehen durch die gestörte Aufnahme des Fruchtzuckers im Dünndarm. Die für die Aufnahme zuständigen Transporteiweiße sind in ihrer Leistung eingeschränkt und nicht mehr aufgenommener Fruchtzucker gelangt so in tiefer gelegene Darmabschnitte. Im Dickdarm wird der Fruchtzucker von den dort ansässigen Bakterien verstoffwechselt, wobei Wasserstoff, Kohlendioxid und kurzkettige Fettsäuren entstehen. Diese Abbauprodukte verursachen nun Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und Völlegefühl sowie Durchfall oder Verstopfung.

Die Präparate enthalten das Enzym Xylose-Isomerase (auch Glukose-Isomerase), das laut den Herstellern im Dünndarm überschüssige Fruktose in leicht resorbierbare Glukose umwandelt. Dadurch soll die Menge an verbleibender Fruktose im Dünndarm sinken. Auf diese Weise soll weniger Fruchtzucker in den Dickdarm gelangen, wodurch die typischen Beschwerden ausbleiben. Zusätzlich enthalten einige Präparate bestimmte Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren, die krankheitsbedingte Nährstoffmängel ausgleichen oder die Regeneration der Darmschleimhaut fördern sollen.

Die Einnahme der Präparate erfolgt in der Regel einige Minuten vor dem Verzehr einer fruktosehaltigen Mahlzeit. Die Dosierempfehlungen variieren je nach Produkt und unterliegen Einflussfaktoren wie der Zusammensetzung der Mahlzeit, der enthaltenen Fruchtzuckermenge oder der individuellen Verträglichkeit. Einige Hersteller verzichten daher auf die Angabe, wie viel Fruktose mit einer Tablette in Glukose umgewandelt werden kann. Andere Anbieter geben einen Richtwert von etwa sechs Gramm an.

Ob die Einnahme solcher Enzympräparate tatsächlich sinnvoll ist, lässt sich nicht zweifelsfrei beurteilen. Die Wirkmechanismen sind bisher unzureichend und nicht längerfristig erforscht. Einige Anwender berichten aber, dass die Verdauungsbeschwerden durch die Einnahme ausbleiben. Und das scheint zumindest für Situationen hilfreich zu sein, in denen die Einhaltung einer fruktosearmen Ernährung nicht oder nur bedingt möglich ist. Die Einnahme der Präparate sollte dennoch die Ausnahme und nicht die Regel sein. Zudem erfordert eine plötzlich auftretende Fruchtzuckerunverträglichkeit nicht zwangsläufig den lebenslangen Verzicht auf Fruktose. Eine gezielte Kostumstellung fördert sowohl die Aufnahmefähigkeit der Transporteiweiße als auch die Verträglichkeit von Fruktose. Die diätetische Betreuung des Betroffenen in dieser Zeit sollte durch eine geschulte Ernährungsfachkraft erfolgen, die die schrittweise Umstellung begleitet. Im Anschluss werden physiologische Mengen Fruchtzucker häufig wieder vertragen. Die Einnahme von Enzympräparaten ist somit ohnehin überflüssig.

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