Ernährung beim Gallensäureverlustsyndrom

Für das Gallensäureverlustsyndrom gibt es (bislang) keine wissenschaftlich überprüfte und gesicherte Ernährungstherapie. Dennoch kann aufgrund der bekannten pathophysiologischen Vorgänge eine Umstellung der Ernährung durchaus angeraten sein. Diese gestaltet sich in Abhängigkeit der Schwere der Symptomatik, der Kompensationsfähigkeit des Gallensäurestoffwechsels sowie des Ernährungszustandes und -verhaltens der Betroffenen.

Hinweis: Detaillierte Angaben zum ernährungstherapeutischen Assessment sind im Handout „Gallensäureverlustsyndrom – Ernährungstherapie“ enthalten, das im Medienshop erworben bzw. heruntergeladen werden kann.

Ziele

Oberstes Ziel ist eine Reduktion der Beschwerden und/oder Beschwerdefreiheit. Beim dekompensierten Gallensäureverlustsyndrom sollten Fettstühle weitestgehend vermindert werden. Zudem steht die bedarfsdeckende Zufuhr an Vitamin B12 und fettlöslichen Vitaminen im Fokus. Langfristig wird angestrebt, das Entstehen von Oxalatsteinen zu verhindern.

Diätetische Prinzipien

Bei Steatorrhoe wird die Fettzufuhr begrenzt bzw. modifiziert. Gleichzeitig gilt es, für eine bedarfsdeckende Zufuhr an fettlöslichen Vitaminen und Vitamin B12 zu sorgen. Gegebenenfalls ist es notwendig, Präparate mit MCT (mittelkettigen Fettsäuren) und/oder Multivitaminen (Vitamine A, D, E und K) einzusetzen. Um das Risiko für Oxalatsteine zu minimieren, wird zudem die Zufuhr an Oxalsäure reduziert.

Aspekte zur Nährstoffzufuhr

Hinweis: Mögliche Ernährungsdiagnosen und -interventionen sind im Handout „Gallensäureverlustsyndrom – Ernährungstherapie“ enthalten, das in unserem Medienshop erworben bzw. heruntergeladen werden kann.

Energie

Es ist auf eine bedarfsgerechte Energiezufuhr zu achten. Auf Wunsch bzw. Bedarf kann die Energiezufuhr gedrosselt (z. B. zur Gewichtsabnahme bei bestehendem Übergewicht) oder erhöht (z. B. zur Gewichtszunahme bei bestehendem Untergewicht) werden.

Fette

Aufgrund des Gallensäuremangels im Gallensaft können mit der Nahrung aufgenommene Fette im Darm nicht ausreichend emulgiert und aufgenommen werden. Infolgedessen treten sogenannte Fettstühle (Steatorrhoe) auf, die ein Begrenzen der täglichen Fettzufuhr auf weniger als 40 g nötig machen. Auch können mittelkettige Fettsäuren die Symptomatik verbessern, da diese nicht auf die Anwesenheit von Gallensäuren und Gallensaft angewiesen sind.

Fettlösliche Vitamine: A, D, E und K

Im Zuge der Steatorrhoe werden nicht nur Fette, sondern auch fettlösliche Vitamine mit dem Stuhl ausgeschieden. Infolgedessen kann es zu einer Unterversorgung kommen. Eine Substitution mit einem Multivitaminpräparat kann dann angezeigt sein.

Vitamin B12

Vitamin B12 wird im terminalen Ileum aufgenommen. Bei einer Funktionsstörung dieses Darmabschnitts kann es zu einer Unterversorgung kommen. Eventuell ist eine Substitution notwendig.

Oxalsäure

Die Zufuhr von Oxalsäure über die Nahrung erhöht das Risiko für Harn- bzw. Oxalatsteine in den ableitenden Harnwegen (Mechanismus siehe Gallensäureverlustsyndrom – Krankheitstherapie). Um dies zu verhindern, wird die Oxalsäurezufuhr reduziert.

Aspekte zu speziellen Lebensmitteln/Produkten

Flohsamenschalen

Flohsamenschalen sind gegen die chologene Diarrhoe (leichte Beschwerden/ geringfügige Erhöhung der Gallensäuren im Stuhl) wirksam. Begonnen wird mit 1 Teelöffel nach den Mahlzeiten. Die Zufuhr kann bei bleibenden Beschwerden auf 2 Teelöffel erhöht werden. Nach dem Anrühren sollte die Flüssigkeit zügig getrunken werden. Es ist unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten (siehe Packungsbeilage).

Heilerde

Auch Heilerde kann gegen eine chologene Diarrhoe (leichte Beschwerden/ geringfügige Erhöhung der Gallensäuren im Stuhl) helfen. Meistens reicht die Einnahme von 1 Teelöffel nach den Mahlzeiten. Heilerde sollte nicht in Kombination mit Colestyramin eingenommen werden.

Artischockenextrakt

Artischockenextrakt wirkt unterstützend zur Stimulation der Leber- bzw. Galleproduktion. Dies sollte individuell ausgetestet werden, da Betroffene hier von unterschiedlichen Erfolgen berichten.

MCT-Präparate

MCT-Präparate können als Ersatz für Fette in der Zubereitung von Speisen verwendet werden. Die Fette sind nicht auf die Anwesenheit von Gallensaft angewiesen und können ohne Umweg über die Lymphe direkt zur Leber transportiert werden. Der Einsatz sollte schleichend beginnen. Weitere Infos unter Mittelkettige Fettsäuren

Die Prognose ist insgesamt relativ günstig. Die Stuhlfrequenz normalisiert sich zwar häufig nicht. Jedoch können eine Symptomfreiheit sowie eine ausreichende Zufuhr an essenziellen Nährstoffen erzielt werden.