Gastbeitrag: Wassermelonen und Gurken statt Wasser?

Aktuell versorgen manche Influenzer-innen ihren Körper mit Flüssigkeit nur noch über Kokosnusswasser, frisch gepresste Säfte und Früchte. Andere trinken einfach Wasser – und da gibt es verschiedene Bezeichnungen und Quellen. Die Trinkwasserverordnung sowie die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung regeln diverse Anforderungen wie Deklarierung, Herkunft, Herstellung, Mineraliengehalt, Schwermetallgehalte, Mikrobiologie, etc. Die Vielfalt der Begriffe sowie die Details der Verordnungen kann dabei schon schon mal verwirren.

Trinkwasser muss so beschaffen sein, dass durch seinen Genuss oder Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit insbesondere durch Krankheitserreger nicht zu besorgen ist. Es muss rein und genusstauglich sein (Trinkwasserverordnung).

63 % der Deutschen trinken täglich Leitungswasser (TK-Trinkstudie). Regional als Hahnenwasser oder Kranwasser oder auch liebevoll als Kraneberger bezeichnet.

Natürliches Mineralwasser muss amtlich anerkannt sein. Um wie vorgeschrieben „natürlich rein“ zu sein, muss es aus unterirdischen, vor Verschmutzung geschützten Wasservorkommen stammen und an der Quelle abgefüllt werden.

Quellwasser kommt aus unterirdischen Reservoirs und kann aus natürlichen oder künstlich erschlossen Quellen gewonnen werden. Tafelwasser kann aus Trinkwasser (Leitungswasser), Mineralwasser oder auch aus Natursole oder Meerwasser gewonnen werden.

Heilwasser entstammt tiefen unterirdischen Wasservorkommen und ist bereits von seinem Ursprung her völlig rein. Es ist ein besonders wertvolles Wasser, denn aufgrund seines Gehalts an Mineralstoffen und Spurenelementen besitzt es eine nachgewiesene und amtlich bestätigte gesundheitliche Wirkung.

Weitere Infos: Wasser – Welches darf es sein?

Ein Leben ohne Wasser auf unserem Planeten – das ist einfach unvorstellbar:

Erdoberfläche: 70 % Wasser
Körper, Blut, Zelle: ca. 70 % Wasser

Wasser ist das Transportmedium und Lösungsmittel schlechthin. Ohne Wasser überleben wir gerade einmal 3 bis 4 Tage. Dazu sind die physiko-chemischen Eigenschaften und Anomalien des Moleküls Wasser H2O eine Besonderheit.

Aggregatzustände: fest = Eis, flüssig = Wasser, gasförmig = Dampf

Auf der Suche nach dem „richtigen“ Wasser findet man viele Begriffe wie Ausschlusszonen-Wasser (Exclusion Zone-Wasser (EZ)), Wasser kann (Licht)-Energie speichern, energetisiertes und levitiertes Wasser, H3O2 etc. Für diesen Bereich empfehle ich das Buch von Dr. Pollack. Konzentrieren uns erst mal auf die Frage:

Wasserwege: Wie gelangt es als Getränk (oder Speise) über den Darm ins Blut und in die Zellen?

Als polares Molekül kann Wasser durch die Lipidschicht von Zellmembranen nicht gut diffundieren. Dafür gibt es sogenannte Aquaporine – eine Gruppe von Wasserkanalproteinen. Es sind porenbildende Transmembranproteine, die spezifisch den Transport von Wassermolekülen durch Plasmamembranen durch erleichterte Diffusion ermöglichen, aber für Ionen (auch für H3O+ und gelöste Mineralstoffe) sowie kleine Metaboliten undurchlässig sind.

Haupttreiber für den passiven Transport von Wasser ist übrigens das Natrium-Ion (Na+), das den notwendigen osmotischen Druck erzeugt und streng hormonell reguliert wird.

Aquaporine spielen auch eine große Rolle bei der „Gehirn-Reinigung“ im Schlaf (siehe auch glymphatisches System), wo es zu einem größeren Flüssigkeitsaustausch kommt.

Im Körper zu wenig Wasser = Limitation z. B. von Energiestoffwechsel und Konzentrationsfähigkeit

Im Körper zu viel Wasser = Aufwand der renalen Ausscheidung

Nicht nur bei der Wasser-Rückresorption durch die Epithelzellen im Dünn- und Dickdarm sind die Aquaporine wichtig, sondern auch in den Nierenepithelien. Ebenso im Gastrointestinaltrakt spielt die Rückresorption eine große Rolle, denn im Dünndarm werden etwa 6,5 Liter Wasser resorbiert, im Kolon 1,3 Liter.

Bioverfügbarkeit: Wie gelangen die im Wasser gelösten Mineralstoffe über den Darm ins Blut und in die Zellen?

Häufig wird diskutiert, ob die Mineralstoffe z. B. im Trinkwasser bioverfügbar sind (also vom Körper aufgenommen werden können) und wenn ja in welcher Form.

Dabei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle:

  • anorganisch oder organisch gebundene Form
  • Konzentration
  • Rolle als Elektrolyt für den Wasser-Elektrolyt-Haushalt
  • hormonelle Regulation

Betrachten wir die Aufnahme von den wichtigsten Mengenelementen der Mineralstoffe.

Beginnen wir mit Natrium, da es als das wichtigste extrazelluläre Kation für den richtigen osmotischen Druck sorgt und mit Wasser zusammen einer engen hormonellen Regulation unterliegt. Die Aufnahme erfolgt im Magen-Darm-Trakt und die größte Quelle ist Kochsalz (NaCl). Daher spielt die Natrium-Versorgung über Mineralwasser eine geringe Rolle – man kann also gerne ein Wasser mit geringem Natriumgehalt wählen und schauen, dass mehr Kalium enthalten ist. Denn Kalium ist das wichtigste intrazelluläre Kation und wird ausreichend über die Nahrung aufgenommen. Kalzium und Phosphat sind als Kalziumphosphat in Knochen und Zähnen als Speicherform eingelagert. Die Bioverfügbarkeit wird für Kalzium mit 25 bis 45 % und für Magnesium mit 35 bis 70 % angegeben [Hes 2001]. Die Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen aus Wasser wurde lange Zeit als eher gering angesehen. Dies konnte aber anhand moderner Tracermethoden (= Verabreichung stabiler Isotope) in Untersuchungen am Menschen widerlegt werden. Damit ist die Bioverfügbarkeit für Kalzium aus Wasser ebenso hoch wie aus Milch [Hes 2001].

Weitere Angaben zur Bioverfügbarkeit der Spuren- und Mengenelementen finden wir bei [Bie 2015]:

  • Eisenaufnahme gut als Häm, schlecht als anorganische Verbindung.
  • Zink organisch gebunden gut, schlecht als anorganisches Salz.
  • Magnesium: Sulfat, Phytat, Gluconat schlecht; gut: Fumarat, Laktat, Orotat, Phosphat, Pidolat, Taurinat, Chlorid oder Citrat.

Dies zeigt eindrucksvoll, dass eine pauschale Aussage nicht möglich ist, ob anorganische (im Wasser) oder organische Verbindungen die Bioverfügbarkeit verbessern.

Die Mineralstoffgehalte variieren bzw. überlappen im Trinkwasser wie auch in den Mineralwässern sehr stark. Daher lohnt es sich, auf die Analysen auf dem Etikett zu schauen bzw. die aktuellen Trinkwasseranalysen beim lokalen Versorger einzusehen. Die Angaben und Anforderungen für eine Auslobung der Gehalte sind hier dargestellt:

AngabenAnforderung
sehr geringer Gehalt an MineralienMineralstoffgehalt  <50 mg / Liter
geringer Gehalt an MineralienMineralstoffgehalt  <500 mg / Liter
hoher Gehalt an MineralienMineralstoffgehalt  >1. 500 mg / Liter
  
bicarbonathaltig>200 mg / Liter
kalziumhaltig>150 mg / Liter
chloridhaltig>200 mg / Liter
eisenhaltig>1 mg / Liter
magnesiumhaltig>50 mg / Liter
natriumhaltig>200 mg / Liter
natriumarm<20 mg / Liter
sulfathaltig>200 mg / Liter

Wasserzufuhr durch Trinken und Essen sowie der interne Wasserkreislauf

Die tägliche Wasseraufnahme erfolgt zum größeren Anteil über Getränke (bis zu 70 %) und somit zum kleineren Anteil über Lebensmittel inkl. Oxidationswasser. Dies ist ein interessanter Aspekt in Bezug auf die Diskussionen zu Qualität oder Eigenschaften des zugeführten Wassers. So kann man sagen, dass das in den Lebensmitteln enthaltene Wasser und Zellwasser „biologisch“ oder „physiologisch“ oder „lebendig“ ist. Dieser Blickwinkel bekommt eine andere Gewichtung, wenn wir auf die internen Wasserströme im Magen-Darm-Trakt schauen – die sind nämlich volumenmäßig ganz beträchtlich. Über 80 % des Wassers aus interner und externer Zufuhr (Lebensmittel) entspringen einem biologischen Kontext und liegen somit in einer Struktur vor, die mit Hilfe der Aquaporine leichter zellgängig ist.

Wasserzufuhr im Magen-Darm-Trakt:  Gesamtbilanz 10,4 Liter

  • Interne Zufuhr:  8,2 Liter  = ca. 79 %, davon
    • Speichel 1,5 Liter
    • Magensaft 2,5 Liter
    • Pankreassekret 0,7 Liter
    • Galle 0,5 Liter
    • Instestinalsekret 3,0 Liter

Externe Zufuhr:  2,2 Liter (Trinken, Lebensmittel) = ca.  21 %

Wasser früher und heute

Entwicklungsgeschichtlich betrachtet hat der Mensch seinen Durst mit Oberflächenwässern und Quellwässern gelöscht. Und das hat wie die heutigen Trinkwässer sehr unterschiedliche Anteile, aber auf jeden Fall Mineralstoffe enthalten. Möglicherweise kamen auch regional naturgegebene Anteile vor, die nicht immer gesundheitsförderlich waren.

In der modernen Welt haben wir aber eine vom Menschen selbst verursachte ganz andere Qualität und Dimension bezüglich der Inhaltsstoffe zu tun – seien es Schadstoffe mit zum Teil noch unbekannter Gefährlichkeit oder Mineralstoffe in erhöhten Mengen wie Nitrat.

All die Substanzen – original oder teilabgebaut, landen via Luft, Oberflächenwasser, Abwasserleitungen, Flüssen etc. irgendwann im großen Wasserkreislauf. Und dann begegnen sie uns im Trinkwasser wieder – egal ob als Uferfiltrat, Oberflächenwasser, Grundwasser oder Quellwasser. Mögliche Schadstoffe im Kreislauf sind:

  • Pestizide, Fungizide, Insektizide, Herbizide
  • Human- und Tierarzneimittel wie Antibiotika, Zytostatika, Schmerzmittel
  • Kontrastmittel
  • Hormone, Drogen
  • Nitrate
  • endokrine Disruptoren mit hormonähnlicher Wirkung in sehr geringen Konzentrationen
  • Mikroplastik
  • Substanzen aus Waschmitteln und Kosmetika

Auch wenn viele Stoffe nur in Mikrogramm-Mengen pro Liter nachweisbar sind – bei 1.000 Liter Wasserkonsum pro Jahr handelt es sich bereits um ein Milligramm.

Hier lohnt es sich, über ein Vorsorge- und Verursacher-Prinzip nachzudenken – denn die schier unmögliche Entfernung von vielen Schadstoffen aus dem Rohwasser, das dann unter hohen Kosten für uns alle zum Trinkwasser bereitet wird, ist weder sozial noch sinnvoll. Wasser ist eines unserer wichtigsten Güter!

Egal welche Quelle? – Anregungen zur kritischen Betrachtung

Eine kritische Haltung zur Qualität von Trinkwasser – sowohl aus der Leitung, als auch abgefüllt – erscheint angebracht. Es gab auch schon Leitungswasser, das als Mineralwasser verkauft wurde (Coco Cola: Dasani in London 2004). Besonders wichtig: es muss schmecken!

Mineralwasser

  • Ist es regional, wie hoch ist der Transportaufwand?
  • Welche Flaschenart?
    • Mehrweg-Glasflasche bis zu 50 x wieder befüllt.
    • Mehrweg-PET-Flasche bis zu 20 x wieder befüllt.
    • Einweg-Plastikflaschen nur 1x befüllt, dann geschreddert. Plastikflasche in der Natur braucht bis zu 450 Jahre zum Abbau!
  • Flaschenwasser ist keine Garantie für sauberes Wasser – bei Untersuchungen gibt es immer mal wieder Nachweise von Chlor, erhöhte Keimzahlen, Abbauprodukte von Pestiziden.
  • Mit und ohne CO2? Geschmacksache! Stilles Wasser trinkt man in der Regel mehr, an heißen Tagen ist Wasser mit Kohlensäure vielleicht erfrischender. Und Kohlensäure ist eines unser drei wichtigsten Puffersysteme – davon wird der Körper nicht sauer!

Leitungswasser

  • Mögliche Belastung durch Schwermetalle (alte Rohrleitungen, Armaturen)
    • Tipp: Wenn Auslass-Stellen (Wasserhahn, Dusche) längere Zeit nicht benutzt worden sind (eigene Wohnung, Hotelzimmer etc.), Wasser ein paar Minuten laufen lassen. Dann ist die mögliche Belastung durch armaturenbedingte Schwermetalle oder Mikroben (Legionellen) im Stagnationswasser geringer.
  • Inhaltsstoffe prüfen (siehe Analyse des lokalen Versorgers):
    • Mineralstoffe ( z. B. Nitrat)
    • chemische Aufbereitungsstoffe z. B. zur Desinfektion Schadstoffe, nicht relevante Metabolite
    • Lokal kann es Ausnahmegenehmigungen in der Trinkwasserverordnung geben z. B. für vorübergehend höhere Pestizid-Abbauprodukte!
  • Filter – was können sie?
    Es gibt sehr potente Filtersysteme, die verschiedene Fremdsubstanzen adsorbieren können. Seriöse Anbieter haben dazu Gutachten vorliegen. Ein regelmäßiger Austausch ist nach einer bestimmten Nutzdauer oder der Durchflussmenge aus hygienischer Sicht und nach Erreichen der Absorptionskapazität notwendig.
  • Aufwändigere Umkehrosmose-Filter können Fremdstoffe entfernen, aber auch alle Mineralstoffe. Dies steht der naturbedingten traditionellen Zufuhr von mineralstoffhaltigen Wässern entgegen. Aktuell werden hier auch Konzepte mit Re-Mineralisierung angeboten.

Wasser liefert also einen Teil der vom Körper aufgenommenen Mineralstoffe, aber der Großteil entstammt der festen Nahrung.

Achten Sie auf sich und das natürliche Durstgefühl. Wählen Sie ein Wasser, das Sie gerne trinken und Ihnen schmeckt – und mit diversen kleinen Zutaten kann es auch öfter zum Genuss werden. 

Tipp: als Nudge immer ein Wasserglas/ Karaffe im Sichtfeld. Für unterwegs eine plastikfreie oder BPA-freie Trinkflasche mitnehmen. Hier kann man dann kostenlos nachfüllen: https://refill-deutschland.de.

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