Welches Wasser darf es denn sein?

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In Deutschland gibt es ein breites Angebot an Wasser: Das Spektrum reicht von Tafel- und Quellwasser bis zu natürlichem Mineral- und Heilwasser sowie unserem Trinkwasser. Es gibt über 500 Mineral- und 35 Heilwässer sowie etwa 6.000 Wasserwerke in Deutschland. Doch was sind die Unterschiede zwischen den Wasserarten? In Deutschland regelt die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (MTVO), wie natürliches Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser beschaffen sein, abgefüllt, analysiert und gekennzeichnet werden müssen. In der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) sind die gesetzlichen Anforderungen für Leitungs- bzw. Trinkwasser festgehalten.

Mineral-, Quell- und Tafelwasser

Mineralwasser

Mineralwasser stammt aus unterirdischen, vor Verunreinigung geschützten Wasservorkommen und wird aus einer oder mehreren natürlichen oder künstlich erschlossenen Quellen gewonnen. Es ist von ursprünglicher Reinheit – das heißt, es darf nichts entzogen und nichts hinzugefügt werden. Ferner ist es durch den Gehalt an verschiedenen Mineralstoffen charakterisiert. Mineralwasser muss in der Zusammensetzung und der Temperatur innerhalb natürlicher Schwankungen konstant bleiben. Zudem bedarf es einer amtlichen Anerkennung.

Lebensmittelkunde Welches Wasser darf es denn sein?

Plus

  • aus geschützten unterirdischen Wasservorkommen
  • teilweise hoher Mineraliengehalt
  • ursprünglich rein 
Minus

  • hoher Ressourcenbedarf für Gewinnung, Aufbereitung, Verpackung, Transport und Entsorgung der Verpackung bzw. Wiederaufbereitung

  • teuer 
 

Quellwasser

Das aus unterirdischen Wasservorkommen stammende Quellwasser muss im Gegensatz zum Heil- und Mineralwasser nicht ursprünglich rein sein und muss auch keine gleichbleibende Menge an Mineralien enthalten. Es wird am Quellort abgefüllt und gelangt ohne amtliche Anerkennung in den Handel. Umweltverschmutzungen können sich daher in Teilen auch im Quellwasser wiederfinden.

Plus

  • aus geschützten unterirdischen Wasservorkommen 
Minus

  • hoher Ressourcenbedarf für Gewinnung, Aufbereitung, Verpackung, Transport und Entsorgung der Verpackung bzw. Wiederaufbereitung

  • teuer 
 

Tafelwasser

Tafelwasser ist in der Regel eine Mischung aus Leitungs- und Mineralwasser. Zudem dürfen natürliches salzreiches Wasser (Natursole) oder durch Wasserentzug im Gehalt an Salzen angereichertes natürliches Mineralwasser, Meerwasser, Natriumchlorid und Magnesiumchlorid enthalten sein. Es ist nicht an eine bestimmte Quelle gebunden und darf an jedem Ort hergestellt sowie abgefüllt werden. Tafelwasser kann zudem über Zapfanlagen angeboten und in größeren Behältern transportiert werden. Im Gegensatz zu Mineral- und Quellwasser braucht es keine amtliche Anerkennung.

Plus

  • Zusatz von Mineralstoffen ist erlaubt
Minus

  • hoher Ressourcenbedarf für Gewinnung, Aufbereitung, Verpackung, Transport und Entsorgung der Verpackung bzw. Wiederaufbereitung

  • künstliche Herstellung
 

Allen gemein ist, dass es als abgepacktes Wasser viel Energie für die Verpackung, den Transport und die Gewinnung verbraucht. Das Abfüllen in Plastik- bzw. PET-Flaschen stellt heute nicht nur in Anbetracht der Verschmutzung der Weltmeere ein großes Umweltproblem dar. Entgegen hartnäckiger Annahmen ist allerdings der Übergang von potenziellen Schadstoffen in der Verpackung ins Wasser vernachlässigbar.

Entstehung und Gewinnung
Wenn es regnet, sickert der Niederschlag über viele Jahre und Jahrzehnte durch verschiedene Gesteinsschichten in den Boden ein. Auf diesem Weg finden zahlreiche Reaktionen und Reinigungsprozesse statt. Es kommt zur Anreicherung mit Mineralien, zur Filterung von Schmermetallen oder auch zur Versetzung mit Kohlensäure. Je nach den regionalen Besonderheiten ist daher jedes Wasser einzigartig. Die verschiedenen Gesteinsarten führen zu unterschiedlichen Eigenschaften der Wässer. So führen Gips und Kalk zur Anreicherung mit Kalzium und Magnesium. Bei vulkanischem Gestein ist der natürliche Kohlensäuregehalt meist hoch. Umso langsamer das Wasser sickert, umso intensiver ist der Austausch mit den verschiedenen Gesteinen und Bodenbeschaffenheiten. Schlussendlich sammelt sich das Wasser in geschützten unterirdischen Vorkommen (Mineralwasserquellen). Aus diesen Quellen wird das Mineralwasser vom jeweiligen Mineralbrunnenunternehmen gefördert und abgefüllt. In seltenen Fällen steigt das Wasser durch hohen Druck von allein nach oben. Dann handelt es sich um eine sogenannte artesische Quelle. Meistens jedoch wird das Wasser durch leistungsstarke Pumpen ans Tageslicht befördert und abgefüllt.

Leitungs- bzw. Trinkwasser

Leitungs- bzw. Trinkwasser ist kein naturbelassenes Produkt, sondern wird technisch und chemisch aufbereitet. Es stammt zumeist aus Grund- und/oder Oberflächenwasser von Seen, Talsperren oder Uferfiltrat. Auch die Qualität unterscheidet sich von Ort zu Ort. Im Gegensatz zu Mineralwasser muss Leitungswasser nicht von natürlicher Reinheit sein. Es muss in der Regel aufbereitet werden, bevor es zum Verzehr geeignet ist. Dabei sind zahlreiche Behandlungsverfahren und chemische Zusätze erlaubt. Ist die Ausgangsqualität nicht gut genug, kann Leitungswasser mit Chlor behandelt oder zusätzlich durch Aktivkohle gefiltert werden. Trotzdem gibt es hin und wieder Berichte von Verunreinigungen (Pflanzenschutzmittel, Medikamente, Schwermetalle, Hormonrückstände, Weichmacher, Nitrate etc.) im Wasser. Auch besteht ein latentes Risiko, dass Schwermetalle und andere Schadstoffe aus Wasserrohrleitungen ins Wasser übergehen. Im Gegensatz zu Mineral-, Quell- und Tafelwasser sind daher für Trinkwasser weitere Grenzwerte gesetzlich geregelt. So gibt es unter anderem Höchstgrenzen für Uran, Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Borat, Brom oder auch Zyanid, Fungizide, Herbizide und organische Chlorverbindungen. Die Höchstgehalte sind in der Trinkwasserverordnung festgehalten.

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Auf der anderen Seite ist es im Vergleich zu abgepacktem Wasser deutlich umweltschonender und kostengünstiger.

Plus

  • kostengünstig
  • umweltschonend und geringer Ressourcenbedarf
  • hohe Anforderungen an Höchstgrenzen für zahlreiche Schadstoffe
  • kann zu Hause zusätzlich aufbereitet werden/ mit Kohlensäure versetzt werden
Minus

  • schwer nachzuvollziehende Qualität/ Menge enthaltener Inhaltsstoffe
  • Verunreinigungen und Rückstände von Medikamenten, Umweltchemikalien etc. möglich
 

Heilwasser

Heilwasser stammt aus unterirdischem Wasservorkommen und ist von ursprünglicher Reinheit. Für Heilwasser muss eine vorbeugende, lindernde oder heilende Wirkung nachgewiesen werden, bevor es als solches in den Handel darf. Heilwasser wird am Quellort abgefüllt und durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen. Zu den umfangreichen Zulassungsunterlagen gehören unter anderem ein analytisches, ein pharmakologisch-toxikologisches und ein klinisches Sachverständigengutachten. Auf dem Etikett finden sich folgende Angaben (Quelle):

  • Name des Heilwassers und Anschrift des Heilbrunnenbetriebes
  • Amtliche Zulassungsnummer
  • Chargenbezeichnung
  • Analysenauszug mit wirksamen Bestandteilen
  • Anwendungsgebiete
  • Gegenanzeigen
  • Nebenwirkungen und Wechselwirkungen (falls vorhanden)
  • Trinkmengenempfehlung

In jedem Heilwasser kommen bestimmte Inhaltsstoffe in besonders hohen Mengen vor, denen eine heilsame Wirkung bei verschiedenen Erkrankungen zugeschrieben werden. Bei einem Heilwasser liegt mindestens einer der folgenden Nährstoffe in einer vorgegebenen Mindestkonzentration vor:

  • Magnesiumcarbonat: > 100 mg/l
  • Kalzium: > 250 mg/l
  • Fluorid: > 1,0 mg/l
  • Sulfat: > 1.200 mg/l
  • Hydrogencarbonat: > 1.300 mg/l
  • Kohlenstoffdioxid: >1.000 mg/l

Heilwässer sollen so harmonisierend in Stoffwechselvorgänge eingreifen und Organfunktionen von Magen, Darm, Galle und Bauchspeicheldrüse unterstützen. Auf der anderen Seite können derart hohe Konzentrationen die Wirkung und Ausscheidung von Medikamenten beeinflussen.

Plus

  • muss durch BfArM zugelassen werden
  • ursprünglich rein
  • enthält einzelne/ bestimmte Mineralien in sehr hohen Mengen
  • heilende Wirkung muss nachgewiesen sein
Minus

  • sehr teuer
  • Interaktionen mit Medikamenten bei hohem Konsum möglich
  • hoher Ressourcenbedarf für Gewinnung, Aufbereitung, Verpackung, Transport und Entsorgung der Verpackung bzw. Wiederaufbereitung

 

Was ist nun besser?

Aus gesundheitlicher Sicht gibt es sowohl für abgepacktes Mineral-, Quell- und Tafelwasser als auch für unser Trinkwasser verschiedene Vor- sowie Nachteile. Abgepacktes Wasser ist ein Naturprodukt mit einem charakteristischen Mineraliengehalt. Es darf nicht verändert werden und muss unter normalen Umständen in der Zusammensetzung konstant bleiben. Dafür ist es relativ teuer. Leitungswasser ist zwar kostengünstig, besitzt aber einen meist unbekannten Mineraliengehalt. Es wird chemisch und technisch aufbereitet und kann – wenn auch sehr selten – mit verschiedenen Schadstoffen und Schwermetallen belastet sein. Teilweise wurden erhöhte Werte für Röntgenkontrastmittel und Nitrate (vor allem in Gegenden mit viel Landwirtschaft) nachgewiesen.

Und was den Mineraliengehalt anbetrifft: laut Experten sind gesunde Menschen nicht auf die Mineralien im Wasser angewiesen. Die Zufuhr über die Nahrung sollte den jeweiligen Bedarf decken. Lediglich bei einigen Krankheitsbildern wie Osteoporose oder Magen-Darm-Erkrankungen kann ein hoher Gehalt an bestimmten Mineralstoffen wie Kalzium von Vorteil sein.

Lebensmittelkunde Welches Wasser darf es denn sein?

Aus umweltwissenschaftlicher Perspektive ist Leitungswasser klar im Vorteil und verbraucht mit Abstand die wenigsten Ressourcen. 80 % des abgepackten Wassers sind aus Kunststoff, das nur zum Teil recycelt wird. Selbst Glas ist relativ Energie-aufwendig in der Wiederaufbereitung. Wer sich dennoch hierfür entscheidet, kann zumindest auf regionale Angebote zurückgreifen, um unnötige Transportkosten zu sparen.

Downloads

Für unsere Mitglieder stehen Infokarten zum Thema sowie ein Tabellentool zu den Mineraliengehalten ausgesuchter Mineralwässer zum Download zur Verfügung.

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