Grundlagen des Beratungsprozesses

Die Beratung ist ein strukturiertes Gespräch in Form einer Zwei-Weg-Kommunikation. Die Gesprächspartner sind sich über das Thema einig und grenzen komplexe Sachverhalte ein. Das Hauptaugenmerk beruht auf Tatsachen. Zu Gedanken, Gefühlen und Einstellungen sowie Ressourcen wird Bezug genommen. Es handelt sich um ein grundsätzlich motivierendes Gespräch.

Kennzeichen

Die Beratung ist zudem als ergebnisoffener, dialogischer Prozess zu verstehen, in dem eine individuelle, persönliche und bedürfnisgerechte Problemlösung erarbeitet wird.

Des Weiteren ist die Beratung eine nach methodischen Gesichtspunkten strukturierte Problemlösungsstrategie, die durch Eigeninitiative und Engagement des Ratsuchenden unterstützt wird. Ferner werden im Verlauf dieses Prozesses seine Kompetenzen zur Bewältigung der Probleme verbessert.

Innerhalb des Beratungsprozesses kommt es durch die personenzentrierte Haltung zu einer verbesserten Übernahme von eigenverantwortlichem Handeln sowie der Selbstverantwortung.

Zur Grundhaltung zählen ebenso Empathie, Akzeptanz und Kongruenz.

Zusammenfassende Kennzeichen: 

  • strukturierter Dialog zwischen Berater und Ratsuchendem
  • Bezug auf Thema, Schwierigkeit, Probleme
  • bedürfnisorientierte Kommunikation
  • Berücksichtigung von Ressourcen, Eigenverantwortung
  • Fokus liegt auf zielorientierter Veränderung: Problemlösung, Kompetenzerweiterung, persönlichem Wachstum, Verhaltensänderung
  • ergebnisoffener Prozess, Beziehungsgeschehen

Phasen und Schritte

Ziel sind explizite und geplante Beratungsgespräche.

Das erste Gespräch

  • Kontaktaufnahme, Vorstellung
  • Auftragsklärung
  • Einschätzung von Bedarf (Veränderungsdruck, innere Motivation)
  • Konsens über das weitere Vorgehen
  • Planung und klare Abmachungen/ Regeln

Gespräche im Verlauf

  • fortlaufende Anpassung (Störungen haben Vorrang)
  • Berücksichtigung der psychischen Lage des Betroffenen
  • Reflexion
  • Konzentration auf Gelingendes, Stärken, Möglichkeiten und Gestaltungsspielraum

Beratungsabschluss

  • Reflexion des Prozesses
  • Evaluation – Rückblick, Lernerfolge bewusst wahrnehmen und kommunizieren
  • Anerkennung
  • Zukunftsängste nehmen, Befürchtungen ernst nehmen und darauf eingehen
  • eventuell weiteren Bedarf abklären/ anbieten

Auftragsklärung

Motivationshintergrund

Bereits im Vorfeld ist zu klären, ob es sich um einen Rat- bzw. Hilfesuchenden handelt. Es gibt durchaus Situationen, in denen Menschen unfreiwillig zur Beratung erscheinen und wenig Bereitschaft zur Veränderung zeigen. In einer solchen Situation wird von extrinsischer (äußerer) Motivation gesprochen. Kommt der Ratsuchende aus innerer Überzeugung und eigenem Antrieb, handelt es sich um eine intrinische (innere) Motivation. Die jeweilige Motivation im Vorfeld zu erkennen, ist ein wichtiger Schritt für den Beratungsprozess, da die Motivation einen wesentlichen Einfluss auf Verlauf und Erfolg der Beratung nimmt.

Bei extrinsisch Motivierten ist es daher wichtig, Unterstützung und Hilfestellung zu geben, um eine innere Motivationshaltung des Ratsuchenden zu erreichen.

Für einen optimalen Beratungsprozess sind zudem die kognitiven Fähigkeiten und die Handlungsbreite sowie die Art der Problembewältigung, die psychische sowie physische Verfassung und die sozialen Voraussetzungen des Hilfesuchenden von Bedeutung. Innere Werte, das Selbstwertgefühl, Einstellungen und Bildungsgrad spielen ebenso eine Rolle.

Eine häufige Eigenschaft der Hilfesuchenden besteht in einer Art Gefühl der Hilflosigkeit und/ oder Ohnmacht, insbesondere bei schwerwiegenden Erkrankungen (z.B. Krebserkrankungen). Hier sollte der Berater die Möglichkeit nutzen, dem Ratsuchenden bewusst einen Teil der Kontrolle zurückzugeben, indem er Vorschläge für einen eigenen Beitrag unterbreitet.

Mögliche Settingfragen

  • Wer ist der Auftraggeber?
  • Steht genügend Zeit zur Verfügung?
  • Wo findet die Beratung statt?
  • In welcher Atmosphäre findet die Beratung statt?
  • Wer übernimmt die Kosten?

Beratungsziel

Die Beratung dient als Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei soll der Ratsuchende dazu befähigt bzw. darin gestärkt werden, die veränderte und/ oder zu verändernde Lebenssituation zu akzeptieren und selbstbestimmt sowie unabhängig zu gestalten.

In der Regel erfordert dies eine Erweiterung des vorhandenen Wissens, der Fähig- und Fertigkeiten, der Bewerkstelligung einer Verhaltensänderung oder das Erlernen neuer Bewältigungsstrategien. Diese Aspekte spielen in der Zieldefinition der Beratung eine entscheidende Rolle.

Aus der Sicht des Hilfesuchenden stellen sich eventuell folgende Fragen:

  • Was ist das Ziel?
  • Welche Erwartungen sind vorhanden?
  • Erhalte ich relevante Informationen?
  • Werde ich fähig, Entscheidungen zu treffen?
  • Erhalte ich Impulse und Anregungen?

Diese Art des Klärungsprozesses zu Beginn der Beratung hilft dabei, dass sich die unterschiedlichen „Wirklichkeiten“ einander annähern. Es ist hilfreich, das vereinbarte Ziel oder die Teilziele schriftlich festzuhalten.

Motivation

Ratschläge zu einer gesunden Ernährungs- bzw. Lebensweise klingen häufig nach Anweisungen, mit denen die Patienten und Verbraucher zu notwendigen Veränderungen angehalten werden. Dieser eher autoritäre Ansatz ist für einige Menschen richtig. Bei anderen jedoch erhöht sich dadurch der eigene innere Widerstand. Langfristige Verhaltensveränderungen lassen sich wirksamer erzielen, wenn die Motivation im Patienten selbst entsteht (intrinsische Motivation), anstatt sie ihm aufzuzwingen (extrinsische Motivation). Die angestrebten Veränderungen sind den Bedürfnissen, Interessen und Emotionen des Einzelnen anzupassen.

Patientenzentrierte Techniken (motivierende Gespräche, gemeinsam erarbeitete Ziele) können helfen, die innere Motivation zu stärken. Derartige Techniken ermutigen den Menschen zudem zu eigenständigen Entscheidungen, beispielsweise welche Veränderungen für ihn notwendig sind und wie er diese erreichen kann.

Jede Verhaltensveränderung ist ein langer, schrittweiser Prozess, der über mehrere Phasen erreicht wird. Menschen stehen jedoch Änderungen immer kritisch gegenüber und rufen für viele auch eine Art der Angst hervor. Daher sind nicht alle Menschen wirklich bereit dazu. Diesbezügliche Interventionen sind für jeden Menschen entsprechend maßgeschneidert anzubringen und können durch folgende Faktoren ermöglicht bzw. gefördert werden:

  • das Problem bewusst machen
  • relevante Informationen nicht konfrontierend vermitteln
  • verbundene Probleme gemeinsam und verständlich erörtern
  • bewusst machen, wie wichtig Veränderungen für die persönliche Situation sind
  • verinnerlichen, wie die Lebensweise für ein besonderes Gesundheitsproblem anfällig macht
  • den Nutzen aus einer Veränderung bewusst machen
  • das Vertrauen in die Fähigkeit, ein bestimmtes Ziel erreichen zu können, fördern
  • bestärken, konstruktives Feedback geben

Beispiel(e) für praktisches Vorgehen

  • Identifikation des Zielverhaltens, das für die Gesundheit des Ratsuchenden förderlich ist
  • Besprechen des Zusammenhangs zwischen Verhalten und Gesundheit
  • Erörterung, wie der Patient die eigene Situation wahrnimmt
  • Ermitteln der Bereitschaft des Ratsuchenden für Veränderungen, basierend auf dem Grad des inneren Widerstands
  • Vermeiden wertender oder konfrontativer Äußerungen, nicht beharrlich auf Veränderung drängen
  • Erkennen und Fühlen der Motivationen, Gefühle und Ansichten des Ratsuchenden
  • Ermuntern des Patienten, das Für und Wider einer Verhaltensveränderung in eigenen Worten auszudrücken und abzuwägen
  • Leiten des Patienten bei der Formulierung eines eigenen Aktionsplans
  • Bestärken des Patienten, basierend auf Verhaltenszielen, die sich leicht in die aktuelle Lebensweise integrieren lassen und bei denen eine hohe Erfolgschance besteht
  • Erörtern möglicher Hindernisse bei der Zielerreichung und Aufzeigen von Lösungen im Umgang mit diesen
  • Bereithalten verschiedener Informationsquellen zur Unterstützung des Patienten
  • Halten eines persönlichen Kontaktes, Geben von Feedback und Förderung der eigenständigen Überwachung der Fortschritte
  • bewusste Vermittlung, dass Rückfälle möglich sind und diese keine Gefährdung des Gesamtprozesses bedeuten
  • gemeinsames Erarbeiten von Alternativverhalten

Motivationstraining

Motivationstraining zielt letztendlich auf eine Verhaltensmodifikation bzw. Handlungsverbesserung. Innerhalb dieser gibt es 4 Aspekte, die verbessert werden können: die Handlungsfrequenz (Häufigkeit), die Handlungspersistenz (Beharrlichkeit), die Handlungsintensität (Ausführungsaufwand) sowie die Handlungsqualität.

Des Weiteren gibt es verschiedene Motivationstypologien. Hierzu zählen einfache Motivationstrainings (fokussieren eine einzelne Komponente), multiple Motivationstrainings  (fokussieren mehrere Komponenten) und holistische Motivationstrainings (fokussieren alle Handlungskomponenten). Auch wird zwischen kurativer und präventiver Motivation unterschieden.

Einfache Motivationstrainings

Ziel einfacher Trainings sind generell Motivationszuwächse. So lassen sich durch Komplimente und wiederholtes Lob Anreize für bestimmte Handlungen steigern. Prinzipiell ist es wichtig, bestimmte psychologische Bedürfnisse zu befriedigen. Hierzu zählen Selbstbestimmung, Kompetenz und soziale Eingebundenheit.

Verschiedene Techniken helfen bei der Zielerreichung:

  • Förderung der Autonomie: Wahlfreiheiten; Handlungsspielräume; Mitbestimmungsmöglichkeiten; Möglichkeiten zur Selbstbewertung; gemeinsames Aushandeln
  • Förderung des Kompetenzerlebens: häufig positives Feedback; klare, strukturierte und verständnisorientierte Instruktionen; aktive Beteiligung
  • Förderung der sozialen Einbindung: partnerschaftliches Verhältnis; Vermittlung der Lernfortschritte; Integration von Angehörigen/ Freunden/ Partnern; Gruppenarbeit
  • Förderung der persönlichen Bedeutsamkeit des Handlungsgegenstands: Betonung praktischer Anwendbarkeit; Verknüpfung uninteressant erscheinender Inhalte mit persönlich bedeutsamen Oberzielen; Verbindung mit bereits vorhandenen Interessen

Multiple Motivationstrainings

Multiple Trainings sprechen in der Regel mehrere Handlungskomponenten an und basieren auf der Annahme, dass vor allem sehr demotivierte Klienten ausgeprägte Hilflosigkeitssymptome aufweisen, die Folge unrealistisch niedriger Einschätzungen der eigenen Kompetenzen sind (Theorie erlernter Hilflosigkeit). Die Vermittlung selbstrealistischer Selbstkompetenzen lässt sich mithilfe sogenannter Reattributionstrainings verbessern. Derartige Trainings zielen darauf ab, motivationsabträgliche erlernte Attribute in motivationsförderliche Attribute umzuwandeln.

Verschiedene Techniken helfen bei der Zielerreichung:

  • Kommentierung: attributionales Feedback (z.B. „Ich merke, dass Sie sich ausführlich mit unseren Ergebnissen beschäftigt haben.“)
  • Modellierung: stellvertretende Verbalisierung von gewünschten Attributen (z.B. Äußern von einer Entwicklung eines eigenen anfänglichen Misserfolgs zum Erfolg nach einer bestimmten Zeit).
  • Operante Konditionierung (nur ergänzend): Lob, Belohnung, zustimmende Mimik/ Gestik

Holistische Motivationstrainings

Hier werden oft weitere Funktionstrainings kombiniert, wie beispielsweise zur Förderung des Durchsetzungsvermögen. Ein exemplarisches Modell ist das sogenannte Münchner Motivationstraining. Diese Form des Trainings ist sehr komplex und umfassend und eignet sich daher weniger im Rahmen der Ernährungsberatung und -therapie.

Erforderliche Kompetenzen

Wesentliche Kompetenzen eines Beraters/ Therapeuten umfassen die Bereiche Fachkompetenz, Beratungskompetenz und Prozesskompetenz. Häufig zu kurz kommt dabei eine regelmäßige Selbstkontrolle der persönlichen Kompetenz. Diese dient ausschließlich der eigenen Einschätzung und dem Bewusstsein über eigene Stärken und Schwächen.

Fachkompetenz

  • ausreichendes Fachwissen im ernährungswissenschaftlichen und -medizinischen Bereich
  • therapeutisches Wissen
  • möglichst ganzheitlicher Blickwinkel (Optimum: 360°-Perspektive) unter Berücksichtigung physischer, psychischer, sozialer und kultureller Aspekte sowie von Einstellungen, Überzeugungen und Erfahrungen
  • Erfahrungswissen im Umgang mit Klienten/ Patienten sowie Verhaltensmustern

Beratungskompetenz

  • Grundhaltung (Empathie, Akzeptanz, Kongruenz)
  • Beteiligung des Ratsuchenden
  • förderliches Beziehungsklima (Erwachsenenbildung, Individualität, gleichwertige Beziehung)
  • Sichtweise des Ratsuchenden steht im Mittelpunkt
  • Fähigkeit, die Handlungsfähigkeit des Ratsuchenden zu ermöglichen
  • bewusste Klärung der Verantwortung
  • angepasste Sprache
  • Kommunikations- und Dokumentationsfertigkeiten
  • Fähigkeit zur strukturierten Durchführung
  • Eingehen auf Bedürfnisse und Ressourcen des Ratsuchenden

Prozesskompetenz

  • Wissen um Prozesshaftigkeit der Beratung
  • Zeitverständnis (Geduld)
  • Verständnis für individuelle Langsamkeit der Verhaltensänderung
  • Klärung von Auftrag und Zielsetzung
  • Konzept, Kontinuität und Motivation
  • Zukunftsorientierung
  • Balance von Stärken und Schwächen
  • Fähigkeit zur Reflexion auf der Metaebene
  • Struktur, Abschluss und Überprüfung Evaluation)

Voraussetzungen des Hilfesuchenden

  • kognitive, handelnde Fähigkeiten
  • Bereitschaft und Fähigkeit der Krankheits- bzw. Problemwahrnehmung und -bewältigung
  • soziale Voraussetzungen
  • Lebenserfahrungen
  • Werthaltungen

Aktives Zuhören

Die richtige Kommunikation zwischen Berater und Ratsuchendem nimmt einen hohen Stellenwert im Beratungsprozess ein. Es ist schwierig, genau das zu sagen, was gemeint ist. Noch schwieriger ist aber das aufeinander hören. Prinzipiell kann zwischen Hören, Hinhören und Zuhören unterschieden werden.

Hören

Der Hörende ist mit sich selbst beschäftigt, hört nur sporadisch aufmerksam zu und folgt einem Gespräch nur solange, bis selbst geredet werden kann. Die Aufmerksamkeit liegt nicht unbedingt auf dem Gesprächsinhalt, sondern auf der eigenen Beschäftigung, den eigenen Gedanken und der Gelegenheit, zu Wort zu kommen.

Hinhören

Der Hinhörende nimmt auf, was die andere Person sagt, ohne dabei herauszufinden, was der andere meint oder sagen will. Er ist unbeteiligt, distanziert und abwartend. Oftmals nimmt der Sprechende fälschlicherweise an, ihm würde ernsthaft zugehört.

Zuhören

Der Zuhörende versetzt sich in den Sprechenden hinein, schenkt ihm volle Aufmerksamkeit, achtet auf den Inhalt und auf die Zwischentöne. Durch Haltung und Reaktion wird dem Sprechenden vermittelt, dass es im Moment nichts Wichtigeres gibt als ihn.

Merkmale des Aktiven Zuhörens

Für eine konstruktive Gesprächsführung ist das aufmerksame Zuhören ebenso wichtig wie das klare und unmissverständliche Reden. Folgende Merkmale weist das aktive Zuhören auf:

  • Wertschätzung des Gegenübers
  • Respektieren des Gegenübers und Akzeptieren des Gesagten
  • positives Framing des Gesagten
  • Hineinfühlen in den Gesprächspartner
  • Hineingehen in das Gesagte
  • Stellen von Verständnisfragen (Looping)
  • Ernstnehmen der Antworten
  • Mitdenken im Gespräch
  • dem Gesprächspartner Aufmerksamkeit und Interesse entgegenbringen

4 Stufen des Aktiven Zuhörens

Die vier Stufen des aktiven Zuhörens sind Wahrnehmung, Verstehen, Wertung und Reaktion.

Wahrnehmung

Die Wahrnehmung ist selektiv. Das ist sinnvoll, da wir nicht in der Lage sind, auf alle Informationen, Reize und Eindrücke einzugehen. Das Ziel ist, möglichst umfassend das Gesagte wahrzunehmen und aus verschiedenen Perspektiven zu hören.

Verstehen

Ziel des Verstehens ist, das Gehörte aufzufassen und zu begreifen. Missverständnisse entstehen häufig, wenn die Gesprächspartner Begriffe verschieden definieren oder das Gesagte nur aus der eigenen Perspektive heraus aufnehmen.

Bewerten

Das Gesagte wird immer bewertet. Häufig findet die Bewertung jedoch statt, ohne sicher zu sein, ob dies auch richtig verstanden wurde. Feedback kann helfen, Missverständnissen vorzubeugen.

Reaktion

Verbale und nonverbale Reaktionen, wie Kopfnicken oder Blickkontakt sind Techniken, die aktives Zuhören erleichtern. Zusammenfassen des Gesagten kann dem Gesprächspartner vermitteln, dass er verstanden wurde bzw. kann zeigen, was vielleicht falsch verstanden wurde.

Techniken des Aktiven Zuhörens

  1. Paraphrasieren/ Looping (Aussage wird mit eigenen Worten wiederholt)
  2. Verbalisieren (Gefühle, Emotionen des Gegenübers werden ausgedrückt)
  3. Nachfragen
  4. Zusammenfassen des Gesagten des Gegenübers
  5. Klären (von Unklarheiten)
  6. Weiterführen
  7. Abwägen

Empathie

Empathie (Einfühlungsvermögen) ist die Fähigkeit, sich in die Gedanken, Gefühle und das Weltbild von anderen hineinzuversetzen. Ziel ist es, die Gedanken und Gefühle zu erkennen und aus der Sichtweise und Perspektive des anderen zu interpretieren.

Der entscheidende Punkt liegt im Aktiven Zuhören und in der Motivation. Es geht nicht darum, die Gedanken, Aussagen und Emotionen aus der eigenen Perspektive zu werten, sondern zu verstehen, was den Anderen aus seinem Erfahrungshorizont heraus zu bestimmten Handlungen und Meinungen bewegt.

Empathie erstreckt sich auf das weite Feld von Verständnis. Verständnis bedeutet dabei nicht, die Handlungen, Meinungen oder Sichtweisen des Ratsuchenden gutzuheißen, vielmehr geht es darum zu verstehen, was den anderen antreibt, motiviert und geprägt hat. Im Beratungsprozess verzichtet der empathische Berater dabei auf klassische Belohnungs- und Bestrafungsmechanismen, sondern versetzt sich in den Menschen hinein und definiert den Prozess nicht als reine Wissensvermittlung.

Merkmale der Empathie

Der empathische Berater weist verschiedene Merkmale auf:

  • er besitzt die Fähigkeit, Menschen zuzuhören und deren Motive und Beweggründe zu erfahren
  • er besitzt eine verschärfte Sinneswahrnehmung bezüglich der Körpersprache der Mitmenschen
  • er besitzt solides Grundwissen, um Wahrnehmungs- und Beurteilungsfehler zu vermeiden
  • er ermöglicht es, dem Ratsuchenden effektiv und effizient zu helfen, indem er aus der Perspektive des Betroffenen heraus nach Lösungen sucht, Trost spendet und die Situation zutreffend versteht und interpretiert
  • er kann mit den eigenen Emotionen und den von anderen so umgehen, dass diese für ihn und nicht gegen ihn arbeiten

Hilfreiche Techniken

Im Detail geht es um das Erlernen bestimmter kommunikativer Strategien wie zum Beispiel

  • Fragetechniken
  • Aktives Zuhören
  • Wissen um Typologien von Menschen
  • Menschenkenntnis

Kritikkompetenz und Konfliktkompetenz stehen in engem Zusammenhang mit Empathie, weil es gerade beim Geben von Feedback und Kritik wichtig ist, dem anderen konstruktiv Rückmeldung über sein Handeln und seine Ergebnisse zu liefern, ohne ihm dabei vor den Kopf zu stoßen. Dafür ist es notwendig, bei der Bewertung auch die Lage, Perspektive, Sichtweise, den Erfahrungshintergrund und die Fähigkeiten des Betroffenen zu berücksichtigen und das Feedback auch aus dieser Sichtweise heraus zu geben. Für die Konfliktkompetenz und die Fähigkeiten im Rahmen von Konfliktmanagement kann Empathie ein wesentlicher Schlüssel sein, weil diese objektiver betrachtet, Verständnis für den jeweils anderen Standpunkt fördert und somit emotionale Eskalationen verhindert.

Respekt und Wertschätzung

Viele Menschen fühlen sich von Freunden, der Familie, den Kollegen oder den Therapeuten und Beratern nicht verstanden. Häufig liegt dies in der mangelnden Wertschätzung begründet. Worte allein reichen hier nicht. Denn nicht nur durch Worte, sondern auch durch Gestik, Haltung und Mimik wird den Menschen signalisiert, wie andere zu ihnen stehen.

Merkmale

  • Wertschätzung schafft die Basis für gute Beziehungen.
  • Anerkennung ist eine wichtige Motivation für das Handeln.
  • Respekt signalisiert dem Gegenüber, dass seine Meinungen, Sichtweisen und Handlungen anerkannt werden.
  • Ernstnehmen öffnet das Gegenüber insbesondere für eigene Schwächen, Rückschläge und Probleme.
  • Respekt ist Kommunikation und keine Haltung.
  • vertikaler Respekt: bezieht sich auf besondere Eigenschaften oder Fähigkeiten, die das Gegenüber ausmachen
  • horizontaler Respekt: beruht auf der Grundlage wahrgenommener Gleichwertigkeit (nicht Gleichheit)
  • Respekt ist die Begegnung auf Augenhöhe, geprägt von Höflichkeit, Anerkennung, Würde, Rücksichtnahme und Fairness.

Handlungsmöglichkeiten

  • Lob und Komplimente geben
  • Anerkennung ohne Worte geben (Verhalten, Mimik, Gesten)
  • richtige Umgangsformen beherrschen (Stil, Etikette)
  • die richtige Einstellung mitbringen (positive Eigenschaften des Gegenübers wahrnehmen)
  • ehrlich sein
  • zuvorkommend verhalten (vorausschauendes Handeln)
  • entgegenkommend verhalten (eigene Ansprüche zurücknehmen)
  • die richtige Mischung aus Nähe und Distanz finden
  • Blick-Kontakt halten
  • die Sicht des anderen verstehen
  • Körpersprache richtig einsetzen

Professionelle Gesprächsführung

Killerphrasen vermeiden

  • Befehlen
  • Überreden
  • Warnen und Drohen
  • Vorwürfe machen
  • Bewerten
  • Herunterspielen (Bagatellisieren)
  • nicht ernst nehmen, ironisieren und verspotten
  • Lebensweisheiten anbringen (Sonderform des Nichternst-Nehmens)
  • von sich reden
  • Ausfragen

Basisfertigkeiten

  • Formulieren von „Ich-Botschaften“ (Gefühle, Gedanken in der Ich-Form ausdrücken)
  • Zusammenfassen (Wiederholen der Kernaspekte des Gesagten)
  • Offene Fragen stellen (keine Ja/Nein-Fragen)
  • Konkretisieren (Präzisierung eines Problems und Klärung der mit einem Verhalten verbundenen Gedanken und Gefühle)
  • Widerspiegeln (Reflektieren des Gesagten, Emotionen des anderen mit eigenen Worten wiedergeben)
  • Paraphrasieren (Wiedergabe des Sachinhalts des Gesagten mit eigenen Worten)
  • Trennung von Wahrnehmung und Interpretation
  • konstruktiv Feedback geben
  • positive Wertschätzung (Akzeptieren und Annehmen des anderen)
  • Empathie und Echtheit (Gefühle und Erlebnisse des Gegenübers nachvollziehen)

Problemerkennung; PELZ-Modell

  • P…Problemwahrnehmung und Problemdefinition
  • E…Erklärungsmodelle
  • L…Lösungsansätze
  • Z…Ziele
  • SMART (spezifisch, messbar, erreichbar, relevant, zeitgemäß)

Authentizität

Echtheit oder Selbstkongruenz des Beraters im Beratungsprozess beschreibt, wie der Ratsuchende den Berater als echt und authentisch erlebt.

Verhält sich dieser nicht so, kann die Kommunikation unklar und widersprüchlich wirken. Der Gesprächspartner nimmt dann die verbal geäußerte Akzeptanz nicht ab. Bei einem kongruenten Verhalten erspürt der Ratsuchende, woran er ist und fasst Vertrauen. Echtheit ist deshalb eine wichtige Voraussetzung, um Vertrauen zu gewinnen.

Wichtiges Merkmal: rollengerechtes Verhalten

Auf unterschiedliche Anforderungen des Lebens wird mit unterschiedlichen Verhaltensweisen geantwortet. Dabei handelt es sich um sogenanntes rollengerechtes Verhalten. Im Leben gibt es die vielseitigsten Rollen: Mutter oder Vater, Unternehmer oder Mitarbeiter, Kunde, Auftraggeber, Freund, Tochter oder Sohn, Geliebter oder Ehepartner usw. Diese Rollen erfordern unterschiedliche Herangehensweisen und unterschiedliches Verhalten.

Einige Wirtschaftsexperten halten die Authentizität für unprofessionell. In der Realität jedoch kann die Trennung von beruflicher und privater Rolle in der Kommunikation zu psychischen Erkrankungen führen, da dies äußerst Kräfte-zehrend ist.

Derjenige, der die eigene Persönlichkeit als ein Ganzes ansieht und in allen Rollen noch die gleiche Person ist, wirkt authentisch und sorgt für seine dauerhafte Gesundheit. Authentizität meint somit Echtheit, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit.

Voraussetzungen

Authentizität erfordert Ich-Balance, Ich-Stärke und Ich-Identität.

Merkmale der Ich-Balance

  • Ausgeglichenheit der Wertestruktur in einer Persönlichkeit
  • „Wegen meiner Stärken kann ich mit meinen Schwächen leben“
  • Selbstvertrauen
  • innere Zuversicht
  • sich auf sich verlassen zu können

Merkmale der Ich-Stärke

  • Selbstbehauptungskraft des Ichs
  • sich in seiner Individualität darstellen, ohne allzeitige und allseitige Anpassungsbereitschaft oder strategischem Verhalten
  • Selbstsicherheit

Merkmale der Ich-Identität

  • „Ich bin so, wie ich bin.“
  • Wahrnehmung der eigenen Denkstruktur
  • Reflexion der eigenen Identität als internaler Prozess und durch Feedback von außen
  • Selbstbewusstsein

Das Selbstwertgefühl ist Voraussetzung für alle drei Ich-Komponenten.