Hafer-Diät

Ende der 1970er/ Anfang der 1980er schloss die Pharmazeutin Hertha Hafer anhand von Beobachtungen an ihrem ADHS-betroffenen Adoptivsohn, dass phosphatreiche Nahrungsmittel Auslöser für die typischen Verhaltensauffälligkeiten sind. Ihrer Theorie nach führt bei empfindlichen Menschen eine hohe Phosphatzufuhr zur Verschiebung des Säure-Base-Gleichgewichts in den alkalischen Bereich. Dies beeinträchtigt die Funktion von Noradrenalin und stört die Signalweiterleitung der Nerven.

Auf dieser Grundlage entwickelte sie zusammen mit ihrem Mann, dem Chemiker Herbert Hafer, die sogenannte Hafer-Diät. Diese zielt einerseits auf eine strikte Meidung von phosphatreichen Nahrungsmitteln sowie von Zucker, Zitronen- und Obstsäuren, Milch und Kakao ab. Zusätzlich empfahl Hafer täglich mit Wasser verdünnten Speiseessig, der ihrer Meinung nach die Alkalose beheben sollte.

Hafer-Diät

erlaubte Nahrungsmittel

zu vermeidende Nahrungsmittel

Backwaren

Brot aus Mehl, Wasser, Hefe und Salz

Backwaren aus Vollkornmehl, Brot mit Emulgatoren, Milch/ Milchpulver, Lezithin, phosphorylierter Stärke

Mürbeteig, Strudel, Gebäck

Backwaren mit Backtriebmitteln (Backpulver) und solche, bei denen die Inhaltsstoffe unbekannt sind; Fertigbackwaren

Fleisch

unverarbeitetes Fleisch, Geflügel, Wild

verarbeitete Fleisch- und Wurstwaren mit Phosphatzusatz (Mineralsalz, Emulgator, Lezithin), Speck, Schinken, Fleischkäse, Innereien, Brühwürfel

Fisch

unverarbeiteter Fisch

verarbeiteter Fisch wie Fischstäbchen, Fischkonserven, Räucherfisch und tiefgekühlte Fertigfischgerichte

Molkereiprodukte

Butter, unbehandelte oder saure Sahne, kleine Mengen Hart- und Hüttenkäse

Milch, Buttermilch, Joghurt, Käse, Cremeeis

Obst und Gemüse

frischer Salat und Gemüse, Kartoffeln, grüne Bohnen, Steinfrüchte

Zitrusfrüchte, Mais, Sojabohnen und Sojaprodukte, Erbsen, Linsen, Pilze

Stärke und Zucker

Reis, Weizen, Roggen, Mais- und Kartoffelmehl (keine Vollkornmehle), Fruchtzucker (Fruktose)

Hafer, Getreide(flocken), Müsli, Instantreis, Instantnudeln, Instantpuddingpulver, Soßenbinder, Zucker, Honig, Traubenzucker (Glukose, Dextrose)

sonstiges

Eier (maximal eins pro Tag)

Nüsse, Margarine, Mayonnaise, Softdrinks, Fruchtsäfte, Malzkaffe, Malzbier, Alkoholische Getränke, Kakao und Schokolade, Fertigsoßen und -suppen, Hefeextrakt

Bewertung

Obwohl die phosphatarme Diät nach Hafer auch heute noch Anhänger findet, wird diese mittlerweile als kritisch und nicht empfehlenswert angesehen. Da Phosphat neben Zusatzstoffen auch natürlich in Nahrungsmitteln vorkommt, die zudem Eiweiß, DNA oder Lezithin enthalten, fehlen eine Reihe von Grundnahrungsmitteln und wichtige Vitamin- und Mineralstofflieferanten.

Durch die niedrige Phosphataufnahme besteht die Gefahr, dass der Körper zur Bedarfsdeckung Phosphat aus den Knochen entzieht. Hierdurch würde es auf Dauer zu einer Knochenerweichung kommen. Hinzu kommt, dass durch den Verzicht auf Milch und eine Vielzahl von Milchprodukten wichtige Kalziumquellen fehlen, die gerade für das Knochenwachstum des Kindes essenziell sind. Zudem ist nicht klar, ob eine reduzierte Aufnahme wirklich zu einem geringeren Phosphatspiegel im Blut führt, da der Körper gegenregulatorisch die Phosphatresorption steigert.

Bis heute konnten keine eindeutigen Nachweise erbracht werden, dass Phosphat einen wesentlichen Einfluss auf das Krankheitsbild hat. Wissenschaftler vermuten, dass der positive Effekt, den einige wenige Betroffene beschrieben, vielmehr ein Ausdruck der verstärkten elterlichen Zuwendung war, welche die strenge Diät mit sich brachte.