Wer an erhöhtem LDL-Cholesterin leidet, kann durch eine gezielte Ernährungsumstellung viel erreichen – oft mehr, als Medikamente (allein) bewirken. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Ernährungstherapie bei Hypercholesterinämie funktioniert, welche Nährstoffe den größten Einfluss haben, welche Lebensmittel besonders geeignet sind und wie sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen langfristig senken lässt. Auch ergänzende Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Stressmanagement und Gewichtsregulation werden berücksichtigt.
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Inhaltsverzeichnis
Lesen Sie vorab:
5 x von einer Ernährungsumstellung profitieren
Eine gezielte Ernährungstherapie bei Hypercholesterinämie kann das LDL-Cholesterin senken, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren und dazu beitragen, den Medikamentenbedarf zu vermeiden oder zu verringern. Die Umstellung der Essgewohnheiten ist eine zentrale und wirksame Maßnahme in Prävention und Behandlung.
Auf einen Blick
- LDL-Cholesterinsenkung: Durch eine Ernährungsumstellung lässt sich der Wert des „schlechten“ LDL-Cholesterins oft deutlich senken.
- Reduktion kardiovaskulärer Risiken: Das Gesamtrisiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Gefäßkrankheiten kann durch eine fettmodifizierte, ausgewogene Ernährung effektiv verringert werden.
- Ergänzung oder Ersatz von Medikamenten: Bei leichter bis mittelschwerer Hypercholesterinämie kann die Ernährungstherapie den Einsatz von Cholesterinsenkern vermeiden oder deren Dosis reduzieren.
- Nachhaltige Lebensstilumstellung: Die Therapie kann an individuelle Vorlieben angepasst und langfristig umgesetzt werden.
- Zusätzlicher Nutzen für das Gesamtwohlbefinden: Gewicht, Blutdruck und allgemeiner Gesundheitszustand profitieren oft ebenfalls von der Ernährungsumstellung.
Was die Erfahrungen zeigen
LDL-Cholesterinsenkung
Die Senkung des LDL-Cholesterins steht im Zentrum der Ernährungstherapie bei Hypercholesterinämie. Durch Reduktion gesättigter Fette (z. B. fette Fleisch- und Milchprodukte), die Auswahl gesunder Pflanzenfette (z. B. Olivenöl, Rapsöl), den vermehrten Verzehr löslicher Ballaststoffe (z. B. aus Hafer, Hülsenfrüchten, Gemüse) und eine insgesamt pflanzenbetonte Kost lassen sich LDL-Werte um bis zu 10–15 % oder mehr senken – bei sehr guter Umsetzung sind sogar stärkere Effekte möglich.
Reduktion kardiovaskulärer Risiken
Die wichtigste Folge der LDL-Senkung ist ein signifikant geringeres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere Gefäßkomplikationen. Dies gilt sowohl für Menschen mit Risikofaktoren als auch zur Sekundärprävention nach bereits erfolgten kardiovaskulären Ereignissen. Studien zeigen, dass schon kleine Verbesserungen beim LDL mit messbaren Vorteilen für die Gefäßgesundheit verbunden sind.
Ergänzung oder Ersatz von Medikamenten
Eine konsequente Ernährungstherapie kann bei leicht bis mäßig erhöhter Hypercholesterinämie allein ausreichen, um die Zielwerte zu erreichen – dies gilt besonders für jüngere oder noch nicht vorerkrankte Menschen. Falls bereits Medikamente nötig sind (z. B. Statine), lässt sich die Wirkung durch die Ernährungstherapie unterstützen; gelegentlich kann die Dosierung verringert werden.
Nachhaltige Lebensstilumstellung
Die Ernährungsumstellung wird individuell an Geschmack, Alltag und Esskultur der Betroffenen angepasst. Das fördert Akzeptanz und langfristige Wirksamkeit. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Schulung und Motivation, um dauerhafte Effekte zu erzielen und das Risiko langfristig niedrig zu halten.
Zusätzlicher Nutzen für das Gesamtwohlbefinden
Indirekt fördert die Ernährungstherapie auch eine Gewichtsreduktion (falls erforderlich), hilft beim Blutdruckmanagement und wirkt sich positiv auf Blutzucker, Entzündungswerte und allgemeine Leistungsfähigkeit aus. Viele therapiebedingte Verbesserungen gehen damit über den Fettstoffwechsel hinaus.
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Welche Nährstoffe und Gewohnheiten machen den größten Unterschied?
Die Ernährung bei Hypercholesterinämien sollte darauf ausgerichtet sein, den LDL-Cholesterinspiegel gezielt zu senken und die Gefäßgesundheit langfristig zu schützen. Die grundlegenden Prinzipien basieren auf der Auswahl cholesterinsenkender Lebensmittel, einer optimierten Fettqualität und Ballaststoffzufuhr sowie auf nachhaltig gesunden Essgewohnheiten.
Auf einen Blick
- Fettqualität optimieren: Ungesättigte Fette bevorzugen, gesättigte und Transfette deutlich einschränken.
- Cholesterinaufnahme moderat halten: Cholesterinreiche tierische Lebensmittel begrenzen, Fokus auf pflanzenbasierte Ernährung.
- Ballaststoffe gezielt steigern: Viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn und lösliche Ballaststoffe (z.B. Hafer, Gerste) konsumieren.
- Energie- und Gewichtskontrolle: Normalgewicht anstreben oder erhalten, Überernährung vermeiden.
- Bewegung und Genuss verbinden: Körperliche Aktivität ergänzen, Genussaspekte und individuelle Vorlieben im Alltag beachten.
Was die Wissenschaft dazu sagt
Fettqualität optimieren
Eine zentrale Rolle spielt die Auswahl der Fette: Gesättigte Fettsäuren aus tierischen Produkten (wie Butter, Sahne, fettem Fleisch, Wurst, Käse), aber auch Transfette aus Backwaren, Fertigprodukten oder gehärteten Fetten erhöhen das LDL-Cholesterin und sollten deutlich reduziert werden [Sac 2017]. Stattdessen wird empfohlen, bevorzugt auf einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu setzen – diese finden sich beispielsweise in Pflanzenölen (Raps-, Oliven-, Leinöl), Nüssen und Samen sowie fettreichem Seefisch [Dub 2007]. Der Anteil gesättigter Fettsäuren sollte 7 bis 10 % der Gesamtenergieaufnahme nicht überschreiten [Bro 2020].
Cholesterinaufnahme moderat halten
Tierisches Cholesterin – vor allem in Eigelb, Innereien, fettreichen Milchprodukten und Fleisch – trägt bei genetisch vorbelasteten und empfindlichen Personen zur LDL-Erhöhung bei [Abd 2015]. Die diätetische Empfehlung beschränkt die Cholesterinaufnahme für auf 200 bis 300 mg pro Tag [Den 2002]. Dennoch beeinflussen Qualität und Zusammensetzung der übrigen Nahrungsfette die Blutfette stärker als das mit der Nahrung aufgenommene Cholesterin, weshalb der Schwerpunkt weiter auf der Fettmodifikation bleibt.
Ballaststoffe gezielt steigern
Lösliche Ballaststoffe (u. a. Pektin aus Obst, Beta-Glucan aus Hafer und Gerste, Ballaststoffe aus Hülsenfrüchten) binden Gallensäuren und fördern deren Ausscheidung, wodurch verstärkt Cholesterin in der Leber abgebaut werden muss. Die tägliche Aufnahme von mindestens 30 g Ballaststoffen [DGE Referenzwerte], vor allem aus Vollkornprodukten, Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst, unterstützt nachweislich die LDL-Senkung und fördert zudem Sättigung, Stoffwechsel und Darmgesundheit [Bak 2023].
Energie- und Gewichtskontrolle
Überernährung und insbesondere Übergewicht, vor allem im Bauchbereich, begünstigen ungünstige Fettstoffwechselprofile. Ziel ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Energiebedarf und -zufuhr. Eine Gewichtsabnahme von nur 5–10 % kann deutliche Verbesserungen im Lipidprofil bewirken [Has 2019]. Praktisch heißt das: Fettmodifizierte, gemüse- und ballaststoffreiche Hauptmahlzeiten, kleine Portionen, wenig energiedichte Zwischenmahlzeiten und Süßspeisen.
Bewegung und Genuss verbinden
Eine gesunde Ernährung entfaltet ihr Potenzial am besten zusammen mit regelmäßiger körperlicher Aktivität. Bewegung verbessert nicht nur das Lipidprofil, sondern steigert auch das allgemeine Wohlbefinden [Bue 2020]. Auch Genuss ist für die langfristige Umsetzung wichtig: Die Lebensmittelauswahl sollte individuell angepasst, Essen achtsam und im sozialen Kontext genossen werden. Dies erhöht die Motivation und fördert die Nachhaltigkeit der positiven Veränderungen.
Welche Kost genau diese Nährstoffe bietet
Für Menschen mit hohen LDL-Werten eignen sich ausgewogene, fettmodifizierte und pflanzenbetonte Kostformen, die den Wert gezielt senken und kardiovaskulären Risiken vorbeugen. Die Wahl der Kostform sollte wissenschaftlich nachvollziehbar, alltagstauglich und individuell anpassbar sein.
Auf einen Blick
- Fettmodifizierte Kost: Die Gesamtfettmenge sowie Anteil und Qualität der Fette werden gezielt angepasst, um das LDL-Cholesterin zu senken.
- Mittelmeerkost: Diese Kostform zeichnet sich durch viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Olivenöl, Nüsse, Fisch sowie wenig Fleischprodukte aus und wirkt nachweislich herzschützend.
- Vegetarisch-pflanzenbetonte Kost: Weniger tierische Fette, mehr ballaststoffreiche pflanzliche Lebensmittel sind ebenso hilfreich für das Lipidprofil.
- Vollwertkost: Der hohe Anteil an ballaststoffreichen, wenig verarbeiteten Lebensmitteln unterstützt Blutfettkontrolle und Wohlbefinden.
- Individualisierte Mischkost: Die Anpassung an Vorlieben, Lebensstil und eventuelle Begleiterkrankungen fördert Akzeptanz und Alltagstauglichkeit.
On-Klick: Mögliche Kostformen bei hohen Cholesterinwerten
Was die Wissenschaft dazu sagt
Fettmodifizierte Kost
Die fettmodifizierte Kost stellt die wichtigste diätetische Grundlage bei Hypercholesterinämie dar. Sie beschränkt die Gesamtfettaufnahme auf etwa 30–35 % der Energiezufuhr, wobei weniger als 7 % davon aus gesättigten Fettsäuren stammen sollten. Transfette werden möglichst ganz gemieden. Der Fokus liegt klar auf hochwertigen, einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Gezielte Auswahl von pflanzlichen Ölen, Nuss- und Samenprodukten und möglichst wenig tierischem Fett sind zentrale Elemente dieser Kost [Cap 2023].
Mediterrane Kost
Eine mediterrane Kostform, wie sie in vielen Regionen Südeuropas traditionell verbreitet ist, gilt als besonders günstig für Fettstoffwechselstörungen. Sie enthält reichlich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte, hochwertiges Olivenöl, Fisch und nur moderate Mengen an Milchprodukten sowie sehr wenig Fleisch. Diese Ernährungsweise ist mit niedrigen LDL-Werten und einem verringerten Herz-Kreislauf-Risiko assoziiert und eignet sich hervorragend für die Prävention und Therapie [She 2015].
Vegetarisch-pflanzenbetonte Kost
Eine vorwiegend pflanzenbasierte Ernährung, wie sie auch in der klassischen vegetarischen Kost zu finden ist, beinhaltet viele ballaststoffreiche Komponenten und wenig gesättigte Fette aus tierischer Herkunft. Pflanzliche Eiweißquellen (Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Nüsse) unterstützen das Ziel der Cholesterinsenkung zusätzlich [Tus 2014]. Bei vollständigem Verzicht auf tierische Lebensmittel sollten kritische Nährstoffe wie Vitamin B12, Eisen oder Omega-3-Fettsäuren besonders beachtet werden.
Vollwertkost
Die vollwertige Ernährung setzt auf möglichst wenig verarbeitete, ballaststoffreiche und natürliche Lebensmittel: Vollkornprodukte, frisches Gemüse, Salate, Obst, Nüsse und Sämereien und hochwertige Öle bilden dabei die Basis. Diese Kostform fördert nicht nur günstige Blutfettwerte, sondern auch das Sättigungsgefühl, den Darmschutz und die allgemeine Vitalität [Moz 2011].
Individualisierte Kost
Langfristig erfolgreich ist die Kostumstellung, wenn sie an persönliche Präferenzen, kulturelle Aspekte und Gesundheitsziele angepasst wird. Die individualisierte Mischkost kombiniert wissenschaftliche Prinzipien aus verschiedenen empfohlenen Kostformen und berücksichtigt Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Adipositas. So bleibt die Ernährung abwechslungsreich und fördert die Adhärenz [Yu-F 2014].
Welche Lebensmittel sind dafür geeignet?
Die richtige Lebensmittelauswahl setzt gezielt auf pflanzliche, ballaststoffreiche und fettoptimierte Lebensmittelgruppen, die das LDL-Cholesterin senken und kardiovaskuläre Risiken minimieren. Diese Auswahl begründet sich durch ihre günstigen Effekte auf den Fettstoffwechsel und unterstützt eine herz- sowie gefäßgesunde Ernährung.
Auf einen Blick
- Vollkornprodukte & Hülsenfrüchte: Reich an löslichen Ballaststoffen, fördern Cholesterinsenkung und Sättigung.
- Obst & Gemüse: Liefern Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe sowie antioxidative Schutzstoffe.
- Nüsse & Samen: Quelle hochwertiger ungesättigter Fettsäuren und Pflanzensterine.
- Pflanzenöle & fettreicher Fisch: Bringen einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren ins Spektrum, vermeiden gesättigte Fette.
- Fermentierte Milchprodukte & Sojaprodukte: Unterstützen günstige Lipideffekte; Sojaprotein wirkt zusätzlich cholesterinsenkend.
On-Klick: Ernährungsstrategien bei hohem LDL-Cholesterin
Was die Wissenschaft dazu sagt
Vollkornprodukte & Hülsenfrüchte
Vollkorngetreide, Haferflocken, Gerste sowie Bohnen, Linsen und Erbsen sind besonders wertvoll bei Hypercholesterinämien, da sie reich an löslichen Ballaststoffen wie Beta-Glucan sind [Oth 2011]. Diese Ballaststoffe binden Gallensäuren im Darm und erhöhen deren Ausscheidung. Die Leber muss mehr Cholesterin aus dem Blut umwandeln und aufnehmen, was zu einer effektiven LDL-Senkung führt. Gleichzeitig sorgen diese Lebensmittel für lang anhaltende Sättigung, fördern eine gute Blutzuckerkontrolle und erleichtern das Gewichtsmanagement [Bak 2023].
Obst & Gemüse
Obst und Gemüse sollten täglich in reichlichen Mengen auf dem Speiseplan stehen. Sie liefern neben Ballaststoffen zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe (z. B. Polyphenole, Carotinoide, Flavonoide) und Antioxidantien, die Entzündungen und oxidativen Stress, beides Risikofaktoren für Arteriosklerose, vermindern [Cro 2011]. Besonders empfehlenswert sind Apfel, Zitrusfrüchte, Beeren sowie grüne Blattgemüse, Brokkoli und Paprika, da sie einen hohen Anteil an bioaktiven Schutzstoffen enthalten. Diese Lebensmittel unterstützen damit die Cholesterinsenkung über mehrere parallel wirkende Mechanismen.
Nüsse & Samen
Nüsse und Samen wie Walnüsse, Mandeln, Leinsamen oder Chiasamen liefern wertvolle einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren sowie natürliche Pflanzensterine. Letztere hemmen die Cholesterinaufnahme im Darm und unterstützen so die Reduktion des LDL [Kal 2013]. Die günstige Fettsäurezusammensetzung trägt dazu bei, das Lipidprofil zu verbessern, Entzündungen zu dämpfen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachhaltig senken.
Pflanzenöle & fettreicher Fisch
Statt tierischer Fette stehen hochwertige Pflanzenöle wie Oliven-, Raps-, Lein- oder Walnussöl im Zentrum, da sie reich an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind. Diese Öle fördern ein günstiges Lipidprofil, indem sie LDL-Cholesterin senken und, im Fall von Omega-3-Fettsäuren, Triglyzeridwerte senken und entzündungshemmend wirken [Nie 2006]. Fettreicher Seefisch (z. B. Lachs, Hering, Makrele) unterstützt diese Effekte durch den hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren zusätzlich.
Fermentierte Milchprodukte & Sojaprodukte
Fettarme oder fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Kefir können zum Herzschutz beitragen, indem sie mit probiotischen Inhaltsstoffen die Gefäßgesundheit unterstützen [Kou 2024]. Sojaprodukte (z. B. Tofu, Sojadrink, Edamame) enthalten hochwertiges pflanzliches Eiweiß, das im Rahmen der Ernährungstherapie cholesterinsenkende Effekte zeigt, indem es die Leber zur stärkeren Aufnahme von Cholesterin motiviert und die eigene Cholesterinproduktion reduziert. Die möglichen Mechanismen umfassen eine verbesserte Endothelfunktion, Reduktion von Entzündungsmarkern und Effekte probiotischer Mikroorganismen [Sen 2020].
Welche weiteren Lebensstilaspekte relevant sind
Neben der Ernährung tragen auch andere Lebensstilfaktoren erheblich zur erfolgreichen Behandlung bei. Bewegung, Nikotinkarenz sowie Stressmanagement unterstützen die Cholesterinsenkung und schützen die Gefäße nachhaltig.
Auf einen Blick
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Bewegung senkt LDL-Cholesterin, erhöht HDL-Cholesterin und wirkt gefäßschützend.
- Verzicht auf Rauchen: Nikotinkarenz verbessert das Lipidprofil deutlich und reduziert das Herz-Kreislauf-Risiko.
- Stressreduktion: Chronischer Stress fördert Fettstoffwechselstörungen über hormonelle und entzündliche Mechanismen.
- Ausreichender Schlaf und Gewichtsmanagement: Gute Schlafqualität und Gewichtskontrolle unterstützen wirksam alle Therapieziele.
Was die Wissenschaft dazu sagt
Regelmäßige körperliche Aktivität
Körperliche Bewegung ist eine der wirkungsvollsten Lebensstilmaßnahmen außerhalb der Ernährung. Bereits moderate Bewegung mehrmals pro Woche führt dazu, dass LDL-Cholesterin und Gesamtcholesterin sinken, während das schützende HDL-Cholesterin ansteigt [Man 2013]. Zusätzlich verbessern Ausdauer- und Krafttraining Insulinsensitivität, Blutdruck und Gefäßfunktion, was das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse deutlich senkt [And 2025].
Verzicht auf Rauchen
Rauchen schädigt die Blutgefäße, erhöht oxidativen Stress und verschlechtert das Lipidprofil [Mes 2015]. Umgekehrt bewirkt Nikotinkarenz eine Verbesserung von LDL und HDL sowie eine messbare Verringerung des Herz-Kreislauf-Risikos. Für Personen mit Hypercholesterinämie zählt die Tabakentwöhnung zu den effektivsten nichtmedikamentösen Präventionsmaßnahmen [For 2013].
Stressreduktion
Anhaltender Stress fördert durch eine verstärkte Cortisol- und Adrenalinausschüttung einen Anstieg von LDL-Cholesterin und Triglyzeriden [Cat 2013]. Stress trägt zudem zu ungesunden Verhaltensweisen (z. B. Rauchen, übermäßiges Essen, Bewegungsmangel) bei. Entspannungstechniken, Achtsamkeitsübungen und soziale Unterstützung helfen, das Risiko für Fettstoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen effektiv zu senken.
Ausreichender Schlaf und Gewichtsmanagement
Chronischer Schlafmangel ist mit erhöhten LDL- und Triglyzeridwerten sowie niedrigerem HDL assoziiert [Mat 2024]. Ausreichender, qualitativ hochwertiger Schlaf stabilisiert den Hormonhaushalt und unterstützt dadurch den Fettstoffwechsel [Du 2022]. Ein gesundes Körpergewicht bleibt zentral: Schon kleine, aber nachhaltige Gewichtsverluste verbessern die Blutfettwerte und reduzieren das kardiovaskuläre Risiko [Has 2019].
🔒 Systematischer Beratungsprozess
Bei Hypercholesterinämie zielt die Ernährungstherapie darauf ab, durch gezielte Umstellungen der Fettzufuhr und des Essverhaltens die LDL-Werte zu senken und das kardiovaskuläre Risiko zu reduzieren. Grundlage ist ein umfassendes Assessment, aus dem individuelle Diagnosen, Ziele und Interventionen abgeleitet werden. Regelmäßiges Monitoring sichert die nachhaltige Umsetzung und Wirksamkeit der Maßnahmen.
Mitglieder haben hier Zugriff auf:
✓ Assessment bei hohen LDL-Cholesterinwerten
✓ formulierte PES-Diagnosen
✓ mögliche Ernährungsziele
✓ konkrete Interventionen und
✓ Monitoringaspekte der Beratung
Kernaussagen, 🔓 Beratungsmaterialien, Glossar und Literatur
Die 10 Kernaussagen zum Artikel
10 zentrale Punkte zur LDL-Senkung durch Ernährung
- Ernährung als Schlüsselmaßnahme: Eine gezielte Ernährungsumstellung senkt LDL signifikant und kann medikamentöse Therapien überflüssig machen oder ergänzen.
- Weniger gesättigte Fette: Tierische Fette und Transfette reduzieren, stattdessen pflanzliche Öle, Nüsse und fettreichen Fisch bevorzugen.
- Ballaststoffe nutzen: 30 g lösliche Ballaststoffe täglich fördern den Cholesterinabbau über die Leber.
- Cholesterinzufuhr prüfen: Empfindliche Personen sollten tierisches Cholesterin auf max. 300 mg täglich begrenzen.
- Gewicht reduzieren: Bereits 5–10 % Gewichtsabnahme verbessert das Fettstoffwechselprofil deutlich.
- Pflanzenbetonte Ernährung: Mediterrane oder vollwertige Kostformen sind besonders LDL-senkend.
- Gezielte Lebensmittelauswahl: Hülsenfrüchte, Vollkorn, Obst, Gemüse, Soja und fermentierte Milchprodukte zeigen günstige Lipideffekte.
- Regelmäßige Bewegung: Aktivität senkt LDL, erhöht HDL und stärkt die Gefäßfunktion.
- Ganzheitlich denken: Auch Schlaf, Stressregulation und Rauchverzicht beeinflussen das Lipidprofil positiv.
- Frühzeitig intervenieren: Ernährungsmaßnahmen sollten früh und konsequent erfolgen – ideal vor Medikation.
Glossar mit Schlüsselbegriffen
Adhärenz: Die Bereitschaft und Fähigkeit eines Patienten, die vereinbarten Therapieziele und -maßnahmen langfristig einzuhalten.
Antioxidantien: Substanzen, die schädliche freie Radikale im Körper neutralisieren und damit Zellen vor oxidativem Stress schützen können.
Arteriosklerose: Eine chronische Erkrankung der Arterien, bei der sich Fette, Cholesterin und andere Substanzen in den Gefäßwänden ablagern und zu deren Verhärtung und Verengung führen.
Beta-Glucan: Eine Art löslicher Ballaststoff, der hauptsächlich in Hafer und Gerste vorkommt und bekanntermaßen zur Senkung des LDL-Cholesterins beiträgt.
Cholesterin: Eine fettähnliche Substanz, die im Körper vorkommt und für viele Funktionen wie den Aufbau von Zellmembranen und die Produktion von Hormonen wichtig ist. Es gibt HDL- (High-Density Lipoprotein, „gutes“) und LDL- (Low-Density Lipoprotein, „schlechtes“) Cholesterin.
Endothelfunktion: Die Funktion der innersten Zellschicht von Blutgefäßen (Endothel), die eine wichtige Rolle bei der Gefäßregulation und -gesundheit spielt.
Fettmodifizierte Kost: Eine Ernährungsweise, bei der die Gesamtmenge und vor allem die Qualität der aufgenommenen Fette gezielt angepasst werden, um gesundheitliche Ziele zu erreichen, z.B. die Senkung des Cholesterinspiegels.
Flavonoide: Eine Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften, die in Obst, Gemüse und Tee vorkommen.
Gallensäuren: Verdauungssäfte, die in der Leber aus Cholesterin gebildet und zur Fettverdauung in den Darm ausgeschieden werden. Lösliche Ballaststoffe können sie binden und ihre Ausscheidung erhöhen.
Gesättigte Fettsäuren: Fettsäuren, die hauptsächlich in tierischen Produkten (Fleisch, Butter, Käse) vorkommen und den LDL-Cholesterinspiegel erhöhen können.
HDL-Cholesterin: High-Density Lipoprotein, oft als „gutes Cholesterin“ bezeichnet, da es überschüssiges Cholesterin aus den Gefäßen zur Leber zurücktransportiert.
Hypercholesterinämie: Ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut, insbesondere des LDL-Cholesterins, der ein Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.
Kardiovaskuläre Risiken: Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen (z.B. hoher Blutdruck, Diabetes, Rauchen, hohe Cholesterinwerte).
LDL-Cholesterin: Low-Density Lipoprotein, oft als „schlechtes Cholesterin“ bezeichnet, da hohe Werte zur Ablagerung in den Arterienwänden und zur Arteriosklerose beitragen können.
Lipidprofil: Die Zusammensetzung der Blutfette, einschließlich Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyzeriden.
Lösliche Ballaststoffe: Ballaststoffe, die sich in Wasser lösen und im Darm eine gelartige Substanz bilden, die unter anderem die Cholesterinaufnahme beeinflusst und die Darmtätigkeit reguliert.
Mittelmeerkost: Eine Ernährungsweise, die auf den traditionellen Essgewohnheiten der Mittelmeerregion basiert, reich an Obst, Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen, Olivenöl und Fisch, mit moderatem Verzehr von Milchprodukten und wenig Fleisch.
Omega-3-Fettsäuren: Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die in fettreichem Seefisch und bestimmten Pflanzenölen (Leinöl, Walnussöl) vorkommen und entzündungshemmend wirken sowie Triglyzeride senken können.
Oxidativer Stress: Ein Ungleichgewicht zwischen freien Radikalen und Antioxidantien im Körper, das zu Zellschäden und Entzündungen führen kann.
Pektin: Ein löslicher Ballaststoff, der in Obst (insbesondere Äpfeln, Zitrusfrüchten) vorkommt und zur Cholesterinsenkung beitragen kann.
Pflanzensterine (Phytosterine): Natürliche Pflanzenbestandteile, die in ihrer Struktur Cholesterin ähneln und dessen Aufnahme im Darm hemmen können, wodurch der LDL-Spiegel gesenkt wird.
Pflanzenbetonte Kost: Eine Ernährungsweise, die einen hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen aufweist, während tierische Produkte reduziert oder gemieden werden.
Polyphenole: Eine große Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften, die in vielen Pflanzen vorkommen.
Sekundärprävention: Maßnahmen, die darauf abzielen, das Fortschreiten einer bereits bestehenden Krankheit zu verhindern oder deren Komplikationen zu reduzieren.
Statine: Eine Klasse von Medikamenten, die häufig zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden, indem sie die Cholesterinproduktion in der Leber hemmen.
Transfette (Transfettsäuren): Ungesättigte Fettsäuren mit einer besonderen chemischen Struktur, die durch industrielle Verarbeitung (z.B. Härtung von Pflanzenölen) entstehen und als besonders schädlich für den Cholesterinspiegel und die Herz-Kreislauf-Gesundheit gelten.
Triglyzeride: Eine Form von Fett im Blut, die als Energiespeicher dient. Hohe Werte können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
Ungesättigte Fettsäuren: Fettsäuren, die hauptsächlich in pflanzlichen Ölen, Nüssen, Samen und fettreichem Fisch vorkommen und als gesundheitsförderlich gelten, da sie das LDL-Cholesterin senken können.
Vollwertkost: Eine Ernährungsweise, die auf naturbelassenen, möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln basiert, reich an Vollkornprodukten, frischem Obst, Gemüse, Nüssen und Samen.
Literatur
Landmesser, U. et al. (Hrsg.) (2016). ESC/EAS Pocket Guidelines: Diagnostik und Therapie der Dyslipidämien. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK), übernommen und adaptiert nach: 2016 ESC/EAS Guidelines for the Management of Dyslipidaemias (European Heart Journal, 2016; doi:10.1093/eurheartj/ehw272). www.dgk.org
Barter, P. & Genest J. (2019). HDL cholesterol and ASCVD risk stratification: A debate. Atherosclerosis, 283, 7–12. doi:10.1016/j.atherosclerosis.2019.01.001
Auerbach, R., Richter, W. O. & Schwenk, M. (Hrsg.) (2021). Ernährungstherapie: Grundlagen und Praxis für Klinik und Beratung. 2. Auflage, UTB.
Therapie von Fettstoffwechselstörungen – Deutsches Ärzteblatt, Parhofer, K. G. (2016). Therapie von Fettstoffwechselstörungen. Deutsches Ärzteblatt. Verfügbar unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/therapie-von-fettstoffwechselstoerungen-cded0348-aec5-4965-9969-3d6e16933401
Richter, W. O. (2004). Taschenbuch der Fettstoffwechselstörungen: Praktische Diagnostik und Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.
Hauner, H. et al. (2019). Leitfaden Ernährungstherapie in Klinik und Praxis (LEKuP). Aktuelle Ernährungsmedizin, 44, 384–419.
DGE, ÖGE, SGE (Deutsche, Österreichische und Schweizerische Gesellschaft für Ernährung) (2015). Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (2. Aufl., 6. aktual. Ausgabe). Neuer Umschau Verlag.
Weitere Informationen zum Thema
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