Ernährung bei Bluthochdruck (Hypertonie)

Oberstes Behandlungsziel ist die maximale Reduktion Herz-Kreislauf-bedingter Erkrankungen und deren Sterblichkeit. Außer der Hypertonie sind auch Begleit-Risikofaktoren für Herz und Gefäße zu identifizieren und zu behandeln. Bei der Indikationsstellung zur Hochdruckbehandlung spielen 3 Aspekte eine Rolle.

  • Höhe des Blutdrucks (systolisch, diastolisch, Blutdruckamplitude, nächtliches Blutdruckverhalten)
  • individuelles Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Organschäden durch den Hochdruck

Die essenzielle Hypertonie ist langfristig bzw. lebenslang mit Allgemeinmaßnahmen und in der Regel mit blutdrucksenkenden Medikamenten zu behandeln. Bei der sekundären Hypertonie ist die Behandlung der Grunderkrankung neben der medikamentösen Blutdrucksenkung von zentraler Bedeutung. Zielblutdruckwerte der Deutsche Hochdruckliga e.V. (DHL, Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention 2011):

  • Generelles Therapieziel: <140/ 90 mm Hg, gilt auch für Patienten nach Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Werte <120/ 70 mm Hg sollten insbesondere bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit, die bisher keinen Stent (Gefäßstütze) oder eine Bypass-Operation erhalten haben, vermieden werden
  • Hochdruckpatienten mit Niereninsuffizienz zum Schutz der Nieren: <130/ 80 mm Hg
  • Hochdruckpatienten mit Niereninsuffizienz und deutlich erhöhter Eiweißausscheidung: ≤ 125/ 75 mm Hg
  • Hochdruckpatienten ≥ 80 Jahre: systolisch <150 mm Hg, allerdings muss das Ausmaß der Blutdrucksenkung vom Allgemein- und Gefäßzustand abhängig gemacht werden
  • Hochdruckpatienten mit Diabetes mellitus: 130-140/ 80-85 mm Hg, allerdings Vorsicht bei Blutdruckfehlregulation im Stehen
  • Hochdruckpatienten mit Diabetes mellitus und Niereninsuffizienz: <130/ 80 mm Hg
  • Hochdruckpatienten mit Diabetes mellitus und Niereninsuffizienz und größerer Eiweißausscheidung. ≤ 125/ 75 mm Hg

Allgemeines

Die Modifikation von Lebensstilfaktoren ist die Basistherapie für jeden Hochdruckpatienten. Allein durch das Ausschöpfen der im Folgenden subsumierten Maßnahmen lassen sich 25% der leichten Hypertonien (Schweregrad 1) normalisieren. Eine Veränderung des Lebensstils betrifft alle Hochdruckpatienten in den Phasen vor Beginn einer medikamentösen Therapie und auch während der blutdrucksenkenden Medikation. Obwohl mittelschwere und schwere Hypertonien in jedem Fall eine medikamentöse Therapie erfordern, können auch hier Veränderungen des Lebensstils den Therapieerfolg verbessern.

Bluthochdruck ist eine multifaktorielle Erkrankung. Auch wenn sich die einzelnen Maßnahmen allein nur geringfügig auf die Blutdruckwerte auswirken, können diese in der Summe erheblich zu Blutdrucksenkung beitragen.

Gewichtsnormalisierung

Übergewicht, insbesondere bauchbetontes, und Hypertonie sind eng mit einander verbunden. Epidemiologischen Beobachtungen zufolge liegen die Werte von adipösen Männern 9/ 7 mm Hg (systol./ diastol.) und die von adipösen Frauen 11/ 6 mm Hg höher als die Normalgewichtiger. Wie stark sich eine Gewichtsreduktion auf den Blutdruck auswirkt, ist aufgrund der unterschiedlich designten Studien zu diesem Zeitpunkt allerdings schwer abschätzbar. Eine evidenzbasierte Auswertung der verfügbaren Daten bis 2011 identifizierte aus dem Zeitraum von 1985 bis 1998 lediglich 8 aussagekräftige Studien. Aus diesen ließ sich durch eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 4 kg eine Blutdrucksenkung von 4,5 mm Hg (systol.) bzw. 3,2 mm Hg (diastol.) erzielen [Sie 2011]. In einigen Studien wirkte sich die Gewichtsreduktion noch deutlicher aus. Bei Croft et al. beispielsweise bewirkte die 12-monatige Ernährungsberatung nicht nur einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 6,5 kg, sondern ebenso eine Blutdrucksenkung von 11/ 7 mm Hg [Cro 1986]. Allerdings ist schwer einzuschätzen, welchen Einfluss das niedrigere Gewicht allein und welche Bedeutung die möglicherweise damit verbundene veränderte Ernährungsweise ausübte. Eine Gewichtsreduktion verbunden mit einer Ernährungsumstellung dürfte vermutlich besser wirken als eine reine Kalorienrestriktion. Auch eine Einschränkung des Alkoholkonsums sowie leichtes Ausdauertraining wirken sich hierbei auf das Gewicht als auch auf den Blutdruck gleichsam positiv aus.

Eine Gewichtsabnahme schwächt die Aktivierung der Renin-Angiotensin-Aldosteron-Achse und des sympathischen Nervensystems ab und vermindert die Natriumretention. Eine Reduktion des Bauchfetts verbessert außerdem die Funktion der großen und kleinen Körpergefäße. Neben dem Blutdruck wirkt sich eine Gewichtsnormalisierung auch auf weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Insulinresistenz, Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen positiv aus, so dass diese in Hinblick auf das Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko allgemeinhin empfehlenswert ist.

Einfluss von Ernährungsfaktoren

Kochsalz und Kalium

Obwohl die Ernährungsempfehlungen der meisten Fachgesellschaften eine Reduktion der Salzzufuhr für die breite Masse vorsehen, ist der tatsächliche Nutzen trotz zahlreicher Studien nach wie vor strittig. Aus der widersprüchlichen Studienlage lässt sich bislang nur ableiten, dass lediglich ein Teil der Hypertoniker salzsensitiv reagiert und von einer dauerhaft niedrigen Kochsalzzufuhr profitiert. Verantwortlich hierfür sind aller Wahrscheinlichkeit nach genetische Variationen in der Natriumretention der Nieren.

Grundlage für die Empfehlungen zum sparsamen Salzkonsum sind Beobachtungen, wonach in Ländern mit einer allgemein niedrigen Kochsalzaufnahme von weniger als 3 g pro Tag die primäre Hypertonie praktisch nicht vorkommt. In Gesellschaften mit einer täglichen Zufuhr von mehr als 5 g ist die Erkrankung hingegen häufig anzutreffen [Adr 2007].

Eine evidenzbasierte Auswertung von 167 qualitativ hochwertigen Studien durch die Cochrane Collaboration ergab, dass sich eine Kochsalzreduktion bei den einzelnen ethnischen Gruppen unterschiedlich stark auswirkt. Vor allem hypertensiven Afrikanern und Asiaten kommt ein sparsamer Konsum zugute [Gra 2011].

In Industrieländern entstammen etwa 75% der täglich aufgenommenen Natriummenge aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln [ Lie 2011]. Bereits das Bevorzugen von frischen, wenig verarbeiteten Nahrungsmitteln würde die Zufuhr folglich drastisch senken.

Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass anstelle einer isolierten Betrachtung der Natriumzufuhr als Risikofaktor für Bluthochdruck vielmehr das Natrium/ Kalium-Verhältnis in der Nahrung von Bedeutung ist. So zeichnen sich Völker, in denen Hypertonie kaum eine Rolle spielt, vor allem durch eine natürliche Ernährungsweise aus. Gemüse und Obst, aber auch frisches Fleisch oder Fisch weisen einen weitaus höheren Kalium- als Natriumgehalt auf. In einer Ernährungsweise mit vorwiegend frischen Nahrungsmitteln überwiegt folglich die Kaliumzufuhr. Bevölkerungsgruppen, in denen Bluthochdruck weit verbreitet ist, sind hingegen durch einen hohen Konsum verarbeiteter Lebensmittel geprägt, in dessen Folge die Natriumzufuhr überwiegt.

In klinischen Studien führte eine geringe Kaliumzufuhr (400-625 mg/ d) verbunden mit einer hohen Natriumaufnahme (6,6-11 g/ d) zu einer erhöhten Natriumretention und folglich zu einem erhöhten Blutdruck [Kri 1991]. Eine Datenanalyse an über 12.000 Amerikanern, die knapp 15 Jahre begleitet wurde, ergab eine erhöhte Sterblichkeitsrate durch eine hohe Natrium- bei gleichzeitig niedriger Kaliumaufnahme. Eine hohe Kaliumaufnahme ging hingegen mit weniger Todesfällen einher [Yan 2011].

Ausgehend vom derzeitigen Kenntnisstand ist eine strenge Kochsalzbeschränkung lediglich bei salzsensitiven Hypertonikern empfehlenswert, wobei ein Salzmangel allerdings vermieden werden sollte. Durch eine allgemein natürliche Ernährungsweise mit frischen Nahrungsmitteln und wenig hoch verarbeiteten Produkten kann die Salzzufuhr bereits ohne großen Aufwand nennenswert reduziert werden. Anstelle von salzsparenden Maßnahmen sollte sich eine Ernährungstherapie in diesem Punkt folglich eher auf eine generelle Ernährungsumstellung konzentrieren und dem Hypertoniker mehr Kompetenz in seiner Nahrungsmittelauswahl vermitteln.

Alkohol

Zwischen Bluthochdruck und einem gesteigerten Alkoholkonsum besteht eine direkte Beziehung. Einige Studien deuten darauf hin, dass der blutdrucksteigernde Effekt bereits ab einer Alkoholmenge von 30 g einsetzt [Tom 2006]. In der Intersalt-Studie, einer großangelegten Beobachtungsstudie zum Einfluss verschiedener Faktoren auf den Blutdruck an über 10.000 Personen aus 52 Ländern, schien der Alkoholkonsum einen weitaus größeren Effekt auf den Blutdruck auszuüben als der Salzkonsum [Mar 1994]. Besonders ausgeprägt ist dieser Einfluss bei Übergewichtigen, Frauen und Patienten mit positiver Familienanamnese.

Wie stark sich eine Reduktion des Alkoholkonsums auf den Blutdruck auswirkt, ist schwer einschätzbar. Bereits 24 Stunden Abstinenz scheinen sich günstig auszuwirken [Mor 1998]. Neben dem täglichen Konsum ist auch ein Konsum unabhängig von den Mahlzeiten mit einem deutlich höheren Hypertonieauftreten verbunden als der wöchentliche Konsum bzw. der Alkoholgenuss zu den Mahlzeiten [Str 2004].

Welche Mechanismen für die blutdrucksteigernden Effekte des Alkohols verantwortlich sind, ist weitgehend unklar. Diskutiert werden eine Stimulation des sympathischen Nervensystems und des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems, erhöhte Kortisolspiegel, eine Hemmung der Stickstoffmonoxid-Wirkung in den Blutgefäßen, Elektrolytveränderungen sowie Einflüsse auf die Insulinsensitivität [Tom 2006].

Gleichzeitig reduziert regelmäßiger Alkoholkonsum auch die Wirksamkeit blutdrucksenkender Medikamente und ist eine der wichtigsten Ursachen für eine schwer einstellbare Hypertonie. Der regelmäßige kontinuierliche Konsum verändert die Verteilung, die Verstoffwechselung und den Abbau von Medikamenten. Insbesondere die Wirkung von Betablockern kann hierdurch beeinträchtigt werden, so dass eine entsprechend höhere Dosis notwendig ist, um den Blutdruck effektiv zu senken. Dies ist allerdings auch stärkeren Nebenwirkungen verbunden, was die Compliance des Patienten beeinträchtigt.

Zucker und Insulin

Die mit dem Metabolischen Syndrom vergesellschaftete Insulinresistenz trägt auf verschiedene Weise zum Bluthochdruck bei. Ein hoher Konsum schnell resorbierbarer Kohlenhydrate führt zu einer regelmäßig hohen Insulinfreisetzung. Insulin wirkt sich dann auf verschiedene Weise auf die Blutgefäße aus [Fer 2012].

  • Stimulation sympathischer Nervenfasern (insbesondere in übergewichtigen Patienten führt ein postprandialer Insulinanstieg zur Dominanz adrenerger, sprich blutdrucksteigernder Signale)
  • Stimulation der Zellteilung, wodurch es zu einer Verdickung der Media (muskelzellreiche Mittelschicht der Gefäßwand) kommt und die Blutgefäße dem Blutfluss einen höheren Widerstand entgegen setzen
  • antinatriuretische Wirkung, wodurch mehr Natrium und Wasser im Körper zurückgehalten werden, wodurch das Blutvolumen und folglich der Gefäßwiderstand ansteigen

Insbesondere der Umstand, dass Bluthochdruck bei etwa 2/3 der Typ 2-Diabetiker vorliegt und dessen Auftreten eng mit der Entwicklung einer Hyperglykämie vergesellschaftet ist [Fer 2012], spricht für die Bevorzugung niedrig-glykämisch wirkender Nahrungsmittel.

Olivenöl

Einige Studien geben Hinweise darauf, dass der regelmäßige Konsum von Olivenöl auch bei der Blutdruckkontrolle unterstützend wirken kann [Per 2009]; [Per 2004]. Im Hinblick auf weitere diätetische, blutdrucksenkende Maßnahmen scheint eine mediterrane Kost mit reichlich Gemüse und Obst, wenig Fleisch sowie der Verwendung hochwertiger Öle auch bei Hypertonie empfehlenswert zu sein.

Kakaoflavonoide

Bestimmte Flavonoide der Kakaopflanze zeigten in einzelnen Studien positive Effekte auf kardiovaskuläre Ereignisse sowie auf den Blutdruck. Die Empfehlung von Bitterschokolade mit einem hohen Kakaoanteil kann allerdings aus diesen Beobachtungen bislang nicht abgeleitet werden. Die wenigen verfügbaren qualitativ hochwertigen Studien unterscheiden sich in ihrem Design stark voneinander und umfassen größtenteils einen zu kurzen Beobachtungszeitraum, um evidente Schlussfolgerungen zuzulassen. Blutdrucksenkende Effekte wurden vor allem beim Vergleich flavonoidhaltiger mit flavonoidfreien Kakaoprodukten festgestellt. Bekam die Kontrollgruppe hingegen lediglich flavonoidarme Kakaoprodukte, konnte kein signifikanter Unterschied mehr festgestellt werden [Rie 2012].

Auch wenn die Medien wissenschaftliche Untersuchungen zu den positiven Effekten dunkler Schokolade gerne thematisieren, ist von einem höheren Konsum als 1-2 Stücken am Tag – sowohl im Hinblick auf die mangelhafte Aussagekraft der Studienlage als auch in Bezug auf den hohen Kaloriengehalt – abzuraten.

Kaffee

Entgegen früherer Meinungen scheint sich der regelmäßige Kaffeegenuss nicht nennenswert auf den Blutdruck auszuwirken. Die kurzfristige Gabe von 200-300 mg Koffein erhöhte bei Hypertonikern den Blutdruck zwar um 8,1/ 5,7 mm Hg (systol./ diastol.) innerhalb der nächsten 3 Stunden. In längerfristigen Beobachtungen blieb der regelmäßige Kaffeekonsum hingegen ohne Effekt [Mes 2011].

Fermentierte Milch

In einigen Ländern wie den USA, der Schweiz, Italien oder Japan wird fermentierte Milch als funktionelles Lebensmittel gegen Hypertonie angeboten. Eine evidenzbasierte Metaanalyse der Cochrane Collaboration mit 15 qualitativ hochwertigen Studien fand allerdings nur einen schwach signifikanten Effekt auf den systolischen und keine Auswirkung auf den diastolischen Blutdruck. Die Autoren resümierten, dass fermentierte Milch bei Hypertonie keine geeignetes Mittel zur Blutdrucksenkung ist [Usi 2012].

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  Fachinfo Hypertonie
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