Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) – Ernährungstherapie

Eine arterielle Hypertonie ist eine Erhöhung des Blutdrucks auf Werte, die langfristig zu einer Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems führen können. Die Behandlung ist meist von Dauer, wobei eine medikamentöse Behandlung immer mit Lebensstilmaßnahmen kombiniert werden sollte [Lec 2020]. Bluthochdruck ist eine multifaktorielle Erkrankung.

Ernährungsziele, diätetische Prinzipien und mögliche Kostformen

Ernährungsziele

Oberstes Behandlungsziel ist die maximale Reduktion Herz-Kreislauf-bedingter Erkrankungen und deren Sterblichkeit. Außer der Hypertonie sind auch Begleit-Risikofaktoren für Herz und Gefäße zu identifizieren und zu behandeln.

Kurzfristige Ziele:

  • bei Übergewicht: Gewichtsabnahme
  • Blutdrucksenkung (Zielwerte in Abhängigkeit vorliegender Erkrankungen, Deutsche Hochdruckliga e.V. 2011)
  • Verbesserung der Lebensqualität

Mittelfristige Ziele:

  • bei Übergewicht: weitere Gewichtsabnahme und/oder Gewichtsstabilisierung
  • Minimieren von Folgerisiken

Langfristige Ziele:

  • bei Übergewicht: Gewichtsstabilisierung
  • maximale Reduktion Herz-Kreislauf-bedingter Erkrankungen und deren Sterblichkeit

Extra: Zielwerte Blutdrucksenkung

Ein Cochrane-Forschungsteam untersuchte Studien der letzten 10 Jahre hinsichtlich der Effektivität einer Blutdrucksenkung bei PatientInnen mit Hypertonie. Sie wollten herausfinden, ob sich mit niedrigeren Grenzwerten als in Leitlinien festgeschrieben das Risiko für Folgeerkrankungen und Sterblichkeit weiter senken lässt.

Eine Senkung des Blutdrucks unter 140/90 bringt bei Hypertonie-Betroffenen demnach keine überzeugenden Vorteile mehr. Ein leicht geringeres Risiko zeigte sich für Herzinfarkt und Herzinsuffizienz. Für die Endpunkte Schlaganfall und fortgeschrittene Nierenerkrankungen zeigten sich keine Unterschiede. Auch die Zahl der Todesfälle blieb unbeeinflusst [Arg 2020].

Hintergrund der Relevanz dieser Untersuchung sind unterschiedliche Empfehlungen zur Blutdrucksenkung. Einige Experten und Fachorganisationen fordern Zielwerte von 135/85 oder sogar von 130/80. Bezogen auf die genannten Endpunkte lassen sich diese Forderungen jedoch nicht rechtfertigen.

Diätetische Prinzipien

Bei der Auswahl der diätetischen Maßnahmen zur Hochdruckbehandlung spielen 3 Aspekte eine Rolle:

  • Höhe des Blutdrucks (systolisch, diastolisch, Blutdruckamplitude, nächtliches Blutdruckverhalten)
  • individuelles Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Organschäden durch den Hochdruck

Die Modifikation von Lebensstilfaktoren ist die Basistherapie für jeden Hochdruckpatienten. Auf diese Weise können sich leichte Hypertonien normalisieren. Eine Veränderung des Lebensstils betrifft alle Hochdruckpatienten in den Phasen vor Beginn einer medikamentösen Therapie und auch während der blutdrucksenkenden Medikation. Obwohl mittelschwere und schwere Hypertonien in jedem Fall eine medikamentöse Therapie erfordern, können auch hier Veränderungen des Lebensstils den Therapieerfolg verbessern.

Diätetische Prinzipien:

  1. energiemoderate oder -reduzierte Kost
  2. moderat an Natrium, reich an Kalzium und Kalium
  3. viel Gemüse, hohe Fettqualität
Mögliche Kostformen

Die Wahl der Kostform obliegt den PatientInnen. Als in präventiver und therapeutischer Hinsicht besonders geeignet gilt die mediterrane Ernährungsweise.

Glykämischer Index

Wissenschaftliche Studien, die allein den glykämischen Index von Lebensmitteln bei Hypertonie untersuchten, sind trotz vielversprechender Ergebnisse bislang nicht ausreichend, um konkrete Empfehlungen abzuleiten.

Mediterrane Ernährung

Der Fokus auf lebensmittelbasierte Empfehlungen scheint energie- und nährstoffbezogenen Prinzipien zudem überlegen zu sein. Die mediterrane Ernährungsweise, die reich an naturbelassenen und gering verarbeiteten Nahrungsmitteln aus pflanzlichen sowie tierischen Quellen ist, eignet sich hier besonders. Diese ist gleichzeitig arm an Zucker sowie raffinierter Stärke und Trans-Fettsäuren [Lec 2020].

Fasten

Laut einer Interventionsstudie an PatientInnen mit metabolischem Syndrom (inkl. Bluthochdruck) kann eine Fastenperiode zu Beginn einer Ernährungsumstellung den Blutdruck stärker senken.

Die TeilnehmerInnen ernährten sich 3 Monate nach dem DASH*-Prinzip. Die Interventionsgruppe startete die Ernährungsumstellung mit einer 5-tägigen Fastenperiode, die Vergleichsgruppe nicht. Nach den 3 Monaten zeigten sich in der Interventionsgruppe im Vergleich zur anderen Gruppe niedrigere Blutdruckwerte, stärker reduzierte Medikamentendosen und bessere Effekte auf BMI und Körpergewicht [Fas 2021].

*Die DASH-Ernährung ist fett- sowie cholesterinarm und enthält einen hohen Anteil an Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten sowie wenig Salz.

Relevante Nährstoffe und Nahrungsinhaltsstoffe

Zwischen Bluthochdruck und einem gesteigerten Alkoholkonsum besteht eine direkte Beziehung. Einige Studien deuten darauf hin, dass der blutdrucksteigernde Effekt bereits ab einer Alkoholmenge von 30 g einsetzt [Tom 2006].

Wie stark sich eine Reduktion des Alkoholkonsums auf den Blutdruck auswirkt, ist schwer einschätzbar. Bereits 24 Stunden Abstinenz scheinen sich günstig auszuwirken [Mor 1998]. Neben dem täglichen Konsum ist auch ein Konsum unabhängig von den Mahlzeiten mit einem deutlich höheren Auftreten von Hypertonie verbunden als der wöchentliche Konsum bzw. der Alkoholgenuss zu den Mahlzeiten [Str 2004].

Welche Mechanismen für die blutdrucksteigernden Effekte des Alkohols verantwortlich sind, ist weitgehend unklar. Diskutiert werden eine Stimulation des sympathischen Nervensystems und des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems, erhöhte Kortisolspiegel, eine Hemmung der Stickstoffmonoxid-Wirkung in den Blutgefäßen, Elektrolytveränderungen (vermehrte Kalium- und Magnesiumausscheidung) sowie Einflüsse auf die Insulinsensitivität [Tom 2006].

Gleichzeitig reduziert regelmäßiger Alkoholkonsum auch die Wirksamkeit blutdrucksenkender Medikamente und ist eine der wichtigsten Ursachen für eine schwer einstellbare Hypertonie. Der regelmäßige kontinuierliche Konsum verändert die Verteilung, die Verstoffwechselung und den Abbau von Medikamenten. Insbesondere die Wirkung von Betablockern kann hierdurch beeinträchtigt werden, sodass eine entsprechend höhere Dosis notwendig ist, um den Blutdruck effektiv zu senken. Dies ist allerdings auch stärkeren Nebenwirkungen verbunden, was die Compliance des Patienten beeinträchtigt.

Diese Beobachtungen führen zur Empfehlung, den täglichen Alkoholkonsum auf 20 g (Männer) bzw. 10 g (Frauen) zu beschränken [Wil 2018].

Laut der Nurses Health Study und der Health Professionals’ Follow-up Study mit Kontrolle von insgesamt 115.000 Frauen und Männern über 14 bzw. 8 Jahre vermindert ein hoher Ballaststoffverzehr das Risiko für einen ischämischen Insult (Schlaganfall). Zudem kann sich ein erhöhter Blutdruck durch einen gesteigerten Konsum normalisieren.

Die Effekte sind insgesamt aber eher gering. Eine ballaststoffreiche Ernährungsweise bewirkte nach mehr als 8 Wochen allgemein eine Reduktion um 1,2 mmHg (systolisch) bzw. 1,7 mmHg (diastolisch), während speziell bei Hypertonikern der Effekt deutlicher war (-6,0 mmHg systolisch und -4,2 mmHg diastolisch) [And 2009].

Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt zudem durch die Effekte auf den Zucker- und Fettstoffwechsel sowie die Unterstützung einer Gewichtsabnahme bei bestehendem Übergewicht ab.

Kakao-Flavonoide wirken tendenziell blutdrucksenkend. Bestimmte Flavonoide der Kakaopflanze zeigten in einzelnen Studien positive Effekte auf kardiovaskuläre Ereignisse sowie auf den Blutdruck. Die Empfehlung von Bitterschokolade mit einem hohen Kakaoanteil kann allerdings aus diesen Beobachtungen bislang nicht abgeleitet werden. Die wenigen verfügbaren qualitativ hochwertigen Studien unterscheiden sich in ihrem Design stark voneinander und umfassen größtenteils einen zu kurzen Beobachtungszeitraum, um evidente Schlussfolgerungen zuzulassen. Blutdrucksenkende Effekte wurden vor allem beim Vergleich flavonoidhaltiger mit flavonoidfreien Kakaoprodukten festgestellt. Bekam die Kontrollgruppe hingegen lediglich flavonoidarme Kakaoprodukte, konnte kein signifikanter Unterschied mehr festgestellt werden [Rie 2012].

Auch wenn die Medien wissenschaftliche Untersuchungen zu den positiven Effekten dunkler Schokolade gerne thematisieren, ist von einem höheren Konsum als 1-2 Stücken am Tag – sowohl im Hinblick auf die mangelhafte Aussagekraft der Studienlage als auch in Bezug auf den hohen Kaloriengehalt – abzuraten.

Magnesium ist an der Regulation des Blutdrucks beteiligt. Inwiefern dies therapeutisch bei Bluthochdruck genutzt werden kann, ist immer noch unklar. Zu vermuten ist jedoch, dass eine gesteigerte Magnesiumzufuhr den Blutdruck durchschnittlich um 2 mmHg senken kann. Der Effekt ist laut Metaanalyse umso wahrscheinlicher, wenn eine Unterversorgung an Magnesium vorliegt [Zha 2016].

Über den Einfluss der Natriumzufuhr wird seit vielen Jahren gestritten. Obwohl die Ernährungsempfehlungen der meisten Fachgesellschaften eine Reduktion der Salzzufuhr für die breite Masse vorsehen, ist der tatsächliche Nutzen trotz zahlreicher Studien nach wie vor strittig. Aus der widersprüchlichen Studienlage lässt sich bislang nur ableiten, dass lediglich ein Teil der Hypertoniker Salz-sensitiv reagiert und von einer dauerhaft niedrigen Kochsalzzufuhr profitiert. Verantwortlich hierfür sind aller Wahrscheinlichkeit nach genetische Faktoren.

Grundlage für die Empfehlungen zum sparsamen Salzkonsum sind Beobachtungen, wonach in Ländern mit einer allgemein niedrigen Kochsalzaufnahme von weniger als 3 g pro Tag die primäre Hypertonie praktisch nicht vorkommt. In Gesellschaften mit einer täglichen Zufuhr von mehr als 5 g ist die Erkrankung hingegen häufig anzutreffen [Adr 2007].

Eine evidenzbasierte Auswertung von 167 qualitativ hochwertigen Studien durch die Cochrane Collaboration ergab, dass sich eine Kochsalzreduktion bei den einzelnen ethnischen Gruppen unterschiedlich stark auswirkt. Vor allem hypertensiven Afrikanern und Asiaten kommt ein sparsamer Konsum zugute [Gra 2011].

In Industrieländern entstammen etwa 75 % der täglich aufgenommenen Natriummenge aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln [Lie 2011]. Bereits das Bevorzugen von frischen, wenig verarbeiteten Nahrungsmitteln würde die Zufuhr folglich drastisch senken.

Zudem zeigte sich, dass eine sehr starke Reduktion der Natrium-/Salzzufuhr (<1,5 g bzw. <3,8 g) nur mäßige Effekte auf den Blutdruck hat [Gra 2017].

Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen geben vielmehr Hinweise darauf, dass anstelle einer isolierten Betrachtung der Natriumzufuhr als Risikofaktor für Bluthochdruck vielmehr das Natrium/ Kalium-Verhältnis in der Nahrung von Bedeutung ist. So zeichnen sich Völker, in denen Hypertonie kaum eine Rolle spielt, vor allem durch eine natürliche Ernährungsweise aus. Gemüse und Obst, aber auch frisches Fleisch oder Fisch weisen einen weitaus höheren Kalium- als Natriumgehalt auf. In einer Ernährungsweise mit vorwiegend frischen Nahrungsmitteln überwiegt folglich die Kaliumzufuhr. Bevölkerungsgruppen, in denen Bluthochdruck weit verbreitet ist, sind hingegen durch einen hohen Konsum verarbeiteter Lebensmittel geprägt, in dessen Folge die Natriumzufuhr überwiegt.

Ausgehend vom derzeitigen Kenntnisstand ist eine strenge Kochsalzbeschränkung lediglich bei Salz-sensitiven Hypertonikern empfehlenswert, wobei ein Salzmangel allerdings vermieden werden sollte. Durch eine allgemein natürliche Ernährungsweise mit frischen Nahrungsmitteln und wenig hoch verarbeiteten Produkten kann die Salzzufuhr bereits ohne großen Aufwand nennenswert reduziert werden. Anstelle von Salz-sparenden Maßnahmen sollte sich eine Ernährungstherapie in diesem Punkt folglich eher auf eine generelle Ernährungsumstellung konzentrieren und dem Hypertoniker mehr Kompetenz in seiner Nahrungsmittelauswahl vermitteln.

In klinischen Studien führte eine geringe Kaliumzufuhr (400-625 mg/Tag) verbunden mit einer hohen Natriumaufnahme (6,6-11 g/Tag) zu einer erhöhten Natriumretention und folglich zu einem erhöhten Blutdruck [Kri 1991]. Eine Datenanalyse an über 12.000 Amerikanern, die knapp 15 Jahre begleitet wurde, ergab eine erhöhte Sterblichkeitsrate durch eine hohe Natrium- bei gleichzeitig niedriger Kaliumaufnahme. Eine hohe Kaliumaufnahme ging hingegen mit weniger Todesfällen einher [Yan 2011].

Die langkettigen Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) scheinen blutdrucksenkend zu wirken [Abu 2018] [Mil 2014]. Zugrundeliegende Mechanismen könnten verbesserte Zelleigenschaften, eine höhere Verfügbarkeit des gefäßerweiternden Stickstoffmonoxids (NO) sowie ein hemmender Einfluss auf gefäßverengende Signale sein [Lec 2020].

Lebensmittel, spezielle Produkte und Küchenmanagement

Fermentierte Milchprodukte

Fermentierte Milchprodukte zeigen entgegen früherer Annahmen keine therapeutische Wirkung bei Hypertonie.

In einigen Ländern wie den USA, der Schweiz, Italien oder Japan wird fermentierte Milch als funktionelles Lebensmittel gegen Hypertonie angeboten. Eine evidenzbasierte Metaanalyse der Cochrane Collaboration mit 15 qualitativ hochwertigen Studien fand allerdings nur einen schwach signifikanten Effekt auf den systolischen und keine Auswirkung auf den diastolischen Blutdruck. Die Autoren resümierten, dass fermentierte Milch bei Hypertonie kein geeignetes Mittel zur Blutdrucksenkung ist [Usi 2012].

Kaffee/ Koffein

Entgegen früherer Meinungen scheint sich der regelmäßige Kaffeegenuss nicht nennenswert auf den Blutdruck auszuwirken. In längerfristigen Beobachtungen blieb der regelmäßige Kaffeekonsum ohne Effekt [Mes 2011].

Dieses Ergebnis bezieht sich jedoch nicht auf alle koffeinhaltigen Getränke oder Medikamente. Reines Koffein (z. B. auch in Tablettenform) kann einen moderaten Anstieg des Blutdrucks verursachen. Im Kaffee verhindern somit vermutlich andere Inhaltsstoffe wie beispielsweise die Chlorogensäure die Blutdrucksteigerung [Dam 2020].

Olivenöl

Einige Studien geben Hinweise darauf, dass der regelmäßige Konsum von Olivenöl auch bei der Blutdruckkontrolle unterstützend wirken kann [Per 2009]; [Per 2004]. Im Hinblick auf weitere diätetische, blutdrucksenkende Maßnahmen scheint eine mediterrane Kost mit reichlich Gemüse und Obst, wenig Fleisch sowie der Verwendung hochwertiger Öle auch bei Hypertonie empfehlenswert zu sein.

Weitere Lebensstilfaktoren

Bewegung und Sport

Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf verschiedene Risikofaktoren aus, die relevant bei Bluthochdruck sind: Es erleichtert die Gewichtsabnahme, unterstützt den Stressabbau, kräftigt Muskulatur und Durchblutung. Gute Effekte sind für ein moderat Ausdauertraining im Umfang von 2,5 bis 5 Stunden wöchentlich in Kombination mit einem Kräftigungstraining 2-mal pro Woche belegt [Vac 2020].

Vor Trainingsbeginn ist auf eine gute Blutdruckeinstellung (medikamentös) zu achten, um Blutdruckspitzen und hohe Belastungsphasen zu vermeiden bzw. zu reduzieren [Lec 2019].

Regelmäßiges Stretching scheint dem Gehen/ Spazieren sogar noch überlegen zu sein. Bereits nach 8 Wochen zeigte sich im Vergleich eine effektivere Blutdrucksenkung [Ko 2020].

Nikotin/ Tabak

Der Verzicht auf Nikotin ist obligatorischer Therapiebestandteil [Abu 2018].

Chronischer Stress/ Dysstress

Chronischer, negativer Stress aktiviert die Stressachse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse), was die Ausschüttung von Stresshormonen wie Kortisol und Noradrenalin führt. Dies wirkt sich ungünstig auf Blutdruck und Herzfrequenz, den Stoffwechsel sowie das Immunsystem aus. Das Erlernen von Stressbewältigungsstrategien kann diesen Mechanismen wirksam entgegentreten [Abu 2018] [Vac 2020].

Komplikationen, häufige Begleiterkrankungen und Medikamente

Übergewicht, insbesondere bauchbetontes, und Hypertonie sind eng mit einander verbunden.

Epidemiologischen Beobachtungen zufolge liegen die Werte von adipösen Männern 9/ 7 mm Hg (systol./ diastol.) und die von adipösen Frauen 11/ 6 mm Hg höher als die Normalgewichtiger. Wie stark sich eine Gewichtsreduktion auf den Blutdruck auswirkt, ist aufgrund der unterschiedlich designten Studien zu diesem Zeitpunkt allerdings schwer abschätzbar. Eine evidenzbasierte Auswertung der verfügbaren Daten bis 2011 identifizierte aus dem Zeitraum von 1985 bis 1998 lediglich 8 aussagekräftige Studien. Aus diesen ließ sich durch eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 4 kg eine Blutdrucksenkung von 4,5 mm Hg (systol.) bzw. 3,2 mm Hg (diastol.) erzielen [Sie 2011]. In einigen Studien wirkte sich die Gewichtsreduktion noch deutlicher aus. Bei Croft et al. beispielsweise bewirkte die 12-monatige Ernährungsberatung nicht nur einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 6,5 kg, sondern ebenso eine Blutdrucksenkung von 11/ 7 mm Hg [Cro 1986]. Allerdings ist schwer einzuschätzen, welchen Einfluss das niedrigere Gewicht allein und welche Bedeutung die möglicherweise damit verbundene veränderte Ernährungsweise ausübte. Eine Gewichtsreduktion verbunden mit einer Ernährungsumstellung dürfte vermutlich besser wirken als eine reine Kalorienrestriktion. Auch eine Einschränkung des Alkoholkonsums sowie leichtes Ausdauertraining wirken sich hierbei auf das Gewicht als auch auf den Blutdruck gleichsam positiv aus.

Eine Gewichtsabnahme schwächt die Aktivierung der Renin-Angiotensin-Aldosteron-Achse und des sympathischen Nervensystems ab und vermindert die Natriumretention. Eine Reduktion des Bauchfetts verbessert außerdem die Funktion der großen und kleinen Körpergefäße. Neben dem Blutdruck wirkt sich eine Gewichtsnormalisierung auch auf weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Insulinresistenz, Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen positiv aus, sodass diese in Hinblick auf das Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko empfehlenswert ist.

Die mit dem Metabolischen Syndrom vergesellschaftete Insulinresistenz trägt auf verschiedene Weise zum Bluthochdruck bei. Ein hoher Konsum schnell resorbierbarer Kohlenhydrate führt zu einer regelmäßig hohen Insulinfreisetzung. Insulin wirkt sich dann auf verschiedene Weise auf die Blutgefäße aus [Fer 2012]:

  • Stimulation sympathischer Nervenfasern (insbesondere in übergewichtigen Patienten führt ein postprandialer Insulinanstieg zur Dominanz adrenerger, sprich blutdrucksteigernder Signale)
  • Stimulation der Zellteilung, wodurch es zu einer Verdickung der Media (muskelzellreiche Mittelschicht der Gefäßwand) kommt und die Blutgefäße dem Blutfluss einen höheren Widerstand entgegen setzen
  • antinatriuretische Wirkung, wodurch mehr Natrium und Wasser im Körper zurückgehalten werden, wodurch das Blutvolumen und folglich der Gefäßwiderstand ansteigen.

Insbesondere der Umstand, dass Bluthochdruck bei etwa 2/3 der Typ 2-Diabetiker vorliegt und dessen Auftreten eng mit der Entwicklung einer Hyperglykämie vergesellschaftet ist [Fer 2012], spricht für die Bevorzugung niedrig-glykämisch wirkender Nahrungsmittel.

Neurologische Schäden

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) kann schon die Organe schädigen, lange bevor die PatientInnen ihre Erkrankung bemerken. Darauf weisen MedizinerInnen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) und der Deutschen Hochdruckliga DHL e. V. (DHL) hin.

So konnten Forscher in der CARDIA-Studie mit über 5.000 TeilnehmerInnen über 30 Jahre verfolgen, dass Bluthochdruck die kognitiven Fähigkeiten wie Gedächtnisleistung und Aufmerksamkeit beeinträchtigt. Zudem zeigte sich bei den Betroffenen verstärkt eine langsamere Gehgeschwindigkeit, eine kleinere Schrittlänge und eine höhere Gangvariabilität [Mah 2020].

Als Begründung geben die Wissenschaftler Gefäßverletzungen im Gehirn, auch als White Matter Lesions bezeichnet, an. Diese führen bei fehlender Behandlung des Hochdrucks zu Schäden der Nervenverbindungen.

Parodontitis

Menschen mit Parodontitis haben ein höheres Risiko, einen Bluthochdruck zu entwickeln.

Bei einer Parodontitis entzündet sich der gesamte Zahnhalteapparat. Hierdurch vermehren sich Bakterien in den Zahnfleischtaschen, die das Zahn- und Knochengewebe zerstören kann. Zahnausfälle sind die Folge. Die Bakterien können zudem über den Blutstrom in andere Gewebe und Organe gelangen und Infektionen auslösen.

Auf der systemischen Ebene kann sich unter anderem eine Hypertonie entwickeln. PatientInnen mit Parodontitis wiesen in Studien einen erhöhten systolischen Blutdruck auf [Agu 2021].

Eine frühe Diagnose sowie eine erfolgreiche Behandlung der Parodontitis könnten systemische Entzündungen im Körper dämpfen und die Funktion geschädigter Blutgefäße wieder normalisieren, so die Forscher abschließend.

Praxishilfen und Unterstützung im Alltag

Blutdruckmessgeräte (Selbstmessung)

Stiftung Warentest hat verschiedene Geräte zur Blutdruckmessung zu Hause (Selbstmessung) getestet (08/2020). Hierbei standen Messgenauigkeit und Wiederholgenauigkeit im Fokus. 17 verschiedene Geräte wurden getestet.

Die Beurteilungen fielen von „gut“ bis „empfehlenswert“ aus, wobei die Teilnote Messgenauigkeit selbst beim besten Messgerät nur befriedigend bekam. Die Sieger im Einzelnen:

  • Testsieger insgesamt: Boso Medicus X
  • Testsieger Oberarm-Messgerät: Boso Medicus X
  • Testsieger Handgelenk-Messgerät: Omron R7 Intelli IT
  • Testsieger Messgenauigkeit: Medisana BU 535 Voice (insgesamt 2. Platz)
  • Preissieger: Sanitas SBM 22

Oberarm-Messgeräte schneiden in der Messgenauigkeit nach wie vor besser ab als die Handgelenk-Messgeräte. Diese sind jedoch einfacher zu bedienen.

Weitere Informationen sind auf der Website der Stiftung Warentest verfügbar.

Infografiken Hypertonie

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