Inhaltstyp: Grundlagenbeitrag Unsere Grundlagenbeiträge beinhalten die aus unserer Sicht wichtigsten Aspekte zu einem Thema.
Für den übersichtlichen Druck als Handout ist ein Login erforderlich.
Inhaltsverzeichnis
Kurze Einordnung
Eine Hypothyreose ist eine Schilddrüsenunterfunktion, bei der dem Körper zu wenig Schilddrüsenhormone zur Verfügung stehen. Im Alltag zeigen sich häufig Müdigkeit, vermehrtes Frieren und eine Tendenz zur Gewichtszunahme, oft begleitet von veränderten Blutfettwerten und Verdauungsproblemen. Ernährung spielt eine zentrale Rolle, weil sie die Bausteine für die Hormonsynthese liefert, die Umwandlung des Schilddrüsenhormons Thyroxin in die aktive Form unterstützt und bei einer Hormonsubstitution die Aufnahme des Medikaments deutlich beeinflussen kann.
Was Ernährung(-sberatung) hier leisten kann
- Sie kann die Versorgung mit Jod, Eisen und Protein als Grundlage der Hormonbildung absichern und damit eine Unterversorgung als Verstärker der Unterfunktion vermeiden.
- Sie kann bei einer Therapie mit Levothyroxin durch klares Timing Störeinflüsse durch Kaffee, Calcium, Eisen und Soja verringern und damit eine stabilere Einstellung unterstützen.
- Sie kann typische Begleitfolgen wie ungünstige Blutfettwerte, Verstopfung und Gewichtszunahme durch die passende Lebensmittelauswahl sowie Mahlzeitenstruktur abmildern.
- Sie kann durch alltagsnahe Routinen das Zusammenspiel aus Medikation, Mahlzeiten und Bewegung so strukturieren, dass die Umsetzung langfristig realistisch bleibt.
Zentrale Ernährungshebel im Überblick

1 Jod-Basisversorgung
Hintergrund: Jod ist ein essenzieller Bestandteil der Schilddrüsenhormone. Eine zu geringe Jodzufuhr über die Nahrung kann die Bildung von Schilddrüsenhormonen (Thyroxin, T4 und Trijodthyronin, T3) begrenzen und eine Vergrößerung der Schilddrüse begünstigen. In Deutschland besteht ein relevantes Risiko für eine zu niedrige Zufuhr, wenn jodiertes Speisesalz und Seefisch selten vorkommen.
Einsatz: Dieser Hebel ist besonders relevant, wenn keine autoimmune Ursache im Vordergrund steht oder wenn die Basisversorgung insgesamt unklar ist. Bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen mit Überfunktion oder autonomen Knoten kann eine hohe Jodzufuhr problematisch sein. Exzessive Jodmengen sind unabhängig davon zu vermeiden.
🔒 Wissenschaftlicher Background
Bitte einloggen!
Strategien auf einen Blick
- Jodsalz als Standard in der Küche: Ein fester Platz für jodiertes Speisesalz im Haushalt unterstützt die tägliche Zufuhr, besonders wenn viele Mahlzeiten selbst zubereitet werden.
- Seefisch als planbare Routine: Ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche (zum Beispiel Seelachs oder Schellfisch) liefern Jod in relevanter Menge und lassen sich gut in Wochenpläne einbauen.
- Milchprodukte und Eier als ergänzende Quellen: Milchprodukte und Eier können zur Jodversorgung beitragen, wenn sie regelmäßig vorkommen und gut vertragen werden.
- Etiketten-Check bei verarbeiteten Lebensmitteln: Brot, Käse und Wurst enthalten nur dann relevante Mengen, wenn in der Zutatenliste jodiertes Speisesalz steht.
- Algen und hochdosierte Jodpräparate vermeiden: Getrocknete Algen und Seetang enthalten häufig sehr hohe, stark schwankende Jodmengen und erhöhen das Risiko für einen Jodüberschuss.
Typische Stolperfallen im Alltag
Jodsalz fehlt in Routineprodukten
Situation: In vielen Haushalten steht unjodiertes Salz bereit oder es wird überwiegend außer Haus gegessen. In Kantinen und Großküchen ist unjodiertes Salz häufig, ohne dass dies klar erkennbar ist. Dadurch sinkt die Jodzufuhr, obwohl die Ernährung auf den ersten Blick ausgewogen wirkt.
Lösung: Eine feste Umstellung auf jodiertes Speisesalz im Haushalt und eine bewusste Auswahl jodhaltiger Lebensmittel in der Woche schafft eine verlässlichere Basis.
Jod aus Algen wird überschätzt
Situation: Algenprodukte wirken als „natürliche“ Quelle attraktiv, enthalten aber sehr variable und teils extrem hohe Jodmengen. Der Alltagseinsatz kann dadurch unkontrollierbar werden und eine Überversorgung begünstigen.
Lösung: Jodquellen mit besser einschätzbaren Mengen wie jodiertes Speisesalz und Seefisch sind praxistauglicher.
Außer-Haus-Essen liefert wenig Jod
Situation: Ein großer Teil des Salzes kommt über Brot, Fertiggerichte und Kantinenessen. Wenn dort überwiegend unjodiertes Salz eingesetzt wird, sinkt die Jodzufuhr, selbst wenn zu Hause jodiertes Speisesalz genutzt wird.
Lösung: Regelmäßige, gut planbare Jodquellen im Wochenplan wie Seefisch und jodhaltige Milchprodukte verringern die Abhängigkeit von der Salzauswahl außer Haus.
Pflanzliche Alternativen ersetzen jodreiche Lebensmittel
Situation: Pflanzliche Milchalternativen oder eine deutlich reduzierte Menge an Fisch und Milchprodukten können die Jodzufuhr unbemerkt senken. Häufig fehlt gleichzeitig ein bewusster Ersatz über jodiertes Speisesalz oder gezielte Jodquellen.
Lösung: Bei pflanzlichen Routinen braucht es ein klares Jodkonzept, zum Beispiel über Jodsalz, Seefisch und jodhaltige Lebensmittel, die gut vertragen werden.
2 Resorptionssicherheit bei Levothyroxin
Hintergrund: Bei einer Therapie mit Levothyroxin entscheidet die Aufnahme im Darm darüber, ob die Dosis im Körper zuverlässig ankommt. Kaffee, Milchprodukte mit Calcium, Eisen und Soja können die Resorption deutlich verringern. Kleine Unterschiede im Timing können im Alltag große Schwankungen auslösen.
Einsatz: Dieser Hebel ist zentral, sobald Levothyroxin eingenommen wird. Er ist besonders relevant, wenn Werte trotz gleicher Dosis schwanken oder wenn sich Beschwerden trotz „passender“ Laborwerte halten.
🔒 Wissenschaftlicher Background
Bitte einloggen!
Strategien auf einen Blick
- Nüchterneinnahme mit Leitungswasser: Levothyroxin wird morgens nüchtern mit einem Glas Wasser eingenommen, ohne Kaffee, Milch oder Saft zur Tablette.
- Kaffee bewusst zeitlich trennen: Ein Abstand von 30 bis 60 Minuten zwischen Tablette und Kaffee reduziert den Resorptionsverlust durch Kaffee.
- Calcium und Eisen klar separieren: Calcium- und Eisenpräparate sowie stark calciumreiche Mahlzeiten liegen mehrere Stunden entfernt von der Tabletteneinnahme.
- Soja nicht in die Frühstücksroutine integrieren: Sojaprodukte passen besser in spätere Mahlzeiten und nicht in die Phase direkt nach der Tablette.
- Abendliche Einnahme als Alternative: Eine Einnahme am Abend kann in einzelnen Routinen besser funktionieren, wenn sie mehrere Stunden nach der letzten Mahlzeit liegt.
Typische Stolperfallen im Alltag
Kaffee als fester Start in den Tag
Situation: Der Kaffee gehört oft direkt nach dem Aufstehen dazu. In dieser Routine liegt der Kaffee häufig sehr nah an der Tabletteneinnahme, besonders bei frühen Terminen oder Schichtarbeit. Dadurch sinkt die Aufnahme, ohne dass dies auffällt.
Lösung: Ein fester Abstand zwischen Tablette und Kaffee schafft Stabilität. Bei sehr frühem Start kann eine alternative Einnahmezeit am Abend die Routine vereinfachen.
Supplemente am Morgen
Situation: Brausetabletten oder Multivitamine enthalten häufig Calcium oder Eisen. Wenn diese morgens mit der Tablette zusammenfallen, blockieren sie die Aufnahme des Medikaments und verstärken Schwankungen.
Lösung: Mineralstoff-Supplemente liegen zeitlich getrennt, zum Beispiel mittags oder abends.
Frühstücksroutine ist zu nah an der Tablette
Situation: Zwischen Aufstehen, Frühstück und dem ersten Termin bleibt wenig Zeit. Dadurch wird die Wartezeit verkürzt oder unregelmäßig. An manchen Tagen liegt mehr Abstand, an anderen fast keiner, was die Werte instabil macht.
Lösung: Eine feste Mini-Routine stabilisiert das Timing, zum Beispiel Tablette direkt nach dem Aufwachen und Frühstück erst nach einer klaren, gleichbleibenden Wartezeit.
Calciumreiche Lebensmittel werden unterschätzt
Situation: Calcium ist nicht nur in Supplementen, sondern auch in Milchkaffee, Joghurt, Quark oder angereicherten pflanzlichen Drinks enthalten. Wenn diese Lebensmittel regelmäßig früh am Morgen liegen, kann die Aufnahme des Medikaments sinken.
Lösung: Calciumreiche Lebensmittel und angereicherte Drinks liegen besser deutlich nach der Tabletteneinnahme oder als Bestandteil späterer Mahlzeiten.
Soja und ballaststoffreiche Frühstücke kollidieren mit der Therapie
Situation: Sojajoghurt, Proteinshakes oder sehr ballaststoffreiche Müslis sind als „gesunde“ Routinen verbreitet. In Kombination mit Levothyroxin am Morgen können sie die Aufnahme erschweren und Schwankungen verstärken.
Lösung: Soja und sehr ballaststoffreiche Mahlzeiten passen besser in spätere Mahlzeiten und nicht direkt an die Tabletteneinnahme.
3 Selen, Zink und Eisen für Konversion und Synthese
Hintergrund: Der Körper bildet überwiegend Thyroxin als Vorstufe. Die Umwandlung in die aktive Form hängt von Enzymen ab, die Kofaktoren wie Selen benötigen. Eisen ist zugleich für das Enzym wichtig, das Jod in die Hormonvorstufen einbaut, und ein Mangel kann die Hormonsynthese direkt bremsen.
Einsatz: Dieser Hebel ist besonders relevant bei Hinweisen auf Nährstoffmangel, bei Müdigkeit trotz stabiler Einstellung oder bei Ernährungsmustern mit geringem Anteil an jod- und eisenreichen Lebensmitteln.
🔒 Wissenschaftlicher Background
Bitte einloggen!
Strategien auf einen Blick
- Eisen über proteinreiche Hauptmahlzeiten: Fleisch oder andere proteinreiche Lebensmittel in Hauptmahlzeiten erhöhen die Chance auf eine ausreichende Eisenversorgung.
- Selen über ausgewählte Lebensmittel: Paranüsse, Fisch und Fleisch sind relevante Quellen; kleine Mengen können ausreichen.
- Protein als Strukturgeber: Eine ausreichende Proteinzufuhr unterstützt die Bereitstellung von Tyrosin als Aminosäure-Grundgerüst der Hormone.
- Nährstoffdichte über Gemüse und Hülsenfrüchte: Hülsenfrüchte und Gemüse liefern Mikronährstoffe und unterstützen zugleich Verdauung und Stoffwechsel.
Typische Stolperfallen im Alltag
Selen wird nur über Supplemente gedacht
Situation: Im Alltag wird Selen häufig als Nahrungsergänzung wahrgenommen. Gleichzeitig bleiben selenreiche Lebensmittel selten, obwohl sie leicht integrierbar wären. Damit entsteht eine Lücke, ohne dass klare Symptome auffallen.
Lösung: Kleine, gut planbare Lebensmittelquellen wie Paranüsse oder regelmäßiger Fischkontakt verbessern die Versorgung ohne komplexe Routinen.
Paranüsse werden zu großzügig eingesetzt
Situation: Paranüsse gelten als einfache Selenquelle. Die Gehalte schwanken jedoch stark, und bei häufiger, hoher Menge kann eine zu hohe Zufuhr entstehen, besonders wenn zusätzlich Selenpräparate genutzt werden.
Lösung: Kleine Mengen sind ausreichend. Wenn Paranüsse regelmäßig genutzt werden, ist eine parallele Selen-Supplementierung meist nicht sinnvoll.
Eisen wird im Alltag nicht mitgedacht
Situation: Müdigkeit wird bei Unterfunktion schnell der Schilddrüse zugeschrieben. Gleichzeitig bleibt ein Eisenmangel als möglicher Verstärker unbemerkt, besonders bei geringer Fleischmenge, starker Menstruation oder einseitiger Ernährung.
Lösung: Eine bewusste Einbindung eisenreicher Lebensmittel und eine passende Kombination in Hauptmahlzeiten verbessert die Wahrscheinlichkeit einer ausreichenden Versorgung.
4 Goitrogene im Alltag einordnen
Hintergrund: Einige Lebensmittel enthalten Stoffe, die die Jodaufnahme in die Schilddrüse hemmen können oder die Aktivität von Enzymen der Hormonsynthese beeinflussen. Besonders relevant sind große Mengen roher Kohlarten und Sojaprodukte, vor allem bei gleichzeitig niedriger Jodzufuhr.
Einsatz: Dieser Hebel ist vor allem dann relevant, wenn sehr große Mengen roher Kohl-Smoothies, sehr hoher Sojakonsum oder eine Kombination aus wenig Jod und vielen potenziell strumigenen Lebensmitteln vorkommt.
🔒 Wissenschaftlicher Background
Bitte einloggen!
Strategien auf einen Blick
- Kohl überwiegend gegart: Gekochter oder gedünsteter Kohl ist alltagstauglich, weil Hitze die problematischen Stoffe weitgehend reduziert.
- Soja moderat und zeitlich getrennt zur Tablette: Soja passt besser in Mahlzeiten mit Abstand zur Medikation und nicht als zentraler Frühstücksbaustein.
- Jodversorgung parallel sichern: Eine ausreichende Jodzufuhr reduziert die Bedeutung potenziell strumigener Lebensmittel im Alltag.
- Trend-Ernährung prüfen: Smoothies oder „Clean Eating“ mit viel rohem Kohl oder Soja können in Summe relevant werden, auch wenn einzelne Portionen unauffällig wirken.
Typische Stolperfallen im Alltag
Rohkost-Trends mit großen Kohlmengen
Situation: Grüne Smoothies oder Rohkost-Konzepte enthalten häufig täglich große Mengen roher Kohlarten. Gleichzeitig fällt jodiertes Salz in solchen Konzepten oft weg. In dieser Kombination steigt die Relevanz der goitrogenen Stoffe.
Lösung: Gegarter Kohl als Beilage und eine gesicherte Jodquelle im Wochenplan sind eine pragmatische Alternative.
Soja wird als neutraler Proteinstandard genutzt
Situation: In pflanzenbetonten Routinen wird Soja häufig täglich und in mehreren Mahlzeiten eingesetzt. In Kombination mit niedriger Jodzufuhr und Levothyroxin am Morgen wird Soja dann praktisch relevanter als gedacht.
Lösung: Soja bleibt möglich, profitiert aber von klarer Mengensteuerung, Abstand zur Tablette und einer parallel gesicherten Jodversorgung.
Gegarte Alternativen fehlen in der Praxis
Situation: Rohkost wirkt einfach und schnell, während gegarte Gemüsegerichte mehr Planung erfordern. Dadurch steigt die Menge an rohem Kohl im Alltag, obwohl eine gegarte Variante besser passen würde.
Lösung: Einfache Standardgerichte mit gedünstetem Gemüse senken die Schwelle, zum Beispiel Tiefkühlgemüse als Basis oder kurze Pfannengerichte.
5 Metabolische Entlastung
Hintergrund: Eine Hypothyreose ist häufig mit Gewichtszunahme, Insulinresistenz und erhöhten Blutfetten verbunden. Eine reine Hormontherapie führt oft nur zu geringem Gewichtsverlust, der eher auf Wasserverlust zurückgeht. Ernährungsstrategien können den Stoffwechsel entlasten, auch wenn sich Schilddrüsenwerte dadurch nicht zwingend verändern.
Einsatz: Dieser Hebel ist besonders relevant bei Übergewicht, bei erhöhter Insulinresistenz oder wenn Gewichtszunahme als zentrales Alltagsthema im Vordergrund steht.
🔒 Wissenschaftlicher Background
Bitte einloggen!
Strategien auf einen Blick
- Leichtes Kaloriendefizit statt strenger Diät: Eine moderate Reduktion ist häufig besser durchhaltbar und kann Gewicht und Stoffwechselparameter verbessern.
- Intervallfasten als Strukturhilfe: Ein zeitlich begrenztes Essfenster kann die Tagesstruktur vereinfachen und die Energieaufnahme reduzieren.
- Ballaststoffe für Verdauung und Sättigung: Vollkorn, Hülsenfrüchte und Gemüse unterstützen Obstipation und Sättigung, mit Abstand zur Tablette bei Levothyroxin.
- Mediterrane Orientierung: Viel Gemüse, Olivenöl und Fisch unterstützen ein günstigeres Lipidprofil.
Typische Stolpersteine im Alltag
Erwartung: Hormone ersetzen Gewichtsmanagement
Situation: Das Gefühl entsteht, dass die Schilddrüsenhormone den Gewichtsverlust automatisch auslösen. In der Praxis zeigt sich oft nur ein kleiner Effekt, der eher auf Wasserverlust zurückgeht. Ohne Anpassung von Energiezufuhr und Bewegung bleibt das Gewicht häufig stabil oder steigt weiter.
Lösung: Eine klare Trennung zwischen hormoneller Einstellung und Gewichtsstrategie erhöht die Realitätsnähe. Der Fokus liegt auf Ernährungsmustern und Aktivität als Haupthebel.
Hunger und Leistungstiefs brechen die Routine
Situation: Besonders zu Beginn von Kalorienrestriktion oder Intervallfasten entstehen Hunger, Reizbarkeit oder ein Leistungstief am Vormittag. In der Folge werden Essfenster spontan verschoben oder durch Snacks unterbrochen.
Lösung: Ein schrittweiser Einstieg und eine Mahlzeitenstruktur mit ausreichendem Eiweiß und Ballaststoffen im Essfenster erhöhen die Umsetzbarkeit.
Soziale Termine passen nicht zum Essfenster
Situation: Familienessen, Einladungen oder berufliche Abendtermine kollidieren mit einem festen Essfenster. Das führt häufig zu Abbrüchen, weil die Strategie im Alltag als unflexibel erlebt wird.
Lösung: Ein flexibles Essfenster, das sich an einzelne Tage anpasst, ist oft praktikabler als ein starrer Rhythmus.
6 Kardiometabolische Lebensmittelwahl
Hintergrund: Bei einer Hypothyreose treten häufiger ungünstige Blutfettwerte auf, besonders erhöhte LDL-Cholesterin- und Triglyzeridwerte. Eine gemüsebetonte, mediterrane Lebensmittelwahl unterstützt ein günstigeres Fettprofil, stabilere Blutzuckerwerte und eine insgesamt bessere kardiovaskuläre Risikolage.
Einsatz: Dieser Hebel ist besonders relevant bei erhöhten LDL- oder Triglyzeridwerten, bei begleitendem Übergewicht oder wenn eine alltagstaugliche Grundstruktur für Herz-Kreislauf-Risiken gesucht wird. Er passt sowohl zur Phase vor einer medikamentösen Therapie als auch zur Phase mit Levothyroxin, wenn Lipidwerte trotz stabiler Schilddrüsenwerte auffällig bleiben.
🔒 Wissenschaftlicher Background
Bitte einloggen!
Strategien auf einen Blick
- Gemüse als Standard-Komponente jeder Hauptmahlzeit: Eine große Gemüseportion erhöht Ballaststoffe und senkt automatisch den Anteil stark energiedichter Lebensmittel.
- Olivenöl als Hauptfett: Olivenöl ersetzt Butter und andere stark gesättigte Fette in der Alltagsküche.
- Hülsenfrüchte als regelmäßige Basis: Linsen, Bohnen und Kichererbsen erhöhen die Ballaststoff- sowie Proteinzufuhr und unterstützen Sättigung und Blutzucker.
- Fisch als wiederkehrendes Element: Fischgerichte sind eine alltagsnahe Ergänzung, die zum mediterranen Muster passt und zugleich Jod und Selen beitragen kann.
- Zucker und raffinierte Kohlenhydrate reduzieren: Süßgetränke, Süßwaren und Weißmehlprodukte erhöhen bei vielen Personen Triglyzeride und erschweren Gewichtsmanagement.
- Ultra-verarbeitete Produkte begrenzen: Fertigprodukte und Snacks bündeln häufig Salz, gesättigte Fette und Zucker und verdrängen nährstoffdichte Lebensmittel.
Typische Stolpersteine im Alltag
Zu wenig Zeit für frische Küche
Situation: Das mediterrane Muster wirkt wie „viel Kochen“. In stressigen Wochen dominieren Brotzeiten, Snacks oder Fertiggerichte. Damit sinkt der Gemüseanteil, und gesättigte Fette und Zucker steigen oft an.
Lösung: Ein kleiner Vorrat an Tiefkühlgemüse, Hülsenfrüchten aus der Dose und einfachen Fischoptionen reduziert die Koch-Hürde, ohne dass das Muster verloren geht.
Kosten- und Verfügbarkeitsgefühl
Situation: Olivenöl, Nüsse und Fisch werden als teuer erlebt. Dadurch bleibt die Umsetzung theoretisch, während im Alltag günstigere, stark verarbeitete Optionen gewählt werden.
Lösung: Preisstabile Bausteine wie Hülsenfrüchte, Tiefkühlgemüse und saisonales Obst tragen das Muster auch ohne teure Einzelprodukte.
„Mediterran“ wird mit Pasta und Brot verwechselt
Situation: Der Begriff wird im Alltag häufig auf Pasta, Pizza oder Weißbrot reduziert. Dann bleibt der Gemüseanteil niedrig, und die Energieaufnahme steigt schneller als erwartet.
Lösung: Die zentrale Struktur ist Gemüse plus Eiweiß plus gutes Fett. Stärke ist möglich, profitiert aber von Portionierung und Vollkornanteil.
Ballaststoffe kollidieren mit Levothyroxin-Routine
Situation: Vollkorn und sehr ballaststoffreiche Frühstücke werden direkt nach der Tablette gegessen. Dadurch kann die Resorption schwanken, und die Routine wird als „kompliziert“ erlebt.
Lösung: Ballaststoffreiche Mahlzeiten liegen besser mit Abstand zur Tablette, während das erste Frühstück nach der Einnahme eher neutral aufgebaut ist.
🔒 Wissenschaftliche Kontroversen und Paradigmenwechsel
🔒 Therapie bei latenter Hypothyreose
Bitte einloggen!
🔒 TSH-Grenzwerte im höheren Alter
Bitte einloggen!
Die Wirkung vervielfältigen – Einbetten der Ernährung in den Lebensstil

Regelmäßige Bewegung: Bewegung wirkt als Stoffwechselaktivator. Moderates Ausdauertraining verbessert Lipidwerte und Insulinsensitivität und kann Müdigkeit und Leistungsabfall abmildern. Ergänzendes Krafttraining ist sinnvoll, weil bei Hypothyreose Muskelschwäche und reduzierte Belastbarkeit häufiger vorkommen.
Schlaf und Rhythmus: TSH folgt einer Tagesrhythmik mit höheren Werten in der Nacht und am frühen Morgen. Ein stabiler Rhythmus unterstützt eine vergleichbare Diagnostik und passt zu einem gleichmäßigen Alltagstakt, der Medikation, Mahlzeiten und Aktivität besser planbar macht.
Tageslicht und Vitamin D: Vitamin D wird überwiegend über Sonnenlicht gebildet. Ein niedriger Vitamin-D-Status ist häufiger und kann das allgemeine Wohlbefinden, die Stimmung und die körperliche Leistungsfähigkeit verschlechtern. Tageslicht im Alltag ist daher als Basisfaktor relevant.
Stress als Verstärker: Schwere Belastungen, Infekte oder stark schwankende Alltagsrhythmen können Symptome verstärken und Laborwerte vorübergehend verschieben. Ein Alltag mit planbaren Routinen reduziert diese Schwankungen und unterstützt die Stabilität der Therapie.
Weitere Informationen zum Thema
Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Bei Fragen zur eigenen Erkrankung oder Medikation empfehlen wir das Gespräch mit einer Fachkraft.