Körperliche Anamnese – Taille-Größe-Verhältnis

Das Taille-Größe-Verhältnis (TGV, englisch: Waist-to-Height Ratio) beschreibt – wie der Name schon sagt – das Verhältnis zwischen der Körpergröße und dem Taillenumfang, welcher häufig zur indirekten Bestimmung des viszeralen Bauchfetts herangezogen wird. Mitte der 1990er Jahre wurde das TGV zur Erkennung von Gesundheitsrisiken infolge von Übergewicht vorgeschlagen.

In den vergangenen Jahren mehrten sich die wissenschaftlichen Belege, dass das TGV im Vergleich zu anderen Indizes (Body-Mass-Index, Waist-to-hip ratio oder Taillenumfang) die aussagekräftigste Methode ist, die abdominale Fettleibigkeit sowie das damit verbundene kardiometabolische Risiko abzubilden [ASH 2012]. Insbesondere in der Lymphologie, bei schwergradigen Ödemen oder Lipödemen liefern andere anthropometrische Messmethoden verfälschte Werte. Lediglich bei Aszites (“Bauchwassersucht”) und Schwangerschaft ist das TGV nicht aussagekräftig.

Das TGV wird als Quotient aus Taillenumfang und Körpergröße berechnet und ist ohne Einheit. Um das TGV zu ermitteln wird folgende Formel angewendet:

 

Diagnostik Körperliche Anamnese - Taille-Größe-Verhältnis

Beispiel:

Eine erwachsene Frau hat einen Taillenumfang von 75 cm und ist 1,60 m groß. Mit obenstehender Formel [75 : 160 = 0,47] ergibt sich ein Taille-Größe-Verhältnis von 0,47.

Normwerte

Die Bedeutung des Taille-Größe-Verhältnisses ist abhängig vom Alter. Bei Kindern und Jugendlichen wird zusätzlich das Geschlecht berücksichtigt. Für Kinder zwischen 11-18 Jahren hat das Robert-Koch-Institut eine Referenztabelle herausgegeben [RKI 2011]. Im Alter zwischen 40 und 50 Jahren verschieben sich die Werte für die dargestellten Gewichtskategorien jährlich um jeweils ein Hundertstel (+0,01) nach oben. (Die Statur wird in dieser Zeit infolge der Hormonumstellung auf natürliche Weise korpulenter).

Alter in Jahren <15 15-39 40-50 >50
Untergewicht <0,34 <0,4 +0,01/ Jahr <0,4
Normalgewicht 0,34-0,45 0,40-0,50 +0,01/ Jahr 0,40-0,60
Übergewicht 0,46-0,51 0,51-0,56 +0,01/ Jahr 0,61-0,66
Adipositas >0,52-0,63 >0,57-0,68 +0,01/ Jahr >0,67-0,78
schwere Adipositas >0,63 >0,68 +0,01/ Jahr >0,78
[is-logout]Für Mitglieder: Zum Weiterlesen bitte einloggen.[/is-logout][is-login]Der Vorteil gegenüber dem Taillenumfang allein ist die Verhältnismäßigkeit zur Größe. Denn der Taillenumfang allein geht von einer bestimmten normalen Körpergröße aus. Es macht jedoch dann einen Unterschied, wenn beispielsweise Frauen über 1,80 m groß sind. Hier kann nicht der gleiche Referenzwert angelegt werden wie bei Frauen, die unter 1,60 m groß sind. Auch relativiert sich der unterschiedliche Körperbau von Personen, wenn der Taillenumfang in Relation zur Größe gesetzt wird.

 

Diagnostik Körperliche Anamnese - Taille-Größe-Verhältnis

Unserer Erfahrung nach korreliert der Wert ganz deutlich mit der Entwicklung des Körperfettgehaltes. Sinkt der Körperfettgehalt und nähert sich dem Normwert an, sinkt oftmals auch der Taillenumfang und damit das Taillen-Größe-Verhältnis. Die Kombination beider Werte (Körperfettgehalt und THG) ist damit ein guter Parameter zur Risikobeurteilung z.B. von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowohl in der Erst- als auch in der Verlaufsdiagnostik.

Richtig messen

Taillen- und Bauchumfang

  • nach dem Aufstehen, vor dem Frühstück
  • aufrecht stehend, unbekleidet, Bauchmuskeln entspannen, ausatmen
  • Messung mit einem Maßband – zwischen dem unterem Rippenbogen und der Oberkante des Beckenkamms (knapp oberhalb des Bauchnabels, an der dicksten Stelle des Bauches)
  • auf volle Zentimeter aufrunden

Körpergröße

  • morgens vor dem Frühstück (Körpergröße kann morgens größer sein als abends)
  • im Stehen, gerade aufrichten (nicht strecken)

 

Taille-Hüft-Verhältnis

Der Bauchumfang (oder Taillenumfang) ist ein schnell ermittelbarer Messwert zur Abschätzung des viszeralen Bauchfetts und Indikator für das KHK-Risiko. Durch zusätzliche Messung des Hüftumfangs (auf Höhe der breitesten Stelle am Gesäß) kann das Taille-Hüft-Verhältnis ermittelt werden. Dieses erlaubt eine Einteilung von abdomineller und peripherer Adipositas und wird mit folgender Formel ermittelt:

Diagnostik Körperliche Anamnese - Taille-Größe-Verhältnis

 

Diagnostik Körperliche Anamnese - Taille-Größe-Verhältnis

 

Ethnische Unterschiede

Ähnlich wie der BMI beruhen auch die Grenzwerte des Bauchumfangs bzw. des Taille-Hüft-Verhältnisses auf Studien an Menschen europiden Typs. Aufgrund der unterschiedlichen Statur und Stoffwechselgegebenheiten dürften in anderen ethnischen Bevölkerungsgruppen andere Grenzwerte eine Rolle spielen. Für Asiaten liegen die Normwerte aufgrund des allgemein schmaleren Körperbaus leicht unterhalb der gängigen Grenzwerte. Für Afrikaner und Hispanics existieren zu wenige Studienergebnisse, um eine Aussage treffen zu können.[/is-login]