Kongress für menschliche Medizin – Update 2017

„Die Krebssterblichkeit ist trotz steigender Neuerkrankungsrate rückläufig“; „Krebspatienten profitieren von einer ketogenen Diät“; „Sport während und nach einer Krebstherapie ist sicher“; „Einer Krebserkrankung muss ganzheitlich begegnet werden“; „Der Arzt muss dem Patienten besser zuhören“ – diese und viele weitere wichtige Kernaussagen waren auf dem vierten Kongress für menschliche Medizin am 25. und 26. März 2017 in Frankfurt am Main zu hören.

Im Jahr 2012 erkrankten allein in Deutschland knapp eine halbe Millionen Menschen neu an Krebs. Auch wenn die Krebssterblichkeit trotz steigender Neuerkrankungsrate insgesamt rückläufig ist, stellen Krebserkrankungen für immer mehr Betroffene und damit auch für unser Gesundheitssystem eine große Herausforderung dar. Neue Perspektiven zur Entstehung und Therapie von Krebserkrankungen wurden am 25. und 26. März 2017 auf dem vierten Kongress für menschliche Medizin in Frankfurt am Main vorgestellt und diskutiert. Die Veranstalter Prof. Jörg Spitz von der Akademie für menschliche Medizin und evolutionäre Gesundheit durch Spitzen-Prävention und Uwe Gröber von der Akademie für Mikronährstoffmedizin begrüßten etwa 200 Mediziner und Wissenschaftler sowie interessierte Privatpersonen zu der Veranstaltung am Campus Riedberg der Johann-Wolfgang von Goethe Universität.

In mehr als 20 Vorträgen stellten die geladenen Referenten neue Erkenntnisse zur Entstehung sowie bewährte Ansätze zur Vorbeugung und Therapie von Krebserkrankungen vor. Das zweitägige Programm enthielt unter anderem Beiträge zu Nährstoffen in der onkologischen Intervention, wobei insbesondere die möglichen Wirkungen der Mikronährstoffe Vitamin C, Vitamin D und Magnesium sowie Omega-3-Fettsäuren ausführlich vorgestellt wurden. Ergänzend dazu referierten weitere Experten über die Bedeutung von Bewegung und Sport in der Onkologie, die Rolle des Darmes bei der Krebsentstehung sowie die Auswirkungen von Umwelteinflüssen und Stress. Dem Fatigue-Syndrom wurde ein eigener Vortrag gewidmet. In diesem wies der Referent auf die leider noch nicht ausreichende Wahrnehmung der häufig im Rahmen einer Krebstherapie auftretenden Erschöpfung und damit einhergehenden Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten hin. Des Weiteren wurde die psychische Unterstützung von Krebspatienten durch angstlösende Gespräche, Meditation oder Musik und Singen vorgestellt. Krebserkrankungen müsse ganzheitlich begegnet werden – so die Forderung einiger Referenten. Dem Patienten müsse zudem mehr Aufmerksamkeit zuteilwerden, um nicht nur körperliche, sondern auch seelische und psychische Probleme zu erkennen und den Behandlungsverlauf so positiv zu beeinflussen.

Über die Besonderheiten in der Ernährung von Krebspatienten sind drei Vorträge der Veranstaltung hervorzuheben. Professor Ulrike Kämmerer referierte über die Möglichkeiten und Grenzen der ketogenen Diät bei Krebs und machte deutlich, dass eine stark kohlenhydratreduzierte und stark fettreiche sowie kalorien- und eiweißbilanzierte Ernährung den Patienten in vielerlei Hinsicht zugutekommt. Sie wies jedoch klar darauf hin, dass es keine „Krebsdiät“ gebe. Vielmehr stelle die ketogene Ernährung eine unterstützende Maßnahme zu konventionellen Therapieverfahren wie Chemo- oder Strahlentherapie dar. Immer mehr Studien belegen den therapeutischen Nutzen dieser Ernährungsform, die dem geänderten Stoffwechsel mit gesteigerter Lipolyse bei gleichzeitiger Insulinresistenz Rechnung trägt. In diesem Zusammenhang kommt dem – im Zustand einer physiologischen Ketose – gebildeten Ketonkörper Beta-Hydroxybutyrat eine besondere Bedeutung zu. Dieser wirkt nicht nur entzündungshemmend, sondern kann auch das Tumorwachstum unterdrücken und beugt zudem der häufig gefürchteten Kachexie bei Krebspatienten vor, indem er die für den Muskelabbau zuständigen Gene MuRF1 und Atrogin-1 hemmt. Kämmerer wies jedoch auch darauf hin, dass bei Low-Carb-Ernährungsweisen wie LOGI und LCHF diese pharmakologischen Effekte nicht erreicht werden, da der Fettanteil hier häufig zu niedrig sei. Zudem gebe es mögliche Ausschlusskriterien wie die mangelnde Compliance des Patienten und seines Umfeldes sowie verschiedene Erkrankungen.

Hardy Walle machte in seinem Vortrag auf die Problematik der Mangelernährung bei Krebspatienten aufmerksam und stellte ebenfalls die veränderte Stoffwechsellage in den Vordergrund. Wichtig sei, sich im Klaren darüber zu sein, dass über die Ernährung nicht der Tumor „ausgehungert“ werde, sondern das zuckerabhängige Wachstum durch die Kohlenhydratrestriktion gehemmt werde. Als einer der wenigen Referenten plädiert er dafür, eine kompetente Ernährungsberatung in den Behandlungsverlauf einzubeziehen.

In einem englischen Video-Vortrag berichtete der Biologe und Altersforscher Professor Valter Longo über die von ihm erforschte „Scheinfasten-Diät“ (Fasting Mimicking Diet). Diese Methode verbessere die Effektivität der Chemotherapie bei krebskranken Mäusen und verringere zudem die Nebenwirkungen. Der Effekt sei einfach: während gesunde Zellen beim Fasten in eine Art Ruhezustand verfielen, kurbelten Krebszellen hingegen ihren Stoffwechsel an, wodurch Fehler beim Ablesen der Erbinformationen entstünden und die Krebszellen in Kombination mit einer Chemotherapie folglich absterben.

Insgesamt ist es den Veranstaltern auch in diesem Jahr gelungen – trotz der sehr komplexen Thematik – ein breites Spektrum abzudecken und Referenten unterschiedlichster Ausrichtungen zu Wort kommen zu lassen. Aus ernährungstherapeutischer Sicht bleibt jedoch weiterhin zu wünschen, dass die Ernährung – im Sinne von Nahrungsmitteln, nicht Supplementen – zukünftig einen höheren Stellenwert in der medizinischen Intervention einnimmt. Zudem ist es wichtig, dass Ärzte ihre Patienten ausdrücklich über die Möglichkeiten einer Ernährungsumstellung aufklären und eine kompetente Ernährungsberatung zur Unterstützung empfehlen.

Mehr Informationen zu den Medizinischen Grundlagen von Krebserkrankungen und den möglichen Therapien finden Sie in unserem 2-teiligen Kompendium Krebserkrankungen im FET-Medienshop.