Krebserkrankungen – Ernährungstherapie

Die Ernährungsempfehlungen bei Krebs sind je nach verwendeten Quellen und Literatur zum Teil sehr widersprüchlich. Im Idealfall entscheidet die ErnährungstherapeutInnen in Zusammenarbeit mit ihren PatientInnen, welche Ernährung unter Berücksichtigung der Krebsform, des Stadiums, des Ernährungszustandes und der Symptome angezeigt und umsetzbar ist. Daran schließt sich an, dass es nur wenige allgemeingültige Ernährungsempfehlungen und damit keine generelle Krebsdiät gibt.

Ernährungsziele, diätetische Prinzipien und mögliche Kostformen

Ernährungsziele

Priorität hat die bedarfsdeckende Versorgung mit Energie und lebensnotwendigen Nährstoffen. Bei bestehendem Untergewicht und/oder deutlichem Gewichtsverlust ist die Stabilisierung des Körpergewichts und/oder eine Gewichtszunahme zielführend. Bei Mangelzuständen gilt es, Nährstoffdefizite auszugleichen. Vorbeugend ist die Nährstoffzufuhr an erhöhte Bedarfszustände anzupassen.

Des Weiteren können durch ernährungstherapeutische Maßnahmen Symptome und Nebenwirkungen durch Chemo- und Strahlentherapien vermindert werden. Dies zielt auf eine bessere Lebensqualität. Zu berücksichtigen sind auch häufige Folge- und Begleiterkrankungen.

Langfristig gilt es, das Risiko für ein Wiederauftreten einer Krebserkrankung sowie Langzeitfolgen weitgehend zu reduzieren.

Diätetische Prinzipien

Für eine Gewichtszunahme/ -stabilisierung ist eine erhöhte Energiezufuhr empfehlenswert. Bei einer Mangelernährung ist eine erhöhte Proteinzufuhr angezeigt. Die optimale Nährstoffverteilung orientiert sich zudem an

  • der Krebsart
  • der Verträglichkeit von Nährstoffen und Speisen
  • auftretenden Symptomen
  • den verordneten Therapien und damit einhergehend möglichen Nebenwirkungen sowie Folgerisiken.

Generell wird eine hohe Nährstoffdichte der Lebensmittel und Speisen angestrebt.

Mögliche Kostformen

Es werden verschiedene Kostformen bei Krebserkrankungen angeboten und teilweise medienwirksam angepriesen. Das kann bei PatientInnen zu trügerischen Hoffnungen führen. Kaum eine der Kostformen kann uneingeschränkt empfohlen werden. Von einigen ist abzuraten. Strenge Kostformen schränken die ohnehin oft schon unzureichende Nahrungsaufnahme durch restriktive Lebensmittelempfehlungen zusätzlich ein und können Mangelzustände fördern [Hue 2012]. Die Wahl der geeigneten Kostform hängt von vielen Faktoren ab. Erickson et al. haben hilfreiche Entscheidungsfragen formuliert.

  1. Wie ist die Versorgung mit Energie und Makronährstoffen?
  2. Wie wird die Mikronährstoffzufuhr eingeschätzt?
  3. Welche Wirkungen werden auf Basis welcher Datenlage propagiert?
  4. Welche gesundheitlichen Risiken können auftreten?
  5. Wie wird die Lebensqualität beeinflusst?
  6. Welcher Aufwand ist mit der „Krebsdiät“ im Alltag verbunden? Welche Kosten entstehen den PatientInnen?

Es empfiehlt sich, die Fragen zusammen mit den PatientInnen zu beantworten und eine gemeinsame Entscheidung zu treffen. Dabei ist eine Kostform anzustreben, die das aktuelle Gewicht (sowohl Unter- als auch Übergewicht), die Körperzusammensetzung (Anteil an Fett- und Muskelgewebe) und den allgemeinen Zustand berücksichtigt, eine ausreichende Nährstoffzufuhr gewährleistet und den Fokus auf die Förderung positiver Faktoren (z. B. Erhalt von Muskulatur, Kraft und Ausdauer) bzw. das Vermindern negativer Faktoren (z. B. Abmildern von Nebenwirkungen) legt.

Relevante Nährstoffe und Nahrungsinhaltsstoffe

Die folgenden Ausführungen richten sich an PatientInnen, bei denen (noch) keine Mangelernährung vorliegt. Bei einer bereits bestehenden Mangelernährung sind die Empfehlungen bei Mangelernährung zu berücksichtigen.

Empfehlungen zum Energiebedarf richten sich nach Körpergewicht, Art und Fortschreiten der Krebserkrankung, Komplikationen und sowie der Therapie und Nebenwirkungen des Patienten.

Bei Normalgewicht ist der Erhalt des Körpergewichts, bei Untergewicht (z.B. bei Kachexie) die Gewichtszunahme für den Heilungserfolg sowie die Lebensqualität entscheidend. Zu beachten ist, dass bei einer Krebserkrankung der Grundumsatz zum Beispiel durch chronische Entzündungsvorgänge häufig erhöht ist [Ker 2019]. Bei besonders aggressiven Krebsformen kann der Energiebedarf bis zu 70 % im Vergleich zu einem Gesunden ansteigen. Auch ein Anstieg der Körpertemperatur, beispielsweise in bestimmten Therapiephasen, erfordert eine höhere Energiezufuhr. Bei Krebserkrankungen des Verdauungstraktes indes kann die Verdauung gestört und/oder eingeschränkt sein. sodass die Energieaufnahme vermindert ist.

Eine Gewichtsabnahme ist mit dem Verlust von Muskulatur, einer Schwächung des Immunsystems und daraus folgend Müdigkeit sowie Leistungseinbußen verbunden. Bei einem starken Gewichtsverlust kann es zu Problemen der Alltagsgewohnheiten wie Einkaufen, Tätigkeiten im Haushalt, Arbeiten etc. kommen. Bei der Wahl der Lebensmittel ist daher auf energiereiche Produkte mit einer hohen Nährstoffdichte zu achten.

Ein großes Augenmerk bei der Ernährung bei Krebserkrankungen liegt auf der Wahl der richtigen Fette.

Neben der Menge spielen besonders Qualität und Verträglichkeit eine entscheidende Rolle. So sind Omega-3-Fettsäuren-haltige Produkte wie beispielsweise Fische – darunter vor allem Thunfisch, Lachs, Makrele und Hering, besser geeignet als Fleisch und Fleischprodukte. Lässt es die Zubereitungsart der Speisen zu, sollten hochwertige pflanzliche Öle anstelle von tierischen oder gehärteten Fetten verwendet werden.

Proteine

Eine ausreichende Eiweißversorgung ist für den Erhalt von Körpergewicht und -muskulatur entscheidend. Vor allem Lebensmittel mit einer hohen biologischen Wertigkeit sind empfehlenswert, da diese eine optimale Zusammensetzung aufweisen, um die Versorgung mit lebensnotwendigen Aminosäuren zu gewährleisten.

Zur Vorbeugung einer Mangelernährung kann die Proteinzufuhr auf 1,5 g pro kg Körpergewicht erhöht werden. Bei einer systemischen Entzündungslage ist die Zufuhr bis zu 2 g Protein pro kg Körpergewicht zu prüfen.

Die erhöhte Protein- und/oder Fettzufuhr resultiert in einer reduzierten Kohlenhydratzufuhr. Dies kann sich positiv auf den Stoffwechsel, Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapie sowie den Allgemeinzustand auswirken. Neben der Kohlenhydratmenge ist auch die Qualität entscheidend: Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index und einer hohen Nährstoffdichte sind von Vorteil.

Ballaststoffe sind vor allem in der Krebsprävention von Dickdarmkrebs bedeutsam. Durch die verkürzte Transitzeit (insbesondere durch unlösliche Ballaststoffe) und das höhere Stuhlvolumen verringert sich die Kontaktzeit von Karzinogenen mit der Darmschleimhaut. Teilweise binden sich die Karzinogene an Ballaststoffe. Ein hoher Ballaststoffverzehr fördert zudem die physiologische Mikroflora. Die kurzkettige Fettsäure Butyrat, die beim Abbau von Ballaststoffen im Dickdarm gebildet wird, weist krebshemmende (antikanzerogene) Eigenschaften auf. Häufig ist ein hoher Ballaststoffverzehr auch mit einem erhöhten Konsum an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen verbunden, die antikanzerogene Eigenschaften besitzen.

In In-vitro- und Tierexperimenten hemmt Vitamin D die Krebsentstehung und -ausbreitung [Cha 2020]. Untersuchungen am Menschen zum präventiven Nutzen einer Vitamin D-Supplementation oder aber hoher Vitamin D-Blutspiegel auf das Krebsrisiko sind jedoch widersprüchlich [Bje 2014], [Medizin transparent, 2017].

In der VITAL-Studie mit knapp 26.000 Teilnehmern zeigte sich, dass eine präventive Supplementation zwar nicht das Krebsrisiko, zumindest aber die Krebsmortalität senken konnte. Der Effekt war bei TeilnehmerInnen mit Normalgewicht stärker ausgeprägt als bei Übergewicht [Cha 2020].

Ein Team des Krebsforschungszentrums präsentierte 2021 gleich 3 Metaanalysen aus den letzten Jahren, die zu einer verringerten Sterberate (ca. -13 %) für Krebs nach Vitamin D-Supplementation kommen [Deutsches Krebsforschungszentrum 2021]. Die Wissenschaftler bezogen die Daten auf Deutschland und errechneten dabei, dass mit einer Supplementation aller über 50-Jährigen bis zu 30.000 Krebstodesfälle und 254 Millionen EUR jährlich vermieden bzw. eingespart werden könnten [Nie 2021].

Rotes Fleisch wird von der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft und als potenzieller Risikofaktor für die Entstehung von Dickdarmkrebs betrachtet [WHO 2015].

Unter anderem wird das im roten Fleisch enthaltene Hämeisen als ursächlich angeführt. Die möglichen zugrundeliegenden Mechanismen sind Gegenstand intensiver Forschung. Nachgewiesen ist, dass Hämeisen in Darmzellen über die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies oxidativen Stress auslöst und die (DNA der) Darmzellen schädigt, was potenziell Krebserkrankungen fördert [Sei 2020].

Auf der anderen Seite können Darmzellen einen Schutzfaktor, das Enzym HO-1, bilden. HO-1 baut Hämeisen zu anorganischem Eisen ab und macht dieses damit unschädlich [Sei 2020].

Für das Krebsrisiko ist vermutlich die Balance zwischen der Konzentration an toxischem Hämeisen und der Fähigkeit der Darmzellen, den Schutzfaktor HO-1 zu bilden, mitentscheidend.

Antioxidantien

Antioxidantien können im Rahmen der täglichen Ernährung die Krebstherapie unterstützen. Vom übermäßigen bzw. isolierten Verzehr während einer Chemo- oder Strahlentherapie wird aufgrund der abschwächenden Therapiewirkung abgeraten.

  • Vitamine: Vitamin C, Vitamin E
  • Mineralstoffe: Selen, Kupfer, Zink
  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Curcumin, Flavonoide (), Sulfide (Alliin, Allicin)

Relevante Lebensmittel, spezielle Produkte und Küchenmanagement

Die Empfehlung, einzelne Lebensmittel oder Lebensmittelinhaltsstoffe über das Normalmaß hinausgehend zu verzehren oder strikt zu meiden, ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Empfohlen werden kann hingegen der Fokus auf überwiegend frisch zubereitete Speisen und einen begrenzten Verzehr an Fertig- und hoch verarbeiteten Produkten.

Das Risiko für Krebserkrankungen wird durch den Konsum von Kaffee nicht erhöht. Dies ist sowohl für die Häufigkeit von Krebserkrankungen als auch für die Überlebensrate nachgewiesen. Vielmehr mehren sich die Hinweise darauf, dass ein moderater Konsum das Risiko für Melanome, bestimmte Hauttumore, Brust- und Prostatakrebs leicht reduziert [Dam 2020].

Auch zeigte sich das Trinken von mindestens 2 Kaffeetassen täglich bei Nichtrauchern in einem reduzierten Risiko für Nierenzellkarzinome um bis zu 20 % [Rhe 2021]. Die Angaben beruhen jedoch auf Selbstauskünften der Teilnehmer, sodass weitere qualitative Studien notwendig sind.

Einige Gewürze enthalten Inhaltsstoffe mit potenziell krebshemmenden, entzündungshemmenden, antioxidativen und/oder immunsystemstimulierenden Eigenschaften. Inwieweit diese in welchen Mengen zur Prävention und Therapie beitragen können, ist meist noch unklar bzw. nicht ausreichend erforscht. Dennoch empfiehlt es sich, Gewürze bei Verträglichkeit in den täglichen Speiseplan einzubauen.

Empfehlung: Basilikum, Chili, Estragon, Ingwer, Knoblauch, Koriander, Kurkuma, Langer Pfeffer, Minze, Oregano, Petersilie, Pfeffer, Rosmarin, Thymian

Obst (Avocado)

Avocados enthalten besondere Fette wie das Avocatin B, das sich aus den beiden Fettalkoholen Avocadene und Avocadyne zusammensetzt.

Bereits 2015 gab es erste wissenschaftliche Hinweise darauf, das Avocatin B zytotoxisch und sehr spezifisch auf Krebszellen bei akuter myeloischer Leukämie (AML) wirkt [Lee 2015]. Diese Beobachtung wird durch aktuelle Erkenntnisse durchaus gestützt [Tch 2021]. Belege am Menschen fehlen aber bislang.

Verbraucher und PatientInnen stellen in Beratungen immer wieder die Frage, ob Süßstoffe Krebserkrankungen fördern. In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte dies bislang nicht nachgewiesen werden. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2019 zeigt einerseits, dass es fast nur Beobachtungsstudien zu dieser Fragestellung gibt und andererseits, dass in den berücksichtigten Studien kein Zusammenhang beobachtet werden konnte [Toe 2019]. Beobachtungsstudien sind sehr fehleranfällig und lassen viele Fragen offen, sodass meist keine klare Aussage getroffen werden kann.

Aufgrund der derzeitigen Datenlage ist jedoch davon auszugehen, dass ein großer Effekt eher unwahrscheinlich ist: Menschen, die mehr Süßstoffe verzehren, erkranken oder sterben nicht häufiger an Krebs [Medizin transparent 2020].

Nahrungsergänzungsmittel können eine sinnvolle und hilfreiche Therapieoption darstellen. Etwa die Hälfte der PatientInnen gibt an, entsprechende Produkte einzunehmen [Hol 2020]. Auf dem Markt ist jedoch eine Vielzahl an Produkten erhältlich, die Hilfe, Linderung oder sogar Heilung versprechen. Davon ist nur ein kleiner Teil nachgewiesenermaßen wirksam und/oder notwendig. Bei unsachgemäßer Anwendung kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen mit Arzneimitteln oder Lebensmitteln kommen. Auch Verunreinigungen sind potenziell möglich.

Empfehlung: Von einer Einnahme in Eigenregie wird abgeraten. Ein potenzieller Mangel an Nährstoffen kann über die Labordiagnostik oder auch Protokollierung der Nahrungsaufnahme festgestellt werden. Das kann (in Absprache mit einer Fachkraft) die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels erfordern.

Mahlzeitenmanagement

Es bietet sich an, mehrere Mahlzeiten über den Tag verteilt einzunehmen. Das ist insbesondere bei Symptomen des Verdauungstrakts sinnvoll. Auf diese Weise lässt sich sowohl die Belastung der Verdauungsorgane begrenzen als auch die empfohlene Energie- und Nährstoffaufnahme besser erreichen

Erfrischungsgetränke

Zwei Gläser an gezuckerten Erfrischungsgetränken pro Tag können bei Frauen unter 50 Jahren das Risiko für kolorektale Karzinome im Vergleich zu weniger als einem Tag pro Woche nahezu verdoppeln. Mit jedem weiteren Glas pro Tag steigt das Risiko laut Studien um 16 %. Umgekehrt kann das Ersetzen jedes konsumierten Glases Erfrischungsgetränk im Erwachsenenalter durch Kaffee, Milch oder künstlich gesüßte Getränke das Risiko wieder verringern [Hur 2021].

Aber: Ein kausaler Zusammenhang ist bislang jedoch nicht sicher. Denn die Beobachtungen können laut den ForscherInnen auf verschiedene Mechanismen zurückgehen [Sch 2021]:

  1. Gezuckerte Getränke gehen im Vergleich zu fester Nahrung mit einer geringeren Sättigung einher und können eine übermäßige Energieaufnahme mit nachfolgender Gewichtszunahme fördern. Das ist ein allgemeiner Risikofaktor für Krebserkrankungen.
  2. Auch kann der schnelle Anstieg des Blutzucker- und Insulinspiegels die Entwicklung von Insulinresistenz, Entzündungsreaktionen, Adipositas und Diabetes mellitus triggern. Das wiederum sind Risikofaktoren für kolorektale Karzinome.
  3. Zudem ist es möglich, dass der enthaltene Fruchtzucker die Barrierefunktion des Darms beeinträchtigt und dessen Durchlässigkeit für unerwünschte Substanzen erhöht. Auch dadurch kann das Darmkrebsrisiko steigen.

Komplikationen, häufige Begleiterkrankungen und Medikamente

Mangelernährung

Eine unzureichende Versorgung an Energie und/oder Nährstoffen mit der Folge einer Mangelernährung ist eine häufige Komplikation bei Krebserkrankungen [Gru 2018].

Durch Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie wie Übelkeit, Erbrechen oder Schleimhautentzündungen ist die Nahrungsaufnahme häufig erschwert. Auch der Tumor selbst kann durch seine Lage oder einen steigenden Stoffwechselumsatz die Versorgung mit Energie und Nährstoffen beeinträchtigen.

Ein Energie- und Nährstoffmangel tritt häufig bei Leukämien und anderen hämatologischen Tumoren auf, vor allem nach einer Stammzelltransplantation. Ebenso sind Betroffene mit Tumoren im Magen-Darm-Trakt vom Tumor einem hohen Risiko ausgesetzt.

Es steigt das Risiko für weitere Komplikationen und Folgeerkrankungen. In einer zunehmenden Abwärtsspirale wird das Immunsystem geschwächt (Risiko für Lungenentzündungen, Wundheilungsstörungen und Harnwegsinfekte ↑), Kraft sowie Ausdauer schwinden (Lebensqualität und Therapieerfolg ↓) und Therapien werden schlechter vertragen (Nebenwirkungen ↑) [Ker 2019].

Empfohlen sind eine energie- und nährstoffreiche Kost, die engmaschig kontrolliert wird.

Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen

Betroffene berichten häufig von Appetitverlust und -losigkeit. Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder die psychische Belastung verschlechtern das Problem zusätzlich [Ker 2019]. Mögliche Strategien richten sich nach der Verträglichkeit von Speisen und Getränken.

Empfehlungen:

  • starke Essensgerüche meiden
  • Speisen appetitlich anrichten
  • vor den Mahlzeiten appetitanregende Getränke trinken (Obst- und Gemüsesäfte sowie Schorlen, bitterstoffreiche Tees)
  • Speisen mit appetitanregenden Gewürzen anreichern (Zimt, Estragon)
  • morgens ausreichend essen (meist noch keine Übelkeit, guter Appetit)
  • mehrere kleine Mahlzeiten/ Portionen über den Tag verteilt essen
  • energiereiche Snacks wählen (Käsewürfel, Nusskugeln, Avocadospalten etc.)
  • regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft (appetitsteigernd)
  • bei schwerer Übelkeit: vor den
  • nicht zu heiße und nicht zu kalte Speisen wählen
  • langsam essen, sorgfältig kauen
Unzureichende Flüssigkeitszufuhr

Auf was-essen-bei-krebs.de haben Ernährungsfachkräfte 7 praktische Maßnahmen vorgestellt, mit denen das Trinken im Alltag leichter fallen soll. Dies kann PatientInnen helfen, denen das ausreichende Trinken aufgrund ihrer Krankheit (z. B. bei Krebs) oder anderer Umstände schwerfällt. Die praktischen Maßnahmen im Einzelnen sind:

  1. Flüssigkeitsbedarf berechnen und gegebenenfalls einen Trinkplan erstellen
  2. Trinkprotokoll führen
  3. Vorrat an verschiedenen Getränken anlegen
  4. Getränke in sichtbare Entfernung hinstellen
  5. 1 Glas zu jeder Mahlzeit trinken
  6. Wasserreiche Snacks als Getränk verzehren (Smoothies aus Gemüse/ Obst, fettarme Milchgetränke)
  7. Trinkflasche mitführen
  8. Trinkuhr stellen (z. B. App, Wecker)

Umfassende Hintergrundinformationen und weitere Tipps sind auf der Website nachzulesen.

Geschmacks-veränderungen

Veränderungen des Geschmackssinns wie z. B. ein metallischer Geschmack treten häufig infolge von Chemo- und Strahlentherapie auf. Diese beeinflussen die Lebensmittel- und Getränkeauswahl mitunter maßgeblich [Ker 2019].

Empfehlungen:

  • je nach dominierendem Geschmack die anderen Geschmacksrichtungen über Lebensmittel intensivieren (z. B. bei bitterer Dominanz, salzige Lebensmittel wählen oder bei süßer Dominanz saure Lebensmittel wählen)
  • Speisen intensiver würzen
  • Speisen mit würzigen Marinaden, Dressings und Soßen servieren
  • Lutschen von Zitrus- und Pfefferminzbonbons
  • Ingwer-haltige Getränke und Speisen verzehren
  • zwischendurch reichlich trinken (Vorsicht bei vorschneller Sättigung)
Mundtrockenheit und verminderter Speichelfluss

Eine Strahlentherapie oder Medikamente können zu einer ausgeprägten Mundtrockenheit führen. Das kann die Nahrungsaufnahme erschweren und unangenehme Geschmacksempfindungen fördern.

Empfehlungen:

  • wasserreiche Speisen wählen (Gemüse, Obst, Soßen, Dressings, cremige Milchspeisen und Desserts, Suppen, Eintöpfe, Smoothies und Bowls)
  • zwischen den Mahlzeiten oft kleine Schlucke trinken (Vorsicht mit der Menge bei vorzeitigem Sättigungsempfinden)
  • Wasser mit Zitrone und Ingwer anreichern
  • sehr trockene Speisen und Menükomponenten reduzieren (Knäckebrot, Zwieback, trockenes Fleisch ohne Soße)
Entzündungen der Haut und Schleimhäute

Häufig treten therapiebedingt Entzündungen der Haut und Schleimhäute auf.

Empfehlungen:

  • Meiden heißer, stark gewürzter und gesalzener Speisen
  • Omega-3-reiche Lebensmittel und Speisen
Blähungen und Durchfälle

Strahlenbedingt kann es zu andauernden Blähungen und Durchfällen kommen.

Empfehlungen:

Weitere Beschwerden

Infolge der Therapie können weitere Unverträglichkeitsreaktionen auftreten.

Empfehlungen:

  • Meiden unverträglicher Lebensmittel
  • Meiden von säurereichem Obst wie Zitrusfrüchte oder Rhabarber
  • Meiden von scharfen Gewürzen oder stark geräucherten und gesalzenen Speisen wie Salzhering, Essiggemüse, Räucherfisch und Fischkonserven meiden
  • Meiden von Kaffee und Alkohol
Interaktionen mit Medikamenten

KrebspatientInnen greifen vor, während und/oder nach einer Chemotherapie häufig zu Nahrungsergänzungsmitteln und naturheilkundlichen Kräutern. Dadurch steigt die Gefahr für ungewollte Interaktionen mit Medikamenten bzw. Chemotherapeutika [Lee 2021].

Das größte Risiko besteht bei einer Einnahme von Supplementen während der Chemotherapie. Im besten Fall bleibt die Interaktion folgenlos, im schlimmsten Fall hebt es die Wirkung der Therapeutika auf.

Häufig eingenommen werden Multivitaminpräparate, Kalzium-, Magnesium-, Vitamin D- sowie Fischölsupplemente. Typische Interaktionen treten zum Beispiel auf zwischen:

  • Arzneistoff Docetaxel und Vitamin C (verminderte Wirksamkeit des Wirkstoffs durch Vitamin C)
  • Arzneistoff Cyclophosphamid und Vitamin C (verminderte Wirksamkeit des Wirkstoffs durch Vitamin C)
  • Wirkstoff Cyclophosphamid und Vitamin A (gesteigerte Lebertoxizität)
  • Wirkstoff Cyclophosphamid und Vitamin E (verminderte Wirksamkeit des Wirkstoffs durch Vitamin E)
  • Docetaxel und Vitamin E (verminderte Wirksamkeit des Wirkstoffs durch Vitamin E).

Unterstützung im Alltag (im Aufbau)

Psychoedukation

Zahlreiche Übersichtsarbeiten zeigen einen positiven Einfluss psychoedukativer Interventionen bei KrebspatientInnen. Dabei handelt es sich um spezifische Maßnahmen, die auf dem Vermitteln von Wissen, dem Wiedererlangen von Kontrolle und psychosoziale Unterstützung ausgerichtet sind [Meh 2016].

In den Studien zeigten sich:

  • ein langfristig positiver Effekt auf die Lebensqualität [Cha 2011] [Fal 2013]
  • ein verbessertes allgemeines Wohlbefinden [Mat 2014]
  • weniger depressive Symptome [Jac 2008]
  • eine verminderte allgemeine Ängstlichkeit, verminderte Angst bei neu Erkrankten, verminderte Angst vor Operationen sowie vor einer Wiedererkrankung [McL 2013]
  • positive Effekte auf chronische Müdigkeit und Erschöpfung [For 2011] [Mos 2013] [Cor 2019]
  • verringerte Schmerzen [Ben 2009] [Gor 2012]
  • eine bessere Schlafqualität [Pap 2018]

Einige Studien zeigen Überschneidungen mit verhaltenstherapeutisch angelegten Programmen, was die Abgrenzung zwischen den verschiedenen Interventionsformen erschwert [Moo 2007]. Dennoch können psychoedukative Interventionen als wertvolle Unterstützung für KrebspatientInnen in verschiedenen Bereichen und so auch der Ernährungstherapie eingesetzt werden.

Weitere Informationen gibt es im Übersichtsartikel Psychoedukation bei Krebspatienten.

was-essen-bei-krebs.de

was-essen-bei-krebs.de ist eine Ernährungsplattform für KrebspatientInnen. Als Projekt des gemeinnützigen Vereins Eat What You Need e.V. (eine Allianz für bedarfsgerechte Ernährung bei Krebs in Kooperation mit dem Comprehensive Cancer Center am Klinikum der Universität München Ludwig-Maximilians-Universität München) startete die Initiative 2017.

Die Initiatorinnen wollen damit ein seriöses Gegengewicht zu den zahlreichen Fehlinformationen im Internet darstellen und fundierte sowie praxisnahe Empfehlungen anbieten. Mittels kurzweilig präsentierter Informationen wollen sie eine Brücke zwischen Theorie und Umsetzung in der Praxis schlagen.

Das dargebotene Wissen speist sich dabei aus persönlichen Hintergründen, Erfahrungen aus der Ernährungstherapie und wissenschaftlichen Recherchen. Daraus soll sich eine möglichst bedarfsgerechte, individuell angepasste Ernährung für Betroffene ergeben.

Weitere Informationen gibt es auf der Website was-essen-bei-krebs.de.

Infografiken Krebserkrankungen

Produkt zum Warenkorb hinzugefügt!
0 Artikel - 0,00