Ernährungstherapie bei metastasierendem Krebs mit Gewichtsabnahme

Die Ernährung bei metastasierendem Krebs berücksichtigt einerseits den veränderten Energiestoffwechsel der Krebszellen, als auch die veränderten Bedürfnisse des Krebspatienten. Besonders metastasierende Krebszellen stellen ihren Stoffwechsel aufgrund von Sauerstoffmangel, mitochondrialen Defekten und anderen genetischen Veränderungen auf Zuckervergärung um und beziehen ihre Energie fast ausschließlich aus Glukose.

Kohlenhydratreduzierte/ ölbetonte Kost

Diese Umstellung bringt für die Zelle zwar einige Vorteile mit sich, ist energetisch gesehen jedoch ineffektiv. Für das energieaufwändige Wachstum und die Teilung der Krebszellen sind daher ausreichend hohe Mengen Glukose nötig, so dass der Zuckerbedarf der Krebszelle auf das 20- bis 30-fache ansteigt.

Fett und Eiweiße können aggressive Krebszellen hingegen nur sehr begrenzt zur Energiegewinnung heran-ziehen, da Teilschritte deren Verwertung in den Mitochondrien ablaufen. Diese Zellorganellen sind jedoch inaktiviert.

Eine kohlenhydratreduzierte/ ölbetonte (ketogene) Diät zielt daher auf einen systematischen Energieentzug für die Krebszellen ab. Durch die starke Einschränkung der Zucker- und Stärkeaufnahme wird dem Körper zwar noch genug Glukose zur Versorgung der Blut- und Gehirnzellen zur Verfügung gestellt. Für die Krebszellen ist diese hingegen ungenügend. Diese Einschränkung bewirkt folgende Effekte:

  • Aggressiven Tumorzellen, deren Stoffwechsel bereits vollständig auf Zuckervergärung umgestellt ist, fehlt die Energie zum Wachsen und Teilen. Da die Mitochondrien inaktiviert sind, können diese Tumorzellen auch keine anderen Nährstoffe zur Energiegewinnung heranziehen;
  • Tumorzellen, deren Stoffwechsel noch nicht komplett umgestellt ist, beziehen ihre Energie aus Fetten und Eiweißen. Hierfür benötigen diese aktive Mitochondrien, wodurch die Zellen ihre Resistenz gegenüber Strahlenbehandlung und einigen Chemotherapeutika verlieren;
  • Gesunde Zellen (mit Ausnahme der roten Blutkörperchen) stellen bei Glukosemangel ihren Stoff-wechsel auf die Energiegewinnung aus Fetten und Eiweißen um. Hierzu werden Fette in den Mitochondrien zu Ketonkörpern und glykogene Aminosäuren zu Glukose ab- bzw. umgebaut. Gesunde Zellen werden daher in ihrem Wachstum und ihrer Funktion bei kohlenhydratarmer Ernährung nicht eingeschränkt.

Durch die Zufuhr qualitativ hochwertiger Fette und Eiweiße erhalten die gesunden Körperzellen ausreichend Energie, um eine normale Funktion aufrechtzuerhalten. Nebenwirkungen für das gesunde Körpergewebe sind daher nicht zu erwarten, so dass auch Krebspatienten, deren Tumorzellen noch nicht aggressiv sind, diese Ernährungstherapie durchführen können. Bei diesen Patienten könnte eine ketogene Diät die Umstellung auf Zuckervergärung unterdrücken. Zudem werden auch kachektische Patienten mit einer solchen Ernährungsform ausreichend mit Kalorien sowie substanzerneuernden Nährstoffen versorgt.

Anpassung an Bedürfnisse des Krebspatienten

Nicht selten treten bei der Behandlung von Krebserkrankungen infolge der von Chemo- und/ oder Strahlentherapien zahlreiche Beschwerden auf. Infolge dessen werden verschiedene Nahrungsmittel häufig schlecht oder nicht vertragen. Zu diesen zählen unter anderem:

  • blähende Gemüse wie Erbsen, Bohnen, Linsen, Kohl, Hülsenfrüchte, Gurken, Zwiebeln und Paprika
  • säurereiches Obst wie Zitrusfrüchte oder Rhabarber
  • scharfe Gewürze oder stark geräucherte und gesalzene Speisen wie Salzhering, Essiggemüse, Räucherfisch und Fischkonserven
  • Kaffee und Alkohol
  • süße und gesüßte Speisen wie Schokolade, Nougat, Marzipan, Gebäck und Kuchen sowie Torten

Der häufig bei Chemotherapie auftretenden Abneigung gegen Fleisch und Wurstwaren kann durch den Ersatz mittels Fisch, Eier oder Joghurt entgegengetreten werden. Verschiedene Beschwerden verlangen verschiedene Maßnahmen:

  • Durchfall: Meiden von blähendem Gemüse, großer Mengen Obst
  • Entzündungen der Schleimhäute im oberen Verdauungstrakt: Meiden heißer, stark gewürzter und gesalzener Speisen
  • Erbrechen: reichlich trinken
  • Appetitlosigkeit: Vermeiden von starken Essensgerüchen, Essen in kleinen Portionen servieren
  • Kau- und Schluckbeschwerden: breiige Kost, Sahnebeimischungen

Empfehlungen für die Energiezufuhr

Empfehlungen zum individuellen Energiebedarf richten sich nach dem Körpergewicht des Patienten. Bei Normalgewicht ist der Erhalt des Körpergewichts, bei Untergewicht (z.B. bei Kachexie) die Gewichtszunahme für den Heilungserfolg sowie die Lebensqualität entscheidend. Zu beachten ist, dass bei einer Krebserkrankung der Grundumsatz häufig erhöht ist. Bei besonders aggressiven Krebsformen kann der Energiebedarf bis zu 70% im Vergleich zu einem Gesunden ansteigen. Auch ein Anstieg der Körpertemperatur, beispielsweise in bestimmten Therapiephasen, erfordert eine höhere Energiezufuhr.

Eine Gewichtsabnahme ist mit dem Verlust von Muskulatur, einer Schwächung des Immunsystems und daraus folgend Müdigkeit sowie Leistungseinbußen verbunden. Bei einem starken Gewichtsverlust kann es zu Problemen der Alltagsgewohnheiten wie Einkaufen, Tätigkeiten im Haushalt, Arbeiten etc. kommen. Bei der Wahl der Lebensmittel ist daher auf energiereiche Produkte mit einer hohen Nährstoffdichte zu achten. Besonders geeignet sind hierbei hochwertige Fette wie beispielsweise fettiger Seefisch und Omega-3-Fettsäurenreiche Öle, aber auch Eier und hochqualitatives Fleisch.

Empfehlungen für die Kohlenhydratzufuhr

Als Faustregel für die tägliche Höchstmenge an Kohlenhydraten gilt:

  • 1 g Glukose/ kg Körpergewicht.

Ein 75 kg schwerer Mann sollte seine Kohlenhydratzufuhr demnach auf 75 g am Tag beschränken.

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Insulin als wachstumsförderndes Hormon die Weiterentwicklung einiger Tumorarten fördert, sind vor allem Lebensmittel zu wählen, die eine geringe Wirkung auf den Blutzuckerspiegel haben und damit  eine niedrige Insulinfreisetzung bewirken. Zur besseren Einschätzung der Lebensmittel kann hierbei der Glykämische Index (GI) bzw. die Glykämische Last (GL) berücksichtigt werden. So liefert beispielsweise eine Portion Cornflakes mit 26 g Kohlenhydraten zwar weniger Glukose als die tägliche Höchstmenge, führt mit einem GI von etwa 85 allerdings zu einem raschen Anstieg des Blutzuckers und damit zur Ausschüttung hoher Insulinmengen. Kohlenhydraten aus Gemüse ist daher klar der Vorzug zu geben.

Welche Lebensmittel bei einer ketogenen Diät in welchen Mengen verzehrt bzw. gemieden werden sollten, lässt sich anhand der Ampeleinteilung leicht erkennen.

Empfehlungen für die Ballaststoffzufuhr

Ballaststoffe werden vom Körper nur begrenzt aufgenommen, hauptsächlich in Form von kurzkettigen Fettsäuren nach bakterieller Fermentation im Dickdarm. Damit verursachen diese keine Insulinfreisetzung. Zudem verlangsamen Ballaststoffe die Glukosefreisetzung aus Stärke und damit deren Resorption. Gemüse insbesondere Kohl- und Salatgemüse bietet sich in der Krebsernährung besonders als Ballaststofflieferanten an. Aufgrund des hohen Stärkegehaltes sind die ballaststoffreichen Hülsenfrüchte hingegen zu vermeiden (mit Ausnahme von grünen Bohnen). Vollkornmehle und daraus hergestellte Produkte sind zwar die bekanntesten Ballaststofflieferanten. Diese sollten aufgrund des hohen Stärkegehaltes nur begrenzt verwendet werden. Hierbei eignen sich besonders Mehle aus ursprünglichen Getreidesorten wie Dinkel, Emmer oder Einkorn.

Empfehlungen für die Eiweißzufuhr

Eine ausreichende Eiweißversorgung ist für die Erhaltung der Körpermuskulatur entscheidend. Vor allem Lebensmittel mit einer hohen biologischen Wertigkeit sind empfehlenswert, da diese eine optimale Zusammensetzung aufweisen, um die Versorgung mit lebensnotwendigen Aminosäuren zu gewährleisten.

Empfehlungen für die Fettzufuhr

Ein großes Augenmerk bei der Ernährung von Krebspatienten liegt auf der Wahl der richtigen Fette, da Kohlenhydrate als Energielieferant zum Großteil wegfallen. Neben der Menge, spielt besonders deren Qualität eine entscheidende Rolle. So sind Omega-3-Fettsäuren-haltige Produkte wie beispielsweise Fischen – darunter vor allem Thunfisch, Lachs, Makrele und Hering, besser geeignet als Fleisch und Fleischprodukte. Lässt es die Zubereitungsart der Speisen zu, sollten hochwertige pflanzliche Öle anstelle von tierischen oder gehärteten Fetten verwendet werden. Hier bieten sich besonders:

  • Rapsöl zum Kochen und Braten,
  • Olivenöl zum Kochen (nicht zu hoch erhitzen) und für Kaltspeisen wie Salat,
  • Walnussöl, Hanföl, Leinöl oder Perillaöl für kalte Speisen wie Salat.

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