Krebserkrankungen – Ernährungstherapie

Die Ernährungsempfehlungen bei Krebs sind je nach verwendeten Quellen und Literatur zum Teil sehr widersprüchlich. Im Idealfall entscheidet die ErnährungstherapeutInnen in Zusammenarbeit mit ihren PatientInnen, welche Ernährung unter Berücksichtigung der Krebsform, des Stadiums, des Ernährungszustandes und der Symptome angezeigt und umsetzbar ist. Daran schließt sich an, dass es nur wenige allgemeingültige Ernährungsempfehlungen und damit keine generelle Krebsdiät gibt.

Krankheitsbild Krebserkrankungen allgemein im Überblick

Begrifflichkeiten

Krebs wird definiert als eine bösartige Neubildung von Gewebe ( Malignom), die zur Zerstörung von umliegendem Gewebe führt. Hierbei spielen Störungen des Zellwachstums und der Zellteilung, der Zelldifferenzierung und des programmierten Zelltods (Apoptose) eine wesentliche Rolle. Im engeren Sinne wird der Begriff „Krebs“ nur für Krebsformen der Epithelien (Karzinome) und des Mesenchyms ( Sarkome) verwendet.

Im weiteren Sinne zählen hierzu auch bösartige Veränderungen der Blutzellen (Hämoblastosen) wie Leukämie. In Zusammenhang mit Krebserkrankungen werden eine Reihe von Begriffen synonym verwendet, die medizinisch gesehen jedoch verschieden definiert sind. So ist ein Tumor nicht gleichzusetzen mit einem Krebsgeschwür.

Tumor

Ein Tumor im engeren Sinne beschreibt eine krankhafte Gewebeneubildung (Neoplasie), die auf einer Fehlregulation des Zellwachstums beruht. Unterschieden werden dabei gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Tumore. Im weitesten Sinne wird dieses Wort für jegliche Gewebeschwellung verwendet.

Benigne Tumore

Benigne Tumore sind gutartige Geschwulste, die umliegendes Gewebe lediglich durch ihr unkontrolliertes Wachstum langsam verdrängen, aber nicht in dieses hineinwachsen. Hierbei handelt es sich um differenzierte Zellen, die deutlich gegen das umgebende Gewebe abgegrenzt sind (z.B. durch Einkapselung). Eine chirurgische Entfernung verspricht meist gute Heilungschancen. Trotz deren Einteilung als „gutartig“ können diese in operativ schwer zugänglichen Körperregionen wie Gehirn oder Rückenmark dennoch erhebliche Schäden verursachen und schlimmstenfalls zum Tod führen. Typische gutartige Tumore sind:

  • Adenom: gutartiger Epitheltumor der Schleimhäute oder von Drüsengewebe
  • Lipom: gutartiger Fettgewebstumor (Fettgeschwulst)

Benigne Tumore können sich durch weitere Mutationen – und hier durch Erwerb weiterer Wachstumsvorteile – zu malignen Tumoren entwickeln.

Maligne Tumore

Maligne Tumore sind bösartige Geschwulste, die die Fähigkeit besitzen, andere Gewebe aktiv zu infiltrieren und zu zerstören. Hierbei handelt es sich um unreife Zellen mit einer hohen Zellteilungs- und Mutationsrate, die zudem die Fähigkeit besitzen, sich über die Blut- oder Lymphbahn im Körper zu verbreiten (Metastasierung). Durch die schlechte Abgrenzung zum Nachbargewebe und Streuung erbringt eine chirurgische Entfernung häufig keine Heilung.

Von Krebs spricht der Mediziner, wenn die Tumorzellen folgende sechs Kriterien erfüllen:

  • Wachstum unabhängig von äußeren Wachstumssignalen
  • Unempfindlichkeit gegenüber wachstumsregulierenden Signalstoffen
  • unbegrenzte Teilungsfähigkeit
  • Unterdrückung des programmierten Zelltods (Apoptose)
  • Stimulation der Blutgefäßneubildung
  • Fähigkeit zur Gewebeinvasion und Metastasierung
Metastasen

Metastasen stellen Tochtergeschwüre dar. Diese entstehen, wenn Zellen des ursprünglichen Krebsgeschwürs durch Gefäßwände dringen, sich im Körper verbreiten und in anderen Geweben neue Krebsgeschwüre bilden.

Unter allen bedrohlichen Ereignissen, denen wir im alltäglichen Leben ausgesetzt sind, stellt die Erkrankung Krebs eine reale Gefahr dar: Knapp ein Drittel der Bevölkerung erkrankt bis zum Alter von 75 Jahren, etwa ein Viertel erliegt den Folgen. In Zahlen ausgedrückt erkranken jedes Jahr weltweit 10 Millionen Menschen an Krebs und etwa 7 Millionen sterben daran.

Schätzungen zufolge ist keine Besserung in Sicht. Aufgrund der älter werdenden Bevölkerung, verbesserter Diagnosemethoden und dem Anstieg chronischer Erkrankungen mit erhöhtem Krebsrisiko dürfte die Zahl der diagnostizierten Fälle weiterhin ansteigen. Im Jahr 2004 betrug die Zahl der neu diagnostizierten Krebserkrankungen etwa 230.500 Erkrankungen bei Männern und zirka 206.000 bei Frauen. Damit hat sich die Inzidenz seit 1980 bei Männern fast verdoppelt (90 %), bei den Frauen stieg diese um 40 %.

Zum Zeitpunkt dieser Erhebung wurde bei 645.000 Männern und bei 679.000 Frauen in den letzten fünf Jahren ein Krebsleiden diagnostiziert. Die 5-Jahres-Prävalenz lag damit deutlich über den Daten der vorangegangenen 14 Jahre. Im Vergleich zu 1990 stieg die Krebshäufigkeit bei Frauen um 35 % und bei Männern um 80 %. Die Gründe für diesen Trend liegen neben der zunehmenden Erkrankungsrate bei einigen Krebsarten auch in einem immer höheren Bevölkerungsanteil älterer Menschen sowie einer längeren Überlebensdauer der Patienten.

Ursachen und Risikofaktoren

Auslöser einer Krebserkrankung sind Veränderungen an der DNA einer Zelle (Mutation). Diese führen zu einer entarteten Zelle, die sich unaufhaltsam teilt. Unter Einfluss weiterer Risikofaktoren entwickeln sich die entarteten Zellen weiter zu Krebszellen.

Potenzielle Kanzerogene

Substanzen (Kanzerogene), die DNA-Mutationen verursachen können, sind beispielsweise:

  • Biologische Kanzerogene
    • Pilzgifte- insbesondere Schimmelpilzgifte wie Aflatoxin B1
    • Tumorviren (fügen ihr Genom in die DNA der Wirtszelle ein)
    • humane Papillomaviren (HPV)
    • Hepatitisviren wie Hepatitis-B-Virus (HBV)
    • Herpesviren wie Epstein-Barr-Virus
  • Chemische Kanzerogene (binden an die DNA und stören das Ablesen an dieser Stelle; fehlerhafte DNA-Verdopplung während der Zellteilung)
    • polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benz[a]pyren und Anthrazen (z.B. aus Tabakrauch)
    • chlorierte Kohlenwasserstoffe
    • Nitrosamine (entstehen z.B. beim starken Erhitzen von gepökeltem Fleisch oder im Tabakrauch)
    • Schwermetalle wie Arsen und Nickel (z.B. im Tabakrauch)
  • Physikalische Kanzerogene (energiereiche Strahlen; spalten Bindungen im DNA-Gerüst und führen so zu Brüchen im DNA-Strang)
    • UV-C-Strahlen
    • Röntgenstrahlen
    • Alphastrahlen
    • Betastrahlen
    • Gammastrahlen

Während Wissenschaftler und Mediziner lange Zeit davon ausgingen, dass Krebserkrankungen hauptsächlich auf genetische Faktoren und Schadstoffe am Arbeitsplatz zurückzuführen sind, zeigten Doll und Peto 1981 mit ihrer Studie, dass das größte Risiko vorrangig von Lifestylefaktoren ausgeht. Neben dem bekannten Risikofaktor Rauchen spielen vor allem Ernährungsfaktoren eine wesentliche Rolle. Mehr als ein Drittel aller Krebsfälle lassen sich auf ungesunde Ernährungsgewohnheiten zurückführen.

Die Entwicklung eines Krebsleidens ist jedoch in den seltensten Fällen auf eine einzige Ursache zurückzuführen, sondern ist meist ein Zusammenspiel verschiedener nicht-beeinflussbarer Umstände mit einer Reihe von nicht veränderbaren Risikofaktoren, ungünstigen Umweltfaktoren bzw. Lebensgewohnheiten.

Ungünstige Lebensgewohnheiten
  • Alter
  • Geschlecht
  • Genetische Veranlagung
  • Ernährung
    • Alkohol
    • natürliche Pflanzeninhaltsstoffe wie Solanin in Kartoffeln
    • Oxalate und Glukosinolate in Gemüse
    • Blausäure in Bittermandeln und Lektine in Hülsenfrüchten
    • Nitrosamine in stark erhitztem gepökelten Fleisch
    • Schimmelpilzgifte wie z.B. Aflatoxine B1
    • Lebensmittelzusatzstoffe wie z. B. Azofarbstoffe (können teilweise im Körper zu kanzerogenen, aromatischen Aminen gespalten werden)
    • Erhitzungsprodukte (Pyrolyseprodukte), die durch Grillen oder bei der Trockenextraktherstellung entstehen
  • Rauchen
    • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzo[a]pyren und Benz[a]anthrazen
    • heterozyklische Kohlenwasserstoffe wie Furan und Chinolin
    • (tabakspezifische) Nitrosamine
    • aromatische Amine wie o-Toluidin und 2-Naphtylamin
    • phenolische Substanzen wie Brenzcatechin
    • verschiedene organische Verbindungen wie Acetaldehyd, Formaldehyd, Acrylamid, Vinylchlorid, Benzyol und das Insektizid DDT
    • anorganische Verbindungen wie Arsen, Nickel, Kadmium, Blei [Hof 2001]
  • Alkohol

Formen und Klassifizierung

Die Einteilung der Krebserkrankungen erfolgt in gutartige (benigne), bösartige (maligne), infiltrierende (Überschreitung von Gewebegrenzen), destruierende (aktive Zerstörung von umliegendem Gewebe) sowie metastasierende (Ausbreitung im Körper über Blut- oder Lymphbahn) Formen.

Karzinom

Ein Karzinom bezeichnet einen bösartigen Tumor des Epithelgewebes. Hiervon können die Haut und Schleimhäute, Drüsengewebe wie Brust oder Prostata sowie die Körperhöhlen auskleidenden Epithelien betroffen sein. Die häufigsten Karzinome sind Plattenepithelkarzinome (Krebs der Haut und der Schleimhäute) und Adenokarzinome (Krebs des Drüsengewebes).

Sarkom

Sarkome sind bösartige Tumore mesenchymaler Gewebe, also Gewebe, die sich aus embryonalem Bindegewebe wie Knochen, Knorpel, Muskeln, Blutgefäßen und Nerven bilden.

Hämatologische Krebsformen

Hämatologische Krebsformen gehen von blutbildenden Zellen im Knochenmark und den Lymphknoten aus. Dabei kommt es zu krankhaften Veränderungen der Leukozyten (Leukämie) bzw. der B- und T-Lymphozyten (bösartige Lymphome). Leukämie selbst wird nur im weiteren Sinne zu den Krebserkrankungen gezählt.

Endoneukrine Krebsformen

Diese selteneren Krebsformen entwickeln sich aus hormonproduzierenden Zellen beispielsweise des Verdauungstraktes oder der Bauchspeicheldrüse. Ein Teil dieser Tumore ist endokrin aktiv und in der Lage, Hormone zu bilden und so den Stoffwechsel empfindlich zu beeinflussen (z.B. Unterzuckerung durch ein Insulinom). Allerdings sind es meist die inaktiven Formen, die unentdeckt bleiben und sich zu bösartigen Tumoren weiterentwickeln.

Ärzte verwenden zur genaueren Beschreibung des Krebsstadiums meist die TNM-Klassifikation, bei der die Ausdehnung und die Verbreitung von Krebs mittels Buchstaben- und Zahlenkürzels eingeteilt werden.

TNM-Klassifikation

Die TNM-Klassifikation dient der genaueren Charakterisierung des Krebses und der Einteilung in Stadien. Dabei steht:

  • T (Tumor) für die Ausdehnung des Primärtumors
  • N (Nodulus) für das Fehlen oder Vorhandensein von Metastasen in den Lymphknoten und
  • M (Metastase) für das Fehlen oder Vorhandensein von Metastasen in anderen Körpergeweben.

Symptome

Eine Krebserkrankung und deren Therapie können zu zahlreichen Symptomen führen. Je nach Lokalisation und Ausmaß des Tumors kann es durch Verdrängung, Schädigung und Befall des umgebenden Gewebes zu Schmerzen in der betroffenen Körperregion, zu Blutungen sowie zum Verschluss von Hohlorganen kommen.

Zudem können relativ unspezifische Symptome auftreten, die oft therapiebedingt sind, wie:

  • Appetitlosigkeit
  • Schluckstörungen
  • Übelkeit
  • Erbrechen und Durchfall
  • Störung des Geschmackssinns (führt dazu, dass bestimmte Lebensmittel abgelehnt werden, wie Fleisch, Eier, Käse)
  • Mundtrockenheit
  • Entzündungen der Mundschleimhaut und des Rachens

Entstehung

Die Entstehung von Krebs ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Umwelteinflüsse, Stoffwechselveränderungen und genetischer Umstände. So führt eine Mutation noch lange nicht zu einer Krebszelle, sondern erst verschiedene Mutationen in bestimmten Genen. Die genauen Mechanismen sind trotz intensiver Forschung noch nicht vollständig geklärt, dennoch lassen sich einige grundlegende Voraussetzungen ableiten.

Das natürliche Zellleben umfasst die Teilung der Zelle zu Tochterzellen, die Differenzierung von Stammzellen zu spezialisierten Gewebezellen sowie den programmierten Zelltod (Apoptose) einer jeden Zelle nach einer bestimmten Lebenszeit. Jeder dieser Vorgänge ist streng kontrolliert und durch fördernde sowie hemmende Signale reguliert. Ein grundlegendes Merkmal jedes Krebstyps ist das Ausschalten dieser Kontrollmechanismen, sodass Krebszellen gegenüber normalen Zellen entscheidende Wachstums- und Überlebensvorteile aufweisen.

Auswirkungen von Mutationen

Mutationen in bestimmten Genen führen zu:

  • einer erhöhten Aktivität von Molekülen (Onkogene), die an der Weiterleitung von Wachstums- und Zellteilungssignalen beteiligt sind (z.B. Wachstumsfaktoren, Wachstumsfaktor-Rezeptoren, intrazelluläre, signalweiterleitende Proteine, Transkriptionsfaktoren)
  • einer Hemmung von Molekülen (Tumorsuppressorgenen), die den Zellzyklus regulieren oder den programmierten Zelltod auslösen (z.B. wachstumsfaktorhemmende Proteine, zellzyklushemmende Proteine, Apoptoseauslöser)
  • eine Störung der DNA-Reparatur-Systeme (Erkennung und Behebung von neuen Mutationen)

Stufen der Krebsentstehung

Die Krebsentstehung (Kanzerogenese) vollzieht sich in mehreren Stufen, die jedoch schwer abzugrenzen bzw. auf jede Krebsform zutreffend sind. Der Einfachheit halber wird ein Dreistufen-Modell verwendet, bestehend aus drei Phasen: Initiation (auslösende Mutation), Promotion (fördernde Einflüsse und Prozesse) und Progression (Fortschreiten zum Krebs).

Tumorinitiation

Während der Tumorinitiation erfährt das Genom einer Zelle eine erste entscheidende Mutation, die ihr einen Wachstumsvorteil gegenüber anderen Zellen verschafft. So kann beispielsweise eine Veränderung im Gen für einen Wachstumsfaktor-Rezeptor dazu führen, dass der gebildete Rezeptor den Wachstumsfaktor stärker bindet und damit zu einem stärkeren Wachstumssignal an die Zelle führt.

Der Auslöser, in diesem Fall Initiator genannt, kann eine Substanz (z.B. aus Tabakrauch oder aus Nahrungsmitteln), ein Tumorvirus oder auch energiereiche Strahlung sein. Einige Substanzen wirken direkt kanzerogen, andere werden erst durch enzymatische Veränderung zu kanzerogenen Stoffen. Prokanzerogene, die zuvor einer enzymatischen Aktivierung bedürfen, wirken sich teilweise nur auf bestimmte Gewebezellen aus, die über entsprechende Enzyme verfügen.

Je weniger eine Zelle ausgereift ist bzw. je teilungsfähiger diese noch ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich daraus Krebszellen entwickeln. Veränderungen in Stammzellen führen daher häufig zu Krebs, Mutationen in bereits ausgereiften, teilungsunfähigen Zellen hingegen nicht.

Tumorpromotion

Eine initiale Mutation verursacht noch keinen Krebs, macht die betroffene Zelle allerdings empfänglicher für die Wirkung von Tumorpromotoren. Diese Faktoren sind selbst nicht kanzerogen, fördern jedoch die Teilung der entarteten Zelle, so dass vermehrt Tochterzellen mit der initialen Mutation entstehen. So fördert ein Wachstumsfaktor nur bei Zellen mit einem veränderten Rezeptor die übermäßige Teilung. Gesunde Zellen teilen sich unter dessen Einfluss hingegen weiterhin normal. Tumorfördernde Promotoren vergrößern die Anzahl mutierter Tochterzellen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass ein oder mehrere dieser Zellen neue Mutationen erfahren, die weitere Wachstumsvorteile erbringen. Während der Promotionsphase findet demnach eine Selektion mutierter Zellen statt.

Durch die Vermehrung der mutierten Zellen wird das umliegende Gewebe verdrängt. Es entsteht ein gutartiger Tumor, dessen Zellen alle das Erbgut der initiierten Mutterzellen besitzen. Da der eine Wachstumsvorteil noch schwach wirkt, vermehrt sich das Tumorgewebe anfangs nur wenig schneller als das gesunde Gewebe. Der gutartige Tumor wächst somit eher langsam.

Tumorprogression

Die Progression ist die endgültige Umwandlung von gutartigen Tumoren zu bösartigem Krebsgewebe. Um alle Eigenschaften einer Krebszelle (unkontrolliertes Wachstum, Langlebigkeit, Metastasierungsfähigkeit usw.) zu erhalten, sind mindestens sechs bis zehn Mutationen in bestimmten Genen nötig. Auslöser dieser DNA-Veränderungen kann die fortführende Konfrontation mit dem initialen Kanzerogen (z.B. anhaltender Zigarettenkonsum über Jahrzehnte) oder weitere ungünstige Faktoren sein. Da das Auftreten neuer Mutationen anfangs selten stattfindet und auch nur Veränderungen in bestimmten Genen Vorteile erbringt, vergehen in der Regel von der Initiation bis zur Krebsentstehung Jahrzehnte. Dies erklärt, warum Krebs meist eine Erkrankung des Alters ist. Mit der Zeit wird das Genom der Krebszellen instabiler und damit mutationsanfälliger, so dass das Fortschreiten (z.B. die Metastasierung) einer bestehenden Krebserkrankung wiederum schnell vorangeht. Da viele zur Therapie eingesetzte Zytostatika sowie die hochenergetischen Strahlen während der Strahlentherapie selbst Mutationen auslösen, können die Krebszellen so im Laufe der Behandlung auch neue Eigenschaften erwerben, die sie z.B. resistent gegen die verwandte Therapiemethode machen.

Da die einzelnen Krebszellen unterschiedliche Mutationen erfahren enthält ein Krebstumor Zellen mit verschiedenen Genomen und damit verschiedenartigen Eigenschaften. Einige Krebszellen fördern beispielsweise die Bildung neuer Blutgefäße, andere sind besser in der Lage, Gefäßwände zu durchbrechen und Fernmetastasen zu bilden. Sind beispielsweise einige der Krebszellen resistent gegen ein Chemotherapeutikum, können sich diese während einer Therapie selektiv vermehren, während andere absterben.

Metastasierung

Metastasierung bezeichnet die Abwanderung von Krebszellen aus einem bösartigen Primärtumor und Ansiedlung in anderen Geweben bzw. Organen, wobei diese hier Tochtergeschwülste bilden. In diesem Stadium breitet sich die Krebserkrankung im Körper aus und verschlechtert die Heilungschancen erheblich. Ein Großteil der Krebspatienten stirbt nicht am Primärtumor, sondern aufgrund von Metastasen, die zu einer Beeinträchtigung/ Schädigung weiterer Organe führen.

Im Verlauf der Metastasierung treten Krebszellen durch die Gefäßwand in Blut- oder Lymphgefäße ein und werden so im Körper verteilt. Grundvoraussetzungen für die Metastasenbildung sind:

  • die Fähigkeit des Primärtumors, in benachbartes Gewebe einzuwachsen und die Basalmembran der Gefäßwände zu durchbrechen (z.B. durch Produktion eiweißspaltender Enzyme)
  • die Fähigkeit des Tumors, aktiv Blut- und Lymphgefäße aufzusuchen (Chemotaxis)
  • Fähigkeit einzelner Zellen, die Verbindung zu den Nachbarzellen zu lockern und sich aus dem Zellverband zu lösen (z.B. mangelnde Bildung von Zell/ Zell-Adhäsionsmolekülen wie Cadherin)
  • die Fähigkeit der Krebszellen, sich gegen Immunzellen in der Blut- bzw. Lymphbahn zu schützen (z.B. durch die schützende Laktathülle)
  • die Fähigkeit, sich anderenorts an die Gefäßwand zu haften und diese erneut zu durchbrechen
  • die Fähigkeit, in der neuen Umgebung zu überleben und neue Tumore zu bilden.

Für jede dieser Fähigkeiten müssen die Krebszellen durch Mutationen neue Eigenschaften erlangen. Nur wenige Zellen des Primärtumors sind daher in der Lage, Metastasen zu bilden.

Krebsgeschwüre breiten sich invasiv in das Nachbargewebe aus. Durch Bildung spezieller eiweißspaltender Enzyme zersetzen die Krebszellen die abgrenzende Basalschicht und breiten sich so frei aus. Dabei können die Zellen gezielt in Richtung bestimmter chemischer Signal wandern, was das Auffinden von Blut- bzw. Lymphgefäßen erleichtert. Hat der Tumor die Gefäßwand durchbrochen, gelangen einzelne Krebszellen entweder direkt oder über die Lymphe in die Blutbahn. Hier sind die Zellen dem Angriff des Immunsystems ausgesetzt, sodass von etwa tausend Krebszellen nur etwa zehn überleben. Diese heften sich andernorts an die Gefäßwand oder wandern so lange, bis die Kapillaren zu eng werden. Durch enzymatische Zersetzung gelangen die Zellen in das neue Gewebe.

Einflussfaktor Insulin

Insulin ist als Hormon ein bedeutendes Signalmolekül, das in den Körperzellen eine Reihe von stoffwechselmodulierenden Veränderungen auslöst. Es fördert nicht nur die Glukoseaufnahme in verschiedene Zelltypen, sondern hat darüber hinaus eine Reihe von zellwachstumsfördernden Effekten. Hohe Insulinspiegel im Blut fördern daher auch das Wachstum von Tumorzellen und fördern auf verschiedene Weise deren Weiterentwicklung:

  • Insulin fördert die Teilung von Krebszellen und damit das Tumorwachstum,
  • Insulin hemmt Prozesse in der Zelle, welche zum programmierten Zelltod (Apoptose) führen und eigentlich zum Untergang alter oder entarteter Zellen führen sollten.

Insulin bindet in physiologischen Konzentrationen an den Insulinrezeptor, bei hohen Konzentrationen auch an den IGF-1-Rezeptor, der normalerweise den Wachstumsfaktor IGF-1 bindet. IGF-1 (insulin-like-growth-factor 1) bzw. das Signal, das vom IGF-1-Rezeptor in die Zelle weitergeleitet wird, fördert das Wachstum der Zelle und hemmt den programmierten Zelltod (Apoptose).

Eine Insulinresistenz scheint besonders für die Entstehung von Dickdarmkrebs eine Rolle zu spielen [God 2010]. In Rattenexperimenten förderte die Injektion von Insulin die Kanzerogenese im Dickdarm [Tra 1996] [Cor 1997]. Die Forschergruppen schlussfolgerten schon damals, dass eine Ernährungsweise, die mit niedrigen Insulinspiegeln im Blut einhergeht, hilfreich zur Bekämpfung von Krebserkrankungen sein könnte.

Beobachtungen am Menschen zeigen hingegen ein uneinheitliches Bild zum Zusammenhang zwischen einzelnen Krebsarten und erhöhten Blutzucker- bzw. Insulinspiegeln. Es existieren sowohl Studien, die einen Zusammenhang zeigen, wie auch solche, die keinen fanden. Die hohe Variabilität der Studiendesigns und der Mangel an einheitlichen Diagnosemethoden zur Insulinresistenz lassen aus der Studienlage allerdings schwer Rückschlüsse ziehen. Ein möglicher Einfluss hoher Insulinspiegel ist für die Entwicklung von Dickdarm- und Pankreaskrebs [Pis 2008] sowie für  Brustkrebs [Kab 2009] wahrscheinlich. Trotz der uneinheitlichen Ergebnisse zeichnet sich bei der Gesamtbetrachtung der Studienlage jedoch eher ein Zusammenhang zwischen der Insulinkonzentration im Blut und dem verstärkten Auftreten von Krebs ab [God 2010].

Komplikationen und Folgen

Im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung kann eine Reihe von Folgeerscheinungen auftreten, die weder durch den Raumanspruch des Tumors, noch durch die Gewebezerstörung erklärbar sind (paraneoplastisches Syndrom). Hierzu zählen die Tumorkachexie (Gewichtsabnahme mit Substanzverlust), die Tumoranämie (krebsbedingte Blutarmut), die Thrombophilie (erhöhte Thromboseneigung) sowie die Leukozytose (Vermehrung der weißen Blutkörperchen).

Hinzu kommen spezifische Folgeerscheinungen, die sich aus der Art und Lokalisation des Tumors erklären. So können hormonproduzierende Tumore eine Reihe von eigenständigen Syndromen verursachen, wie z.B.:

  • Cushing-Syndrom (übermäßige Kortisolproduktion durch ACTH-produzierenden Tumor)
  • Acanthosis nigricans maligna (Überpigmentierung und Hyperkeratose im Bereich der Achseln und Leisten)
  • Hypoglykämie (durch insulinproduzierendes Insulinom)
Mechanismen der Tumorkachexie

Tumorkachexie, also eine zunehmende Abmagerung und körperliche Auszehrung des Patienten, ist eine der häufigsten Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung. Hierbei treten durch komplexe Stoffwechselveränderungen durch den Tumor sowie durch therapiebedingte Nebenwirkungen starke Verluste der Skelettmuskulatur und der Fettreserven auf. Bei einer Gewichtsabnahme von 30% kann dieser Verlust bis zu 75% der Muskelmasse und 85% der Fettmasse ausmachen [Tis 2005]. Besonders häufig tritt eine Tumorkachexie bei bösartigen Tumoren des Magen-Darm-Traktes und bei Bauchspeicheldrüsenkrebs auf.

Eine einheitliche Definition der Tumorkachexie gibt es bislang nicht, sodass es schwerfällt, eine solche epidemiologisch zu charakterisieren. Auf der Kachexie-Konsensus-Konferenz 2008 in Washington wurde von einem Expertenteam folgende Definition vorgeschlagen:

„Kachexie ist ein komplexes metabolisches Syndrom, das mit einer Grunderkrankung assoziiert ist und durch einen Verlust an Muskelmasse mit oder ohne Verlust der Fettmasse charakterisiert ist. Das Leitsymptom ist ein Gewichtsverlust bei Erwachsenen oder Wachstumsstörungen bei Kindern (ohne hormonelle Störung). Anorexie, Entzündungen, Insulinresistenz und erhöhter Abbau an Muskeleiweiß sind weitere häufige Erscheinungen. Die Kachexie ist klar von Hungerzuständen, altersbedingtem Verlust der Muskelmasse, primärer Depression, Malabsorption und Hyperthyreoidismus (Nebenschilddrüsenüberfunktion) abzugrenzen und geht mit einer erhöhten Sterblichkeit einher“ [Eva 2008].

Eine Tumorkachexie liegt vor, wenn innerhalb von einem Jahr oder weniger ein Körpermasseverlust von 5 % auftritt und gleichzeitig mindestens drei der fünf folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Abnahme der Muskelkraft
  • Erschöpfungssyndrom
  • Anorexie
  • niedriger Fettfreie-Masse-Index (FFMI, fat-free mass index)
  • unphysiologische Laborparameter:
  • erhöhte Markerwerte für Entzündungen
  • anämischer Zustand (Hb <12 g/ dl)
  • niedriger Serumalbuminspiegel <3,2 g/ dl [Eva 2008]

Das schnelle Wachstum und die rasche Teilung der Krebszellen verlangt eine ausreichende Bereitstellung an Energie und Bausubstanz (Aminosäuren für neue Eiweiße, Fettsäuren für neue Membranen, Nukleotide zur Genomverdopplung usw.). Ein Teil dieses Bedarfs wird durch den Abbau von Körpergewebe gedeckt.

Diagnostik

Die genaue Diagnostik ist bei Krebserkrankungen von großer Bedeutung, da die anschließende Therapie von starken Nebenwirkungen begleitet wird und mitunter invasiv ist. Aufgrund der unspezifischen Symptome und aus Ermangelung an Screeningmethoden für die meisten Tumorarten, wird ein Krebsleiden häufig eher zufällig entdeckt.

Eine Krebserkrankung kann auf unterschiedliche Weise diagnostiziert werden. Dies ist vom betroffenen Organ und dem Wachstumsfortschritt des Krebses abhängig. Blutuntersuchungen zeigen, ob Tumormarker im Blut erhöht sind. Mithilfe von bildgebenden und endoskopischen Verfahren sowie Gewebeentnahmen kann die Diagnose Krebs gestellt werden.

Untersuchungsmethoden
  • Positronenemissionstomographie (PET)
  • Computertomographie (CT)
  • Magnetresonanztomographie/ Kernspintomographie
  • Sonographie (Ultraschall)
  • EDIM-TKTL1-Bluttest
  • Mammographie
  • Szintigraphie
  • Tumormarker
  • Biopsie

Therapie

Die gebräuchlichsten Therapieoptionen sind, neben der operativen Entfernung des Tumors, die Strahlen- und die Chemotherapie. Die bisherigen Ernährungsempfehlungen für Krebspatienten orientieren sich an einer, nach den gängigen Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), als „gesund“ geltender Ernährungsweise.

Diese berücksichtigen zwar die individuellen Bedürfnisse des Krebspatienten, wie den Erhalt des Körpergewichts und die Linderung therapiebedingter Beschwerden. Den veränderten Stoffwechselanforderungen der Krebszellen tragen diese hingegen keine Rechnung.

TKTL1-positive Tumore

Immer vor dem Hintergrund, dass TKTL1-positive Tumorzellen nachweisbar sind, existieren im Tumor zwei unterschiedliche Typen von Tumorzellen. Eine Chemotherapie greift die verbrennenden Zellen an – und damit neben den verbrennenden Tumorzellen auch gesunde Körperzellen – wirkt aber häufig nicht gegen die vergärenden Zellen. Ist dies der Fall, kann eine Chemotherapie den TKTL1-positiven Zellen einen Selektionsvorteil verschaffen. Diese werden nach der Therapie besser mit Glukose versorgt und haben mehr Platz, sich auszubreiten. Im Verlauf der Erkrankung verschiebt sich dadurch das Verhältnis TKTL1-negativer zu TKTL1-positiven Zellen, die Ansprechraten von Chemotherapeutika verschlechtern und die tumorfreie Zeit verkürzt sich. Der Tumor dringt in andere Gewebe ein, bildet Metastasen und die Chancen einer Heilung sinken.

Therapiestrategien gegen die Mitochondrien (Zellkraftwerke) oder Enzyme der Atmungskette prallen an diesen Zellen ab. Die Forderung, therapeutische Maßnahmen gegen beide unterschiedlichen Zelltypen zu entwickeln, ist vor diesem Hintergrund sehr berechtigt. Mit diesen Überlegungen verbindet sich die Hoffnung, dass die Wirkung von Chemotherapien durch eine begleitende TKTL1-Ernährungstherapie deutlich verbessert wird.

Die TKTL1-Ernährungstherapie kann somit eine Chemo- und Strahlentherapie ideal ergänzen. Es gibt Hinweise darauf, dass TKTL1-positive Zellen unempfindlich gegenüber vielen Chemotherapeutika sind. Ähnlich verhält es sich bei der Strahlentherapie. Es ist bekannt, dass Tumorzellen in sauerstoffunterversorgten (hypoxischen) Regionen resistenter gegenüber einer Strahlentherapie sind. Eine Ernährungsumstellung könnte auch hier die Wirksamkeit der Therapie unterstützen und damit die Aussicht auf Heilung verbessern. Deshalb sollte bei einem Nachweis TKTL1-positiver Zellen im Tumorgewebe parallel zu klassischen Therapieverfahren auch die TKTL1 -Ernährungstherapie durchgeführt werden.

Chemotherapie

Die Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung, die auf die Abtötung der Krebszellen oder die Hemmung der Zellteilung abzielt. Bei der Chemotherapie kommen zwei Arten von Medikamenten zum Einsatz – Zytostatika und Zytotoxine. Zytostatika beeinträchtigen auf verschiedene Weise die Teilungsfähigkeit der Zellen und damit das Wachstum des Tumors. Diese stören entweder die DNA-Verdopplung oder greifen in Stoffwechselprozesse ein, die am Zellteilungszyklus beteiligt sind. Zytotoxine hingegen töten Zellen direkt ab, indem diese den programmierten Zelltod induzieren. Die abgestorbenen Zellfragmente werden anschließend vom Körper abgebaut.

Eine einzelne Zytostatikadosis tötet jeweils nur 90 % der Krebszellen ab, sodass bei der zweiten Behandlung 99 % und bei der dritten 99,9 % abgetötet werden. Eine Chemotherapie ist daher auch fortzuführen, wenn der Tumor nicht mehr sichtbar ist.

Zytostatika wirken nicht nur auf Krebszellen, sondern beeinträchtigen auch das Wachstum anderer teilungsaktiver Gewebe wie Haare, Immunzellen und Schleimhautzellen.

Die Wirkung von Chemotherapeutika hängt von Art und Lokalisation des Tumors ab. Da diese auf dem Blutweg das Zielgewebe erreichen, ist die Wirkung auf schlecht durchblutetes Tumorgewebe bzw. auf blutgefäßferne Krebszellen geringer. Zudem werden die Medikamente von den Patienten unterschiedlich schnell abgebaut, sodass die Wirkzeit und damit die Wirkintensität variieren.

Häufig treten Resistenzen gegen ein oder mehrere Chemotherapeutika auf, die den Behandlungserfolg beeinträchtigen.

Die therapiebedingten Beschwerden hängen von der Art der Behandlung ab.

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Müdigkeit, Erschöpfung
  • Haarausfall, Nagelveränderungen
  • Schleimhautentzündungen
  • Veränderungen im Blutbild:
  • verminderte Anzahl weißer Blutkörperchen und daraus resultierende erhöhte Infektionsgefahr, Fieber
  • Anämie (Mangel roter Blutkörperchen)
  • in einigen Fällen besteht die Gefahr, dass die Chemotherapie eine erneute Krebserkrankung begünstigt
Strahlentherapie

Bei der Strahlentherapie werden mittels energiereicher, ionisierender Strahlung gezielt Schäden in den Zellen hervorgerufen. Krebszellen, mit ihrer hohen Stoffwechselrate, reagieren dabei besonders empfindlich. Energiereiche Strahlen können direkt DNA-Schäden verursachen. Während gesunde Zellen über verschiedene DNA-Reparatursysteme verfügen, sind diese in Krebszellen häufig ausgeschaltet. Zudem wirken sich Erbgutschäden aufgrund der hohen Teilungsrate hier stärker aus. In gut durchbluteten Tumorgebieten mit einer ausreichenden Sauerstoffversorgung fördern Strahlen die Bildung hochreaktiver Sauerstoffradikale (ROS). Diese sind in der Lage, Moleküle direkt zu verändern und zu zerstören. Ein zunehmender Funktionsverlust von Enzymen und Membranlipiden sowie die Schädigung der DNA rufen den Untergang der Zelle hervor. Hochenergetische Strahlendosen, die das bestrahlte Gewebe direkt zerstören (ähnlich wie bei schwerem Sonnenbrand), werden heute nur selten eingesetzt.

Die Strahlentherapie ist heute nebenwirkungsärmer als früher. Dennoch treten nach wie vor in Abhängigkeit der Strahlendosis, der Organsensibilität und der bestrahlten Fläche Beschwerden auf, wie:

  • Sofortreaktionen
    • Hautrötungen und Schleimhautveränderungen an den bestrahlten Körperpartien
    • Schluckbeschwerden, Probleme/ Schmerzen beim Essen durch Schleimhautreizung bei Bestrahlung des Kopfbereichs
    • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen bei Bestrahlung des Bauchbereichs
    • Haarausfall bei Bestrahlung des Kopfbereichs
    • Schwächegefühl, Müdigkeit, geringe Belastbarkeit
  • Symptome nach einiger Zeit
    • Mundtrockenheit, Geschmacksverlust
    • Narbenbildung (Fibrosierung) an Organen
    • Gefäßverengungen
    • Unfruchtbarkeit bei Bestrahlung des Beckenbereichs
  • Spätfolgen
    • erhöhtes Risiko einer erneuten Krebserkrankung nach etwa 10-20 Jahren
    • Hinweis: Keine Vitaminpräparate während der Strahlentherapie einnehmen!

Einigen Vitaminen, vor allem A, C und E, eilt der Ruf voraus, krebshemmende Wirkungen zu haben. Um den Therapieerfolg zu unterstützen, greifen viele Krebspatienten daher zu Vitaminpräparaten. Diese sind während einer Strahlentherapie jedoch kontraindiziert, da die antioxidativen Eigenschaften die radikalinduzierende Wirkung der Bestrahlung hemmen und somit dem Therapieerfolg entgegenwirken.

Ernährungsziele und diätetische Prinzipien

Ernährungsziele

Priorität hat die bedarfsdeckende Versorgung mit Energie und lebensnotwendigen Nährstoffen. Bei bestehendem Untergewicht und/oder deutlichem Gewichtsverlust ist die Stabilisierung des Körpergewichts und/oder eine Gewichtszunahme zielführend. Bei Mangelzuständen gilt es, Nährstoffdefizite auszugleichen. Vorbeugend ist die Nährstoffzufuhr an erhöhte Bedarfszustände anzupassen.

Des Weiteren können durch ernährungstherapeutische Maßnahmen Symptome und Nebenwirkungen durch Chemo- und Strahlentherapien vermindert werden. Dies zielt auf eine bessere Lebensqualität. Zu berücksichtigen sind auch häufige Folge- und Begleiterkrankungen.

Langfristig gilt es, das Risiko für ein Wiederauftreten einer Krebserkrankung sowie Langzeitfolgen weitgehend zu reduzieren.

Diätetische Prinzipien

Für eine Gewichtszunahme/ -stabilisierung ist eine erhöhte Energiezufuhr empfehlenswert. Bei einer Mangelernährung ist eine erhöhte Proteinzufuhr angezeigt. Die optimale Nährstoffverteilung orientiert sich zudem an

  • der Krebsart
  • der Verträglichkeit von Nährstoffen und Speisen
  • auftretenden Symptomen
  • den verordneten Therapien und damit einhergehend möglichen Nebenwirkungen sowie Folgerisiken.

Generell wird eine hohe Nährstoffdichte der Lebensmittel und Speisen angestrebt.

Mögliche Kostformen

Allgemeines

Es werden verschiedene Kostformen bei Krebserkrankungen angeboten und teilweise medienwirksam angepriesen. Das kann bei PatientInnen zu trügerischen Hoffnungen führen. Kaum eine der Kostformen kann uneingeschränkt empfohlen werden. Von einigen ist abzuraten. Strenge Kostformen schränken die ohnehin oft schon unzureichende Nahrungsaufnahme durch restriktive Lebensmittelempfehlungen zusätzlich ein und können Mangelzustände fördern [Hue 2012]. Die Wahl der geeigneten Kostform hängt von vielen Faktoren ab. Erickson et al. haben hilfreiche Entscheidungsfragen formuliert.

  1. Wie ist die Versorgung mit Energie und Makronährstoffen?
  2. Wie wird die Mikronährstoffzufuhr eingeschätzt?
  3. Welche Wirkungen werden auf Basis welcher Datenlage propagiert?
  4. Welche gesundheitlichen Risiken können auftreten?
  5. Wie wird die Lebensqualität beeinflusst?
  6. Welcher Aufwand ist mit der „Krebsdiät“ im Alltag verbunden? Welche Kosten entstehen den PatientInnen?

Es empfiehlt sich, die Fragen zusammen mit den PatientInnen zu beantworten und eine gemeinsame Entscheidung zu treffen. Dabei ist eine Kostform anzustreben, die das aktuelle Gewicht (sowohl Unter- als auch Übergewicht), die Körperzusammensetzung (Anteil an Fett- und Muskelgewebe) und den allgemeinen Zustand berücksichtigt, eine ausreichende Nährstoffzufuhr gewährleistet und den Fokus auf die Förderung positiver Faktoren (z. B. Erhalt von Muskulatur, Kraft und Ausdauer) bzw. das Vermindern negativer Faktoren (z. B. Abmildern von Nebenwirkungen) legt.

Nährstoffe und Nahrungsinhaltsstoffe

Die folgenden Ausführungen richten sich an PatientInnen, bei denen (noch) keine Mangelernährung vorliegt. Bei einer bereits bestehenden Mangelernährung sind die Empfehlungen bei Mangelernährung zu berücksichtigen.

Empfehlungen zum Energiebedarf richten sich nach Körpergewicht, Art und Fortschreiten der Krebserkrankung, Komplikationen und sowie der Therapie und Nebenwirkungen des Patienten.

Bei Normalgewicht ist der Erhalt des Körpergewichts, bei Untergewicht (z.B. bei Kachexie) die Gewichtszunahme für den Heilungserfolg sowie die Lebensqualität entscheidend. Zu beachten ist, dass bei einer Krebserkrankung der Grundumsatz zum Beispiel durch chronische Entzündungsvorgänge häufig erhöht ist [Ker 2019]. Bei besonders aggressiven Krebsformen kann der Energiebedarf bis zu 70 % im Vergleich zu einem Gesunden ansteigen. Auch ein Anstieg der Körpertemperatur, beispielsweise in bestimmten Therapiephasen, erfordert eine höhere Energiezufuhr. Bei Krebserkrankungen des Verdauungstraktes indes kann die Verdauung gestört und/oder eingeschränkt sein. sodass die Energieaufnahme vermindert ist.

Eine Gewichtsabnahme ist mit dem Verlust von Muskulatur, einer Schwächung des Immunsystems und daraus folgend Müdigkeit sowie Leistungseinbußen verbunden. Bei einem starken Gewichtsverlust kann es zu Problemen der Alltagsgewohnheiten wie Einkaufen, Tätigkeiten im Haushalt, Arbeiten etc. kommen. Bei der Wahl der Lebensmittel ist daher auf energiereiche Produkte mit einer hohen Nährstoffdichte zu achten.

Ein großes Augenmerk bei der Ernährung bei Krebserkrankungen liegt auf der Wahl der richtigen Fette.

Neben der Menge spielen besonders Qualität und Verträglichkeit eine entscheidende Rolle. So sind Omega-3-Fettsäuren-haltige Produkte wie beispielsweise Fische – darunter vor allem Thunfisch, Lachs, Makrele und Hering, besser geeignet als Fleisch und Fleischprodukte. Lässt es die Zubereitungsart der Speisen zu, sollten hochwertige pflanzliche Öle anstelle von tierischen oder gehärteten Fetten verwendet werden.

Eine ausreichende Eiweißversorgung ist für den Erhalt von Körpergewicht und -muskulatur entscheidend. Vor allem Lebensmittel mit einer hohen biologischen Wertigkeit sind empfehlenswert, da diese eine optimale Zusammensetzung aufweisen, um die Versorgung mit lebensnotwendigen Aminosäuren zu gewährleisten.

Zur Vorbeugung einer Mangelernährung kann die Proteinzufuhr auf 1,5 g pro kg Körpergewicht erhöht werden. Bei einer systemischen Entzündungslage ist die Zufuhr bis zu 2 g Protein pro kg Körpergewicht zu prüfen.

Die erhöhte Protein- und/oder Fettzufuhr resultiert in einer reduzierten Kohlenhydratzufuhr. Dies kann sich positiv auf den Stoffwechsel, Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapie sowie den Allgemeinzustand auswirken. Neben der Kohlenhydratmenge ist auch die Qualität entscheidend: Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index und einer hohen Nährstoffdichte sind von Vorteil.

Ballaststoffe sind vor allem in der Krebsprävention von Dickdarmkrebs bedeutsam. Durch die verkürzte Transitzeit (insbesondere durch unlösliche Ballaststoffe) und das höhere Stuhlvolumen verringert sich die Kontaktzeit von Karzinogenen mit der Darmschleimhaut. Teilweise binden sich die Karzinogene an Ballaststoffe. Ein hoher Ballaststoffverzehr fördert zudem die physiologische Mikroflora. Die kurzkettige Fettsäure Butyrat, die beim Abbau von Ballaststoffen im Dickdarm gebildet wird, weist krebshemmende (antikanzerogene) Eigenschaften auf. Häufig ist ein hoher Ballaststoffverzehr auch mit einem erhöhten Konsum an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen verbunden, die antikanzerogene Eigenschaften besitzen.

Viele Menschen, vor allem Frauen, nehmen Folsäure als Supplement mitunter über längere Zeiträume in hoher Konzentration ein. In der Vergangenheit deuteten einige Studien darauf hin, dass der hohe Verzehr mit einem erhöhten Risiko für Dickdarmkrebs in Verbindung stehen könnte. Andere wiederum zeigten das Gegenteil. Langzeitstudien aber fehlten.

Forschende in den USA haben diesen Zusammenhang bei Frauen daher über einen langen Zeitraum hin analysiert [Wan 2021]. Sie nutzten dafür Daten von über 86.000 Frauen der Nurses Health Study aus den Jahren 1980 bis 2016. Das Ergebnis gibt Entwarnung: Weder die Zufuhr in natürlicher noch in synthetischer Form zeigte ein höheres Risiko für kolorektale Karzinome. Die Wahrscheinlichkeit sank sogar etwas.

In In-vitro- und Tierexperimenten hemmt Vitamin D die Krebsentstehung und -ausbreitung [Cha 2020]. Untersuchungen am Menschen zum präventiven Nutzen einer Vitamin D-Supplementation oder aber hoher Vitamin D-Blutspiegel auf das Krebsrisiko sind jedoch widersprüchlich [Bje 2014], [Medizin transparent, 2017].

In der VITAL-Studie mit knapp 26.000 Teilnehmern zeigte sich, dass eine präventive Supplementation zwar nicht das Krebsrisiko, zumindest aber die Krebsmortalität senken konnte. Der Effekt war bei TeilnehmerInnen mit Normalgewicht stärker ausgeprägt als bei Übergewicht [Cha 2020].

Ein Team des Krebsforschungszentrums präsentierte 2021 gleich 3 Metaanalysen aus den letzten Jahren, die zu einer verringerten Sterberate (ca. -13 %) für Krebs nach Vitamin D-Supplementation kommen [Deutsches Krebsforschungszentrum 2021]. Die Wissenschaftler bezogen die Daten auf Deutschland und errechneten dabei, dass mit einer Supplementation aller über 50-Jährigen bis zu 30.000 Krebstodesfälle und 254 Millionen EUR jährlich vermieden bzw. eingespart werden könnten [Nie 2021].

Rotes Fleisch wird von der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft und als potenzieller Risikofaktor für die Entstehung von Dickdarmkrebs betrachtet [WHO 2015].

Unter anderem wird das im roten Fleisch enthaltene Hämeisen als ursächlich angeführt. Die möglichen zugrundeliegenden Mechanismen sind Gegenstand intensiver Forschung. Nachgewiesen ist, dass Hämeisen in Darmzellen über die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies oxidativen Stress auslöst und die (DNA der) Darmzellen schädigt, was potenziell Krebserkrankungen fördert [Sei 2020].

Auf der anderen Seite können Darmzellen einen Schutzfaktor, das Enzym HO-1, bilden. HO-1 baut Hämeisen zu anorganischem Eisen ab und macht dieses damit unschädlich [Sei 2020].

Für das Krebsrisiko ist vermutlich die Balance zwischen der Konzentration an toxischem Hämeisen und der Fähigkeit der Darmzellen, den Schutzfaktor HO-1 zu bilden, mitentscheidend.

Antioxidantien

Antioxidantien können im Rahmen der täglichen Ernährung die Krebstherapie unterstützen. Vom übermäßigen bzw. isolierten Verzehr während einer Chemo- oder Strahlentherapie wird aufgrund der abschwächenden Therapiewirkung abgeraten.

  • Vitamine: Vitamin C, Vitamin E
  • Mineralstoffe: Selen, Kupfer, Zink
  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Curcumin, Flavonoide (), Sulfide (Alliin, Allicin)

Lebensmittel, spezielle Produkte und Küchenmanagement

Die Empfehlung, einzelne Lebensmittel oder Lebensmittelinhaltsstoffe über das Normalmaß hinausgehend zu verzehren oder strikt zu meiden, ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Empfohlen werden kann hingegen der Fokus auf überwiegend frisch zubereitete Speisen und einen begrenzten Verzehr an Fertig- und hoch verarbeiteten Produkten.

Das Risiko für Krebserkrankungen wird durch den Konsum von Kaffee nicht erhöht. Dies ist sowohl für die Häufigkeit von Krebserkrankungen als auch für die Überlebensrate nachgewiesen. Vielmehr mehren sich die Hinweise darauf, dass ein moderater Konsum das Risiko für Melanome, bestimmte Hauttumore, Brust- und Prostatakrebs leicht reduziert [Dam 2020].

Auch zeigte sich das Trinken von mindestens 2 Kaffeetassen täglich bei Nichtrauchern in einem reduzierten Risiko für Nierenzellkarzinome um bis zu 20 % [Rhe 2021]. Die Angaben beruhen jedoch auf Selbstauskünften der Teilnehmer, sodass weitere qualitative Studien notwendig sind.

Einige Gewürze enthalten Inhaltsstoffe mit potenziell krebshemmenden, entzündungshemmenden, antioxidativen und/oder immunsystemstimulierenden Eigenschaften. Inwieweit diese in welchen Mengen zur Prävention und Therapie beitragen können, ist meist noch unklar bzw. nicht ausreichend erforscht. Dennoch empfiehlt es sich, Gewürze bei Verträglichkeit in den täglichen Speiseplan einzubauen.

Empfehlung: Basilikum, Chili, Estragon, Ingwer, Knoblauch, Koriander, Kurkuma, Langer Pfeffer, Minze, Oregano, Petersilie, Pfeffer, Rosmarin, Thymian

Obst (Avocado)

Avocados enthalten besondere Fette wie das Avocatin B, das sich aus den beiden Fettalkoholen Avocadene und Avocadyne zusammensetzt.

Bereits 2015 gab es erste wissenschaftliche Hinweise darauf, das Avocatin B zytotoxisch und sehr spezifisch auf Krebszellen bei akuter myeloischer Leukämie (AML) wirkt [Lee 2015]. Diese Beobachtung wird durch aktuelle Erkenntnisse durchaus gestützt [Tch 2021]. Belege am Menschen fehlen aber bislang.

Verbraucher und PatientInnen stellen in Beratungen immer wieder die Frage, ob Süßstoffe Krebserkrankungen fördern. In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte dies bislang nicht nachgewiesen werden. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2019 zeigt einerseits, dass es fast nur Beobachtungsstudien zu dieser Fragestellung gibt und andererseits, dass in den berücksichtigten Studien kein Zusammenhang beobachtet werden konnte [Toe 2019]. Beobachtungsstudien sind sehr fehleranfällig und lassen viele Fragen offen, sodass meist keine klare Aussage getroffen werden kann.

Aufgrund der derzeitigen Datenlage ist jedoch davon auszugehen, dass ein großer Effekt eher unwahrscheinlich ist: Menschen, die mehr Süßstoffe verzehren, erkranken oder sterben nicht häufiger an Krebs [Medizin transparent 2020].

Nahrungsergänzungsmittel können eine sinnvolle und hilfreiche Therapieoption darstellen. Etwa die Hälfte der PatientInnen gibt an, entsprechende Produkte einzunehmen [Hol 2020]. Auf dem Markt ist jedoch eine Vielzahl an Produkten erhältlich, die Hilfe, Linderung oder sogar Heilung versprechen. Davon ist nur ein kleiner Teil nachgewiesenermaßen wirksam und/oder notwendig. Bei unsachgemäßer Anwendung kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen mit Arzneimitteln oder Lebensmitteln kommen. Auch Verunreinigungen sind potenziell möglich.

Empfehlung: Von einer Einnahme in Eigenregie wird abgeraten. Ein potenzieller Mangel an Nährstoffen kann über die Labordiagnostik oder auch Protokollierung der Nahrungsaufnahme festgestellt werden. Das kann (in Absprache mit einer Fachkraft) die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels erfordern.

Mahlzeitenmanagement

Es bietet sich an, mehrere Mahlzeiten über den Tag verteilt einzunehmen. Das ist insbesondere bei Symptomen des Verdauungstrakts sinnvoll. Auf diese Weise lässt sich sowohl die Belastung der Verdauungsorgane begrenzen als auch die empfohlene Energie- und Nährstoffaufnahme besser erreichen

Erfrischungsgetränke

Zwei Gläser an gezuckerten Erfrischungsgetränken pro Tag können bei Frauen unter 50 Jahren das Risiko für kolorektale Karzinome im Vergleich zu weniger als einem Tag pro Woche nahezu verdoppeln. Mit jedem weiteren Glas pro Tag steigt das Risiko laut Studien um 16 %. Umgekehrt kann das Ersetzen jedes konsumierten Glases Erfrischungsgetränk im Erwachsenenalter durch Kaffee, Milch oder künstlich gesüßte Getränke das Risiko wieder verringern [Hur 2021].

Aber: Ein kausaler Zusammenhang ist bislang jedoch nicht sicher. Denn die Beobachtungen können laut den ForscherInnen auf verschiedene Mechanismen zurückgehen [Sch 2021]:

  1. Gezuckerte Getränke gehen im Vergleich zu fester Nahrung mit einer geringeren Sättigung einher und können eine übermäßige Energieaufnahme mit nachfolgender Gewichtszunahme fördern. Das ist ein allgemeiner Risikofaktor für Krebserkrankungen.
  2. Auch kann der schnelle Anstieg des Blutzucker- und Insulinspiegels die Entwicklung von Insulinresistenz, Entzündungsreaktionen, Adipositas und Diabetes mellitus triggern. Das wiederum sind Risikofaktoren für kolorektale Karzinome.
  3. Zudem ist es möglich, dass der enthaltene Fruchtzucker die Barrierefunktion des Darms beeinträchtigt und dessen Durchlässigkeit für unerwünschte Substanzen erhöht. Auch dadurch kann das Darmkrebsrisiko steigen.

Komplikationen, häufige Begleiterkrankungen und Medikamente

Mangelernährung

Eine unzureichende Versorgung an Energie und/oder Nährstoffen mit der Folge einer Mangelernährung ist eine häufige Komplikation bei Krebserkrankungen [Gru 2018].

Durch Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie wie Übelkeit, Erbrechen oder Schleimhautentzündungen ist die Nahrungsaufnahme häufig erschwert. Auch der Tumor selbst kann durch seine Lage oder einen steigenden Stoffwechselumsatz die Versorgung mit Energie und Nährstoffen beeinträchtigen.

Ein Energie- und Nährstoffmangel tritt häufig bei Leukämien und anderen hämatologischen Tumoren auf, vor allem nach einer Stammzelltransplantation. Ebenso sind Betroffene mit Tumoren im Magen-Darm-Trakt vom Tumor einem hohen Risiko ausgesetzt.

Es steigt das Risiko für weitere Komplikationen und Folgeerkrankungen. In einer zunehmenden Abwärtsspirale wird das Immunsystem geschwächt (Risiko für Lungenentzündungen, Wundheilungsstörungen und Harnwegsinfekte ↑), Kraft sowie Ausdauer schwinden (Lebensqualität und Therapieerfolg ↓) und Therapien werden schlechter vertragen (Nebenwirkungen ↑) [Ker 2019].

Empfohlen sind eine energie- und nährstoffreiche Kost, die engmaschig kontrolliert wird.

Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen

Betroffene berichten häufig von Appetitverlust und -losigkeit. Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder die psychische Belastung verschlechtern das Problem zusätzlich [Ker 2019]. Mögliche Strategien richten sich nach der Verträglichkeit von Speisen und Getränken.

Empfehlungen:

  • starke Essensgerüche meiden
  • Speisen appetitlich anrichten
  • vor den Mahlzeiten appetitanregende Getränke trinken (Obst- und Gemüsesäfte sowie Schorlen, bitterstoffreiche Tees)
  • Speisen mit appetitanregenden Gewürzen anreichern (Zimt, Estragon)
  • morgens ausreichend essen (meist noch keine Übelkeit, guter Appetit)
  • mehrere kleine Mahlzeiten/ Portionen über den Tag verteilt essen
  • energiereiche Snacks wählen (Käsewürfel, Nusskugeln, Avocadospalten etc.)
  • regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft (appetitsteigernd)
  • bei schwerer Übelkeit: vor den
  • nicht zu heiße und nicht zu kalte Speisen wählen
  • langsam essen, sorgfältig kauen

Unzureichende Flüssigkeitszufuhr

Auf was-essen-bei-krebs.de haben Ernährungsfachkräfte 7 praktische Maßnahmen vorgestellt, mit denen das Trinken im Alltag leichter fallen soll. Dies kann PatientInnen helfen, denen das ausreichende Trinken aufgrund ihrer Krankheit (z. B. bei Krebs) oder anderer Umstände schwerfällt. Die praktischen Maßnahmen im Einzelnen sind:

  1. Flüssigkeitsbedarf berechnen und gegebenenfalls einen Trinkplan erstellen
  2. Trinkprotokoll führen
  3. Vorrat an verschiedenen Getränken anlegen
  4. Getränke in sichtbare Entfernung hinstellen
  5. 1 Glas zu jeder Mahlzeit trinken
  6. Wasserreiche Snacks als Getränk verzehren (Smoothies aus Gemüse/ Obst, fettarme Milchgetränke)
  7. Trinkflasche mitführen
  8. Trinkuhr stellen (z. B. App, Wecker)

Umfassende Hintergrundinformationen und weitere Tipps sind auf der Website nachzulesen.

Geschmacksveränderungen

Veränderungen des Geschmackssinns wie z. B. ein metallischer Geschmack treten häufig infolge von Chemo- und Strahlentherapie auf. Diese beeinflussen die Lebensmittel- und Getränkeauswahl mitunter maßgeblich [Ker 2019].

Empfehlungen:

  • je nach dominierendem Geschmack die anderen Geschmacksrichtungen über Lebensmittel intensivieren (z. B. bei bitterer Dominanz, salzige Lebensmittel wählen oder bei süßer Dominanz saure Lebensmittel wählen)
  • Speisen intensiver würzen
  • Speisen mit würzigen Marinaden, Dressings und Soßen servieren
  • Lutschen von Zitrus- und Pfefferminzbonbons
  • Ingwer-haltige Getränke und Speisen verzehren
  • zwischendurch reichlich trinken (Vorsicht bei vorschneller Sättigung)

Mundtrockenheit und verminderter Speichelfluss

Eine Strahlentherapie oder Medikamente können zu einer ausgeprägten Mundtrockenheit führen. Das kann die Nahrungsaufnahme erschweren und unangenehme Geschmacksempfindungen fördern.

Empfehlungen:

  • wasserreiche Speisen wählen (Gemüse, Obst, Soßen, Dressings, cremige Milchspeisen und Desserts, Suppen, Eintöpfe, Smoothies und Bowls)
  • zwischen den Mahlzeiten oft kleine Schlucke trinken (Vorsicht mit der Menge bei vorzeitigem Sättigungsempfinden)
  • Wasser mit Zitrone und Ingwer anreichern
  • sehr trockene Speisen und Menükomponenten reduzieren (Knäckebrot, Zwieback, trockenes Fleisch ohne Soße)

Entzündungen der Haut und Schleimhäute

Häufig treten therapiebedingt Entzündungen der Haut und Schleimhäute auf.

Empfehlungen:

  • Meiden heißer, stark gewürzter und gesalzener Speisen
  • Omega-3-reiche Lebensmittel und Speisen

Strahlenbedingt kann es zu andauernden Blähungen und Durchfällen kommen.

Empfehlungen:

Weitere Beschwerden

Infolge der Therapie können weitere Unverträglichkeitsreaktionen auftreten.

Empfehlungen:

  • Meiden unverträglicher Lebensmittel
  • Meiden von säurereichem Obst wie Zitrusfrüchte oder Rhabarber
  • Meiden von scharfen Gewürzen oder stark geräucherten und gesalzenen Speisen wie Salzhering, Essiggemüse, Räucherfisch und Fischkonserven meiden
  • Meiden von Kaffee und Alkohol

Interaktionen mit Medikamenten

KrebspatientInnen greifen vor, während und/oder nach einer Chemotherapie häufig zu Nahrungsergänzungsmitteln und naturheilkundlichen Kräutern. Dadurch steigt die Gefahr für ungewollte Interaktionen mit Medikamenten bzw. Chemotherapeutika [Lee 2021].

Das größte Risiko besteht bei einer Einnahme von Supplementen während der Chemotherapie. Im besten Fall bleibt die Interaktion folgenlos, im schlimmsten Fall hebt es die Wirkung der Therapeutika auf.

Häufig eingenommen werden Multivitaminpräparate, Kalzium-, Magnesium-, Vitamin D- sowie Fischölsupplemente. Typische Interaktionen treten zum Beispiel auf zwischen:

  • Arzneistoff Docetaxel und Vitamin C (verminderte Wirksamkeit des Wirkstoffs durch Vitamin C)
  • Arzneistoff Cyclophosphamid und Vitamin C (verminderte Wirksamkeit des Wirkstoffs durch Vitamin C)
  • Wirkstoff Cyclophosphamid und Vitamin A (gesteigerte Lebertoxizität)
  • Wirkstoff Cyclophosphamid und Vitamin E (verminderte Wirksamkeit des Wirkstoffs durch Vitamin E)
  • Docetaxel und Vitamin E (verminderte Wirksamkeit des Wirkstoffs durch Vitamin E).

Unterstützung im Alltag (im Aufbau)

Psychoedukation

Zahlreiche Übersichtsarbeiten zeigen einen positiven Einfluss psychoedukativer Interventionen bei KrebspatientInnen. Dabei handelt es sich um spezifische Maßnahmen, die auf dem Vermitteln von Wissen, dem Wiedererlangen von Kontrolle und psychosoziale Unterstützung ausgerichtet sind [Meh 2016].

In den Studien zeigten sich:

  • ein langfristig positiver Effekt auf die Lebensqualität [Cha 2011] [Fal 2013]
  • ein verbessertes allgemeines Wohlbefinden [Mat 2014]
  • weniger depressive Symptome [Jac 2008]
  • eine verminderte allgemeine Ängstlichkeit, verminderte Angst bei neu Erkrankten, verminderte Angst vor Operationen sowie vor einer Wiedererkrankung [McL 2013]
  • positive Effekte auf chronische Müdigkeit und Erschöpfung [For 2011] [Mos 2013] [Cor 2019]
  • verringerte Schmerzen [Ben 2009] [Gor 2012]
  • eine bessere Schlafqualität [Pap 2018]

Einige Studien zeigen Überschneidungen mit verhaltenstherapeutisch angelegten Programmen, was die Abgrenzung zwischen den verschiedenen Interventionsformen erschwert [Moo 2007]. Dennoch können psychoedukative Interventionen als wertvolle Unterstützung für KrebspatientInnen in verschiedenen Bereichen und so auch der Ernährungstherapie eingesetzt werden.

Weitere Informationen gibt es im Übersichtsartikel Psychoedukation bei Krebspatienten.

was-essen-bei-krebs.de

was-essen-bei-krebs.de ist eine Ernährungsplattform für KrebspatientInnen. Als Projekt des gemeinnützigen Vereins Eat What You Need e.V. (eine Allianz für bedarfsgerechte Ernährung bei Krebs in Kooperation mit dem Comprehensive Cancer Center am Klinikum der Universität München Ludwig-Maximilians-Universität München) startete die Initiative 2017.

Die Initiatorinnen wollen damit ein seriöses Gegengewicht zu den zahlreichen Fehlinformationen im Internet darstellen und fundierte sowie praxisnahe Empfehlungen anbieten. Mittels kurzweilig präsentierter Informationen wollen sie eine Brücke zwischen Theorie und Umsetzung in der Praxis schlagen.

Das dargebotene Wissen speist sich dabei aus persönlichen Hintergründen, Erfahrungen aus der Ernährungstherapie und wissenschaftlichen Recherchen. Daraus soll sich eine möglichst bedarfsgerechte, individuell angepasste Ernährung für Betroffene ergeben.

Weitere Informationen gibt es auf der Website was-essen-bei-krebs.de.

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