Gastbeitrag: Essen gegen Krebs

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Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich gerne in alten Büchern schmökere. Zwei meiner Freundinnen haben mich vor kurzem dazu inspiriert, noch einmal das Anti-Krebs-Buch von David Servant-Schreiber aus dem Regal zu holen und zu schauen, ob es brauchbare Tipps für das Essen bei Krebserkrankungen gibt, die auch heute – sieben Jahre nach Erscheinen der aktualisierten Ausgabe – hilfreich sein könnten. Es ist für Berater schwierig, dieses Thema anzuschneiden, ohne dabei Hoffnungen zu wecken, die sich möglicherweise nicht erfüllen. Andererseits lässt sich nicht bestreiten, dass gerade die Hoffnung auf Besserung besonders in den ersten Stadien der Erkrankung von unschätzbarem Wert ist und Betroffenen das Gefühl des Ausgeliefertseins nehmen kann. Was auch immer am Ende dabei herauskommt, es ist auf jeden Fall heilsamer, das Heft aktiv in die Hand zu nehmen als den Ausgang passiv abzuwarten. Und deshalb erlaube ich mir, die Vorschläge von Servant-Schreiber im Folgenden kurz aufzulisten.

Um es gleich vorweg zu sagen, ein Anti-Krebs-Essen ersetzt keine konventionelle Therapie und schon gar nicht die Anordnungen des behandelnden Arztes. Aber es kann eine medizinische Therapie wirkungsvoller unterstützen, als gemeinhin angenommen wird. Bei der Bekämpfung von Krebs lässt sich sinnvollerweise die gesamte Bandbreite der Handlungsmöglichkeiten nutzen: Das sind die Errungenschaften der modernen Medizin in Kombination mit den Selbstheilungskräften des Körpers sowie den reichlich vorhandenen Heilkräften bestimmter Nahrungsmittel.

Unser Körper produziert ständig defekte Zellen, die zu Tumoren werden können. Gleichzeitig verfügt er aber auch über zahlreiche Abwehrmechanismen, die durch ein gezieltes Essen unterstützt werden können. Krebszellen scheiden bestimmte Substanzen aus, die im umliegenden Gewebe Entzündungen verursachen und dabei gleichzeitig das Krebswachstum fördern. Nach neueren Erkenntnissen kann die Streuung des Tumors durch drei Mechanismen verhindert oder – wenn sich die Tumorzellen bereits eingenistet haben – zumindest stark reduziert werden. Diese Abwehrmechanismen sind:

  1. Unser Immunsystem macht gegen die Tumorzellen mobil.
  2. Der Körper weigert sich, die für das Tumorwachstum notwendige Entzündung zu generieren.
  3. Die den Krebs versorgenden Blutgefäße können sich nicht vermehren.

Wenn in der Umgebung des Tumors die für sein Wachstum erforderlichen Entzündungsfaktoren fehlen, kann er sich nicht ausbreiten und neue Blutgefäße bilden, die für seine Versorgung notwendig sind. Diese Entzündungsfaktoren werden durch unsere westliche Ernährungsweise stark gefördert. Dazu gehören Zucker und schnell resorbierbare Stärke aus Weißmehl, die das entzündungsfördernde Insulin und andere Wachstumsfaktoren provozieren, weiterhin zu wenig Omega-3- und zu viele Omega-6-Fettsäuren sowie Wachstumshormone im Fleisch und nicht biologischen Milchprodukten.

Umgekehrt kann unsere Nahrung jedoch auch Stoffe liefern, die der Krebsausbreitung entgegenwirken. Dazu gehören sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe in vielen Obst- und Gemüsesorten. Sie blockieren die oben genannten Mechanismen der Krebsentstehung und treiben bestehende Krebszellen auf diese Weise in den programmierten Selbstmord.

Grüner Tee, besonders der japanische Matcha oder Sencha, enthält mit verschiedenen Polyphenolen einige der wirksamsten Nahrungsmoleküle gegen die Entstehung und Ausbreitung von Krebszellen. Diese Moleküle werden bei der Fermentierung zu schwarzem Tee zerstört, sind jedoch in grünem reichlich vorhanden. Es empfiehlt sich, täglich sechs Tassen zu trinken. Dazu zwei Gramm Tee in einer Kanne zehn Minuten ziehen lassen und im Verlauf der nächsten Stunde trinken. Nach etwa einer Stunde werden die Polyphenole unwirksam.

Olivenöl enthält eine Fülle von Antioxidantien, von denen man annimmt, dass sie das Krebswachstum – besonders bei Brust-, Darm- und Gebärmutterkrebs – verlangsamen können. Besonders wirksam ist kaltgepresstes Olivenöl. Dazu einen Esslöffel Olivenöl pro Tag an warme oder kalte Speisen geben.

Soja enthält Phytoöstrogene, die das weibliche Hormon Östrogen blockieren. Tofu, Tempeh, Miso, Sojajoghurt, Sojabohnen und -sprossen können das Wachstum hormonabhängiger Tumore verlangsamen. Abgesehen davon blockieren Soja-Isoflavone die Neubildung von Blutgefäßen und spielen eine wichtige Rolle als Bestandteil einer Antikrebs-Ernährung. Unbedingt abzuraten ist – besonders bei hormonabhängigen Tumoren – von hoch dosierten Sojaöl-Kapseln.

Kurkuma ist Bestandteil von Curry und die stärkste Waffe unter den entzündungshemmenden Lebensmitteln. Es trägt zum programmierten Zelltod von Krebszellen bei, hemmt die Neubildung von Blutgefäßen und erhöht die Wirksamkeit einer Chemotherapie. Das kann es allerdings nicht allein. Es braucht zusätzlich schwarzen Pfeffer und Fett, um die Darmschranke zu überwinden. Am wirksamsten ist eine tägliche Mischung aus einem halben Teelöffel Kurkumapulver mit reichlich schwarzem Pfeffer und einem Teelöffel Olivenöl. Die alleinige Einnahme hochdosierter Kurkumakapseln ist wirkungslos.

Ingwer wirkt entzündungshemmend. Es bietet sich an, ein Stück Ingwer an Salate oder Suppen zu reiben oder als Tee aufzubrühen. Dazu wird ein Stück Ingwer in schmale Scheiben geschnitten und 10 bis 15 Minuten mit kochendem Wasser überbrüht. Ingwer hilft besonders auch gegen Übelkeit bei der Chemotherapie.

 

 

Sämtliche Kohlsorten und Kreuzblütlergemüse enthalten hochwirksame Antikrebs-Moleküle. Mit zwei Portionen pro Woche ist man auf einer guten Seite. Dabei ist zu beachten, sie nicht unnötig lange in Wasser zu kochen. Am besten werden die Inhaltsstoffe geschützt, wenn Kohl kurz im Dampf gegart oder im Wok in etwas Olivenöl kurz gebraten wird.

Pilze, besonders die japanischen Sorten oder aber auch der einheimische Seitling aktivieren das Immunsystem und verlangsamen dadurch das Tumorwachstum. In Japan werden Shiitake und Co. grundsätzlich als Ergänzung zu einer Chemotherapie verabreicht.

Beeren und Nüsse verhindern die Bildung neuer Blutgefäße. Besonders Himbeeren und Erdbeeren, aber auch Walnüsse, Haselnüsse und Pecannüsse enthalten einen bunten Cocktail von krebshemmenden Inhaltsstoffen. Auch Steinobst – vor allem Pflaumen – sind reich an Antikrebsstoffen. Eine einzige Pflaume enthält so viele Antioxidantien wie eine Handvoll Beeren.

Diese und viele weitere pflanzliche Lebensmittel wie Knoblauch und etliche Küchenkräuter sind starke Verbündete im Kampf gegen die Entstehung und Ausbreitung von Krebszellen. Das Gute daran ist, dass sie – wenn wir sie nutzen – jeden Tag mindestens dreimal zu den Mahlzeiten ihre Wirkung entfalten können. Damit haben sie – gänzlich ohne negative Nebenwirkungen – einen erheblichen Einfluss auf die biologischen Mechanismen, die das Wachstum von Krebszellen verlangsamen können. Mit einer abwechslungsreichen Mischung nutzt man besonders auch den Synergieeffekt. Dabei können einzelne Faktoren in einem Lebensmittel diejenigen in anderen um ein Vielfaches verstärken. Es lohnt sich in jedem Fall, diese Wirkungen zu nutzen, mit oder ohne Krebserkrankung.

Verwendete Literatur
David Servant-Schreiber: Das Anti-Krebs-Buch. Goldmann Verlag München, 15. Auflage 2002