ADHS – Kurzportrait zum Krankheitsbild (Erwachsene)

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ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) zählt zu den häufigsten neurobiologischen Störungen mit Beginn im Kindesalter. Betroffene leiden unter anhaltender Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Wir haben das Wichtigste zum Krankheitsbild zusammengefasst.

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Zuletzt aktualisiert:

23. August 2026

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Definition und Verbreitung

  • Definition: Die Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung mit den Kernsymptomen Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität; für die Diagnose müssen die Symptome mindestens sechs Monate bestehen und in mindestens zwei Lebensbereichen auftreten.
  • Verbreitung: Die Prävalenz im Erwachsenenalter liegt weltweit bei etwa 2,5 Prozent.
  • Deutschland: Die Diagnosehäufigkeit bei Kindern und Jugendlichen liegt laut KiGGS-Welle 2 bei 4,4 Prozent; als Orientierung für den Verlauf wird beschrieben, dass bei etwa 30 bis 80 Prozent der in der Kindheit diagnostizierten Personen Symptome im Erwachsenenalter fortbestehen.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Genetik/Medikamente (hoch): Es wird eine polygene Vererbung beschrieben; Verwandte ersten Grades haben ein erhöhtes Risiko und Zwillingsstudien stützen eine hohe Erblichkeit. Genvarianten, die die Signalübertragung von Dopamin und Serotonin sowie die neuronale Entwicklung steuern, werden als beteiligt beschrieben. Bestimmte Medikamente können ADHS-ähnliche Symptome als Nebenwirkung induzieren und gelten als Differenzialdiagnose.
  • Umwelt & Soziales (mittel): Prä- und perinatale Faktoren wie Frühgeburtlichkeit, niedriges Geburtsgewicht und Sauerstoffmangel bei der Geburt werden als Risikofaktoren genannt; pränataler Konsum von Nikotin, Alkohol oder Drogen wird als Risikofaktor beschrieben.

Formen

  • Vorwiegend unaufmerksames Erscheinungsbild: Unaufmerksamkeit dominiert; Hyperaktivität ist kaum ausgeprägt und wurde früher häufig als ADS bezeichnet.
  • Vorwiegend hyperaktiv-impulsives Erscheinungsbild: Motorische Unruhe und Impulsivität stehen im Vordergrund, während die Aufmerksamkeit weniger beeinträchtigt erscheinen kann.
  • Gemischtes Erscheinungsbild: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sind gleichermaßen ausgeprägt.

Entstehung

  • Genetische Prädisposition: Eine genetische Anlage wird als zentraler Faktor beschrieben; es wird kein einzelner Gendefekt genannt, sondern ein Zusammenwirken vieler Varianten.
  • Hirnreifung und Netzwerke: Es werden Abweichungen in der Hirnreifung und in fronto-striatalen Regelkreisen beschrieben, die exekutive Funktionen, Aufmerksamkeitssteuerung und Motorik betreffen.
  • Neurotransmitter-Dysbalance: Eine Dysbalance von Dopamin und Noradrenalin in relevanten Hirnarealen wird als Kernmechanismus beschrieben und mit der Symptomatik in Verbindung gebracht.
  • Modulation durch Umweltfaktoren: Prä-, peri- und postnatale Einflüsse sowie psychosoziale Faktoren werden als modulierend beschrieben und können den Schweregrad beeinflussen.

Symptome

  • Körperlich: Innere Unruhe, motorische Unruhe, Schlafstörungen, Tics, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen.
  • Psychisch: Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, geringe Frustrationstoleranz, vermindertes Selbstwertgefühl, Versagensängste.
  • Ernährungsbezogen: Impulsives Essen und Binge-Eating, Cravings nach stark zucker-, fett- oder salzreichen Lebensmitteln, unregelmäßige Mahlzeiten.
  • Leistungsbezogen: Organisationsdefizite, Probleme mit Arbeitsgedächtnis und Handlungsplanung, Flüchtigkeitsfehler, Vergesslichkeit.

Häufige Folgen und Komplikationen

  • Komplikationen: Erhöhtes Unfallrisiko, erhöhte Mortalität im Zusammenhang mit Unfällen, suizidales Verhalten.
  • Folgeerkrankungen: Adipositas, Substanzkonsumstörungen.
  • Begleiterkrankungen: Angststörungen, Depressionen, Störungen des Sozialverhaltens, Tic-Störungen.

Diagnostik

  • Anamnese: Erhebung der Kernsymptome mit zeitlichem Kriterium; situationsübergreifendes Auftreten in mindestens zwei Lebensbereichen; Erfassung der Entwicklungsgeschichte.
  • Labor: Es wird kein spezifischer Labormarker beschrieben; Labor dient dem Ausschluss organischer Ursachen und dem Erkennen möglicher Mangelzustände wie Ferritin, Vitamin D, Zink, Magnesium und Omega-3-Fettsäuren.
  • Apparativ: EEG und MRT werden als Verfahren zum Ausschluss anderer Erkrankungen beschrieben, nicht als Routine zur Diagnose.

Therapiesäulen

  • Medikamentöse Therapie: Stimulanzien wie Methylphenidat und Amphetamine sowie Nicht-Stimulanzien wie Atomoxetin und Guanfacin werden genannt; Appetitminderung und Gewichtsverlust werden als häufige Nebenwirkungen beschrieben.
  • Psychosoziale und psychotherapeutische Maßnahmen: Psychoedukation und Verhaltenstherapie werden als Bausteine genannt, mit Fokus auf Selbstmanagement, Strukturierung und Impulskontrolle.
  • Ernährungstherapeutische Maßnahmen: Oligoantigene Diät zur Identifikation möglicher Trigger bei einer Subgruppe; Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren sowie Zink und Eisen vor allem bei nachgewiesenem Mangel; Orientierung an mediterraner Kost oder DASH-Diät und Reduktion hochverarbeiteter Lebensmittel werden beschrieben.