Adipositas – Kurzportrait zum Krankheitsbild

Inhaltstyp: Kurzprofil ? Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.

Adipositas ist weit mehr als nur „Übergewicht“. Sie zählt heute zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen weltweit und betrifft in Deutschland bereits Millionen Menschen. Wir haben das Krankheitsbild kompakt zusammengefasst.

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Zuletzt aktualisiert:

23. August 2026

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Definition und Verbreitung

  • Definition: Chronische Erkrankung mit übermäßiger Fettansammlung; Diagnose meist über den Body-Mass-Index (BMI ≥ 30).
  • Verbreitung: Betrifft Erwachsene am häufigsten, zunehmend auch Kinder und Jugendliche; Unterschiede nach Geschlecht und Alter, teils höhere Raten bei Männern.
  • Deutschland: Rund 23,6 % der Erwachsenen (ca. 16 Mio. Menschen) sind adipös.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Ernährung (hoch): Kalorienüberschuss, Zuckergetränke, fettreiche und verarbeitete Lebensmittel.
  • Lebensstil (hoch): Bewegungsmangel, unregelmäßiges Essen, Schlafdefizit.
  • Umwelt & Soziales (mittel): Junkfood-Angebot, Werbung, niedriger sozioökonomischer Status, Esskultur.
  • Genetik (mittel): Erbliche Veranlagung, u. a. Gene wie FTO und MC4R.
  • Medikamente (gering–mittel): z. B. Antidepressiva, Antipsychotika, Kortikosteroide, Betablocker
  • Erkrankungen (gering): Typ-2-Diabetes, Hypothyreose, PCOS, Schlafapnoe.

Formen/ Stadien

  • Adipositas Grad 1: BMI 30–34,9; erhöhtes Risiko für gesundheitliche Probleme.
  • Adipositas Grad 2: BMI 35–39,9; deutlich höheres Risiko für schwere Erkrankungen wie Diabetes oder Herzprobleme.
  • Adipositas Grad 3: BMI ≥ 40 („morbide Adipositas“); sehr hohes Risiko, häufig medizinische Intervention notwendig.
  • Bauchfett (zentral): besonders riskant.
  • Hüft-/Oberschenkelfett (peripher): meist weniger riskant

Entstehung und Verlauf

  • Fettaufbau: Erhöhte Kalorienaufnahme → vermehrte Fettspeicherung, reduzierte Fettfreisetzung.
  • Entzündung: Chronische Entzündungsreaktionen durch Botenstoffe aus dem Fettgewebe.
  • Hormone: Ungleichgewicht von Leptin und Ghrelin → gestörte Appetitregulation.
  • Insulinresistenz: Überschüssiges Fett führt zu Störungen im Glukosestoffwechsel.
  • Folge: Entwicklung eines metabolischen Syndroms mit Bluthochdruck, Fettstoffwechsel- und Zuckerstoffstörungen.

Symptome

  • Körperlich: Übergewicht, Atemnot, Schlafapnoe, Gelenkschmerzen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette.
  • Psychisch: Depression, Angst, geringes Selbstwertgefühl, soziale Isolation.
  • Ernährungsbezogen: Heißhunger, geringe Sättigung, unregelmäßiges Essverhalten.
  • Leistungsbezogen: Erschöpfung, reduzierte Belastbarkeit, Konzentrationsprobleme.

Folgen und Komplikationen

  • Komplikationen: Atemnot, Schlafapnoe, Gelenk- und Hautprobleme, psychische Belastungen.
  • Folgeerkrankungen: Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Fettleber.
  • Begleiterkrankungen: Depressionen, Gicht, Gallensteine, verstärkter Bewegungsmangel.

Diagnostik

  • Anamnese: Gewicht, Größe, Ernährung, Aktivität, familiäre Belastung.
  • Anthropometrie: BMI, Taillen-Hüft-Verhältnis, Körperfettanteil.
  • Labor: Blutfette, Blutzucker, Schilddrüsen- und Leberwerte.
  • Apparativ: Ultraschall, Röntgen, MRT.

Therapiesäulen

  • Ernährungstherapie: Kalorienreduktion, mediterrane Ernährung, Low-Carb, Intervallfasten.
  • Lebensstiltherapie: Bewegung, Verhaltensänderung, Stressbewältigung, Schlafhygiene.
  • Psychologische Unterstützung: Verhaltenstherapie, Gruppentherapie, Selbsthilfe.
  • Medikamentöse Therapie: Orlistat, Metformin, GLP-1-Agonisten, Bupropion/Naltrexon.
  • Chirurgische Therapie: Magenbypass, Schlauchmagen, Magenband.