ARFID – Kurzportrait zum Krankheitsbild

Inhaltstyp: Kurzprofil ? Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.

ARFID (Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder) ist eine Essstörung, die durch anhaltende Vermeidung oder starke Einschränkung der Nahrungsaufnahme gekennzeichnet ist, ohne gestörtes Körperbild oder Wunsch nach Gewichtsabnahme. Sie tritt meist im Kindesalter auf, kann aber auch Erwachsene betreffen, und geht häufig mit psychischen oder entwicklungsbezogenen Störungen einher.

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Zuletzt aktualisiert:

23. August 2026

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Definition und Verbreitung

  • Definition: Essstörung mit anhaltender Vermeidung von Nahrungsmitteln aufgrund sensorischer Aversionen, Angst vor negativen Konsequenzen oder fehlendem Interesse am Essen; kein gestörtes Körperbild wie bei Anorexie
  • Verbreitung: v. a. bei Kindern und Jugendlichen, zunehmend auch bei Erwachsenen; beide Geschlechter betroffen, häufiger bei komorbiden psychischen Erkrankungen
  • Deutschland: ca. 3–5 % der Kinder und Jugendlichen betroffen (Daten unsicher, Tendenz steigend)

Ursachen und Risikofaktoren

  • Psychische Erkrankungen (hoch): Angststörungen, Depressionen, Autismus-Spektrum-Störungen, Zwangsstörungen, sensorische Verarbeitungsstörungen
  • Umwelt & Soziales (hoch): belastende Esserfahrungen, Überbehütung, familiäre Konflikte, soziale Isolation
  • Ernährung (mittel): Mangelernährung als Folge oder Verstärker, Aversionen gegen bestimmte Konsistenzen oder Geschmäcker
  • Genetik (mittel): familiäre Häufung, genetische Disposition v. a. bei Angst- und Wahrnehmungsverarbeitung
  • Lebensstil (gering–mittel): Stress, geringe Alltagsstruktur, Rückzug, Bewegungsmangel
  • Medikamente (gering): Nebenwirkungen von Antidepressiva, Stimulanzien, Anxiolytika (appetithemmend)
  • Soziodemografie (gering–mittel): häufiges Auftreten im Kindes- und Jugendalter, möglicher Einfluss von männlichem Geschlecht, sozioökonomische Belastungen wie geringes Einkommen oder eingeschränkter Zugang zu Versorgung als potenzielle Verstärker

Formen

  • Akute ARFID: plötzlicher Beginn nach Trauma oder Erkrankung, ausgeprägte Vermeidung
  • Chronische ARFID: langanhaltendes, selektives Essverhalten, meist seit früher Kindheit
  • Emotionale ARFID: durch Angst oder emotionale Belastung getriggertes Meideverhalten, ggf. phobisch
  • Somatische ARFID: körperliche Beschwerden wie Übelkeit oder Schmerzen führen zur Vermeidung (somatogene Komponente)

Entstehung

  • Nahrungsvermeidung: selektives, restriktives Essverhalten (Menge, Art, Textur)
  • Nährstoffmangel: Unterversorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen, Energie
  • Gewichtsverlust: v. a. bei längerer Dauer und fehlender Kompensation
  • Körperliche Symptome: Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Haut-/Haarprobleme, Kreislaufschwäche
  • Psychische Auswirkungen: Angst, depressive Symptome, Zwangsaspekte, gestörte Emotionsregulation
  • Soziale Isolation: Rückzug durch Essenssituationen, Scham, soziale Ängste

Symptome

  • Körperlich: Gewichtsverlust, Mangelernährung, Müdigkeit, Kreislaufbeschwerden, gastrointestinale Symptome
  • Psychisch: Angst, Depression, Reizbarkeit, emotionale Labilität, sozialer Rückzug
  • Ernährungsbezogen: selektives Meiden, Appetitlosigkeit, schnelle Sättigung, Meidung sozialer Mahlzeiten
  • Leistungsbezogen: Konzentrationsschwäche, Erschöpfung, schulisch/beruflich eingeschränkt

Häufige Folgen und Komplikationen

  • Komplikationen: chronische Mangelernährung, Wachstumsverzögerung, geschwächtes Immunsystem
  • Folgeerkrankungen: Osteopenie/Osteoporose, Anämie, kardiovaskuläre Dysregulation, Verdauungsstörungen
  • Begleiterkrankungen: Depressionen, Angst-, Zwangs- und Vermeidungssymptomatik, soziale Phobie

Diagnostik

  • Anamnese: detailliertes Essverhalten, Entwicklungsgeschichte, emotionale/soziale Belastungsfaktoren
  • Anthropometrie: Gewicht, Größe, BMI, Wachstumskurven
  • Labor: Eisen ↓, Zink ↓, Vitamin B12 ↓, Vitamin D ↓, Natrium ↓, Kalium ↓/↑, TSH ↑/↓
  • Apparativ: bei Verdacht auf organische Ursachen: Sonographie, Endoskopie, ggf. EEG, MRT (bei Komorbiditäten)

Therapiesäulen

  • Psychotherapie/Verhaltenstherapie: Expositionstraining, Angstbewältigung, Elternarbeit, Psychoedukation
  • Ernährungstherapie: Aufbau sicherer Nahrungsmittel, strukturierte Mahlzeiten, Ernährungsprotokolle
  • Lebensstil: Stressregulation, Alltagsstruktur, Gruppenangebote, psychosoziale Stabilisierung
  • Medikamentös: evtl. SSRIs bei Angst/Depression, Appetitanreger in Einzelfällen (off-label)