Inhaltstyp: Kurzprofil Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.
Das Handout zeigt Definition und Verbreitung, Ursachen und Risikofaktoren, verschiedene Formen der Erkrankung, Entstehung, Symptome, Folgen und Komplikationen, Diagnostik sowie die relevanten Therapiesäulen zur Arthrose.
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Definition und Verbreitung
- Definition: Die Arthrose ist eine chronische Gelenkerkrankung, die durch ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastungsfähigkeit des Gelenks entsteht. Sie ist gekennzeichnet durch eine progressive Zerstörung des Gelenkknorpels und pathologische Veränderungen aller anderen Gelenkstrukturen (Bänder, Knochen, Gelenkkapsel, Muskulatur).
- Verbreitung: Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung. Frauen (21,8 %) sind deutlich häufiger betroffen als Männer (13,9 %). Das Risiko steigt massiv mit dem Alter – ab 65 Jahren ist fast jede zweite Frau und jeder dritte Mann betroffen.
- Deutschland: Etwa 6 Millionen Bundesbürger leiden an Arthrose; 17,9 % der Erwachsenen gaben an, in den letzten 12 Monaten betroffen gewesen zu sein. Ab 65 Jahren weisen nahezu alle Menschen degenerative Gelenkveränderungen auf.
Ursachen und Risikofaktoren
- Erkrankungen (hoch): Traumata und Verletzungen (etwa ein Drittel aller Arthrosen sind Unfallfolgen), Fehlstellungen (X- oder O-Beine), Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus Typ 2, Gicht).
- Lebensstil (hoch): Übergewicht (stärkster Risikofaktor – mehr als doppeltes Risiko, Knieprothesen 13 Jahre früher nötig), berufliche Belastung (schweres Heben, Knien, Hocken erhöhen Risiko um 25 %), verletzungsintensive Sportarten (Fußball, Handball).
- Ernährung (mittel): Arachidonsäure aus tierischen Fetten (Schweinefleisch, Wurst, Eigelb), Zucker und raffinierte Kohlenhydrate, westliche Diät reich an Fleisch und Getreideprodukten.
- Umwelt & Soziales (mittel): Chronische Entzündungen durch Umweltgifte, Schwermetallbelastung in Meeresfisch (bei Omega-3-Quellen relevant).
- Genetik/Medikamente: Primäre Arthrose durch biologische Minderwertigkeit des Knorpelgewebes (genetisch), häufige intraartikuläre Kortikosteroide können Knorpelstoffwechsel hemmen, Nikotin verschlechtert Sauerstoffversorgung.
Formen
- Primäre (idiopathische) Arthrose: Keine erkennbare äußere Ursache, biologische Minderwertigkeit des Knorpelgewebes, oft genetisch bedingt (besonders bei Fingerpolyarthrosen).
- Sekundäre Arthrose: Folge von Traumata, Fehlstellungen, Entzündungen oder metabolischen Störungen.
- Stumme Phase: Radiologische Veränderungen vorhanden, aber keine subjektiven Beschwerden (nur ca. 25 % mit Röntgenbefund haben Schmerzen).
- Aktivierte Arthrose: Akuter Entzündungszustand mit Schwellung, Erguss, Überwärmung, Rötung und Ruheschmerz.
Entstehung
- Initiales Ungleichgewicht: Missverhältnis zwischen Belastung und Belastungsfähigkeit führt zur Unterversorgung des Knorpels durch gestörten Pumpmechanismus.
- Knorpeldegeneration: Die Knorpeloberfläche raut auf, wird weicher, verliert Elastizität und Pufferfunktion. Erste Risse entstehen.
- Entzündungskaskade: Knorpelabrieb löst Entzündung der Gelenkinnenhaut aus. Entzündungszellen setzen knorpelabbauende Enzyme frei – ein Teufelskreis beginnt.
- Knochenumbau: Subchondrale Sklerosierung (Knochenverdichtung), Osteophytenbildung (Knochenanbauten zur Lastverteilung), Zystenbildung im Knochen.
- Spätstadium: Vollständiger Knorpelverlust („Knochen auf Knochen“), Gelenkspalt aufgehoben, Kapselschrumpfung, Muskelatrophie, Fehlstellungen, Dauerschmerz.
Symptome
- Körperlich: Anlaufschmerz (Frühzeichen), Belastungsschmerz, Anlaufsteifigkeit, Ruhe- und Nachtschmerz (fortgeschritten), Bewegungseinschränkung, Gelenkgeräusche (Krepitation), Schwellung und Erguss bei Entzündung.
- Psychisch: Depression und Ängstlichkeit durch chronische Schmerzen, Schmerzgedächtnis (Sensibilisierung), verminderte Lebensqualität, sozialer Rückzug.
- Ernährungsbezogen: Verstärkte Entzündungsneigung durch ungünstiges Fettsäureverhältnis, Adipositas als Symptomverstärker (mechanisch und metabolisch).
- Leistungsbezogen: Reduzierte Gehstrecke, Einschränkung im Sport (besonders High-Impact), berufliche Einschränkungen bei Knien/Hocken/Heben, Verlust der Alltagskompetenz.
Folgen und Komplikationen
- Komplikationen: Aktivierte Arthrose (entzündliche Episoden), Zystenbildung, Baker-Zyste am Knie, sekundäre Arthrosen in benachbarten Gelenken durch Ausgleichsbewegungen.
- Folgeerkrankungen: Chronifizierung des Schmerzes (Schmerzgedächtnis), Muskelatrophie und Instabilität, Kontrakturen und Versteifung, Deformitäten (X-/O-Beine).
- Begleiterkrankungen: Metabolisches Syndrom und Adipositas, Diabetes mellitus (erhöht OP-Risiken), Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch chronische Entzündungsprozesse.
Diagnostik
- Anamnese: Anlaufschmerz, Belastungsschmerz, Anlaufsteifigkeit als Leitsymptome; Risikofaktoren (Traumata, Übergewicht, berufliche Belastung); Funktionseinschränkungen im Alltag.
- Labor: Bei reiner Arthrose unauffällig; dient dem Ausschluss anderer Ursachen (Gicht: Harnsäure; Rheumatoide Arthritis: Entzündungswerte, Rheumafaktoren).
- Apparativ: Röntgen als Standard (Gelenkspaltverschmälerung, Osteophyten, Sklerosierung, Zysten); Klassifikation nach Kellgren-Lawrence (Stadium 0–4); Sonographie für Weichteile (Erguss, Bakerzyste); MRT nur bei unklaren Beschwerden oder zur OP-Planung.
Therapiesäulen (nach Relevanz)
- Bewegungstherapie: Regelmäßige Low-Impact-Sportarten (Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking) fördern Knorpelernährung durch Pumpmechanismus, stabilisieren durch Muskelkräftigung. Höchste Empfehlungsstärke in Leitlinien.
- Gewichtsmanagement: Bei BMI > 25 dringend Gewichtsreduktion – jedes verlorene Prozent verbessert Schmerz/Funktion um 2 %. Reduziert mechanische Last und entzündungsfördernde Adipokine.
- Ernährungstherapie: Arachidonsäure-Reduktion (Verzicht auf Schweinefleisch, Wurst, Eigelb), Omega-3-Erhöhung (fetter Fisch 2x/Woche oder Supplemente), mediterrane/pflanzenbasierte Kost, Lauchgemüse für Knorpelschutz.
- Medikamentöse Therapie: Topische NSAR (Salben) als erste Wahl, orale NSAR bei Bedarf mit Magenschutz, Kortison-Injektionen bei aktivierter Arthrose (2–10 Wochen wirksam). Nicht empfohlen: Paracetamol, Glucosamin, Chondroitin.
- Operative Therapie: Gelenkersatz (Endoprothetik) als Ultima Ratio bei ausgeschöpfter konservativer Therapie und hohem Leidensdruck. Umstellungsosteotomie bei Fehlstellungen. Arthroskopische Gelenkspülung nicht empfohlen.