Inhaltstyp: Kurzprofil Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.
Dekubitus (Druckgeschwür) ist eine lokale Schädigung von Haut und Gewebe, die durch anhaltenden Druck, Reibung oder Scherkräfte entsteht. Besonders ältere und immobile Menschen sind betroffen Unbehandelt kann es zu tiefen Wunden, Infektionen und schweren Komplikationen kommen.
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Definition und Verbreitung
- Definition: Lokale Haut- und Gewebeschädigung durch langanhaltenden Druck, oft kombiniert mit Reibung und Scherkräften
- Verbreitung: Vor allem bei immobilen und pflegebedürftigen Personen, häufiger bei älteren Menschen
- Häufigkeit (DE): Rund 15 % der Krankenhauspatienten und bis zu 30 % der Pflegeheimbewohner betroffen
Ursachen und Risikofaktoren
- Lebensstil (hoch): langes Liegen/ Immobilität, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol
- Erkrankungen (hoch): Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologische Störungen, chronische Lungenerkrankungen
- Ernährung (mittel): Mangelernährung, Protein- und Vitaminmangel (v. a. C, Zink)
- Medikamente (mittel): Kortikosteroide, Immunsuppressiva, Opioide
- Umwelt & Soziales (gering): Eingeschränkter Zugang zu Gesundheitsdiensten, mangelnde Unterstützung, ungünstige Wohnbedingungen
- Genetik (gering): Prädisposition durch Gene für Haut- und Gewebestrukturen (z. B. Kollagen)
Entstehung/ Verlauf
- Druckeinwirkung: Langanhaltender Druck auf Körperstellen (z. B. Liegen, Sitzen) vermindert die Blutzirkulation.
- Ischämie: Sauerstoff- und Nährstoffmangel im Gewebe, erste Zellschädigung.
- Gewebenekrose: Fortgesetzte Ischämie führt zum Absterben von Zellen und Gewebe.
- Entzündungsreaktion: Aktivierung von Immunzellen, Schwellung und Rötung.
- Infektionsrisiko: Geschädigte Hautbarriere erleichtert Keimeintritt und verzögert Heilung.
- Chronifizierung: Ohne Druckentlastung persistiert die Wunde, Heilung bleibt aus, Komplikationen entstehen.
Stadien
- Stadium 1: Nicht wegdrückbare Rötung der Haut, noch ohne offene Wunde
- Stadium 2: Blasenbildung oder oberflächliche Wunden, begrenzt auf Hautschichten
- Stadium 3: Tiefe Wunden bis ins Unterhautfettgewebe, deutliche Gewebeschäden
- Stadium 4: Sehr tiefe Wunden mit Beteiligung von Muskeln, Sehnen oder Knochen
Symptome
- Körperliche Symptome: Hautrötungen (Frühsymptom!), Blasen, Geschwüre, Druckschmerzen, Gewebeverlust, Druckempfindlichkeit, Fieber, Infektionen
- Psychische Symptome: Angst, Stress, Depression, Schlafstörungen, soziale Isolation
- Ernährungsbezogene Symptome: Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Mangelernährung
- Leistungsbezogene Symptome: Müdigkeit, Schwäche, eingeschränkte Mobilität, schnelle Erschöpfung, verminderte Leistungsfähigkeit
Folgen und Komplikationen
- Komplikationen: Hautinfektionen, Sepsis, Gewebezerstörung, Schmerzen, eingeschränkte Mobilität
- Folgeerkrankungen: Osteomyelitis, chronische Wunden
- Häufige Begleiterkrankungen: Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologische Erkrankungen
Diagnostik
- Anamnese: Patientenanamnese, Risikofaktoren, Schmerzempfinden, Mobilitätseinschränkungen, Hautveränderungen
- Anthropometrie: Körpergewicht, Körpergröße, Body-Mass-Index (BMI)
- Labordiagnostik: Entzündungsmarker, Elektrolyte, Blutbild
- Apparative Diagnostik: Hautinspektion, Ultraschalluntersuchung, ggf. MRT oder CT bei tieferliegenden Läsionen
Therapiesäulen (nach Relevanz)
- Lebensstiltherapie: regelmäßige Positionswechsel/ Druckentlastung, Hautpflege, Mobilisation fördern
- Chirurgische Therapie: Debridement, Hauttransplantation, chirurgische Wundversorgung
- Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel, Antibiotika, Wundheilungsmittel
- Ernährungstherapie: hochkalorische Kost, eiweißreiche Ernährung, Flüssigkeitszufuhr
- Weitere: physikalische Therapie, Druckentlastungstechniken, psychosoziale Unterstützung