Inhaltstyp: Kurzprofil Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.
Das Krankheitsbild in der Schnellübersicht stellt dar: Definition, Ursachen und Risikofaktoren, Formen/ Stadien, Entstehung und Symptome, Folgen, Diagnostik sowie Therapiesäulen der Divertikelkrankheit. Die Übersicht kann von Mitgliedern als (PDF-)Handout gedruckt werden.
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Definition und Verbreitung
- Definition: Die Divertikelkrankheit bezeichnet einen symptomatischen Zustand, der auf das Vorhandensein von Divertikeln im Dickdarm zurückzuführen ist und Beschwerden oder Komplikationen verursachen kann.
- Verbreitung: Divertikel treten vor allem mit steigendem Alter auf. Viele Betroffene bleiben ohne Beschwerden, ein Teil entwickelt Symptome oder Entzündungen.
- Deutschland: Divertikel finden sich bei etwa 28 bis 40 % der Bevölkerung in Screening-Koloskopien (jeder Dritte ist durchschnittlich betroffen). Die Zahl stationärer Behandlungen lag in Deutschland im Jahr 2020 bei über 116.000 Fällen.
Ursachen und Risikofaktoren
- Erkrankungen (hoch): Veränderungen der Darmwand und der Darmmotilität mit Bildung von Hochdruckkammern im Dickdarm, die das Ausstülpen der Schleimhaut begünstigen.
- Lebensstil (hoch): Ballaststoffarme Ernährung mit geringem Stuhlvolumen und erhöhter Druckbelastung im Dickdarm.
- Genetik und Alter: Das Risiko steigt deutlich mit dem Alter; Zwillingsstudien sprechen für einen relevanten genetischen Anteil.
Formen
- Asymptomatische Divertikulose (CDD Typ 0): Divertikel ohne Beschwerden und ohne Komplikationen.
- Akute unkomplizierte Divertikulitis (CDD Typ 1): Entzündung ohne Abszess oder freie Perforation, häufig mit Schmerzen im linken Unterbauch.
- Akute komplizierte Divertikulitis (CDD Typ 2): Entzündung mit Komplikationen wie Abszess oder Perforation.
- Chronische Divertikelkrankheit (CDD Typ 3): Wiederkehrende oder anhaltende Beschwerden mit oder ohne wiederholte Entzündungsschübe.
- Divertikelblutung (CDD Typ 4): Schmerzlose Blutung aus einem Divertikel ohne gleichzeitige Entzündung.
- Subtypen (CDD): Typ 1a und 1b, Typ 2a, 2b und 2c, Typ 3a, 3b und 3c – Die Subtypen differenzieren nach Ausmaß der Umgebungsreaktion (Typ 1), nach Art und Schwere der Komplikation (z. B. Mikro-/Makroabszess bzw. freie Perforation bei Typ 2) sowie nach chronischem Verlauf (SUDD/rezidivierend mit oder ohne Komplikationen bei Typ 3) und sind damit klinisch und therapeutisch relevant.
Entstehung
- Anatomische Schwachstellen: Gefäßdurchtrittsstellen in der Muskelschicht bilden Schwachstellen, an denen sich Schleimhaut und Submukosa des Darms nach außen vorwölben.
- Wandveränderungen: Veränderungen des Bindegewebes sowie eine Verdickung der Muskulatur begünstigen die Druckbelastung und die Ausbildung von Divertikeln.
- Motilitätsstörung: Unkoordinierte Kontraktionen führen zu einem stark erhöhten intraluminalem Druck und fördern die Divertikelbildung zusätzlich.
- Entzündung: Kotsteine können ein Divertikel verschließen, wodurch Ischämie, Mikroverletzungen und bakterielle Besiedelung eine Entzündung auslösen.
- Blutung: Mechanische Reize können Gefäße im Bereich des Divertikels schädigen und eine Blutung verursachen.
Symptome
- Körperlich: Schmerzen im linken Unterbauch, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall, Übelkeit, Fieber, schmerzlose Blutabgänge bei Blutung.
- Psychisch: Reduzierte Lebensqualität, Angst, depressive Symptome.
- Ernährungsbezogen: Beschwerden nach dem Essen, Völlegefühl, Nahrungsmittelunverträglichkeit, Angst vor “falschen” Lebensmitteln.
- Leistungsbezogen: Krankheitsgefühl, reduzierte Belastbarkeit, Arbeitsunfähigkeit.
Folgen und Komplikationen
- Komplikationen: Abszessbildung, Perforation mit Bauchfellentzündung, Darmverschluss, Fisteln, Blutungen.
- Folgeerkrankungen: Stenosen durch Vernarbung, schwelende Entzündung mit anhaltenden Schmerzen.
- Häufige Begleiterkrankungen: Arterielle Hypertonie, Nierenerkrankungen, Zustände mit Immunsuppression.
Diagnostik
- Anamnese: Schmerzlokalisation und Verlauf, Stuhlveränderungen, Fieber, Hinweise auf Komplikationen wie Luft im Urin oder Schmerzen beim Wasserlassen.
- Labor: Entzündungsparameter wie C reaktives Protein und Leukozyten, Urinstatus zur Abgrenzung eines Harnwegsinfekts, Calprotectin im Stuhl zur Abgrenzung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Reizdarmsyndrom bei chronischen Beschwerden.
- Apparativ: Sonografie zur Bestätigung und Einordnung, Computertomografie bei komplizierten oder unklaren Verläufen, Koloskopie nach Abklingen der Entzündung zur Abklärung und bei Divertikelblutung zur Lokalisation und Blutstillung.
Therapiesäulen (nach Relevanz)
- Lebensstil und Ernährung: Ballaststoffreiche Ernährung in der beschwerdefreien Phase, Reduktion von rotem Fleisch, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Gewichtsmanagement, Rauchstopp.
- Medikamentöse Therapie: Schmerztherapie mit geeigneten Analgetika; Antibiotika bei komplizierten Verläufen und bei erhöhtem Risiko; Mesalazin als Option zur symptomatischen Behandlung bei chronischer Beschwerdesymptomatik.
- Bewegung und Prävention: Regelmäßige körperliche Aktivität zur Risikoreduktion; Vermeidung von nichtsteroidalen Antirheumatika und Opioiden, wenn möglich.
- Operative Therapie: Bei rezidivierender Divertikulitis wird die Entscheidung zur Operation individuell anhand der Lebensqualität, der Beschwerdelast und des Risikoprofils getroffen.