Inhaltstyp: Kurzprofil Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.
Die 12 Ernährungsoptionen stellen mögliche nicht-medikamentöse Stellschrauben in der Therapie von Krebserkrankungen während konservativer Behandlungen und zur Nachsorge dar. Mitglieder können die Übersicht als (PDF-)Handout drucken und als Gesprächsgrundlage nutzen.
Für den übersichtlichen Druck der folgenden Einträge ist ein Login erforderlich.
Regelmäßiges Screening auf Mangelernährung und Gewichtsverlust
- Kurze Begründung: Mangelernährung und Tumorkachexie sind häufig und gehen mit einer schlechteren Prognose, mehr Behandlungskomplikationen und einer geringeren Lebensqualität einher.
- Umsetzung: Die Entwicklung von Körpergewicht, Appetit und Essmengen wird fortlaufend erfasst. Ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust gilt als wichtiges Warnsignal.
- Einsatz: Bei allen Krebsarten in Behandlung und Nachsorge, besonders bei fortgeschrittener Erkrankung, bei Entzündungsreaktion und bei eingeschränkter Nahrungsaufnahme.
Strukturierte, individuelle Ernährungstherapie
- Kurze Begründung: Für qualifizierte, strukturierte Ernährungsberatung besteht die stärkste Evidenz (Evidenzlevel 1). Bei Bedarf wird sie durch orale Nahrungssupplemente (ONS, medizinische Trinknahrung) ergänzt.
- Umsetzung: Individuelle Beratung mit konkretem Plan zur Energie- und Proteinsteigerung; ONS bei unzureichender Aufnahme.
- Einsatz: Besonders bei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich oder im Gastrointestinaltrakt unter Strahlentherapie sowie bei Personen mit Gewichtsverlust oder eingeschränkter Nahrungsaufnahme.
Bedarfsdeckende Energie- und Proteinzufuhr
- Kurze Begründung: Ein starker Konsens stützt die Anpassung von Energie- und Proteinaufnahme, um anabole Resistenz und Muskelabbau zu adressieren.
- Umsetzung: Orientierung an 25 bis 30 kcal pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag und 1,2 bis 1,5 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, angepasst an klinische Situation und Verträglichkeit.
- Einsatz: In Phasen mit erhöhtem Risiko für Mangelernährung, Gewichtsverlust oder Sarkopenie.
Enterale vor parenteraler Ernährung
- Kurze Begründung: Bei der langfristig unzureichenden oralen Nahrungsaufnahme wird die enterale Ernährung bevorzugt, da sie mit weniger Infektionskomplikationen einhergeht, kosteneffizienter ist und die Darmbarriere unterstützt.
- Umsetzung: Sondenernährung als nächste Stufe, wenn Beratung/ONS nicht ausreichen; parenterale Ernährung nur, wenn enteral nicht möglich oder nicht ausreichend.
- Einsatz: Bei dauerhaft unzureichender Energie- und Proteinzufuhr trotz oraler Maßnahmen.
Anreichern von Speisen zur Energieverdichtung
- Kurze Begründung: Bei Appetitlosigkeit und frühem Sättigungsgefühl können kleine Portionen mit hoher Energiedichte das Erreichen des Bedarfs erleichtern.
- Umsetzung: Energiereiche Komponenten werden gezielt ergänzt. Geeignet sind zum Beispiel pflanzliche Öle, Nussmuse, Sahne, Käse, Avocado oder energiereiche Zwischenmahlzeiten.
- Einsatz: Bei Inappetenz, bei schneller Sättigung, bei Übelkeit mit kleinen tolerierten Mengen und in Phasen mit Fatigue.
Umgang mit Übelkeit, Erbrechen und Geschmacksveränderungen
- Kurze Begründung: Übelkeit, Erbrechen und Geschmacksveränderungen sind häufige Nebenwirkungen von Chemotherapie und weiteren Behandlungen und können die Nahrungsaufnahme deutlich reduzieren.
- Umsetzung: Mild gewürzte, gut verträgliche Speisen und an die individuelle Verträglichkeit angepasste Mahlzeiten stehen im Vordergrund. Flüssigkeitszufuhr wird über passende Getränke und Speisen unterstützt.
- Einsatz: Während Chemotherapie und bei symptomatischen Phasen, in denen Essen und Trinken eingeschränkt sind.
Verzicht auf restriktive Krebsdiäten
- Kurze Begründung: Für spezielle Krebsdiäten gibt es keine Evidenz für ein Heilen oder Stoppen des Tumorwachstums. Restriktive Diäten erhöhen das Risiko für Gewichtsverlust und Mangelernährung.
- Umsetzung: Eine ausgewogene, bedarfsgerechte Ernährung wird bevorzugt. Stark einschränkende Diätformen werden kritisch geprüft, besonders bei bereits reduziertem Gewicht oder geringer Nahrungsaufnahme.
- Einsatz: In Behandlung und Nachsorge, besonders bei Personen mit Gewichtsverlust, reduzierter Muskelmasse oder hoher Therapielast.
Vorsichtiger Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln
- Kurze Begründung: Hoch dosierte Vitamine und antioxidative Präparate können Wechselwirkungen mit Strahlen und Chemotherapie haben und die Wirksamkeit verringern, wenn Therapien auf freien Radikalen beruhen.
- Umsetzung: Eine Substitution erfolgt vorrangig bei nachgewiesenem Mangel. Die Einnahme von Präparaten wird mit der medizinischen Behandlung abgestimmt.
- Einsatz: Besonders während Strahlentherapie und Chemotherapie sowie bei komplexen Medikationsplänen.
Hygieneorientierte Ernährung statt keimarmer Spezialdiäten
- Kurze Begründung: Eine keimarme Ernährung wird nicht mehr generell empfohlen, da sie Infektionen nicht deutlich reduziert und die Lebensqualität einschränken kann. Der Schwerpunkt liegt auf Küchenhygiene.
- Umsetzung: Saubere Zubereitung, Kühlkette, ausreichendes Erhitzen und hygienischer Umgang mit rohen Lebensmitteln stehen im Vordergrund.
- Einsatz: Bei immunsupprimierten Phasen, zum Beispiel bei Neutropenie, sowie bei hoher Infektanfälligkeit.
Überwiegend pflanzenbasierte Ernährung
- Kurze Begründung: Die stärkste Evidenz in der Nachsorge beruht überwiegend auf großen Kohortenstudien und Empfehlungen internationaler Fachgesellschaften (z. B. WCRF).
- Umsetzung: Ernährungsmuster mit hohem Anteil an Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten; Ziel ist ein BMI 18,5 bis 25 kg/m².
- Einsatz: Langfristige Rückfall- und Sekundärprävention, individuell angepasst (z. B. bei persistierendem Mangelernährungsrisiko).
Strikte Limitierung von Schad- und Risikofaktoren
- Kurze Begründung: Hohe Evidenz stützt die Empfehlung, rotes Fleisch, stark verarbeitete Wurstwaren, Fast Food und zuckergesüßte Getränke deutlich zu reduzieren; Alkohol ist ein relevanter Risikofaktor für mehrere Krebsarten.
- Umsetzung: Minimieren der genannten Lebensmittelgruppen; Alkohol vermeiden.
- Einsatz: Langfristige Präventionsstrategie in der Nachsorge.
Bewegung als Ergänzung
- Kurze Begründung: Regelmäßige körperliche Aktivität unterstützt das Erhalten von Muskelmasse, das Steigern der Leistungsfähigkeit und das Lindern von Fatigue.
- Umsetzung: Moderate Aktivität und Krafttraining werden im Rahmen der individuellen Belastbarkeit umgesetzt. Die Ernährung unterstützt dabei eine ausreichende Energie und Proteinzufuhr.
- Einsatz: In Behandlung und Nachsorge, besonders bei Fatigue, Muskelschwäche und reduziertem Aktivitätsniveau.