Omega-3-Fettsäuren – Kleiner Steckbrief

Inhaltstyp: Kurzprofil ? Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.

Das Handout behandelt die Funktionen von Omega-3-Fettsäuren im Körper, deren therapeutische Relevanz, empfohlene Zufuhrmengen und Vorkommen in Lebensmitteln. Es werden Informationen zu möglichen Mängeln sowie zur Bestimmung des Status und zugelassenen Health Claims bereitgestellt.

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Zuletzt aktualisiert:

18. Juli 2026

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Bedeutung und Eigenschaften

  • Bedeutung: Omega-3-Fettsäuren sind wichtige Membranbausteine (v. a. DHA) und liefern Vorstufen für Signalstoffe, die Entzündungen modulieren und auflösen können (aus EPA/DHA). In der Praxis steht häufig nicht ein klassischer „Mangel“, sondern eine insgesamt niedrige Zufuhr bei gleichzeitig hohem Omega-6:Omega-3-Verhältnis im Fokus, was die Bildung entzündungsauflösender Omega-3-Mediatoren behindern kann.
  • Definition und chemische Struktur: Mehrfach ungesättigte Fettsäuren; „Omega-3“ bedeutet, dass die erste Doppelbindung am dritten Kohlenstoffatom vom Methylende (ω-Ende) der Fettsäurekette liegt.
  • Aktive Substanzen:
    • Alpha-Linolensäure (ALA): essenzielle Omega-3-Fettsäure, wichtigste pflanzliche Omega-3 in der Ernährung, 18 Kohlenstoffe, 3 Doppelbindungen (18:3 n‑3)
    • Eicosapentaensäure (EPA): langkettige Omega-3-Fettsäure, 20 Kohlenstoffe, 5 Doppelbindungen (20:5 n‑3); entsteht begrenzt aus ALA oder wird direkt über Fisch/Algen aufgenommen
    • Docosahexaensäure (DHA): langkettige Omega-3-Fettsäure, 22 Kohlenstoffe, 6 Doppelbindungen (22:6 n‑3); zentral für Gehirn/Netzhaut, Zufuhr über Fisch/Algenöl, Umwandlung aus ALA gering
  • Eigenschaften: fettlöslich (lipophil) und oxidationsanfällig; wird in Zellmembranen eingebaut (u. a. hohe DHA-Anteile in Nervengewebe), speichert sich im Körpergewebe und wirkt über Wochen bis Monate; Omega-3 und Omega-6 nutzen teils dieselben Enzyme (Desaturasen/Elongasen), daher entsteht Konkurrenz bei der Umwandlung (v. a. von ALA zu EPA/DHA).

Funktionen

  • Entzündungsmodulation und -auflösung: Die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA wirken entzündungshemmend. Sie verdrängen Arachidonsäure (Omega-6-Fettsäure) an wichtigen Enzymen, sodass weniger entzündungsfördernde Stoffe entstehen. Gleichzeitig entstehen daraus aktiv entzündungsauflösende Substanzen.
  • Membranbausteine: Omega-3-Fettsäuren werden in Zellmembranen eingebaut. Dadurch beeinflussen sie deren Stabilität, Beweglichkeit und Signalweitergabe.
  • Kardiometabolische Effekte: Omega-3-Fettsäuren können Triglyceride senken. Zudem gibt es Hinweise auf positive Effekte auf Gefäße und Blutdruck.
  • Neurobiologische Funktionen: Die Omega-3-Fettsäure DHA ist ein wichtiger Bestandteil von Gehirn und Netzhaut und unterstützt die Funktion von Nervenzellen.

Therapeutische Relevanz

  • Hypertriglyceridämie/ kardiovaskuläres Risiko: Hochdosiertes EPA (z. B. 4 g/Tag) kann die Triglyceride senken und das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse reduzieren. Kombinationen aus EPA und DHA zeigen oft keinen zusätzlichen Nutzen.
  • Entzündliche Erkrankungen (z. B. Rheumatoide Arthritis): Ab etwa 2–3 g/Tag sind weniger Gelenksteifigkeit und Schmerzen möglich, teilweise geringerer Bedarf an Medikamenten wie NSAR.
  • Depression (Add-on): Vor allem EPA-reiche Präparate können unterstützend wirken, meist ab etwa 1 g/Tag.
  • Schwangerschaft/ Stillzeit: DHA ist wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Augen beim Kind.
  • Sicherheitsaspekte (klinisch relevant): Hohe Dosen können das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen und die Blutungszeit verlängern.

Bedarf und Zufuhr

  • Empfehlung Mindestaufnahme in Deutschland (D-A-CH): für Alpha-Linolensäure (ALA) ca. 0,5 % der Energiezufuhr/Tag (ca. 0,5–1,6 g/Tag).; für EPA + DHA ca. 250–500 mg/Tag.
  • Praktische Umsetzung (Lebensmittel): 2–3 Fischmahlzeiten/Woche, davon mindestens einmal fettreicher Seefisch (ca. 200 g/Woche).
  • Schwangerschaft/Stillzeit: zusätzlich 200 mg DHA/Tag.
  • Zielwert Omega-3-Index: ≥ 8 %, Aufbau über mehrere Monate.

Vorkommen

  • Lebensmittelgruppen (pflanzlich vs. tierisch):
    • ALA kommt vor allem in pflanzlichen Ölen, Nüssen und Samen (Leinöl, Chiasamen, Walnüsse, Rapsöl) vor.
    • EPA und DHA sind vor allem in fettem Seefisch (Lachs, Makrele, Hering) enthalten, eine pflanzliche Quelle ist Algenöl.
  • Konzentrate/ sehr hohe Gehalte:
    • Leinöl: ca. 54–56 g ALA/100 g
    • Makrele/ Lachs: ca. 2,3 g EPA/DHA/100 g

Mögliche Mangelerscheinungen

  • Ursachen: geringe Zufuhr, wenig Fisch oder Algenöl, hohe Aufnahme von Ω-6-Fettsäuren, geringe Umwandlung von ALA.
  • Symptome (unspezifisch, eher chronisch): Konzentrationsprobleme, Müdigkeit, depressive Stimmung, trockene Haut, verzögerte Wundheilung.
  • Risikogruppen: Schwangere, Stillende, vegetarische oder vegane Ernährung, chronisch Kranke, ältere Menschen.

Bestimmung Status

  • Primärer Marker: Omega-3-Index als Langzeitwert über mehrere Monate, Zielbereich 8–11 %.
  • Ergänzende Marker: Fettsäuren im Plasma und Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3.

Wichtige Stoffwechselaspekte

  • Absorption, Spaltung und Aufnahme: Aufnahme im Dünndarm, besser zusammen mit fetthaltigen Mahlzeiten.
  • Transport und Speicher:
    • Transport über Lipoproteine im Blut.
    • Speicherung vor allem in Zellmembranen.
    • DHA gelangt gezielt ins Gehirn.
  • Abbau und Ausscheidung: Nutzung als Energie oder Umwandlung in aktive Stoffe.

Zugelassene Health Claims

  • Die Aufnahme von DHA durch die Mutter trägt zur normalen Entwicklung des Gehirns beim Fötus und beim gestillten Säugling bei.
  • Die Aufnahme von DHA durch die Mutter trägt zur normalen Entwicklung der Augen beim Fötus und beim gestillten Säugling bei.
  • Die Aufnahme von DHA trägt zur normalen Entwicklung der Sehkraft bei Säuglingen bis zum Alter von 12 Monaten bei.
  • DHA und EPA tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei.
  • DHA und EPA tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Triglyzeridspiegels im Blut bei.
  • DHA trägt zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei.
  • DHA trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.
  • EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei.
  • ALA trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei.