Omega-6-Fettsäuren – Kleiner Steckbrief

Inhaltstyp: Kurzprofil ? Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.

Das Handout behandelt die Funktionen von Omega-6-Fettsäuren im Körper, deren therapeutische Relevanz, empfohlene Zufuhrmengen und Vorkommen in Lebensmitteln. Es werden Informationen zu möglichen Mängeln sowie zur Bestimmung des Status und zugelassenen Health Claims bereitgestellt.

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Zuletzt aktualisiert:

18. Juli 2026

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Bedeutung und Eigenschaften

  • Bedeutung: Omega-6-Fettsäuren sind wichtige Bausteine von Zellmembranen und liefern Vorstufen für Signalstoffe, die Entzündungen starten oder beenden können. In der Praxis ist meist nicht ein Mangel das Thema, sondern ein sehr hohes Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3, das die Bildung entzündungsauflösender Omega-3-Mediatoren behindern kann.
  • Definition und chemische Struktur: Mehrfach ungesättigte Fettsäuren; „Omega-6“ bedeutet, dass die erste Doppelbindung am sechsten Kohlenstoffatom vom Methylende der Fettsäurekette liegt.
  • Aktive Substanzen:
    • Linolsäure (LA): essenzielle Fettsäure, wichtigste Omega-6-Fettsäure in der Ernährung, 18 Kohlenstoffe, 2 Doppelbindungen (18:2 n‑6)
    • Arachidonsäure (AA/ARA): langkettige Fettsäure, 20 Kohlenstoffe, 4 Doppelbindungen (20:4 n‑6); kann aus LA gebildet werden oder über tierische Lebensmittel kommen
    • Gamma-Linolensäure (GLA): Zwischenprodukt (18:3 n‑6), entsteht aus LA
    • Dihomo-Gamma-Linolensäure (DGLA): Elongationsprodukt (20:3 n‑6), Vorläufer von Arachidonsäure
  • Eigenschaften: fettlöslich (lipophil) und oxidationsanfällig; wird effizient im Fettgewebe gespeichert und in Zellmembranen eingebaut; Omega-6 und Omega-3 nutzen teils dieselben Enzyme, daher entsteht Konkurrenz bei der Umwandlung.

Funktionen

  • Membranbausteine und Signalreservoir: Omega-6-Fettsäuren sind strukturelle Bestandteile von Zellmembranen. Arachidonsäure ist häufig in Membranphospholipiden eingebaut und kann bei Bedarf freigesetzt werden.
  • Vorstufen für Signalstoffe (Oxylipine): Aus Arachidonsäure entstehen über verschiedene Enzyme Signalstoffe wie Prostaglandine (Botenstoffe bei Entzündung, Schmerz und Fieber), Thromboxane (Botenstoffe, die unter anderem die Blutplättchen-Aktivität beeinflussen) und Leukotriene (Botenstoffe der Immunreaktion). Aus Arachidonsäure können auch Lipoxine entstehen, die an der Entzündungsauflösung beteiligt sind. Aus Linolsäure entstehen unter anderem HODEs und DiHOMEs (oxidierte Abbauprodukte der Linolsäure, die als Signalstoffe wirken können).
  • Genregulation und Stoffwechsel: Linolsäure und Abbauprodukte (Metaboliten) können PPAR-Rezeptoren (Schalterproteine in Zellen, die Gene für den Fett- und Zuckerstoffwechsel mitsteuern) aktivieren; damit sind lipidsenkende und insulinsensitivierende Effekte beschrieben.

Therapeutische Relevanz

  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen und Arthrose: Arachidonsäure ist Vorstufe proinflammatorischer Signalstoffe. In diesem Kontext ist eine Reduktion arachidonsäurereicher tierischer Quellen (Fleisch- und Wurstwaren, Innereien, Eier) besonders relevant.
  • Herz-Kreislauf und LDL-Cholesterin: Linolsäure aus pflanzlichen Quellen ist in Kohortenstudien häufig mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Typ-2-Diabetes assoziiert. Ein Ersatz gesättigter Fette durch linolsäurereiche Pflanzenfette senkt das LDL-Cholesterin.
  • Balance statt Eliminierung: Entscheidend ist häufig das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren. Sehr hohe Verhältnisse können die Umwandlung pflanzlicher Omega-3-Fettsäuren in die wichtigen Vertreter (EPA und DHA) funktionell behindern.

Bedarf und Zufuhr

  • Empfehlung Mindestaufnahme in Deutschland (D-A-CH): Um einen Mangel zu vermeiden, wird eine Zufuhr von etwa 1 bis 2 Prozent der Energiezufuhr pro Tag als Linolsäure beschrieben. Bei 2000 kcal entspricht das ca. 2,2 bis 4,4 g Linolsäure pro Tag.
  • Empfehlung optimale Aufnahme in Deutschland: Als Zielgröße wird häufig ein Omega-6 zu Omega-3-Verhältnis um 5 zu 1 genannt. Somit ist weniger die tatsächliche Zufuhr an Omega-6-Fettsäuren relevant, sondern vielmehr das Verhältnis zur Aufnahme an Omega-3-Fettsäuren.
  • Tatsächliche Aufnahme in Deutschland: Für westliche Ernährungsweisen wird eine Linolsäurezufuhr von etwa 4 bis 10 Prozent der Energie (oft 10 bis 20 Gramm pro Tag) und ein Omega-6 zu Omega-3-Verhältnis von etwa 15 zu 1 bis 50 zu 1 beschrieben. Das Verhältnis ist also alles andere als optimal.
  • Risikogruppen: In der Praxis ist eine Überversorgung vor allem bei Ernährungsmustern mit vielen verarbeiteten Lebensmitteln und Omega-6-reichen Pflanzenölen beschrieben. Ein echter Mangel ist selten und betrifft vor allem Situationen mit sehr geringer Fettzufuhr oder gestörter Fettaufnahme.

Vorkommen

  • Lebensmittelgruppen (pflanzlich vs. tierisch): Linolsäure kommt überwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln vor, vor allem in Pflanzenölen, Nüssen und Samen. Arachidonsäure kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor. Pflanzen bilden keine Arachidonsäure.
  • Linolsäure-Quellen: Distelöl, klassisches Sonnenblumenöl, Maiskeimöl und Sojaöl gelten als besonders linolsäurereich. Auch Walnüsse liefern viel Omega-6, enthalten aber gleichzeitig Omega-3.
  • Arachidonsäure-Quellen: Arachidonsäure findet sich vor allem in Fleisch und Wurstwaren, Eigelb und Innereien. Bei Zuchtfisch können die Werte je nach Fütterung höher ausfallen.

Möglicher Mangel

  • Ursachen: extrem fettarme Ernährung, parenterale Ernährung ohne ausreichende Lipidzufuhr, schwere Fettverdauungs- oder Fettaufnahmestörungen.
  • Symptome:
    • Haut: trockene, schuppige Haut, Haarausfall, schlechte Wundheilung
    • Immunsystem: erhöhte Infektanfälligkeit
    • Entwicklung: Wachstums- und Entwicklungsstörungen, vor allem in der Kindheit
  • Risikogruppen: Säuglinge und Kleinkinder bei unzureichender Zufuhr; Personen mit Malabsorption oder parenteraler Ernährung ohne Fette.

Mögliche Überversorgung

  • Ursachen: hohe Zufuhr omega-6-reicher Pflanzenöle und daraus hergestellter verarbeiteter Lebensmittel; zusätzliche Zufuhr tierischer Quellen kann den Anteil an Arachidonsäure erhöhen.
  • Symptome:
    • Funktioneller Omega-3-Mangel: Die Konkurrenz um Enzyme kann die Bildung der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA aus pflanzlichen Vorstufen verringern.
    • Entzündungspotenzial: Hohe Arachidonsäure-Spiegel können die Bildung proinflammatorischer Signalstoffe begünstigen und (chronische) Entzündungsprozesse auf diese Weise fördern.
  • Risikogruppen: Ernährungsmuster mit sehr hohem Anteil an verarbeiteten Lebensmitteln und häufigem Einsatz von Sonnenblumen-, Distel-, Maiskeim- oder Sojaöl; chronisch-entzündliche Erkrankungen, bei denen eine hohe Arachidonsäurezufuhr ungünstig sein kann.

Bestimmung Status

  • Primärer Marker: Fettsäureprofil, besonders in der Erythrozytenmembran, zur Beurteilung des längerfristigen Status; getrennte Betrachtung von Linolsäure und Arachidonsäure.
  • Ergänzende Marker: Omega-6/Omega-3-Verhältnis sowie EPA/AA-Verhältnis als Marker der Entzündungsbalance.

Wichtige Stoffwechselaspekte

  • Absorption, Spaltung und Aufnahme: Aufnahme überwiegend als Triglyceride oder Phospholipide; Spaltung durch Lipasen und Aufnahme im Dünndarm; die Aufnahme wird durch gleichzeitige Fettzufuhr unterstützt.
  • Transport und Speicher: Transport über Chylomikronen und Lipoproteine; Linolsäure wird effizient im Fettgewebe gespeichert und in Zellmembranen eingebaut; Arachidonsäure ist ein wichtiger Bestandteil von Membranphospholipiden.
  • Abbau und Ausscheidung: Freisetzung von Arachidonsäure aus Membranen unter anderem über das Enzym Phospholipase A2; Umwandlung zu Oxylipinen oder Abbau zur Energiegewinnung über den Fettsäureabbau (Beta-Oxidation).

Zugelassene Health Claims

  • Linolsäure trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei.