Inhaltstyp: Kurzprofil Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.
Die Ernährungsoptionen stellen mögliche nicht-medikamentöse Stellschrauben in der Therapie der Parkinson Krankheit dar und beinhalten geeignete Anwendungsfälle Umsetzungsaufwand sowie Grenzen. Mitglieder können die Übersicht als (PDF-)Handout drucken.
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Essen auf Levodopa abstimmen
- Kurze Begründung: Levodopa und Eiweißbausteine aus Lebensmitteln nutzen ähnliche Transportwege. Eine eiweißreiche Mahlzeit zur gleichen Zeit kann die Wirkung von Levodopa schwächen. Eine leichtere, eher kohlenhydratbetonte Mahlzeit unterstützt oft eine schnellere Magenentleerung und verringert die Konkurrenz durch Eiweiß. Levodopa kann außerdem Übelkeit auslösen, die sich manchmal durch einen kleinen Snack abmildern lässt.
- Umsetzung: Levodopa möglichst mindestens dreißig Minuten vor einer Mahlzeit oder sechzig bis neunzig Minuten nach einer Mahlzeit einnehmen. Eiweißreiches Essen eher auf den Abend legen, wenn tagsüber starke Schwankungen der Beweglichkeit auftreten. Tagsüber (Frühstück/Mittag) bei Bedarf kohlenhydratbetonte Mahlzeiten wählen (Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Obst). Wenn nüchtern nicht möglich ist, zur Einnahme einen kleinen kohlenhydratreichen Snack nutzen (z. B. Zwieback, trockenes Brot, Banane, Apfelmus) und Milchprodukte möglichst nicht direkt dazu. Beispiele für eiweißreiche Lebensmittel: Quark, Käse, Joghurt, Eier, Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchte.
- Einsatz: Wirkfluktuationen, deutliches Nachlassen der Wirkung nach dem Essen, stark schwankende Beweglichkeit am Tag, Übelkeit nach Einnahme, verzögerte Magenentleerung, Tagesplanung mit klaren Beweglichkeitsphasen, unregelmäßige Mahlzeiten durch Symptome.
Ballaststoffreiche Kost
- Kurze Begründung: Verstopfung ist häufig und kann auch die Aufnahme der Medikamente verschlechtern. Ballaststoffe erhöhen das Stuhlvolumen und fördern die Darmbewegung – dafür brauchen sie ausreichend Flüssigkeit, sonst können Beschwerden sogar zunehmen.
- Umsetzung: Täglich Gemüse, Obst und Vollkorn einbauen und langsam steigern. Beispiele: Haferflocken, Vollkornbrot, Hülsenfrüchte, Beeren, gedünstetes Gemüse. Dazu über den Tag verteilt regelmäßig trinken. Orientierung sind etwa eineinhalb bis zwei Liter, wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. Geeignet sind Wasser und ungesüßter Tee. Bei Bedarf Flohsamenschalen in Wasser einrühren.
- Einsatz: Verstopfung, harter Stuhl, Blähungen, unregelmäßiger Stuhlgang, lange Darmpassage, Einnahme von Flohsamenschalen oder ballaststoffreicher Kost.
Mediterranes, pflanzenbetontes Ernährungsmuster
- Kurze Begründung: Ein mediterranes Ernährungsmuster gilt als entzündungsarm, unterstützt das Mikrobiom und wird in Beobachtungsdaten mit einem günstigeren Verlauf in Verbindung gebracht. Pflanzliche, polyphenolreiche Lebensmittel liefern Antioxidantien und bioaktive Stoffe, die oxidative Belastung senken können.
- Umsetzung: Als Basis mediterran planen: viel Gemüse und Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Olivenöl, Vollkorn und regelmäßig Fisch; wenig stark verarbeitete Lebensmittel und wenig rotes Fleisch. Zusätzlich polyphenolreiche pflanzliche Lebensmittel gezielt einbauen und täglich verschiedene Farben essen (z. B. Beeren, grünes Blattgemüse, Kräuter, Zwiebeln, Tomaten, Hülsenfrüchte, Nüsse). Speisen bevorzugt mit Olivenöl zubereiten.
- Einsatz: Langfristige Basisernährung, frühe Phase der Erkrankung, Begleiterkrankungen wie Herz Kreislauf Risiken, langfristige Neuroprotektion als Ernährungsmuster, allgemeine Entzündungsneigung.
Begrenzte Zufuhr an Milcherzeugnissen
- Kurze Begründung: Ein hoher Konsum von Milchprodukten wird in Beobachtungsstudien mit einem höheren Risiko und teils schnellerer Progression in Verbindung gebracht. Zusätzlich kann Milcheiweiß die Levodopa Wirkung rund um die Einnahme stören.
- Umsetzung: Milch, Joghurt und Käse nicht als Standard zu jeder Mahlzeit nutzen. Wenn Milchprodukte gegessen werden, dann eher zeitlich getrennt von Levodopa. Alternativen sind zum Beispiel Hafer oder Reisdrinks und pflanzliche Joghurtalternativen.
- Einsatz: Hoher Milchkonsum, deutliche Wirkungsschwankungen nach Milchprodukten, Tagesplan mit festen Medikamentenzeiten.
Höhere Energie- und Nährstoffdichte
- Kurze Begründung: Gewichtsverlust und Mangelernährung sind häufig, unter anderem durch erhöhten Energiebedarf, Appetitverlust und Schluckprobleme.
- Umsetzung: Kleine, häufige Mahlzeiten. Energie durch Olivenöl, Nussmus, Avocado oder Sahne in geeigneter Konsistenz ergänzen. Bei Bedarf Trinknahrung in Absprache mit dem Behandlungsteam.
- Einsatz: Ungewollter Gewichtsverlust, niedriger Körpermassenindex, Müdigkeit, geringe Essmengen.
Konsistenzangepasste Kost
- Kurze Begründung: Schluckstörungen erhöhen das Risiko für Verschlucken und Lungenentzündung und können die Energieaufnahme stark senken.
- Umsetzung: Weiche, homogene Speisen wählen und trockene, krümelige Speisen vermeiden. Flüssigkeiten bei Bedarf andicken. Beispiele: Pürees, Breie, cremige Suppen, Joghurtalternative in passender Konsistenz.
- Einsatz: Bei Schluckproblemen wie Husten beim Essen, häufiges Verschlucken, feuchte Stimme nach dem Trinken, langsames Essen mit starker Ermüdung.
Mehrere kleine Mahlzeiten
- Kurze Begründung: Eine verzögerte Magenentleerung kann Völlegefühl, Übelkeit und unzuverlässige Medikamentenaufnahme verstärken.
- Umsetzung: Portionsgrößen reduzieren und Mahlzeiten über den Tag verteilen. Fettreiche, sehr große Mahlzeiten eher vermeiden. Einfache, gut verträgliche Gerichte bevorzugen.
- Einsatz: Verzögerte Magenentleerung mit Völlegefühl, frühe Sättigung, Übelkeit, schwankende Wirkung der Medikamente.
Unterstützung des Darm-Mikrobioms
- Kurze Begründung: Das Mikrobiom und die Darm Hirn Achse stehen bei Parkinson im Fokus. Ballaststoffe und resistente Stärke fördern kurzkettige Fettsäuren und können die Darmbarriere stärken.
- Umsetzung: Regelmäßig präbiotische Lebensmittel nutzen. Beispiele: abgekühlte Kartoffeln oder Reis, Hafer, Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Lauch, Bananen. Bei Verstopfung können Probiotika ergänzend erwogen werden.
- Einsatz: Verstopfung, Blähungen, instabile Verdauung, langfristige Unterstützung der Darmgesundheit.