Proteine und Aminosäuren – Kleiner Steckbrief Proteine

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Proteine sind aus Aminosäuren aufgebaut und erfüllen im Körper Aufgaben als Baustoffe, Enzyme, Transport- und Signalproteine sowie für das Immunsystem. Der Steckbrief zeigt außerdem, warum die Proteinzufuhr je nach Lebensphase und Erkrankung (z. B. Alter, Gewichtsreduktion, Leber- oder Nierenerkrankungen) therapeutisch besonders relevant ist.

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Zuletzt aktualisiert:

28. September 2026

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Struktur und Eigenschaften

  • Chemische Struktur: Proteine bestehen aus Aminosäuren, die über Peptidbindungen zu Ketten verknüpft sind. Erst durch ihre räumliche Faltung – von der Primär- über Sekundär- und Tertiär- bis zur Quartärstruktur – entsteht die jeweils funktionelle Proteinform.
  • Stickstoff- bzw. Schwefelhaltig: Proteine sind die bedeutendsten Stickstoffträger der Ernährung. Sie enthalten im Mittel etwa 16 % Stickstoff. Daraus ergibt sich der klassische Umrechnungsfaktor 6,25 zur Abschätzung des Proteingehalts.
  • Denaturierung: Hitze, Säuren oder Alkohol können die gefaltete Struktur verändern, sichtbar z. B. beim Gerinnen von Eiweiß in der Pfanne. Dadurch geht die ursprüngliche biologische Funktion verloren, während die Verdauung häufig erleichtert wird.
  • Speicherfähigkeit: Einen passiven Proteinspeicher wie Fettdepots oder Glykogen als Kohlenhydratspeicher gibt es nicht. Bei einer unzureichenden Versorgung greift der Körper auf funktionelles Gewebe zurück, vor allem auf die Muskulatur.

Funktionen und Wirkmechanismen

  • Baustofffunktion: Proteine dienen dem Aufbau, dem Erhalt und der Reparatur von Körpergewebe. Besonders relevant sind sie für Muskulatur, Haut, Sehnen, Knochen sowie Strukturproteine wie Kollagen.
  • Enzymatische Katalyse: Der Großteil der Enzyme besteht aus Proteinen. Sie ermöglichen und steuern zentrale biochemische Prozesse von der Verdauung über den Energiestoffwechsel bis zu Synthese- und Abbauwegen.
  • Transport und Speicherung: Spezialisierte Proteine transportieren oder binden Stoffe im Körper, etwa Albumin, Hämoglobin für Sauerstoff oder Ferritin als Eisenspeicher im Blut.
  • Signalübertragung und Regulation: Viele Botenstoffe und Hormone sind Peptide oder Proteine, darunter z. B. das Insulin. Rezeptoren- und intrazelluläre Signalproteine regulieren die Genaktivität, Stoffwechselwege oder Zellantworten.
  • Immunfunktion: Antikörper und zahlreiche weitere Immunproteine, darunter Akute-Phase-Proteine, sind essenziell für Abwehrreaktionen und Entzündungsprozesse.
  • Puffer- und Volumenfunktion: Proteine tragen zur Stabilisierung des Säure-Basen-Haushalts bei. Albumin hilft zusätzlich, Flüssigkeit im Gefäßsystem zu halten. Ein deutlicher Mangel kann Ödeme (Wasseinlagerungen) begünstigen.

Therapeutische Relevanz

  • Sarkopenie bzw. Frailty (Alter): Im höheren Alter reagiert die Muskulatur weniger stark auf anabole Reize. Daher sind eine ausreichende Proteinzufuhr, eine passende Menge pro Mahlzeit und Krafttraining gemeinsam entscheidend. Leucin kann dabei als Signal für die Muskelproteinsynthese wirken.
  • Gewichtsreduktion und Adipositas: Eine proteinreichere Kost kann die Sättigung und die Thermogenese (Wärmebildung) erhöhen und im Energiedefizit helfen, die fettfreie Masse zu erhalten. Häufig werden etwa 1,2–1,5 g Protein pro kg Körpergewicht angestrebt. Bei 70 kg entspricht das rund 84–105 g pro Tag, bei sportlich aktiven Personen teils mehr.
  • Lebererkrankungen (Paradigmenwechsel): Bei Zirrhose und hepatischer Enzephalopathie wird Protein heute nicht mehr pauschal eingeschränkt. Vielmehr sind häufig etwa 1,2–1,5 g pro kg Körpergewicht sinnvoll, da die Muskulatur zur Ammoniakverwertung beiträgt. Verzweigtkettige Aminosäuren (BCAA) können in bestimmten Situationen ergänzend relevant sein.
  • Nierenerkrankungen:
    • Chronische Nierenkrankheit (CKD), prädialytisch: Eine moderate Reduktion, etwa 0,6–0,8 g pro kg Körpergewicht, kann die Harnstofflast senken. Pflanzliche Proteinquellen sind dabei häufig vorteilhaft.
    • Dialyse: Unter Dialyse steigt der Bedarf wieder, zum Beispiel auf etwa 1,0–1,2 g pro kg Körpergewicht, da Proteinverluste und katabole Prozesse zunehmen.
  • Wundheilung: Bei größeren oder chronischen Wunden steigt der Proteinbedarf, unter anderem durch Verluste über Exsudat. In klinischen Kontexten können Aminosäuren wie Arginin oder Glutamin gezielt eingesetzt werden.
  • Diabetes mellitus (Proteinparadox): Kurzfristig kann Protein günstig wirken, etwa über die Sättigung und stabilere Mahlzeitenverläufe. Beobachtungsdaten deuten jedoch darauf hin, dass sehr hohe Anteile tierischen Proteins ungünstig assoziiert sein können, während pflanzliche Proteinanteile häufig günstiger abschneiden.

Bedarf und Zufuhrempfehlungen

  • Empfehlung Mindestaufnahme (D-A-CH, g pro kg KG und Tag): Die Referenzwerte beschreiben eine Mindestzufuhr und kein individuelles Optimum!
    • Erwachsene (19–64 J.): 0,8 g/kg KG pro Tag. Bei 70 kg entspricht das etwa 56 g pro Tag.
    • Senioren (≥65 J.): 1,0 g/kg KG pro Tag als Schätzwert. Bei 70 kg entspricht das etwa 70 g pro Tag.
  • Schwangerschaft: Im 2. Trimester werden zusätzlich etwa 7 g pro Tag, im 3. Trimester etwa 21 g pro Tag über den Basisbedarf hinaus empfohlen.
  • Stillzeit: Während der Stillzeit liegt der zusätzliche Bedarf bei etwa 23 g pro Tag.
  • Leistungssport: Je nach Trainingsziel und Belastung werden häufig 1,2–2,0 g/kg KG pro Tag angesetzt. Bei 70 kg entspricht das ungefähr 84–140 g pro Tag.
  • Sicherheitsbereich: Eine offizielle Obergrenze gibt es nicht. Die EFSA bewertet etwa 1,6 g pro kg KG und Tag als sicher. Besondere Vorsicht gilt bei bestehender Niereninsuffizienz.

Vorkommen

  • Lebensmittelgruppen:
    • Tierisch (meist hohe Qualität und Verdaulichkeit): Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier sowie Milchprodukte wie Whey- und Casein-reiche Produkte.
    • Pflanzlich (Qualität abhängig von Aminosäureprofil sowie Verarbeitung): Hülsenfrüchte, insbesondere Soja, außerdem Getreide, Nüsse und Samen.
  • Proteinqualität (Kurzlogik):
    • Tierische Proteine erreichen häufig hohe DIAAS-Werte, teils über 100, weil sie essenzielle Aminosäuren meist in günstiger Menge und hoher Verdaulichkeit liefern.
    • Pflanzliche Proteine werden häufiger durch limitierende Aminosäuren begrenzt, etwa Lysin in Getreide oder Methionin in Hülsenfrüchten. Kombinationen wie Bohnen mit Reis, Linsen mit Brot oder Hummus mit Fladenbrot können das Aminosäureprofil ausgleichen.

Einflüsse auf Aufnahme und Wechselwirkungen

  • Bioverfügbarkeit: Antinutritive Faktoren (z. B. Trypsin-Inhibitoren, Phytate, Tannine) können bei pflanzlichen Quellen die Verdaulichkeit senken. Zubereitungsmethoden wie Einweichen, Keimen, Fermentieren und Erhitzen verbessern sie. Zu starkes oder langes Erhitzen wirkt jedoch gegenteilig: Lysin verbindet sich mit Zuckern und wird unbrauchbar (Maillard-Reaktion).
  • Verdauungsleistung als Voraussetzung: Pepsin entsteht nur im sauren Milieu. Fehlt Magensäure (Säureblocker, atrophische Gastritis, nach Magen-OP), wird Protein schlechter aufgespalten und proteingebundenes Vitamin B12 nicht freigesetzt. Bei der exokrinen Pankreasinsuffizienz fehlen Trypsin und Chymotrypsin: Ohne Enzymersatz bleibt Protein hier unverwertet.
  • Energie, Alter und Alkohol: Bei zu geringer Kalorienzufuhr wird Protein zur Energiegewinnung verbrannt – der häufigste Grund, warum eine rechnerisch gute Zufuhr wirkungslos bleibt. Im Alter kommt durch anabole Resistenz und geringere Magensäure weniger im Muskel an, Alkohol hemmt zusätzlich die Muskelproteinsynthese.
  • Wechselwirkungen mit anderen Nährstoffen: Tierisches Protein verbessert die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Quellen („Meat Factor“), Milch- und Sojaprotein hemmen sie. Vitamin B6 ist für den Aminosäure-Umbau nötig. Viel Protein erhöht die Kalziumausscheidung im Urin. Mehr Protein bedeutet außerdem mehr Harnstoff und damit einen höheren Flüssigkeitsbedarf.
  • Wechselwirkungen mit Medikamenten: Levodopa konkurriert als Aminosäure mit dem Nahrungsprotein um denselben Transporter – proteinreiche Mahlzeiten schwächen die Wirkung ab. Sojaprotein senkt die Levothyroxin-Aufnahme um rund 20 %. Bei Mangelernährung mit niedrigem Albumin steigt der frei wirksame Anteil stark gebundener Medikamente (u. a. Phenytoin, Warfarin) – Toxizitätsrisiko. Calcium aus Milchprodukten bindet Tetracycline, Fluorchinolone und Bisphosphonate.

Möglicher Mangel

  • Ursachen: Ein Mangel kann durch eine unzureichende Zufuhr, Malabsorption, konsumierende Erkrankungen, Infektionen, Tumoren, Trauma, Immobilität oder Mangelernährung, v.a. im hohen Alter, entstehen.
  • Symptome:
    • Muskelabbau und Kraftverlust: Häufig frühes Zeichen eines katabolen Zustands; Alltagsbelastungen wie Treppensteigen können schwerer fallen.
    • Immunschwäche: Eine verminderte Proteinversorgung kann die Bildung und Funktion von Immunproteinen beeinträchtigen und die Infektanfälligkeit erhöhen.
    • Ödeme: Bei schwerem Mangel kann ein Abfall von Albumin Flüssigkeitsverschiebungen und damit Wassereinlagerungen begünstigen.
    • Wachstumsstörungen: Bei Kindern kann Proteinmangel das Wachstum und die Entwicklung beeinträchtigen.
  • Risikogruppen: Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit Sarkopenierisiko, Krankenhauspatientinnen und -patienten, Kinder in vulnerablen Entwicklungsphasen sowie Menschen mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen.

Bestimmung Status

  • Primärer Marker (Praxis): Aussagekräftig ist die Kombination aus Anamnese, ungewolltem Gewichtsverlust, validierten Screenings wie NRS, SGA oder MNA sowie Parametern zu Muskelmasse und Funktion, etwa BIA/Phasenwinkel oder Armmuskelumfang.
  • Labor (Limitationen beachten): Laborwerte können Hinweise liefern, reichen allein aber nicht zur Diagnose eines Proteinmangels aus.
    • Albumin: Reagiert träge und wird stark durch Entzündung, Hydratation und Krankheitslast beeinflusst; niedrige Werte bedeuten nicht automatisch Proteinmangel.
    • Präalbumin/RBP: Reagiert schneller als Albumin, ist aber ebenfalls anfällig für Akute-Phase-Effekte.
    • Kreatinin-Höhen-Index: Kann indirekt Muskelmasse abbilden, ist bei eingeschränkter Nierenfunktion jedoch nur begrenzt interpretierbar.
    • Stickstoffbilanz: Gilt als sehr aussagekräftig, ist in der Praxis aber aufwendig zu erheben.

Wichtige Stoffwechselaspekte

  • Absorption, Spaltung und Aufnahme: Die Proteinverdauung beginnt im Magen durch Salzsäure und Pepsin und setzt sich im Dünndarm durch Enzyme wie Trypsin und Chymotrypsin fort. Am Bürstensaum werden Peptide weiter gespalten. Aufgenommen werden Aminosäuren sowie Di- und Tripeptide über spezifische Transporter in der Darmwand.
  • Transport und Speicher:
    • Nach der Aufnahme gelangen die Aminosäuren zunächst über die Pfortader zur Leber, wo sie verteilt, umgebaut oder abgebaut werden.
    • Verzweigtkettige Aminosäuren (BCAA) wie Leucin, Isoleucin und Valin werden von der Leber vergleichsweise wenig aufgenommen und stehen daher bevorzugt der Muskulatur zur Verfügung.
    • Glutamin ist ein zentraler Stickstofftransporter im Blut.
  • Abbau und Ausscheidung: Beim Abbau werden Aminogruppen entfernt. Dabei entsteht Ammoniak, das in der Leber über den Harnstoffzyklus entgiftet und anschließend über die Nieren ausgeschieden wird. Zusätzliche Verluste entstehen über Stuhl, Haut, Haare sowie Schweiß.

Zugelassene Health Claims

  • Proteine tragen zu einer Zunahme an Muskelmasse bei.
  • Proteine tragen zur Erhaltung von Muskelmasse bei.
  • Proteine tragen zur Erhaltung normaler Knochen bei.