Selen – Das Wichtigste in Kürze

Inhaltstyp: Kurzprofil ? Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.

Das Handout bietet einen umfassenden Überblick über die Funktionen von Selen, einschließlich seiner antioxidativen Wirkung, des Einflusses auf den Schilddrüsenhormonstoffwechsel und der Immunfunktion. Es behandelt auch therapeutische Relevanz, empfohlene Tagesdosen, Nahrungsquellen sowie die Risiken eines Mangels oder einer Überdosierung.

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Zuletzt aktualisiert:

18. Mai 2026

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Funktionen

  • Antioxidative Wirkung: Bestandteil der Glutathionperoxidase (GPx), neutralisiert reaktive Sauerstoffspezies und schützt Zellmembranen, Proteine und DNA vor oxidativen Schäden.
  • Schilddrüsenhormonstoffwechsel: Essenziell für Dejodasen, die das weniger aktive Thyroxin (T4) in das hochaktive Trijodthyronin (T3) umwandeln.
  • Immunfunktion: Reguliert Immunantworten, trägt zur Differenzierung von Immunzellen bei und moduliert die Produktion von Zytokinen.

Therapeutische Relevanz

  • Keshan-Krankheit: Schwere Kardiomyopathie, die unbehandelt tödlich verlaufen kann.
  • Kashin-Beck-Krankheit: Osteoarthropathie mit schweren Gelenkdeformationen und Wachstumsstörungen.
  • Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse: Eine Selen-Unterversorgung in Kombination mit überhöhter Jodzufuhr kann Hashimoto-Thyreoiditis begünstigen.

Bedarf und Zufuhr

  • Empfehlung in Deutschland (D-A-CH, µg pro Tag): Frauen 60; Männer 70; Schwangere 60; Stillende 75.
  • Internationale Empfehlung (EFSA/US RDA, µg pro Tag): EFSA 70; US RDA 55.
  • Tatsächliche Aufnahme in Deutschland: Männer 30–70 µg/Tag, Frauen 20–50 µg/Tag; häufig unterhalb der Empfehlung, insbesondere bei geringer Aufnahme tierischer Produkte.
  • Risikogruppen: Vegetarier und Veganer, Personen in Regionen mit selenarmen Böden (z. B. Mitteleuropa), Patienten mit Malabsorption oder parenteraler Ernährung ohne adäquate Supplementierung.

Vorkommen

  • Tierische Lebensmittel: Fleisch, Fisch und Eier sind zuverlässige Selenlieferanten.
  • Pflanzliche Lebensmittel: Linsen, Spargel, Paranüsse (besonders hoch) und Getreide (abhängig von Herkunft).
  • Besonderheiten: Selengehalt in Pflanzen hängt stark vom Boden ab; Deutschland gilt als Selenmangelgebiet. EU-Erlaubnis zur Anreicherung von Futtermitteln seit 1992 erhöht den Gehalt in tierischen Produkten.
  • Anreicherung möglich mit: klassischer Selenhefe (Saccharomyces cerevisiae) und seit 2020 auch mit selenhaltiger Biomasse der Hefe Yarrowia lipolytica als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) für Nahrungsergänzungsmittel (maximale Verzehrmenge von 800 mg/Tag)

Eigenschaften und Einflüsse

  • Eigenschaften: Kommt in organischen (Selenomethionin, Selenocystein) und anorganischen Formen (Natriumselenit) vor.
  • Aktive Formen: Selenoproteine, insbesondere Glutathionperoxidase und Selenoprotein P.
  • Verminderte Aufnahme durch: Malabsorptionssyndrome wie Morbus Crohn, vegane Ernährung ohne gezielte Auswahl selenreicher Quellen.
  • Erhöhte Aufnahme durch: Konsum von Lebensmitteln aus selenreichen Regionen, angereicherte Futtermittel.
  • Wechselwirkungen mit Medikamenten: Valproinsäure (Antiepileptikum) senkt Selenspiegel, Chemotherapie mit Cisplatin führt zu erhöhten Selenverlusten; Statine, Aminoglykoside und Metformin können die Biosynthese beziehungsweise Aktivität von Selenoproteinen im Organismus negativ beeinflussen
  • Wechselwirkungen mit Nährstoffen: Wichtig für den Schilddrüsenstoffwechsel in Verbindung mit Jod.

Möglicher Mangel

  • Ursachen: Geringe Selenzufuhr in Mangelgebieten, Malabsorptionssyndrome, Langzeit-Dialyse, ausschließlich parenterale Ernährung ohne Substitution.
  • Symptome: Schwerer Mangel: Keshan-Krankheit, Kashin-Beck-Krankheit; leichtere Mangelzustände: geschwächte Immunfunktion, Schilddrüsenfunktionsstörungen.
  • Risikogruppen: Bewohner von Selenmangelgebieten, Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Dialysepatienten, Personen mit künstlicher Ernährung.

Toxizität

  • Ursachen: Fast ausschließlich durch unsachgemäße, hochdosierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.
  • Symptome: Knoblauchartiger Atemgeruch, Haarausfall, brüchige Nägel, Hautläsionen, neurologische Störungen wie Taubheitsgefühle oder Lähmungen.
  • Sichere Dosis (UL): 300 µg pro Tag (EFSA); 400 µg pro Tag (IOM).
  • LOAEL (Lowest Observed Adverse Effect Level):  330 µg pro Tag.
  • NOAEL (No Observed Adverse Effect Level): 850 µg pro Tag (EFSA).

Bestimmung Status

  • Selen im Plasma/Serum: Gebräuchlichster Marker, reflektiert die Zufuhr der letzten Tage bis Wochen, Vollblutbestimmung aussagekräftiger für längerfristigen Status.
  • Selen im Vollblut: zuverlässiger mittelfristiger Marker (4 bis 6 Monate)
  • Selenoprotein P: Bester Indikator für den Langzeitstatus.
  • Glutathionperoxidase (GPx)-Aktivität: Funktioneller Marker, gut zur Identifizierung eines Mangels, kann aber nicht zwischen adäquater und hoher Versorgung differenzieren.
  • 🔒 Details zu den einzelnen Laborwerten 

Nahrungsergänzung (NEM)

  • Maximale Dosierung: Zur Kompensation eines ernährungsbedingten Mangels sind 60-75 µg pro Tag in der Regel ausreichend und sicher.
  • Geeignete Verbindungen: Organische Formen (Selenomethionin, selenangereicherte Hefe) haben höhere Bioverfügbarkeit (bis zu 90%) als anorganische (Natriumselenit, ca. 50%).
  • Wirksame Kombinationen: Bei Hashimoto-Thyreoiditis in Kombination mit einer ausgewogenen Jodversorgung.
  • Besonderheiten beim Kauf: Hochdosierte anorganische Selenpräparate sind in Deutschland verschreibungspflichtig; bei Supplementierung immer die geringe therapeutische Breite beachten.

Zugelassene Health Claims

  • Selen trägt zu einer norma­len Schilddrüsenfunktion bei.
  • Selen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
  • Selen trägt zur Erhaltung normaler Nägel bei.
  • Selen trägt zur Erhaltung normaler Haare bei.
  • Selen trägt dazu bei, die Zel­len vor oxidativem Stress zu schützen.
  • Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei.